Formel 1 Ungarn 2019: Neues Rennen, neue Chance

Aua. Das tat weh. Bis Runde 25 des Großen Preises von Deutschland in Hockenheim war es ein fantastisches Wochenende. Wir trafen tausende von Kolleginnen und Kollegen an und neben der Strecke und konnten die unglaubliche sportliche Historie unserer Marke in der Fan-Zone bewundern.

Wir haben 125 Jahre großartigen Motorsport gefeiert und mit einer Sonderlackierung des Rennwagens, der Dekoration des Fahrerlagers, einer Garage im Retro-Look, und der Teamkleidung im Stil der 50er Jahre unsere Geschichte gefeiert. Vor dem Wochenende haben manche von uns noch gewitzelt, dass es fast den Anschein hätte, als ob wir das Schicksal herausforderten…!

Natürlich ist Motorsport kein Ort für Aberglauben – hier geht es um Entscheidungen in Sekundenbruchteilen, um enge Spielräume und um die Liebe zum Detail. Egal, welche Teamkleidung wir tragen. Diese Dinge waren in den letzten fünfeinhalb Saisons oft unsere Stärken. In Hockenheim haben wir nicht die Performance erbracht, die wir vom Team normalerweise gewohnt sind – und das kam dabei heraus. Ein zweifellos fantastisches Spektakel und ein Großer Preis von Deutschland für die Geschichtsbücher – nur nicht für Mercedes…

Wir haben 125 Jahre Motorsport mit einer besonderen Lackierung unserer F1-Wagen gefeiert

Die große Stärke unseres Teams ist die Reaktion auf Niederlagen

Eine der größten Stärken unseres Teams ist, wie wir auf eine Niederlage reagieren. Ist etwas falsch gelaufen, ist es leicht Schuld zuzuweisen. Das machen wir im Team aber nicht: Stattdessen arbeiten wir nach dem Motto „Wir weisen die Schuld dem Problem und nicht der Person zu“, und das beginnt an der Spitze des Unternehmens mit Toto.

Wir sind ehrlich und gehen jeden Fehler gründlich durch, um zu verstehen wie er entstand und wie wir eine Wiederholung verhindern können. Unsere Nachbesprechung am Montagmorgen in Brackley war voller direkter Gespräche und schwieriger Wahrheiten – aber wir gingen als ein stärkeres Team daraus hervor, als wir es noch einen Tag vorher in Hockenheim waren.

Eines der großen Privilegien der Arbeit in diesem Team ist es, zu sehen wie es auf eine Niederlage reagiert – und wie uns das neue Energie gibt, um noch mehr zu lernen und jede mögliche Wiederholung von Fehlern zu vermeiden.

Wir gehen die Formel 1 in Ungarn optimistisch an

Diese Niederlage wäre viel schwerer zu ertragen, wenn darauf direkt eine lange Sommerpause folgen würde – so aber bereiten wir uns mit neuer Energie auf das Wochenende in Budapest vor. Während ich diese Zeilen auf dem Flug nach Ungarn schreibe, werden an der Rennstrecke schon die Garage und die Rennwagen vorbereitet. Es ist wohl mit warmen Temperaturen zu rechnen – aber nicht mit einer übermäßigen Hitze, wie das dort manchmal der Fall ist. Wir treten den Weg nach Budapest vorsichtig optimistisch an: Diese Rennstrecke zählt traditionell nicht zu unseren stärksten – aber wir glauben, dass unsere 2019-Autos eine starke Performance auf dieser Strecke mit den teilweise langsamen Kurven zeigen werden. Wir denken, dass nach der technischen Aufrüstung in Deutschland, noch mehr Performance freigesetzt werden kann.

Unsere Gegner sind stark auf kurzen Strecken

Natürlich treten unsere Konkurrenten momentan mit breiter Brust auf. Red Bull hat zwei der letzten drei Rennen mit Max Verstappen gewonnen, der sich zu einem Herausforderer um den Weltmeisterschaftstitel entwickelt. Ferrari rettete am Wochende P2 für Sebastian Vettel nach einer starken Comeback-Runde – und war über weite Teile des Wochenendes das schnellere Auto. Sie waren bislang in der Saison auf kürzeren Rennstrecken schnell – und der Hungaroring zählt definitiv zu diesem Streckentyp. Deshalb treten wir an die Sache vorsichtig und skeptisch heran.

Aber wir wissen auch, dass wir in Hockenheim mit unserer Performance hinter unseren gewohnten Standards zurückgeblieben sind. Ja, wir haben von den letzten elf Rennen neun gewonnen – aber wie die Baseball-Legende Babe Ruth so schön sagte: „Die Homeruns von gestern gewinnen nicht das Spiel von morgen“. Wir haben noch ein Rennwochenende vor der Sommerpause – und wir sind entschlossen, es zu gewinnen.


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Bradley Lord ist Mercedes-Benz Motorsport Communications Director. Er war mit vier Jahren zum ersten Mal bei einem Formel 1-Rennen und ist seitdem leidenschaftlicher Fan des Motorsports in all seinen Facetten.