Niki Lauda – Der Held meiner Kindheit

„In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser geliebter Niki am Montag, den 20.05.2019, im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen ist“. So ging es in aller Früh heute über die Nachrichtenticker und für einen Moment blieb mir zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden die Luft weg.

Niki Lauda ist tot! Der dreifache Formel-1-Weltmeister. Der Held meiner Kindheit. Ja der, für den die Gesetze der Sterblichkeit (vor allen Dingen nach seinem schrecklichen 1976er Unfall auf der Nordschleife) irgendwie nicht zu gelten schienen. Und jetzt ist es dann doch passiert. Irgendwie viel unerwarteter und radikaler, als es diese Situation am Streckenabschnitt Bergwerk damals hätte zugelassen.

Zeit der Helden

Jetzt weiß ich natürlich nicht wie es euch ergeht, wenn ihr euch in einer stillen Minute mal an eure früheste Kindheit erinnert, aber für mich war das einschneidenste Erlebnis der Unfall auf dem Nürburgring in der 1976er Formel 1-Saison. Bedenkt man, dass ich da gerade einmal 4,5 Jahre alt war, dann dürfte wohl traumatisiert die treffendere Bezeichnung sein. Niki Lauda war nicht nur bei meinen Großeltern, sondern vor allen Dingen auch bei meinem Patenonkel (der selber Rennen fuhr), die Lichtgestalt im Rennzirkus. Und dann dieser schreckliche Zwischenfall auf einer Strecke, die für Niki selbst viel zu gefährlich erschien.

Die Bilder der Nachrichtensendungen, die Berichterstattungen in den Tageszeitungen und auf dem Boulevard… sowas vergisst du einfach nicht. Vor allen Dingen aber nicht, dass er 42 Tage später wieder in seinen Ferrari stieg. Mit speziellen Bandagen, die seine Verbrennungen schützen sollten. Ich hab bitterlich geheult, als ich das damals gesehen habe. Mein Held sah auf einmal so verletzbar aus.

Heute erinnern mich diese Szenen vor allen Dingen an eines: diesen unbändigen Lebenswillen. Diese Energie und Überzeugung, dass man das Unmögliche schaffen kann, wenn man nur will! Das war, ist und wird der Niki immer für mich sein.

Es gibt kein würdigeres Experimentierfeld als die Formel 1, um an die äußersten Grenzen des Machbaren vorzustoßen.

Aufsichtsratsvorsitzender von Mercedes-AMG Petronas Motorsport

Dreifacher Weltmeister, Unternehmer, Moderator und dann, was für unser Team ein unglaubliches Glück war, Aufsichtsratsvorsitzender von Mercedes-AMG Petronas Motorsport.

Zusammen mit Niki holten wir nicht nur fünf Fahrer-Weltmeisterschaften, sondern gewannen auch fünf Mal hintereinander die Team-Wertung. Ich denke ein größeres Ausrufezeichen kann man in diesem Sport nicht setzen und es zeigt abermals wie wichtig es ist, so einen erfahrenen und klugen Menschen wie den Niki in den eigenen Reihen zu wissen.

Im Mercedes-Team galt er als immer geradeheraus, er hat den Finger in die Wunde gelegt, war brutal ehrlich zu absolut allen und hat die Leute so zu Höchstleistungen angestachelt. Eigenschaften, die in diesem Sport unersetzlich sind.

Einmal, im Mai 2018, hatte ich dann auch persönlich die Möglichkeit ihn zu treffen oder sagen wir mal besser, dass ich ihn beobachten durfte. Nein, ich habe nie Berührungsängste mit irgendwelchen Größen im Sport, Business oder Showgeschäft gehabt. Es sind doch schließlich auch nur Menschen.

Vor Niki Lauda hingegen hatte ich Ehrfurcht und habe mich ein ganzes Wochenende lang nicht getraut mal zu ihm hinzugehen, die Hand zu schütteln und mich für all die irren Motorsport-Momente zu bedanken, mit denen er mein Leben bereichert hat.

Heute bedauere ich das so sehr, denn ich hätte wohl genau dann erleben dürfen, dass auch der Niki „nur“ ein Mensch ist.

Aber was für einer!

Sascha Pallenberg ist für die Digitale Transformation in der Unternehmenskommunikation verantwortlich. Der ehemalige Techblogger bereitet insbesondere Inhalte an der Schnittstelle zwischen Auto- und IT-Industrie für Daimler Online-Medien auf. Er ist außerdem Gründer von Mobile Geeks.