Formel 1 Hockenheim 2019: Jubiläum bei Spitzentemperaturen

Nach der Niederlage in Österreich hatten wir uns das Ziel gesetzt bis zur Sommerpause alles zu tun, um unseren Vorsprung in den Weltmeisterschaftstabellen zu festigen. Das Ziel lautete: drei Rennen, drei Siege. Silverstone war der erste Schritt, um uns von dem schwierigen Rennen in Spielberg zu erholen. Hockenheim ist der nächste Termin im Formel 1-Kalender – ein besonders wichtiges Rennen.

Einer der schönsten Aspekte der Zusammenarbeit in einem Team, das so international wie Mercedes selbst ist, ist die Tatsache, dass wir in jeder Saison nicht nur ein ‚Heimrennen‘ haben – was nicht besonders verwunderlich ist, denn für uns arbeiten Menschen mit 25 verschiedenen Nationalitäten!

Österreich war ein Heimrennen für Toto und dieses Jahr natürlich auch eine Hommage an Niki. Silverstone war ein weiteres Heimrennen – da sich unsere zwei F1-Standorte nur einen Steinwurf entfernt befinden und dort Hunderttausende ihren Lokalmatador Lewis unterstützen. Und nun das Rennen in Hockenheim, das aufgrund der Nähe zur Daimler Firmenzentrale in Stuttgart nicht nur ein Heimspiel für Mercedes-Benz ist, sondern dieses Jahr auch vom Stern gesponsert wird: der Mercedes-Benz Großer Preis von Deutschland.

125. Jahrestag des ersten Autorennens in Paris

Und als ob damit noch nicht genügend Druck auf den Schultern des Teams lasten würde, haben wir den Druck mit unseren Aktivitäten rund um das Rennwochende noch ein bisschen verstärkt. Diese Woche ist der 125. Jahrestag des ersten Autorennens der Geschichte von Paris nach Rouen vom 22. Juli 1894.

Ein Automobil von Panhard & Levassor mit Daimler-Motor auf der ersten Automobilwettfahrt zwischen Paris und Rouen am 22. Juli 1894

Nachdem Daimler nur wenige Jahre zuvor das erste Auto mit vier Rädern erfunden hatte, war Daimler „nur“ ein Motorenlieferant für das Rennen – die beiden Autos, die sich den ersten Preis teilten, fuhren beide mit Daimler-Motoren. Dieses Rennen war der Auftakt zu einer langen Motorsporttradition, die sich zusammen mit den Autos mit dem Stern weiterentwickelt hat. Wir haben die 125 Jahre Motorsport in diesem Jahr bereits mit mehreren großen Events gefeiert.

Am Wochenende stellt eine Speziallackierung unserer Rennwagen diese 125 Jahre Motorsporttradition dar: die Front wird im klassischen deutschen Rennweiß lackiert sein und den Originalstern des Jahres 1926 tragen. Dieses Weiß geht dann in einen Abschnitt über, in dem das abgekratzte Weiß das darunter liegende Silber offenbart, in Anlehnung an die Legende nach Erzählungen von Alfred Neubauer über das Eifelrennen 1934. Dann folgt ein Übergang in unser aktuelles Mercedes-Benz Motorhaubendesign, das wir schon die gesamte Saison über verwenden.

Wir haben das Erscheinungsbild der Box geändert und haben für das Wochenende noch rund 50 weitere Überraschungen zu diesem Thema in petto. Weil das Rennen am Sonntag auch das 200. F1-Rennen für Mercedes-Benz ist – und der Sieger des ersten F1-Rennens im Juli 1954 Juan Manuel Fangio war…

1954 vs. 2019: Links der Sieger des ersten F1-Rennens für Mercedes-Benz Juan Manuel Fangio und rechts die Speziallackierung des F1-Wagens anlässlich von 125 Jahren Motorsport

Spitzentemperaturen und kurze Runde bei der Formel 1 in Hockenheim

Aber zurück zum Rennen in Hockenheim. Trotz des Doppelsiegs in Silverstone gibt es viele Gründe, uns genau zu überlegen, wie wir das Rennen in Hockenheim angehen.

Grund 1 ist die Temperatur: für diese Woche werden Spitzentemperaturen von bis zu 40 °C vorhergesagt, was für alle Teams und besonders für uns eine Herausforderung sein wird. Wir haben seit Österreich intensiv gearbeitet. Dennoch werden uns diese Bedingungen an die Grenzen dessen bringen, was unsere Autos und unser Kühlungspaket zu leisten imstande sind.

Grund 2: die kurze Runde in Hockenheim bringt engere Lücken im Feld mit sich. Deshalb wird es umso wichtiger sein, unsere Rundenzeiten zu optimieren, um uns starke Startpositionen zu sichern.

Grund 3: hohe Temperaturen und hohe Anforderungen an die Traktion aus Kurven mit geringen Geschwindigkeiten heraus, machen das Reifenmanagement am Sonntag zu einem rennentscheidenden Faktor – und zu etwas, das wir aus den langen Trainingsrunden am Freitag so gut wie möglich lernen müssen.

Comeback von Lewis und Valtteri?

Parallel dazu bekommen unsere Autos an diesem Wochenende mehr Power. Deshalb wird es beim freien Training am Freitag darum gehen, die Kühlleistung zu prüfen und sicherzustellen, dass die neuen Komponenten wie erwartet funktionieren. Das wird ein arbeitsreiches und intensives Wochenende – und wir alle müssen das Beste aus uns herausholen, um zum Schluss ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Letztes Jahr haben wir bei diesem Rennen ein spektakuläres Comeback von Lewis und ein nervenaufreibendes Duell von Valtteri und Lewis in den Schlussrunden gesehen. Es wäre unglaublich, wenn wir das im Jahr 2019 wiederholen könnten, besonders da uns so viele unserer Kolleginnen und Kollegen von den Zuschauertribünen aus anfeuern. Damit das Realität wird, müssen wir aber noch hart arbeiten, denn Ferrari und Red Bull werden entschlossener sein denn je, uns die Party bei unserem Heimspiel zu vermasseln!


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Bradley Lord ist Mercedes-Benz Motorsport Communications Director. Er war mit vier Jahren zum ersten Mal bei einem Formel 1-Rennen und ist seitdem leidenschaftlicher Fan des Motorsports in all seinen Facetten.