Der neue CLA Shooting Brake: Das Abenteuer geht weiter

Verrückte Studien, abgedrehte Showcars, sensationelle Sportwagen – auf dem Genfer Autosalon geht es traditionell besonders visionär und kreativ zu. Ein idealer Ort für die Weltpremiere des neuen CLA Shooting Brake.

Denn: Schon das CLA Coupé war 2013 ein Wagnis, wie ich hier im Blog-Beitrag zum neuen CLA Coupé aus meiner Perspektive als Produktmanager erzählt habe. Ein wirklich kühnes Abenteuer für uns aber war 2015 der erste CLA Shooting Brake. Das Abenteuer fing schon mit seinem Namen an. „Shooting Brake“ klang für viele nach Gangsterszene.

Stimmt nicht ganz, aber eine Verbindung zu Schusswaffen gibt es schon, nämlich zu der Jagd. Break oder Brake nannte man früher auf Englisch einen Fahrzeugaufbau mit praktischer Transport- und Lademöglichkeit. Ein sportliches Fahrzeug, mit dem man zum Jagen (Shooting) fuhr und das Platz für Ausrüstung und Beute hatte, hieß Shooting Brake.

In den 1960er und 1970er Jahren haben speziell die Briten mit exklusiven Crossover-Fahrzeugen experimentiert, die den Luxus und Stil eines Coupés mit dem Gepäckraum eines Kombis verbanden. Bestimmt kennen Sie aus dem Kultfilm „Harold & Maude“ den zum Shooting Brake umgebauten Jaguar E-Type. Der erste CLA Shooting Brake war also die Wiederentdeckung eines sehr spitz positionierten Auto-Konzepts. Und warum haben wir ihn nicht einfach T-Modell genannt? Weil er vom Coupé abgeleitet ist und dessen Linie beibehält – und nicht von einer Limousine, wie das bei unseren T-Modell Varianten der Fall ist.

Der Jäger und die Gejagten

Als Jäger war unser erster CLA Shooting Brake ausgesprochen erfolgreich – bei der Jagd nach Neu-Kunden. In Europa fuhr 2017 jeder zweite CLA Besitzer vorher ein Auto einer anderen Marke. Von der ersten CLA Generation haben wir in einigen Ländern sogar mehr Shooting Brakes als Coupés verkauft: In Deutschland beispielsweise haben sich 2018 die meisten CLA Käufer für die praktischere Karosserievariante entschieden. Oft der Anfang einer längeren Liaison mit dem Stern: Über 75 Prozent der europäischen CLA Käufer sind beim nächsten Fahrzeug bei Mercedes‑Benz geblieben. Unser Mut ist also belohnt worden.

Das Verblüffende daran: Normalerweise führt Erfolg zu Nachahmern. Der brandneue CLA Shooting Brake der zweiten Generation aber genießt eine absolute Ausnahmestellung: Er ist der einzige Shooting Brake sowohl (inzwischen) im Portfolio von Mercedes-Benz wie im Premium-Wettbewerbsumfeld. Wir Produktmanager betreiben ja immer Wettbewerbsbeobachtung. In diesem Fall aber war es wirklich schwer, Wettbewerber zu finden. Aus der Not heraus haben wir Mittelklasse-Kombis genommen.

Der Kontrabass

Denn der neue CLA Shooting Brake sprengt die Dimensionen seiner Klasse: Er ist rund fünf Zentimeter länger und fünf Zentimeter breiter als sein Vorgänger. Bis zur B-Säule ist der Umriss der rahmenlosen Fenster mit dem des Coupés identisch. Dahinter verläuft die Fensterlinie deutlich höher. Davon profitieren Passagiere und Gepäck – mit bequemerem Einstieg, mehr Kopffreiheit im Fond und größerem Kofferraum (505 Liter). Das klingt uncool? Ist es aber nicht: Auch der neue CLA Shooting Brake ist zuallererst ein Designerauto. „TGIF (Thank god it’s friday) statt Ikea“ habe ich in meinem Blog-Beitrag zum Coupé geschrieben – mit dem Shooting Brake geht beides. Und vieles anderes: Mein 13-jähriger Sohn beispielsweise spielt Kontrabass – in den neuen CLA Shooting Brake passt das nicht gerade handliche Instrument mühelos.

Die Kunden sehen jetzt in Genf den neuen Shooting Brake zum ersten Mal. Ich bin sicher, wir werden sie überzeugen. Bei meinen internationalen Kollegen in Marketing und Verkauf sind wir da schon einen Schritt weiter. Denn der erste CLA Shooting Brake war weder in den USA noch in China erhältlich. Aber beim neuen Modell hieß es aus China plötzlich „Her damit!“

Künftig wird es den CLA Shooting Brake also auch auf dem größten Automarkt der Welt geben. Zu den europäischen Händlern kommt er im September 2019, in Japan und China startet er einige Monate später. Und wer weiß, vielleicht schafft es der Shooting Brake ja auch noch, die Amerikaner, die ja keine großen Fans klassischer Kombis sind, zu überzeugen. Schließlich ist er ja keiner. Ganz klar: Das Abenteuer geht weiter.


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Jan Paul Rubens ist Holländer und studierte Fahrzeugtechnik an der Hochschule Arnheim und Nimwegen. Nach vier Jahren im After-Sales-Bereich von Daimler in den Niederlanden wechselte Rubens 2002 nach Stuttgart. Dort arbeitete er zunächst im Bereich Teile und Service, dann betreute er sieben Jahre lang den Marktbereich Mittlerer Osten. Seit 2013 trägt er Verantwortung als Produktmanager des CLA. Zuhause gehört seine Liebe seinen beiden Kindern, seiner Freundin und seinen Oldtimern – nicht immer in genau dieser Reihenfolge.