Formel 1 Österreich 2019: Wie eine Maschine

Wenn die Formel 1 auf ihren Europafestspielen nun Halt in Spielberg macht, habe ich sofort das Lied „Maschin“ der österreichischen Band Bilderbuch im Ohr. In ihrem Video spielt zwar ein italienischer Sportwagen die Hauptrolle, aber wie eine gut geölte Maschine laufen derzeit vor allem die beiden Mercedes-AMG F1 W10 EQ Power+.

Acht Rennen, acht Siege für das Mercedes-AMG F1 Team. Sechs Mal, zuletzt in Frankreich, stand Lewis ganz oben auf dem Treppchen und führt die WM-Wertung nun mit 187 Punkten an.

Da fiel es selbst Sascha Pallenberg schwer, in seinem Rennrückblick auf den Grand Prix in Le Castellet nicht von Dominanz zu sprechen. „Du kannst diese wunderbaren Kolleginnen und Kollegen nicht dafür verurteilen, dass sie einfach mit Abstand den besten Job machen! Freunde, die schreiben da Motorsportgeschichte!“ schrieb er voller Anerkennung. Danke dafür, Sascha!

Keine Zeit zum Ausruhen bei der Formel 1 in Österreich

Und wo er recht hat, hat er recht: Jedes Rädchen in unserem Team greift derzeit so reibungslos ineinander wie bei einer gut geölten Maschine. Das Konzept des Autos mit seinem im Vergleich zu den Wettbewerbern kleineren Anstellwinkel, das auf allen Strecken super funktioniert. Die Akribie unserer Ingenieure beim Feintuning für die einzelnen Streckenprofile. Die unglaublichen Leistungen von Lewis und Valtteri. Und nicht zuletzt die Stimmung im Team, die mit jedem Sieg immer besser wird.

Jedoch, Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Deshalb hat Lewis nach seinem Sieg am vergangenen Sonntag auch gleich angemahnt, hungrig bleiben zu müssen. Auch unser Teamchef Toto bläst in dieses Horn:

Es wäre selbstgefällig, die Tatsache zu ignorieren, dass unsere Mechaniker nun an zwei Rennwochenenden hintereinander das Pendant zu einer ‚Operation am offenen Herzen‘ an unseren Autos durchführen mussten. Wir hatten eine Reihe an verschiedenen Schwierigkeiten an unterschiedlichen Komponenten, von denen jede leicht einen Ausfall hätte verursachen können. Deshalb müssen wir diese Herausforderung so schnell wie möglich lösen.

Toto spielt damit auf ein Hydraulikleck am Wagen von Lewis an, das beim Grand Prix von Kanada erst nach dem Qualifying entdeckt wurde. Wegen der Parc-ferme-Regeln durfte das erst am Sonntagmorgen beseitigt werden. In Frankreich gab es ähnliche Schwierigkeiten.

Weiter konzentriert bleiben bei hohen Temperaturen in Österreich

Auch ein Blick zurück in die vergangene Saison schärft den Fokus: 2018 war unser Abschneiden beim Großen Preis von Österreich der Tiefpunkt des Jahres. Ein Doppelausfall nach zwei vielversprechenden Startplätzen in der ersten Reihe führte dazu, dass wir viele Punkte liegen ließen.

Das Rennen war eine Erinnerung daran, wie schnell die Dinge in unserem Sport falsch laufen können und, dass Zuverlässigkeit sowie Performance in der Formel 1 Hand in Hand gehen. Zwei Ausfälle bei gleichzeitigem Siegen von Ferrari – und schon ist das Titelrennen wieder völlig offen.

Deshalb gilt es, weiter konzentriert zu bleiben. Vor allem, wenn das Wetter so Ferrari-freundlich ist, wie in den nächsten Tagen in Österreich. Die Wettervorhersage sagt Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius voraus. Gemeinsam mit der geringeren Luftdichte durch die Höhenlage der Strecke und einigen steilen Anstiegen bedeutet dies, dass die Kühlung in Spielberg eine echte Herausforderung darstellen könnte.

Hier ist Ferrari mit ihrer Power auf den Geraden vermeintlich besser aufgestellt als wir. Wenn man dann noch die kurze Streckenlänge und die engen Abstände auf diesem Kurs in Betracht zieht, ist unsere Richtung klar: Wir müssen weiter sorgfältig arbeiten, ruhig bleiben und alles geben,  damit unsere Maschinen wieder zuverlässig laufen.


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Bradley Lord ist Mercedes-Benz Motorsport Communications Director. Er war mit vier Jahren zum ersten Mal bei einem Formel 1-Rennen und ist seitdem leidenschaftlicher Fan des Motorsports in all seinen Facetten.