Startup Intelligence Center: Wie wir bei Daimler die besten Start Ups scouten

Welche Innovationsplattformen gibt es bei Daimler und wer steckt dahinter? Bei #venturewednesday geben wir mittwochs Einblicke hinter die Kulissen der Daimler-Ventures und deren spannende Aufgabe: die Zukunft der Mobilität. Dieses Mal: Das Startup Intelligence Center.

Wie sehen die technologischen Trends der Zukunft aus? Welche sind die geeignetsten Startup-Lösungen für ein spezifisches Problem? Mit solchen Fragen beschäftige ich mich als Startup Scout im Startup Intelligence Center bei Daimler Financial Services.

Das Startup Intelligence Center (SIC) ist der Eintrittspunkt für alle jungen Unternehmen, die daran interessiert sind, mit Daimler Financial Services und ihren Tochtergesellschaften zu kooperieren. Das globale Netzwerk besteht aus internen Innovationstreibern und Fachexperten sowie externen Partnern wie Startup Autobahn, Capital Factory , The Bridge und Factory Berlin.

Das SIC schafft Transparenz und verknüpft alle Startup Aktivitäten innerhalb des Finanz- und Mobilitätsumfelds. Mit der Expertise als Scouts und Vermittler bilden wir eine Brücke zwischen der Startup- und Unternehmenswelt und unterstützen die Projekte in den Geschäftsbereichen und Märkten. Mit neuartigen Technologien erschließen wir zudem neue, potentielle Geschäftsmodelle.

Eine Frau gestikuliert bei einer Präsentation

Ob ich schon immer Startup Scout in einem großen Unternehmen werden wollte? Ganz und gar nicht. Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und wie auch die meisten meiner Kommilitonen hatte ich vor, Bankerin oder Beraterin zu werden.

Da ich mich privat sehr für Innovation und Digitalisierung interessierte, nahm ich während meines Studiums an Hackathons teil. An einem lernte ich meine späteren Kollegen kennen und mir kam zum ersten Mal die Idee, dass ich diese beiden Welten beruflich verknüpften könnte. Und so schlitterte ich ziemlich ungeplant in meinem Traumjob herein.

Startup Scouting as a Service

Typischerweise startet meine Suche nach dem perfekten Startup mit einem Auftrag aus dem Fachbereich – wir nennen den Prozess „Startup Scouting as a Service“. Zunächst muss ich genau verstehen, wo bei meinen Kollegen der Schuh drückt. Priorität haben Rückmeldungen unserer Kunden.

Beispielsweise haben wir festgestellt, dass unsere Kunden, nachdem sie einen Fahrzeugschaden bei unserer hauseigenen Versicherung eingereicht haben, nicht nachverfolgen konnten wie der aktuelle Bearbeitungsstatus ihres Schadens ist. Bei solchen und anderen Auftragsklärungen stelle ich kritische Fragen und prüfe, inwieweit meine Kollegen offen wären, mit einem innovativen Unternehmen einen anderen Weg zu gehen, den sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf dem Schirm hatten. Sobald wir den Umfang gemeinsam definiert haben, beginnt die Suche.

Zwei Männer stehen mit dem Rücken zur Kamera und zeigen auf eine Wand, auf der "Discover Barcelona's Startup Ecosystem" steht.

Quantität vor Qualität

Zuerst wird eine umfassende Liste von Startups erstellt, die sogenannte Long List. Diese wird aus Datenbanken, Marktrecherche, internen Quellen und mit Hilfe unserer externen Partner wie Acceleratorprogrammen, zusammengesetzt. Acceleratoren sind Forderungsprogramme für junge Unternehmen und unterstützen diese mit den passenden Mentoren und Ressourcen schnell zu wachsen.

Beim ersten Schritt liegt der Fokus auf der Quantität, um so viel Information und Daten wie möglich zu erhalten, anhand derer eine ausführliche Analyse durchgeführt werden kann. Eine solche Liste enthält je nach Thema und Marktreife schnell zwischen 50 und 400 Startups.

Die Top-Startups finden

Im zweiten Schritt beginnt der Analyseprozess. Auf Grundlage der Kriterien der Fachabteilung und unseren eigenen Qualitätsstandards wird die Long List gekürzt. Solange, bis sie noch ca. 20 Startups enthält. Um alle Aspekte zu berücksichtigen, werden Punkte vergeben. Das Startup-Team, die Reife des Unternehmens, der Kundenstamm, die relevanten Partner und die strategische Eignung fließen bei der Bewertung mit ein.

Dabei werden diese je nach Themenbereich unterschiedlich gewichtet – so sind bei Mobility Startups, die ein Ökosystem aufbauen wollen, vor allem Partnerschaften wichtig, während wir bei Startups im Finanzbereich darauf achten, ob die regulatorischen Anforderungen erfüllt sind. Im Anschluss steigern wir in die qualitative Analyse und nehmen vor allem das Geschäftsmodell genau unter die Lupe.

Eine Frau sitzt am Computer und lächelt in die Kamera

Persönliches Treffen

Gibt es bereits einen konkreten Projektvorschlag für eine Kooperation oder werden weitere Informationen benötigt, kontaktieren wir das Startup und laden es zu einer Präsentation ein – im Fachjargon Pitch genannt. Damit erhalten beide Parteien, also wir und das Startup, die Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen und die jeweiligen Geschäftsmodelle zu verstehen.

Das Projekt startet

Wenn beide Parteien zusammen arbeiten möchten, unterstütze ich als Innovationsmanagerin meine Kollegen aus dem Fachbereich weiterhin während der Pilotphase: Wir entwickeln gemeinsam einen Prototypen, um reales Kunden-Feedback zu erhalten. So haben wir im Beispiel der Schadensmeldung bei unserer Versicherung oben eine Applikation erstellt, um zu zeigen, wie die Nachverfolgung real aussehen könnte. Man findet uns dann mit Fragebögen gewappnet im Mercedes-Benz Museum oder bei unseren Händlern, um direkt das Feedback der potenziellen Endkunden zu unserer Idee einzuholen.

Mehrere Personen posieren vor einem Roll-Up und strahlen freudig in die Kamera.

Fallen die Rückmeldungen vielversprechend aus, streben wir eine langfristige Kooperation mit dem Startup an. Ergibt sich während des Projektes auch eine Investitionsmöglichkeit, arbeiten wir eng mit unseren Kollegen von M&A Technology and Venture zusammen.

Diese beraten uns mit ihrer Expertise dabei,  die richtige Struktur für so eine Investition zu finden. Während wir bei unserem Startup Scouting die Zusammenarbeit in Form von Pilotprojekten vor Augen haben, liegt der Fokus bei M&A Technology and Venture mehr auf der Investitionsentscheidung.

Ein Mann sitzt mit dem Rücken zur Kamera an einem Computer. Auf dem Bildschirm kann man Diagramme erkennen.

Was mich am Beruf des Startup Scouts fasziniert, ist, dass es auf der einen Seite sehr analytisch zugeht. Man kämpft sich durch zahlreiche Startupprofile, schaut sich den Markt an, zieht quantitativ Schlüsse. Und doch muss man auf der anderen Seite auch kommunikativ sein, netzwerken und verhandeln können. Zwei vollkommen unterschiedliche Aspekte.

Es ist ein Beruf mit Trends, Geschäftsmodellen und vor allem Menschen. Wie verknüpft man die Interessen des Startups mit denen von unserem Unternehmen? Wo sind gemeinsame Schnittpunkte, wie kreiert man wirklich Mehrwert? Soll man etwas für die Zukunft riskieren? Was man dafür braucht: Kreativität, um einmal um die Ecke zu denken, Mut, es auch auszusprechen und Ausdauer, alle davon zu überzeugen.

Neue Woche, neue Aufgaben

Kein Tag ist wie der andere und ich habe die große Freiheit, selbst zu gestalten und Themen voran zu treiben. Manchmal beginne ich die Woche damit, mich durch Datenbanken zu klicken, habe dann am Mittwoch einen Design Thinking Workshop für ein neues Innovationsprojekt und steige dann in den Flieger, um die Woche auf einem Startup Event zu beenden – immer auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und interessanten Innovationsprojekten für unser Unternehmen.

Ein kleiner, fahrender Roboter im Vordergrund. Im Hintergrund Menschen mit skeptischen Blicken.

Mein großes Highlight war, dass ich mit meinen Kollegen unser „Startup Scouting as a Service“ aufbauen konnte, da es einen solchen Prozess bei Daimler Financial Services noch nicht gab. Manchmal fühlt es sich an, als wären wir selbst noch ein kleines Startup. Auch die Möglichkeit, mit so vielen unterschiedlichen Typen von Menschen aus der ganzen Welt zusammenarbeiten zu können, ist unglaublich bereichernd. Und nach wochenlangem Scouting und monatelangen Verhandlungen die Unterschriften auf dem Kooperationsvertrag zu sehen – für mich die Motivation, jeden Tag glücklich und dankbar zu starten.

Leidenschaft für Digitalisierung und neue Technologien wie Blockchain. In ihrer Freizeit ist sie ein begeisterter Foodie und geht den neusten kulinarischen Trends nach.