Formel 1 Spanien 2019: Das (rote) Comeback verhindern

Puh, war das bitter. Ganz Barcelona ist nach dem Champions-League-Aus ihres FC noch immer in Katerstimmung. Eine 0:4-Klatsche in Liverpool, nachdem zu Hause noch ein 3:0-Sieg eingefahren wurde. Was für ein Comeback der „Reds“ im Halbfinale. Gratulation! Zum Glück können sich die Katalonier nun mit einem spannenden Formel-1-Wochenende ablenken. Und wir sollten für die Formel 1 in Spanien 2019 gewarnt sein, dass auch klare Favoriten schnell ins Abseits geraten können.

Vier Rennen, vier Doppelsiege – die Formel-1-Saison 2019 hätte nicht besser starten können für Mercedes-AMG Petronas Motorsport. 173 Punkte in der Konstrukteurs-Wertung sind ein bemerkenswertes Ergebnis, das vor allem ein Beleg für die fantastische Arbeit jedes einzelnen Teammitglieds ist. Doch solche Erfolge können Trägheit fördern, Ehrgeiz vermindern und Nachlässigkeiten begünstigen. Deshalb sollte das Fußballspiel vom Dienstagabend Motivation für uns sein, bei den anstehenden Rennen in Europa und Kanada konzentriert weiterzuarbeiten.

Spanien liegt den Ferraris

Denn gerade hier in Spanien auf dem für Testfahrten so beliebten Circuit de Barcelona-Catalunya waren die Ferraris im Winter richtig schnell: In 1:16.221 Min. jagte Sebastian Vettel seinen Boliden um die 16 Kurven des 4,655 Kilometer langen Kurses. Zwar landeten Lewis und Valtteri nicht weit dahinter, und der Doppelsieg im vergangenen Jahr zeigt auch, dass den beiden die Strecke durchaus liegt.

Aber trotzdem: Unsere Performance hat über die ersten vier Rennen geschwankt. In Australien und China hatten wir das schnellste Auto, aber in Bahrain haben wir nur dank unserer Zuverlässigkeit gewonnen. Mit Blick auf den reinen Speed befanden wir uns dort im Hintertreffen. Und obwohl unsere Rennpace in Aserbaidschan gut ausgesehen hat, konnten wir nie einen wirklich komfortablen Vorsprung auf unsere Gegner herausfahren. In unserer Position gibt es also keinen Raum für Selbstgefälligkeit, denn wir wissen, dass sie das wahre Kräfteverhältnis aus dem bisherigen Saisonverlauf nicht korrekt widerspiegelt.

Formel 1 in Spanien 2019: Fester Bestandteil des Renn-Kalenders

Aber zurück nach Barcelona: Erbaut wurde der Circuit de Barcelona-Catalunya (ehemals Circuit de Catalunya) im Rahmen des Entwicklungsprogramms für die Olympischen Spiele 1992. Rechtzeitig zum Großen Preis von Spanien 1991 wurde er fertiggestellt und ist seither Bestandteil des Formel-1-Kalenders – sowohl als Rennstrecke als auch als beliebter Testkurs. Denn das Streckenprofil weist eine gute Mischung aus verschiedenen Charakteristiken auf.

Dazu gehören langsame, mittelschnelle und schnelle Kurven sowie zwei Geraden mit Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h. Dieser Verlauf macht den Kurs zu einer guten Referenz, da die Teams darauf lernen, wie ihr Auto sich bei vielen unterschiedlichen Situationen verhält, wie gut die Balance ist und wie das Auto mit den Reifen umgeht.

Circuit de Barcelona-Catalunya: Das Rennen der Konstrukteure

Da die Fahrer alle unzählige Testrunden auf dem Kurs absolviert haben, gilt der Große Preis von Spanien als Rennen der Konstrukteure. Hier wird sich endgültig zeigen, welche Teams die Aerodynamik-Regeländerungen vor der Saison am besten für sich zu nutzen wussten. Die größeren Front- und Heckflügel sollen das Überholen ja vor allem auf Streckenprofilen wie dem Circuit de Barcelona-Catalunya einfacher machen.

Formel 1 - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Spanien 2018. Lewis Hamilton Formula One - Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Spanish GP 2018. Lewis Hamilton

Bislang halten sich die erhofften Effekte noch in Grenzen. Man darf gespannt sein, ob es den Fahrern am Wochenende besser gelingt, nach der tückischen Kurve 16 auf der Zielgeraden aus den Luftverwirbelungen des Vordermanns (Wake) heraus zu beschleunigen. Ferrari hat bereits angekündigt, vor dem Rennen in Barcelona noch einmal an der Aerodynamik feilen und die eigentlich erst für Juni geplante neue Motorenausbaustufe schon einsetzen zu wollen. Mal schauen, ob Lewis und Valtteri in ihren Silberpfeilen ein Comeback der Roten verhindern können.


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Bradley Lord ist Mercedes-Benz Motorsport Communications Director. Er war mit vier Jahren zum ersten Mal bei einem Formel 1-Rennen und ist seitdem leidenschaftlicher Fan des Motorsports in all seinen Facetten.