Formel 1: Neuer Mercedes für Hamilton und Bottas

Die Saison 2019 ist eine ganz besondere für unser Team. Dieses Jahr findet nicht nur der 1.000 Formel 1 Grand Prix statt, sondern auch die zehnte F1-Saison der Gegenwart für das Mercedes-Werksteam und das 85-jährige Jubiläum der Silberpfeile. Für diese Jubiläen und die Herausforderungen der kommenden Saison sind wir bestens gewappnet und gehen mit dem neuen Mercedes-AMG F1 W10 EQ Power+ ins Rennen.

Gerade heute ist ein besonders spannender Tag: Obwohl es noch gut vier Wochen bis zum Saisonstart in Melbourne sind, testen wir heute erstmals den Mercedes-AMG F1 W10 EQ Power+ auf dem Silverstone International Circuit in Großbritannien. Während es in fast jedem anderen F-1 Team Veränderungen bei der Fahrerpaarung gibt, setzen wir im Cockpit auf zwei altbekannte Gesichter: Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Beide Fahrer sind nach der Winterpause heiß darauf, wieder ins Cockpit zu steigen und Rennen zu bestreiten.

W10-Veränderungen durch neues Aerodynamik-Reglement

Auf die erheblichen Änderungen im Technischen Reglement für die Formel 1-Saison 2019 haben wir reagiert und im Vergleich zum Vorjahresauto am Mercedes-AMG F1 W10 EQ Power+ einschneidende Veränderungen vorgenommen. Das macht den Saisonstart für uns noch spannender. Unser technischer Direktor James Allison erklärt warum: „Regeländerungen stellen stets sowohl eine Chance als auch eine Gefahr dar.“

Man verspürt dieses besorgniserregende Gefühl, dass man vielleicht nicht genug getan hat. Gleichzeitig sorgt es aber für einen einzigartigen Kick und die Vorfreude darauf, die Wahrheit herauszufinden.

Den Hauptfokus bei der Entwicklung des W10 haben wir zum einen auf die aerodynamischen Veränderungen gelegt. Das Team hat aber auch hart daran gearbeitet, die Schwächen des Vorgänger-Fahrzeuges zu beheben und dessen Stärken weiter auszubauen. Schon beim W09 konnten wir das Fahrverhalten im Gegensatz zum W08 deutlich verbessern. Trotzdem waren James und sein Team nicht in allen Punkten zufrieden:

„Wir konnten die Performance der Hinterreifen nicht immer so gut konservieren wie einige unserer Konkurrenten. Deshalb haben wir hart an der Aufhängung und der aerodynamischen Charakteristik gearbeitet, um ein Auto zu erhalten, das viel sanfter mit den Reifen umgeht. Das reicht hoffentlich aus, damit wir in allen Phasen eines Rennens und auf allen Rennstrecken im Kalender konkurrenzfähig sein können“.

Herausforderung Gewichtsreduktion

Erfolg und das Gewicht des Wagens sind im Motorsport eng miteinander verbunden. 2019 wurde das Mindestgewicht für die Saison um zehn Kilogramm angehoben, trotzdem bleibt die Gewichtsreduzierung bei der aktuellen Fahrzeuggeneration eine echte Herausforderung.

Nochmal James Allison: „Wir haben uns Komponenten angesehen, von denen wir dachten, dass wir sie im letzten Jahr schon bis auf die Knochen abgespeckt hätten. Nun haben wir sie Stück für Stück einer weiteren aggressiven Analyse unterzogen, um noch mehr Gewicht einzusparen. Bei einigen Teilen ist uns gefühlt ein riesiger Sprung mit einem halben Kilo Gewichtsersparnis gelungen, bei anderen waren es nur ein paar Gramm. Aber alles in allem summieren sich diese Erfolge zu einer Handvoll Kilogramm auf, die wir in die Aerodynamik, die Aufhängung und die Power Unit stecken konnten, um mehr Performance zu gewinnen.“

Für alle Liebhaber des W09 gibt es gute Neuigkeiten: Einige Charakteristiken seines Vorgängers bleiben auch beim W10 erhalten. So sind beispielsweise die generelle Bauweise und der Radstand unverändert, wir haben lediglich die Umsetzung des Konzepts verfeinert. Kenner sehen, dass die einzelnen Teile noch schlanker und eleganter gestaltet sind. Das sieht gut aus – und erlaubt es uns, unsere aerodynamische Performance in diesem Jahr noch weiter zu optimieren.

Neue Saison, neue Power Unit

Während die Chassis-Entwicklung zum Teil durch die Regeländerungen bestimmt wurde, gab es kaum Änderungen, die die Power Units betreffen. Dennoch wollten wir uns auch in diesem Bereich weiterentwickeln und zwei Hauptziele erreichen: eine Verbesserung der Performance und der Zuverlässigkeit. Wie das im Detail aussieht, kann am besten Andy Cowell, Geschäftsführer von Mercedes-AMG High Performance Powertrains, erklären: „Wir haben einige Veränderungen an der Kühlung der Power Unit vorgenommen, die sich hoffentlich positiv auf die Aerodynamik des Autos auswirken werden und gleichzeitig einen Effizienzvorteil für die Power Unit bieten.

Damit wäre es sowohl für das Chassis als auch die Power Unit ein Gewinn. Im Herzen der Power Unit findet in der Brennkammer die Umwandlung von Benzin in Wärmeabgabe statt, die schlussendlich von der Kurbelwelle in nutzbare Arbeit umgesetzt wird. Wir haben Fortschritte bei der Verbrennungseffizienz sowie dem ERS-System erzielt, sodass die Verbindung zwischen dem Turbolader und der MGU-H, dem Wechselrichter, den Zellen und der MGU-K nun als Ganzes viel effizienter arbeitet und dabei hilft, die Energie während des Rennens besser abzugeben.“

Mehr Rennsprit

Eine kleine Änderung gibt es doch: Die maximale Rennspritmenge wurde für diese Saison um fünf Kilogramm auf 110 kg erhöht. Die höhere erlaubte Spritmenge hat allerdings keinen Einfluss auf die thermische Effizienz der Formel 1 Power Units, die zu den effizientesten Motoren gehören, die jemals gebaut wurden.

„Wer einen effizienten Motor sowie eine effiziente Aerodynamik besitzt und darauf vorbereitet ist, etwas ‚Lift and Coast‘ zu betreiben, der erhält die Möglichkeit, mit weniger als 110 kg ins Rennen zu gehen“, erklärt Andy.

Pro fünf Kilogramm Gewichtsersparnis ist man ungefähr zwei Zehntelsekunden pro Runde schneller.

„Es besteht also ein natürlicher Vorteil bei einem Start mit einem etwas leichteren Auto. Dennoch besteht immer noch ein Wettkampf um den Bau des effizientesten Autos – sowohl bei der Power Unit als auch bei der Aerodynamik – und auch cleveres Racing ist entscheidend, um sicherzustellen, dass man sowohl beim Rennstart als auch im Rennverlauf eine gute Pace besitzt.“

Neues Design

Neben den technischen Neuerungen wollten wir unser Jubiläumsjahr aber auch optisch beim W10 würdigen. Zum einen fällt im hinteren Teil des Boliden das Sternenmuster auf, das für die Eleganz und den Komfort von Mercedes-Benz steht. Es verbindet hochwertige Technologie mit Handwerkskunst. Das zweite Element ist eine einzelne, starke Fließspur in PETRONAS Grün, die für Geschwindigkeit und Dynamik steht. Das Praktische an den neuen Farben: Genau wie bei den Original-Silberpfeilen aus dem Jahr 1934 bringt die Lackierung des W10 ebenfalls einen Performance-Vorteil mit sich, da das neue Design einen leichten Gewichtsvorteil gegenüber dem Vorjahr besitzt.

Hamilton & Bottas erholt und fit für die kommende Saison

Und was sagen unsere Fahrer zu dem neuen Mercedes-AMG F1 W10 EQ Power+ und der kommenden Saison? Für Hamilton fühlt es sich wie ein echtes Privileg an, den neuen Wagen das erste Mal testen zu dürfen: „So viele Menschen haben daran gearbeitet, um dieses Auto zu entwickeln und du weißt, wie viel harte Arbeit darin steckt. Ein neues Auto zu fahren ist wie jemanden zum ersten Mal kennenzulernen – du möchtest so schnell wie möglich alles darüber erfahren, bevor ihr euch auf die gemeinsame Reise begebt.“

Valtteri entgegnet: „Ich freue mich darauf, das neue Auto zum ersten Mal zu fahren. Durch die neuen Aero-Regeln hat sich einiges verändert. Entsprechend wird es interessant, zu erfahren, wie sich das Auto anfühlt und wie es sich verhält. Man weiß nie, was man erwarten darf und es ist aufregend, ins Auto zu springen und es zu erforschen; ein erstes Gefühl für die Fahrzeugbalance und das Fahrverhalten zu erlangen. Wir pushen das Auto beim Shakedown, um ein Gefühl dafür zu bekommen.“

Mehr als 16 Monate Arbeit am Mercedes-AMG F1 W10 EQ Power+ liegen heute hinter uns, ungefähr 7.000 Zeichnungen wurden seitdem zur Produktion freigegeben. All die verschiedenen Komponenten des Rennwagens haben bereits rund eine halbe Million Kilometer zurückgelegt und heute fährt er endlich im Ganzen die 2,98 km des Silverstone International Circuit. Ein entscheidender Moment fürs ganze Team. Wir können es kaum erwarten, unseren W10 beim Saisonauftakt in Melbourne zum ersten Mal in Action zu sehen!

Bradley Lord ist Mercedes-Benz Motorsport Communications Director. Er war mit vier Jahren zum ersten Mal bei einem Formel 1-Rennen und ist seitdem leidenschaftlicher Fan des Motorsports in all seinen Facetten.