Ideenfinder bei Daimler: Zwischen Dusche und Revolution

Manchmal braucht es nur eine kleine Idee, um einen Umbruch zu entfachen: Wer bei Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank einen Geistesblitz hat, der Mitarbeiter oder Kunden voranbringt, kann ihn auf einer internen Innovationsplattform vorstellen. Kommt dieser gut an, wird er in die Tat umgesetzt.

Die Innovationsplattform „HATCH“ wurde vor zwei Jahren gegründet. Seitdem haben 900 Mitarbeiter von Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank mehr als 1500 Ideen eingebracht – einer davon bin ich, Thomas Gantzhorn. Mit meinen bisher mehr als 30 Ideen möchte ich dazu beitragen, unser Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

Thomas Gantzhorn hat schon mehr als 30 Verbesserungsvorschläge eingereicht.

Ich selbst habe schon mehr als 30 Verbesserungsvorschläge eingereicht

So ist es zum Beispiel noch nicht lange her, dass ich ein Massivholzbett über das Internet bestellt habe. Geliefert wurde nach drei Wochen, 100 Euro wollte der Spediteur haben. Da kam mir die Idee: Warum nicht eine App entwickeln, mit der man Frachtaufträge zwischen B2C sowie C2C vermitteln könnte. Wenn tagtäglich viele Mercedes-Fahrer ohnehin von A nach B fahren, würde dies nicht nur die Kosten, sondern auch die Lieferzeit reduzieren. So eine Fracht-Mitfahrbörse hat großes Potenzial. Der Markt boomt, jeder bestellt doch heute im Internet. Kurz danach stellte ich meine Idee auf die interne Innovationsplattform „HATCH“ ein. Das Feedback war positiv und wer weiß: Vielleicht wird das Ganze eines Tages in die Tat umgesetzt.

Es war nicht meine erste Idee, die ich auf „HATCH“ hochgeladen und so mit allen anderen Kolleginnen und Kollegen geteilt hatte. In den letzten zwei Jahren waren es 36 Einfälle, die teilweise in der Umsetzung sind.

So wie ich, können alle Mitarbeiter von Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank auf der Plattform einfach und schnell Ideen einbringen, Kommentare abgeben und Mitgestalter werden. Hinter „HATCH“ steckt ein Netzwerk von 40 internationalen Experten, die für verschiedene Themengebiete zuständig sind und bei weiteren Schritten unterstützen.

Christian Steeb hatte die Idee zur Anwendung einer Software zur automatischen Protokollierung von Meetings über künstliche Intelligenz und hierfür ein Konzept für eine pilotierte Einführung gemeinsam mit seinem Kollegen Maximilian Bade erarbeitet.

Ich bin nicht der einzige mit Erfindergeist: Christian Steeb und sein Kollege Maximilian Bade hatten die Idee für eine Software, die durch künstliche Intelligenz Meetings automatisch protokolliert

Im besten Fall wird ein Budget bereitgestellt, und dann wird aus der Idee ein Projekt. „HATCH“ ist ein einfacher Weg, Ideen zu kommunizieren und den Austausch anzuregen. Insbesondere dann, wenn deren Problemlösungspotenzial und Vorteil auf der Hand liegen und die Umsetzung uns und unseren Kunden praktischen Nutzen stiftet.

Lkw-Warnsystem und alternative Antriebe

Ich arbeite bei der Mercedes-Benz Bank als IT-Testmanager. Aber ich mache mir nicht nur Gedanken über den eigenen IT-Fachbereich, sondern auch über digitale Geschäftsmodelle oder Business Development. Bis dato kam so eine bunte Mischung an Ideen zu allerlei Themen bei Daimler Financial Services, der Mercedes-Benz Bank, aber auch anderen Geschäftsfeldern der Daimler AG zusammen.

Mit SCOOP hat sich mein Kollege Firas Said der Hauptproblematik der Kunden bei einem Gebrauchtwagenkauf von privat an privat angenommen – Vertrauen. Er hat ein Konzept für eine Online-Plattform entworfen, auf der Gebrauchtwagen mit einer 12-monatigen Garantie angeboten werden. Weitere Optionen sind der 30-tägige Käuferschutz oder die Online-Finanzierung des Fahrzeugs

Mit SCOOP hat sich mein Kollege Firas Said der Hauptproblematik der Kunden bei einem Gebrauchtwagenkauf von privat an privat angenommen – Vertrauen. Er hat ein Konzept für eine Online-Plattform entworfen, auf der Gebrauchtwagen mit einer 12-monatigen Garantie angeboten werden. Weitere Optionen sind der 30-tägige Käuferschutz oder die Online-Finanzierung des Fahrzeugs

Ich habe unter anderem eine Idee für alternative Antriebe entwickelt, der den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß reduzieren könnte oder ein Warnsystem für Lkws zur Vermeidung von Kollisionen beim Befahren eines Tunnel- oder Brückenportals oder Konzepte zu Kundenauthentifizierungs-Methoden. Was Letzteres angeht: Der individuelle Gehstil eines Menschen hat 24 Merkmale und ist somit sicherer als der Fingerabdruck. Gekommen war ich darauf, nachdem ich eine Studie zu diesem Thema gelesen hatte.

Woher ich meine Motivation nehme? Ich habe großes Interesse an Technik und praxisnahen Lösungen für Alltagsprobleme. Wir leben in spannenden Zeiten des Umbruchs, und übergreifend bestehen viele Herausforderungen, die nicht nur unser Unternehmen, sondern uns alle betreffen.

Saskia Duppel hat sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Danilo Tyra dem Thema Business Case innerhalb Daimler Financial Services gewidmet. Ein Business Case untersucht eine Investitionsmöglichkeit hinsichtlich dessen Rentabilität. Die beiden haben dafür eine komplette digitale Lösung entwickelt

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht und über den Tellerrand hinausschaut, kann dies sicher nachvollziehen. Meine Ideen resultieren häufig unerwartet aus Alltagssituationen oder Diskussionen heraus. Bei der Ideenfindung orientiere ich mich bewusst nicht an einschlägiger Literatur zu Innovations-Management, und ich betreibe auch kein systematisches Brainstorming. Ideen entwickeln sich meiner Erfahrung nach automatisch über eine gewisse Zeit und müssen reifen.

Der kreative Prozess beginnt eigentlich immer unbewusst und spontan im Kopf, sobald ein vermeintliches Problem oder sagen wir besser, etwas Optimierbares, vor meinem geistigen Auge auftaucht, das geradezu nach einer passenden Lösung schreit. Das geht mir dann meist längere Zeit nicht mehr aus dem Kopf. Sich ein Problem vorknöpfen und an einem Lösungsansatz tüfteln, das mache ich nicht nur, weil es mir viel Spaß macht.

Ich möchte vor allem auch das Unternehmen nach vorne bringen.

Bei uns gibt es viele Dinge, die gut laufen, aber man kann natürlich überall etwas verbessern. Da erinnere ich an ein Zitat von Dieter Zetsche: „Machen Sie Ihrem Kerngeschäft selbst Konkurrenz, bevor es andere tun!“ Deshalb werde ich nicht müde, an meine Kollegen zu appellieren, damit sie selbst aktiv werden und neue Ideen beisteuern. Kreativität steckt in jedem von uns, wir müssen sie nur entfachen. Es braucht einen freien Kopf, um kreativ zu sein, aber es lohnt sich, wenn man sich kurz die Zeit nimmt!

Viele Ideen entstehen unter der Dusche

Apropos Zeit: Bei 36 Ideen mag sich vielleicht doch einer fragen: Schafft der Mann überhaupt noch etwas? Da kann ich aber alle beruhigen. Langweilig wird es mir nicht! Außerdem entwickele ich meine Ideen vornehmlich in der Freizeit. Die Geistesblitze ereilen mich meistens im Urlaub, im Stau oder – der Klassiker – unter der Dusche.

Auf dem Laufenden bleiben nach einem Unfall – dafür hat Thomas Joos eine digitale Lösung gefunden. Wer mit seinem über die Mercedes-Benz Bank versicherten Auto einen Unfall hatte, soll den Bearbeitungsstatus seines Versicherungsfalls ganz einfach und bequem nachverfolgen können und per E-Mail oder Push-Nachricht auf dem Smartphone über die neuesten Updates informiert werden

Es kommt schon mal vor, dass ich nach Feierabend vom Pragsattel in die Daimler-Zentrale nach Untertürkheim fahre, um meine Ideen den dortigen Kollegen vorzustellen. Natürlich gibt es auch Rückschläge. Dann nämlich, wenn eine Idee im Sand verläuft oder die nötige Unterstützung fehlt. Aber ganz ehrlich: das motiviert mich umso mehr. Da kann ich auch richtig, sagen wir mal, beharrlich sein – ich bin vom Sternzeichen Stier!

Thomas Gantzhorn arbeitet bei der Mercedes-Benz Bank als IT-Testmanager. Der gebürtige Stuttgarter hat auch abseits seines Jobs großes Interesse an technischen Entwicklungen und geht mit offenen Augen durch die Welt.