Kirschblütenfest: Hanami in Japan

Traditionelle Feste sind in allen Kulturen fest verankert. Bräuche und Rituale stärken den Zusammenhalt. Wir sind überzeugt, dass Vielfalt das Verständnis füreinander fördert.

Deshalb stellen wir mit Hilfe von Kolleginnen und Kollegen verschiedene Feste vor, denn gemeinsam Feiern macht Spaß und fördert die Kommunikation zwischen den Kulturen. Zuletzt hat meine Kollegin Camila Franco zum Beispiel über den Karneval in Rio berichtet. Dieses Mal möchte ich euch die Festlichkeiten zum japanischen Kirschblütenfest vorstellen.

Was ist Hanami?

Von Ende März bis Anfang Mai blühen überall in Japan die Kirschbäume

Von Ende März bis Anfang Mai blühen überall in Japan die Kirschbäume. Hanami ist eine besondere japanische Tradition des Genießens der vergänglichen Schönheit der Blumen im Frühjahr. „Blumen” bezieht sich dabei fast immer auf Kirsch- („Sakura“), manchmal aber auch auf Pflaumenblüten. Die Blütenvorhersage (桜前線 sakura-zensen) für die „Kirschblütenfront“ wird jedes Jahr vom Wetteramt bekanntgegeben und von den Verantwortlichen für die Hanami-Planung aufmerksam beobachtet, da die Blüte nur ein oder zwei Wochen dauert.

Familie, Freunde und Kollegen treffen sich im Park, um gemeinsam zu feiern.

Hanami hat eine sehr lange Geschichte, die rund 1.200 Jahre zurückverfolgt werden kann. Der Ursprung der Tradition ist auf Mitglieder der damaligen Oberschicht zurückzuführen. Sie begannen ihre Beobachtungen der Kirschbäume in Gedichten niederzuschreiben. Da die Blüte der Kirschbäume aber auch den Beginn der Pflanzsaison markiert, vermuteten die Menschen die Existenz eines Gottes in den Bäumen, brachten ihm Gaben dar und beteten für eine gute Ernte. So wurde Hanami immer populärer und die Feiern unter den Kirschbäumen waren geboren. In der Neuzeit beginnt mit der Kirschblüte im April auch das nächste Finanz- und Schuljahr. Das vermittelt uns das Gefühl, dass die Blüten mit uns den Neustart feiern und begrüßen.

Während Hanami veranstalten die Menschen in Japan gerne Partys mit Kollegen, Freunden und Familie. Die Blüte der Kirschbäume macht einfach glücklich und sie genießen es, unter den Blüten zu essen, zu trinken und zu grillen. In vielen Schulen und Büros finden während Hanami Willkommenspartys statt, die die optimale Gelegenheit bieten, sich besser kennenzulernen und neue Leute zu treffen. Selbst nachts sind viele Plätze noch voller Menschen, die sich in einer wunderschönen, romantischen Atmosphäre an den Blüten erfreuen.

Hanami bei Nacht heißt Yozakura. Dafür werden in den Parks Papierlaternen aufgehängt.

Party und Papierlaterne

Ich persönlich verbinde Hanami mit einem ganz besonderen Gefühl von Nervosität und Vorfreude, ein neues Jahr zu beginnen und neue Bekanntschaften zu machen. Ich genieße die Hanami-Partys, weil man dort ganz ungezwungen mit neuen Menschen reden kann.

Häufig sichern sich die Menschen viele Stunden oder sogar Tage vorher in den Parks die besten Plätze, um Hanami dort mit ihrer Familie, Freunden und Kollegen zu feiern. In Städten wie Tokio ist es üblich, Hanami auch nachts unter den Sakura zu feiern. Auf Japanisch heißt das Yozakura (夜桜, „Nacht-Sakura“). In vielen Parks werden für Yozakura Papierlaternen aufgehängt. Die Partys gehen dann oft bis in die frühen Morgenstunden.

Mayuko Thompson aus Kawasaki, Japan, ist seit zwei Jahren im Unternehmen und arbeitet dort im Kommunikationsbereich.