Mercedes-Benz und SK Gaming – Alltag eines eSports-Profis

Wir bei Mercedes-Benz lieben Sport. Deshalb haben wir ein eigenes Formel-1-Team, sponsern Tennis- und Golf-Profis und geben dem Stadion in Stuttgart unseren Namen. Und seit Januar 2019 haben wir auch ein eSports-Team. Naja, nicht komplett – wir besitzen Anteile an der Kölner eSports-Organisation. Daher startet SK Gaming bei internationalen eSports-Turnieren mit dem Stern auf der Brust.

Auf dem Daimler-Blog haben wir schon über die größten Missverständnisse im eSports geschrieben und erklärt, warum wir uns als Mercedes-Benz im eSports engagieren. Jetzt wollen wir ein bisschen tiefer in die Materie einsteigen. Am Mercedes-Benz Medientag mit SK Gaming haben Medienvertreter die Möglichkeit, Einblicke in die Strukturen von SK Gaming zu erhalten. Wer oder was SK Gaming ist, wie wir von dem Investment profitieren können und vor allem, wie vielseitig und ausgewogen eine moderne eSports-Organisation trainieren muss, um erfolgreich zu sein, lest ihr hier.

Das Leben eines eSport Profis: Mercedes-Benz gibt im Rahmen der Gamescom Einblick in den Trainingsalltag von SK Gaming. Hier Jorge „Werlyb“ Casanovas (Spain/ League of Legends Professional).

Die eSports-Organisation SK Gaming

Die eSports-Organisation SK Gaming gilt als einer der Pioniere des eSports und wurde bereits 1997 unter dem Namen Schröt Kommando (SK) gegründet. Mit seiner über 20-jährigen Geschichte ist SK Gaming eines der ältesten und erfolgreichsten Teams der Szene. SK konnte bereits über 60 bedeutende Meistertitel erringen und gehört zu den bekanntesten Teams im globalen eSports. Um eine Analogie zum Fußball zu ziehen – das erfolgsverwöhnte Team aus Köln ist sowas wie der FC Bayern München des eSports. Aktuell ist SK mit seinen Teams in verschiedenen Games vertreten, die Games könnte man mit unterschiedlichen Sportarten vergleichen. Die Kölner sind in den Games League of Legends, FIFA, Clash Royale, SMITE und Hearthstone vertreten.

Das Investment von Mercedes-Benz in SK Gaming

Im Januar dieses Jahres ging Mercedes-Benz konsequent den nächsten Schritt im eSports-Engagements und investierte in SK Gaming. Die weiteren Anteile gehören aktuell dem 1.FC Köln sowie dem CEO von SK Gaming, Alexander Müller. Statt einem reinen Sponsoring ist Mercedes-Benz also ein aktiver und organischer Teil der eSports-Szene geworden. Doch was bringt es der Marke Mercedes-Benz?

Einerseits vermitteln wir der Community glaubhaft, dass wir im eSports mehr als ein reiner Sponsor sein wollen und ein breiteres Know-How und ein größeres Netzwerk aufbauen möchten. Andererseits kann das Team für Kommunikations- und Werbezwecke genutzt werden, erste Fotoshootings und Contentprojekte mit SK Gaming sind bereits entstanden. Am Medientag in Köln ist fast das ganze SK-Team vor Ort: Der CEO Alexander Müller, einige eSportler sowie der Athletiktrainer Yann-Benjamin Kugel. Ja, richtig gelesen, SK Gaming hat einen Athletiktrainer. Dazu haben sie eine Sportpsychologin, ebenso greifen sie auf Ernährungsberater des 1. FC Köln zurück – wie Profiteams aus anderen Sportarten auch.

Von links: Jorge „Werlyb“ Casanovas (Spain/ League of Legends Professional) und Yann-Benjamin Kugel (Germany, Athletikcoach).

Der moderne eSportler

In der „Wertschöpfungskette eSports“ steckt viel Geld sowie zahlreiche unterschiedliche Stakeholder (Publisher, Sponsoren, Medien, Ligaveranstalter wie die ESL, Fans, Teams, Spieler etc.), die am Geldfluss beteiligt sind. Schaut man sich in diesem Interessengeflecht die Spieler an, dann zocken diese um hohe Preisgelder und stehen bereits in jungen Jahren unter enormem Leistungsdruck. Ein in den vergangenen Wochen medial viel beachtetes Beispiel:

Der 16-jährige US-Amerikaner Kyle „Bugha“ Giersdorf gewann die erste Fortnite-WM und sicherte sich ein Preisgeld, welches in der Höhe vergleichbar ist mit Novak Djokovics Wimbledon-Sieg 2019. Wenn es um solche Summern geht, dann benötigen die eSportler ideale Bedingungen, um ihre bestmögliche Leistung abrufen zu können. Schauen wir uns die Erfolgsfaktoren von SK Gaming genauer an. Was zeichnet diese moderne eSports-Organisation aus?

Jorge „Werlyb“ Casanovas (Spain/ League of Legends Professional) erklärt Yann-Benjamin Kugel (Germany, Athletikcoach) das Spiel

Kernelement 1: Aufbau körperlicher Fitness

SK Gaming hat den Athletiktrainer Yann-Benjamin Kugel angestellt. Er kümmert sich um den Aufbau körperlicher Fitness bei den Spielern. Kugel ist im Sportbusiness kein Unbekannter: Von 2010 bis 2018 hat er Jogis Jungs bei der Nationalmannschaft fitgemacht, davor arbeitete er bereits bei Werder Bremen und dem 1.FC Köln. SK Gaming nutzt einerseits die Infrastruktur des 1. FC Köln, um die Fitness seiner Spieler zu verbessern. Andererseits besteht eine Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule, um neue wissenschaftliche Erkenntnis hinsichtlich des Trainings- und Gesundheitsverhältnisses der Athleten zu erhalten.

Yann-Benjamin Kugel (Germany, Athletikcoach) trainiert zusammen mit Mirza „Mirza“ Jahic (Austria, FIFA Prossional).

Kernelement 2: Zusammenarbeit mit Sportpsychologen

SK Gaming hat als eines der ersten, westlichen Teams überhaupt auf Sportpsychologen zurückgegriffen, damit die Spieler lernen, mit dem Leistungsdruck umzugehen. Aktuell arbeiten die Kölner eng mit Mia Stellberg zusammen, einer führenden Sportpsychologin aus Finnland. Stellberg kommt ursprünglich aus dem „traditionellen“ Sport und arbeitete unter anderem mit dem finnischen Olympia-Dressur Team zusammen. Im Sommer 2016 kam Stellberg erstmals beim konkurrierenden, dänischen Team „Astralis“ mit eSports in Kontakt, seit 2018 betreut sie SK Gaming.

Von links: Gerrit „Phrenic“ Stukemeier (Germany, League of Legends Professional), Mirza „Mirza“ Jahic (Austria, FIFA Prossional) sprechen mit Yann-Benjamin Kugel (Germany, Athletikcoach).

Kernelement 3: Gesunde Ernährung

Um die letzten Prozentpunkte Leistung aus den Spielern zu kitzeln muss, wie bei jedem anderen Sportler auch, die Ernährung stimmen. Hierzu arbeitet SK Gaming mit Ernährungsberatern des 1. FC Köln zusammen. Das Ziel ist eine vollumfängliche Betreuung und eine ganzheitliche Aufklärung rund um das Thema Ernährung. Denn diese ist ein zentraler Baustein im Trainingskonzept von SK Gaming, da die Organisation ihre Athleten als „Konzentrationsmaximierer“ ansieht: Man möchte die Spieler nachhaltig und langfristig entwickeln, damit sie ihre bestmögliche Leistung abrufen können. Die Basis hierzu ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Gerrit „Phrenic“ Stukemeier (Germany, League of Legends Professional) beim Workout.

Kernelement 4: Training – aber in Maßen

Ein weiteres Element, um die Konzentration auf Knopfdruck aktivieren zu können, ist die Gestaltung der Trainingssessions. SK Gaming hat früh erkannt, dass es nicht leistungsfördernd ist, wenn die Athleten stumpf möglichst viele Stunden pro Tag zocken. Die Trainingssessions sind so angelegt, dass sie so nah wie möglich an reelle Turnierbedingungen heranreichen. Das bedeutet beispielsweise für das SK-Team beim Spiel Leauge of Legends, dass das Training aus 2 Trainingsblöcken pro Tag besteht. Jeder Trainingsblock ist ungefähr drei Stunden lang, aufgeteilt in drei Sätze zu jeweils 45-50 Minuten. Das garantiert ausreichende Pausen zur Regenration zwischen den Sätzen. Vor- und Nachbesprechungen zu Beginn und zum Ende jedes Trainings runden den Trainingstag ab.

Kernelement 5: Soziales Umfeld

SK Gaming achtet streng darauf, dass die Athleten in einem gesunden, sozialen Umfeld arbeiten und leben. Sowohl bei der Auswahl der Athleten als auch bei der Betreuung wird darauf geachtet, dass die Familien der Athleten die Karriere unterstützen, ohne dass dabei Pflichten wie die Schulbildung vernachlässigt werden. Einige der Athleten sind noch minderjährig und damit schulpflichtig. In einem anderen Beispiel wurde die Familie eines brasilianischen Spielers von SK Gaming extra zur Weltmeisterschaft nach Köln eingeflogen. Zum sozialen Umfeld gehört außerdem eine eigene Wohnung für jeden Spieler sowie ausreichend lange Pausen zwischen den Wettkämpfen, damit Freundschaften außerhalb der eSports-Welt gepflegt werden können.

v.l.n.r.: Gerrit „Phrenic“ Stukemeier (Germany, League of Legends Professional), Mirza „Mirza“ Jahic (Austria, FIFA Professional), Alexander Mueller (Germany, CEO SK Gaming), Yann-Benjamin Kugel (Germany, Athletikcoach), Jorge „Werlyb“ Casanovas (Spain/ League of Legends Professional), Tim „Keduii“ Willers (Germany, League of Legends Professional).

Fazit

Mercedes-Benz und SK Gaming – das passt! Die beiden global agierenden Unternehmen haben beide eine lange Tradition und sind lokal in ihrer jeweiligen Heimat fest verwurzelt. Dementsprechend teilen beide Unternehmen die gleichen Ansichten und den Anspruch, sich der Exzellenz verpflichtet zu fühlen – der Fit hätte daher kaum besser sein können.

Noch wichtiger ist allerdings, dass Werte und Ansichten mit SK Gaming geteilt werden. Die Organisation ist so aufgebaut, dass Teams langfristig gefördert und gefordert werden sollen. Der kurzfristige Erfolg steht nicht im Vordergrund. SK Gaming steht für Nachhaltigkeit, Fortschritt und Höchstleistungen – Werte, die Mercedes-Benz auszeichnen.


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Stephan Senger ist aktuell im Team Sports & Branded Entertainment Communications bei COM/MBC und arbeitet unter anderem bei der presseseitigen Aktivierung der Sponsoring Maßnahmen von Mercedes-Benz im eSports mit. Bereits in der Universität beschäftigte er sich wissenschaftlich mit eSports, privat zockt er gerne FIFA an der Konsole und verfolgt intensiv die globale Entwicklung der Szene.