Formel 1 in Bahrain: Sandstürme und Ohrwürmer

Immer, wenn wir den Formel-1-Zirkus in Bahrain aufschlagen, habe ich den Schlager „Brennend heißer Wüstensand“ von Freddy Quinn im Ohr. Ihr jetzt auch? Bitte, gern geschehen!

Die Wüstenatmosphäre in dem kleinen Königreich im Persischen Golf lässt einfach niemanden kalt: der trockene Staub in der Luft, das Hitzeflimmern am Horizont … In den vergangenen Jahren wurden bei den Rennen in Bahrain Temperaturen von bis zu 38 Grad gemessen. Der Asphalt auf der Strecke erreichte Werte über 50 Grad. Abends, wenn das Rennen stattfindet, kann es dagegen empfindlich kühl werden. Manchmal muss man sich sogar eine Jacke anziehen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Abstimmung unserer zwei Mercedes-AMG F1 W10 EQ Power+.

Während das erste und dritte Training tagsüber stattfinden, werden das zweite Training und das Qualifying – wie das Rennen auch – bei erheblich kühleren Bedingungen um 18 Uhr Ortszeit ausgetragen. Entsprechend konzentrieren sich die Teams bei der Abstimmung ihrer Rennprogramme auf den Freitagabend, um am Samstag möglichst auf Pole fahren zu können.

Beim ersten Rennen in Melbourne legten die Silberpfeile mit der maximalen Punktzahl von 44 Zählern einen perfekten Saisonstart hin. In Bahrain wollen Valtteri Bottas und Lewis Hamilton diese Leistung nun bestätigen.

Cool, aber nicht um jeden Preis

Die Regeln besagen, dass die F1-Teams das Rennen mit der gleichen Kühlungskonfiguration beginnen müssen, die sie auch im Qualifying eingesetzt haben. Die Kühleinlässe können also im Parc Fermé nicht verändert werden. Allerdings kann das Bodywork bei einem Boxenstopp geöffnet werden, falls die Sensoren am Fahrzeug melden, dass bestimmte Komponenten überhitzen. So lässt sich beispielsweise die Kühlungsplatte unter dem Kopfschutz des Fahrers am Cockpit relativ einfach öffnen. Auch die Lüftungsschlitze können für das Qualifying und den ersten Stint abgedeckt und dann bei einem Boxenstopp einfach wieder geöffnet werden. Das bringt weitere drei bis fünf Prozent an zusätzlicher Kühlung für den zweiten Stint.

Generell müssen wir bei heißen Temperaturen abwägen, ob sich zusätzliche Kühlung lohnt, da sie zumeist mit einer Verschlechterung der aerodynamischen Performance einhergeht. Denn öffnet das Team das Bodywork des W10 und installiert mehr Kühlung, sorgen die zusätzlichen Lufteinlässe für mehr Luftwiderstand und stören den Luftfluss rund um das Auto. Das wiederum hat einen negativen Einfluss auf die Effizienz des Heckflügels und des Diffusors. Abhängig davon, welche Aerodynamik-Konfiguration das Team einsetzt, kann der Unterschied auf der Stoppuhr recht deutlich ausfallen. Ein komplett geschlossenes Auto wäre mehrere Zehntelsekunden pro Runde schneller als ein auf maximale Kühlung abgestimmtes Fahrzeug.

Kein Sand im Getriebe

Wüste bedeutet natürlich nicht nur Hitze, sondern auch Sand. Viel Sand. Und in Bahrain zusätzlich viel Wind. Dieser kommt auf dem Inselstaat entweder aus nordwestlicher Richtung oder aus der großen arabischen Wüste Rub-Al-Chali mit trockenen und sehr heißen Südwinden. Und da der Bahrain International Circuit auf dem Gebiet einer ehemaligen Kamel-Farm in einer ländlichen und flachen Gegend liegt, hat der Wind hier freies Spiel. Er weht den Sand aus der Wüste oft direkt auf die Strecke.

Das Problem dabei ist weniger der Einfluss auf die Fahrzeugsysteme – sprich der mögliche „Sand im Getriebe“ –, sondern vielmehr der durch die groben Körner verursachte Abrieb auf den Aerodynamik-Oberflächen. Sobald aber die 20 Autos auf der Strecke sind, säubern sie den Asphalt relativ schnell. Das hat vor allem bei den Trainingssessions den Effekt, dass alle Teams möglichst lange warten, bis andere die Strecke sauber gefahren haben.

Wenn wir am kommenden Wochenende versuchen, unseren tollen Doppelerfolg aus Melbourne zu wiederholen, soll es zum Glück etwas kühler werden als bei den vergangenen Rennen in Bahrain. Manche Prognosen erwarten sogar leichten Regen – und das in der Wüste! Wenn das Freddy Quinn noch erleben könnte.


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Bradley Lord ist Mercedes-Benz Motorsport Communications Director. Er war mit vier Jahren zum ersten Mal bei einem Formel 1-Rennen und ist seitdem leidenschaftlicher Fan des Motorsports in all seinen Facetten.