Gemischtes Doppel: Wie erfolgreiches Jobsharing zwischen Mann und Frau funktioniert

Ob in Bremen, Rastatt oder Sindelfingen: Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit haben Alexandra Bauer und Philipp Hartmann ein gemeinsames Ritual. Sie telefonieren miteinander, lassen den gestrigen Tag nochmal Revue passieren und erzählen sich, was heute jeweils anliegt.

Mit wem sollte man mal ein Gespräch führen? Wo läuft es gut, wo nicht? Wo müssen Entscheidungen getroffen werden? Alexandra und Philipp führen aber nicht etwa eine Fernbeziehung, sondern gemeinsam ein 50-köpfiges Team in der Montageplanung bei Daimler. Tandempaare, bei denen beide Partner in Teilzeit arbeiten, findet man mittlerweile immer öfter bei Daimler, 126 Stück waren es 2018 insgesamt.

Allerdings vor allem in der klassischen Kombination Frau-Frau – „gemischte Doppel“ gibt es weniger oft, nur jedes sechste Tandempaar besteht aus einem Mann und einer Frau. Die Kombination Mann-Mann ist noch deutlich seltener, aber auch vorhanden.

Ebenfalls ungewöhnlich: Das Stellen-Splitting bei einem Job in der Produktion – die meisten Teilzeitmodelle findet man bei Daimler in klassischen Bürojobs. Alexandra: „Im Schnitt verbringen wir 80% unserer Zeit im Besprechungsraum, die restlichen 20% sind wir in der Produktion, in der Anlauffabrik oder auf Werkstattflächen unterwegs.“ Grob gesagt kümmern sich beide unter anderem darum, die benötigten Arbeitskräfte für die Produktion der geplanten Fahrzeuge zu berechnen. Außerdem bewerten sie die benötigte Zeit und die ergonomischen Voraussetzungen, die für einen Arbeitsschritt benötigt werden.

Für Alexandra, die vor einem Jahr aus dem Personalbereich in die Montageplanung kam, eine komplett neue Aufgabe:

Als Frau neu in einen halbtechnischen Bereich zu kommen war für mich erstmal eine Herausforderung. Ich hatte nicht an allen Stellen sofort die volle Akzeptanz. Zeigt man dann allerdings, dass man die technische Versiertheit und das Verständnis dafür hat, kommt die Akzeptanz von ganz allein.

Entscheidung für eine Tandemstelle – Entscheidung für die Familie

Die Entscheidung für die Tandemstelle in Teilzeit war für beide, wie bei vielen anderen auch, eine Entscheidung für die Familie. Philipp: „Ich bin dreifacher Vater und wollte Beruf und Familie für mich noch besser in Einklang bringen – trotz meiner Führungsposition als Abteilungsleiter. Auf den Erfolg und die Wertschätzung im Beruf wollte ich trotzdem nicht verzichten – und schlug deshalb meinem Chef die Tandemlösung vor.“

Dabei ist Teilzeit arbeiten in den meisten Fällen immer noch „Frauensache“. Für Philipp kein Problem:

Viele waren sehr überrascht von meiner Idee, aber ich habe unheimlich viel positives Feedback bekommen. Viele fanden es auch mutig von mir, die Stelle, die ich davor jahrelang allein gemanagt habe, auf einmal zu teilen. Alexandra hat es mir aber auch leichtgemacht. Sie ist sehr klar und hat gleichzeitig ein hohes Einfühlungsvermögen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aus meiner Sicht hat unsere Abteilung mit ihr nicht nur fachlich, sondern auch im Bereich Führungskompetenz nochmal eine wichtige Note dazubekommen.

Jobsharing bedeutet Aufgaben und Verantwortung zu teilen

Alexandra wiederum schätzt an ihrem Tandempartner das große Vertrauen, dass er ihr von Anfang an entgegengebracht hat: „Unser Ziel war es, eine maximale Überschneidung bei unseren Aufgaben zu haben, so dass beide in allen Bereichen bestmöglich eingearbeitet sind.“

Für Philipp bedeutete das, Aufgaben und Verantwortung auf einmal zu teilen: „Diesen Platz hat er mir aber von Anfang an frei geräumt. Egal mit welcher Frage oder welchem Vorschlag ich gekommen bin, er hat alles ernst genommen. Ich finde auch, dass es unserem Bereich hilft, von einem gemischten Tandempaar geführt zu werden: Klischee oder nicht, Philipp ist als Mann sehr zahlenorientiert und analytisch, ich bin eher an Themen und Menschen orientiert. Mit beiden Perspektiven zusammen bekommen wir die optimale Mischung hin.“

Nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren von dem neuen Tandemmodell allerdings von Beginn an überzeugt. Philipp: „Viele meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kannten Alexandra von der Arbeitsebene. Aber wie wir die Themen aufteilen werden und ob sie in Zukunft alles doppelt besprechen müssen, hat bei manchen für Unsicherheit gesorgt. Wir haben uns die Bedenken dann ein paar Wochen nach dem Start bei einem Teamevent angehört und gemeinsam ein Modell erarbeitet, wie es aus aller Sicht optimal funktionieren könnte – und das tut es jetzt auch.“

Philipps Chef war übrigens sofort aufgeschlossen für das Teilzeit-Modell und hat die Entscheidung von Anfang an unterstützt – auch wenn das bedeutete, dass er seinen langjährigen und erfahrenen Mitarbeiter nur noch 30 Stunden die Woche zur Verfügung hat.

Dafür hat er jetzt Alexandra dazubekommen – die nach 15 Jahren Daimler und den verschiedensten Positionen im Personal-, Finanz- und IT-Bereich nicht nur ein riesiges Netzwerk und Erfahrung aus unterschiedlichen Bereichen mitbrachte – sondern auch einen weiblichen oder manchmal auch nur neuen Blick auf die Dinge.

Gegenseitiges Vertrauen ist Vorraussetzung für erfolgreiches Jobsharing

Unbedingte Voraussetzung für ein erfolgreiches Tandem ist aus Sicht von Alexandra großes gegenseitiges Vertrauen. Und eine möglichst große Schnittmenge der gemeinsamen Themen:

Es gibt Tandems, da haben die Partner einfach die Themen untereinander aufgeteilt. Für uns würde das nicht funktionieren. Für mich ist der Charme am Tandemmodell ganz klar, dass man ein Thema immer mit zwei Perspektiven durchleuchten kann. Natürlich habe ich auch in meinen anderen Jobs immer wieder mit Kolleginnen und Kollegen über bestimmte Fragen gesprochen. Aber durch die gemeinsame Verantwortung für die Themen tauschen Philipp und ich uns noch viel öfter aus.

Obwohl beide „nur“ 30 Stunden in der Woche arbeiten, sehen sich Alexandra und Philipp einen Teil der gemeinsamen Arbeitszeit um Themen zu besprechen. Und für den Rest gib es dann das morgendliche Telefonat auf dem Weg zur Arbeit.


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Sie ist die Chefredakteurin des Daimler-Blog und redaktionell gemeinsam mit Sascha Pallenberg für den Daimler-Podcast Headlights verantwortlich.