„Das ist doch kein Sport!“ – Die Top 3 Missverständnisse über eSports

Die Diskussion, ob eSport wirklich Sport ist, gibt es schon seit geraumer Zeit. Zweistellige Wachstumsraten, ausverkaufte Stadien, Zuschauer im Millionenbereich und Preisgelder von mehreren Millionen zeigen eindeutig, dass eSports längst mehr als nur eine Randerscheinung ist.

Auch immer mehr prominente Stars wie Rick Fox und traditionelle Sportvereine wie Manchester City investieren bereits in eSports und nun eben auch Marken wie Mercedes-Benz. Daher ist es höchste Zeit, einige Vorurteile auszuräumen und den eSports einmal genau unter die Lupe zu nehmen.

Doch zunächst: Was ist eSports überhaupt?

eSports ist der professionelle Wettbewerb von Menschen in Computer- und Videospielen. eSports ist immer Gaming, Gaming aber nicht immer eSports. Beim Gaming steht der Unterhaltungsaspekt im Vordergrund, beim eSports hingegen der Wettbewerbsaspekt. Wie beim traditionellen Sport gibt es im eSports bewährte Strukturen, einheitliche Regeln, Preisgelder und Spielergehälter.

Die Barclaycard Arena in Hamburg 2017 ist beim eSports Event ESL One voller Zuschauer

Impressionen von der ESL One in der Barclaycard Arena in Hamburg 2017

Die Spiele werden in Arenen ausgetragen, verfolgt von Fans, es gibt Stars (wie beispielsweise Søren Bjerg oder auch mein Bruder, der bekannteste deutsche League of Legends-Spieler), es gibt ein Spielfeld. Die Industrie funktioniert im Prinzip wie im traditionellen Sport auch: Teams spielen Games, diese sind organisiert in Ligen oder Turnieren und werden den Fans über verschiedene Plattformen zur Verfügung gestellt. Aber werfen wir nun einen Blick auf die typischen Vorurteile des eSports.

1. Das sind doch nur Ballerspiele/Shooter!

Nein, es gibt sehr viele verschiedene Spielgenres. Im eSports sind Echtzeit-Strategiespiele, Shooter und Sport-/Rennsimulationen am weitesten verbreitet. Klassifiziert man die Spieletitel nach den monatlich aktiven Spielern, der Anzahl an Zuschauern und dem jährlich ausgeschütteten Preisgeldern, stehen mit League of Legends und Dota2 zwei Strategiespiele an der Spitze. Die Anzahl der aktiven League of Legends Spieler übersteigt mit über 80 Millionen sogar die Einwohneranzahl Frankreichs. League of Legends und Dota2 sind sogenannte Multiplayer Online Battle Arenas (kurz MOBAs), einer Unterkategorie der Echtzeit-Strategiespiele.

Die Teams Virtus Pro und Newbee in der Charakterauswahl bei einem Dota2-Event im Rahmen des ESL One Turniers 2017 in Hamburg

Bei diesen Spielen treten zwei Teams à fünf Spielern gegeneinander an. Zu Spielbeginn wählt jeder Spieler einen aus über hundert Charakteren mit individuellen Stärken, Schwächen und Fähigkeiten aus. Bestimmte Charaktere ergänzen sich besonders gut und schaffen so Vorteile wie zum Beispiel höhere Mobilität. Gewählt wird abwechselnd. Das erlaubt auch die Auswahl eines Charakters der sich besonders gut als Gegencharakter für einen bereits vom Gegner gewählten Charakter eignet – ein sogenannter „Counter Pick“.

Zusätzliche strategische Tiefe wird durch die Möglichkeit erzielt, einzelne Charaktere von der Auswahl auszuschließen – sogenannte „Bans“. Diese „Pick & Ban“-Phase ist hochstrategisch und erfordert viel Taktik und Antizipation, vergleichbar mit Schach. Beim Spiel geht es dann darum, als erster die gegnerische Basis zu erobern. Die Team Zusammenstellung legt hierfür bereits den Grundstein.

Figur aus der Onlinespiele-Welt überreicht auf einem eSports Ebent den MVP-Pokal

Figur aus der Onlinespiele-Welt mit dem MVP-Pokal. Photo: Viola Schuldner, ESL

2. eSportler sind doch keine echten Sportler!

Für eSportler stehen nicht körperliche Ausdauer oder Kraft im Mittelpunkt, sondern die geistigen Anforderungen, welche die des klassischen Sports in Teilen deutlich übersteigen. Überdurchschnittlich hohe Konzentrationsfähigkeit, exzellente Hand-Augen-Koordination, blitzschnelle Reaktionsgeschwindigkeiten, Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke sind entscheidend. Ein tägliches und intensives Training ist unerlässlich, um mentale und körperliche Höchstleistungen zu erzielen. Das funktioniert wie bei traditionellen Sportarten auch. Wie ein Rennfahrer versucht, seine Rundenzeiten zu verbessern, trainiert ein MOBA-Spieler unterschiedliche Charaktere und Spielzüge.

Dafür ist physische Fitness eine wichtige Grundlage. Daher haben eSportler, wie auch Fußball- oder Tennisspieler, feste Trainingszeiten, Coaches, Ernährungspläne, Sportpsychologen und –physiologen, die den Athleten ermöglichen, das Beste aus sich herauszuholen. Studien an der deutschen Sporthochschule in Köln ergaben, dass der Cortisolspiegel von eSportlern auf dem Niveau von Rennfahrern liegt und der Puls mit 160 – 180 Schlägen pro Minute dem eines Marathonläufers entspricht.

Drei asiatische Männer spielen gemeinsam an einem Bildschirm beim eSports Event ESL One in Hamburg 2018

Team Aster in Action auf der ESL One in Hamburg 2018. Bild: (c) GES-Sportfoto/Mercedes-Benz

Bei einigen eSports Spieletiteln, wie beispielsweise Dota2 oder League of Legends, gibt es keine fest definierte Spieldauer – das Spiel endet erst, wenn die gegnerische Basis erobert wurde. Bei League of Legends liegt der Rekord für das längste Liga-Spiel bei über 90 Minuten. Bei größeren eSports Turnieren müssen die Spieler teilweise bis zu fünf Spiele hintereinander absolvieren und somit viele Stunden Höchstleistungen erbringen. Die hohen Anforderungen an die eSportler zeigen sich auch an der kurzen Karrierelaufbahn. Ab Mitte 20 lassen Reaktionsgeschwindigkeit und Konzentrationsfähigkeit nach, was dazu führt, dass die Spieler trotz der größeren Erfahrung mit den jüngeren Spielern kaum mithalten können.

3. Sind das nicht nur Nerds?!

Die eSports Community ist global, jung, digital-affin und sehr gebildet. Die Kernaudienz ist zwischen 18 und 34 Jahren alt, mit einem Frauenanteil von circa 30 Prozent – Tendenz steigend. Zwei Drittel der eSports Fans sind an einer Universität eingeschrieben oder haben bereits einen Abschluss – viele mit Schwerpunkt IT, Ingenieurswesen und Management. Dem Marktforschungsunternehmen Nielsen zufolge sind sogar über die Hälfte der eSport-Fans auch an traditionellen Sportarten interessiert. Nerd oder nicht, fest steht, eine sehr interessante Zielgruppe.

Der eSports Spieler MidOne mit der Mercedes-Benz MVP Trophäe vor einer Mercedes-Benz A-Klasse auf der ESL ONE Hamburg 2018

Der Spieler MidOne mit der Mercedes-Benz MVP Trophäe vor einer Mercedes-Benz A-Klasse auf der ESL ONE Hamburg 2018. Bild: (c) GES-Sportfoto/Mercedes-Benz

Wann und warum ist Mercedes-Benz in den eSports eingestiegen?

Wir von Mercedes-Benz haben das immense Potenzial der Branche schon früh erkannt und sind als erster Automobilhersteller bereits 2017 in den eSports eingestiegen. Mit dem Engagement erweitern wir unser Sponsoring Portfolio zukunftsorientiert. „Als global agierende Marke wollen wir uns neuen Zielgruppen öffnen“, so Britta Seeger, Vorstandsmitglied der Daimler AG, verantwortlich für den Mercedes-Benz Cars Vertrieb. Unser Ziel ist es, eSports weiter voranzutreiben und Mehrwert zu generieren, indem wir beispielsweise unsere Mobilitätslösungen anbieten und neue spannende Formate etablieren.

Die ESL, eine der ältesten und größten eSports Organisationen weltweit, stellt für uns den idealen Partner dar. Die Partnerschaft umfasst vier große Dota2 Events der internationalen ESL One Turnierserie. Im Rahmen der Turnierserie stellen wir den Teams einen komfortablen Mercedes-Benz Shuttle-Service zur Verfügung und haben ein neues Format eingeführt: Die Auszeichnung des „Mercedes-Benz Most Valuable Player“, bei dem der beste Spieler des Turniers von der Community und einer Fachjury gewählt wird. Der Gewinner darf sich einen brandneuen Mercedes-Benz im Wert von bis zu 50.000,- Euro konfigurieren und bekommt im Rahmen der Siegerzeremonie einen maßgefertigten MVP-Pokal überreicht.

Übergabe der Mercedes-Benz MVP Trophäe an den eSports Spieler MidOne von Team Secret auf der ESL One Hamburg 2018

Übergabe der Mercedes-Benz MVP Trophäe an MidOne von Team Secret auf der ESL One Hamburg 2018. Bild: (c) GES-Sportfoto/Mercedes-Benz

Wie geht es weiter?

Mit der Verlängerung und dem Ausbau unserer Partnerschaft mit ESL wollen wir eSports nun auch auf nationaler Ebene weiter ausbauen. Das Engagement im Rahmen der ESL One Dota2 Turnierserie als Premiumpartner und die Auszeichnung des Mercedes-Benz MVP bleibt weiterhin bestehen.

Unser neuester Film „The Way“, den wir auf YouTube veröffentlicht haben, zeigt die Entwicklung von den Anfängen des Gamings zum heutigen eSports und die Verbindung mit unserer Marke. Diese Entwicklung haben wir auf der ESL One im Oktober letzten Jahres, auch in unserem Standkonzept, der Mercedes-Benz Gaming Lounge, aufgegriffen. Auf Retro Gaming Stationen konnten historische Spieleklassiker wie Pacman und Frogger gespielt werden und auf den originalen Sitzen eines 450 SEL aus den 1970ern wurden verschiedene Rennsimulationen angeboten. Aber auch aktuelle eSports Titel wie Dota2 konnten unsere Besucher über professionelle Gaming Setups spielen.

Die Mercedes-Benz Gaming Lounge bei einem eSports Event mit Retro Gaming Stationen

Unser Standkonzept: Die Mercedes-Benz Gaming Lounge mit Retro Gaming Stationen. Photo: Viola Schuldner, ESL

Außerdem haben wir zu Beginn des Jahres 2019 die Beteiligung an SK Gaming, einer der erfolgreichsten eSports Organisationen weltweit, mit eigenen Teams, unter anderem in League of Legends, FIFA und Clash Royale, bekanntgegeben. Künftig werden die Spieler unseren Stern auf der Trikotbrust tragen und gemeinsam werden wir sicherlich viele Erfolge feiern und spannende Geschichten erzählen können.

Die eSports Spieler Crownshot (Jus Marusic), Werlyb (Jorge Casanovas), Pirean (Junsik Choi), Selfmade (Oskar Boderek), Dreams (Min Kook Han) von SK Gaming

Crownshot (Jus Marusic), Werlyb (Jorge Casanovas), Pirean (Junsik Choi), Selfmade (Oskar Boderek), Dreams (Min Kook Han) von SK Gaming

Ich kann nur jedem empfehlen sich einmal vorurteilsfrei mit dem Thema eSports zu befassen – und falls ihr schon neugierig seid, besucht doch einfach selbst mal ein eSports Event. Im Februar 2019 findet in der Spodek Arena in Polen die ESL One Katowice – eines der größten Dota2 Events mit einem Preisgeld von 300.000,- USD – statt. Hier werden wir als Premium Partner der ESL präsent sein und haben sicher auch für euch spannende Programmpunkte geplant.

Gunnar Schrage ist im Bereich Branded Entertainment für die Aktivierung von Sponsoring Maßnahmen von Mercedes-Benz im eSports verantwortlich. Er ist selbst leidenschaftlicher Gamer und schrieb bereits im Rahmen seines Sportmanagement Studiums seine Abschluss-Thesis über Wertschöpfungsprozesse und das Ökosystem im eSports. Als freiberuflicher eSports Manager konnte er bei Vertragsverhandlungen und Sponsorengesprächen schon viele Erfahrungen in der Branche sammeln.