Die Top 5 Tech-Trends der CES 2019 in Las Vegas

Es ist wieder einmal so weit: Der mediale Tross aller Tech-Liebhaber trifft sich Anfang Januar im Spieler-Paradies von Nevada um sich die neuesten technologischen Errungenschaften, nicht nur aus der Unterhaltungselektronik-Industrie vorstellen zu lassen. Und ich war für euch mittendrin statt nur dabei!

Jetzt habe ich im Rahmen meiner nunmehr 12. CES wirklich lange überlegt, wie ich euch diese verrückte Show am besten näher bringe. Natürlich habe ich eine große Daimler-Brille auf, letztendlich bin ich deshalb auch in Vegas und möchte am liebsten in die Vollen gehen und Jubelarien über den Auftritt der “Truckies” und der Vorstellung des Level 2 Cascadia oder aber zum Launch des neuen Mercedes-Benz CLA in die digitale Weltgeschichte posaunen… ehrlich jetzt und aus voller Überzeugung, denn die Kolleginnen und Kollegen haben hier einen sensationellen Job gemacht.

Aber lasst uns die CES doch bitte für einen Moment mal aus einer anderen Perspektive betrachten. Konzern-Perspektive runterfahren, Techblogger-Brille aufsetzen. Back to the roots!

Hier kommen meine 5 Top Trends 2019:

1. Die Roboter kommen nicht, sie sind da!

Wer sich durch die diesjährigen Messehallen bewegt, kann sich vor allerlei Robotern für das smarte Haus, den smarten Garten, den smarten Swimmingpool… ach was weiß ich denn, was wir nicht alles smart machen wollen? “Erwehren” fehlte noch um den Satz abzuschließen und genau das kann man einfach nicht mehr.

Der große Unterschied zu den letzten Jahren ist aber, dass inzwischen Lösungen angeboten werden, die nicht nur schick auf dem Stand aussehen und die Besucher in Scharen anziehen, sie haben inzwischen auch einen wirklichen Nutzen. So sehr, dass ich mir sogar vorstellen kann meinen Staubsauger-Roboter mit weiteren Exemplaren zu ergänzen.

Und an dieser Stelle breche ich eine Lanze für Samsung, denn was die Süd-Koreaner da auf ihrem Stand auffahren, das ist nicht nur auf einem völlig neuen Level, es hat auch noch Substanz!

Samsung Bot Retail, Samsung Bot Care, Samsung Air Bot (v.l.n.r.) (c) Samsung-Presse

Der Samsung Air Bot fährt zum Beispiel durch verschiedenste Räume der Wohnung, misst die Luftqualität und reinigt diese, sollte sie einen bestimmten Wert überschreiten. Ich bin Allergiker und habe mir aus diesem Grund bereits zwei “Luftfilter” in meine Wohnung gestellt. Einen ins Wohn-, den anderen ins Schlafzimmer. Hier könnte der Air Bot wirklich sämtliche Räume übernehmen!

Der Samsung Bot Care hingegen könnte in Krankenhäusern und Betreuungseinrichtungen eingesetzt werden. Er kann unter anderem Blutdruck und Herzfrequenzen messen.

Last but not least haben wir noch den Samsung Bot Retail, der über sein “Touchscreen-Gesicht” Informationen, nicht nur in Geschäften bereitstellen, sondern in Restaurants eingesetzt Bestellungen aufnehmen, Essen liefern und Bezahlungen durchführen könnte.

Samsung Bot Retail (c) Samsung-Presse

Ich könnte hier noch ein gutes Dutzend Beispiele (u.a. den Elli-Q oder den Temi) anführen, muss aber ganz klar sagen, dass ich davon beeindruckt bin, wie breit Samsung hier inzwischen denkt und dabei immer den Kunden in den Mittelpunkt packt. Da haben sie meiner Meinung nach die Nase ganz klar vorn!

2. Ohne Sprachassistent geht (fast) nichts mehr

Frage in die Runde: Wer von euch hat ein Smartphone? Dachte ich mir… denn dann habt ihr auch einen Sprachassistenten wie Siri oder den Google-Assistant. Wer sich dann noch für Amazon Echo oder Google Home entschieden hat, holt sich diese auch in die eigenen vier Wände. Und wer schon einmal in der neuen A-Klasse mit MBUX gesessen hat, der wird nach einem “Hey Mercedes” genau wissen, warum auch wir so umfangreich in diese Technologien investieren.

Die “smarten” Helferlein sind inzwischen überall und auch ich habe meine Wohnung, zumindest bezüglich aller vorhandenen Lampen, komplett mit einem Sprachassistenten verknüpft. Der weckt mich am Morgen angenehm mit “Sonnenaufgang-Licht” und meditativer Soundkulisse, liest mir dann die aktuellen News der großen Nachrichtenstationen vor, erinnert mich an wichtige Termine und schaltet dann alle Lichter nach einem “Ok Google, I’m heading out” aus und die Luftfilter (sollte dies benötigt werden), sowie den Staubsauger-Roboter an.

Freunde, ich lebe alleine, vergesse solche Dinge gerne mal und bin von daher, ohne auch nur ansatzweise eine emotionale Bindung zu diesen digitalen Helfern eingehen zu wollen, verdammt dankbar, dass es diese Möglichkeiten gibt.

Auf der CES wurde dies aber langsam aber sicher auf neue Spitzen getrieben, bei denen ich nicht mehr so wirklich mitkomme. Jetzt bin ich aus Asien Hightech-Toiletten gewohnt, aber warum ich in Zukunft den Thron per Sprachsteuerung bedienen soll, das überschreitet einfach meinen Horizont. Licht, beheizte Sitzfläche und “Ambient-Sound” können darüber kontrolliert werden. Nach dem Motto:

Alexa, bitte spiele ‚Freude schöner Götterfunken‘ wenn ich fertig bin und spüle dann ab.

Öfen, Waschmaschinen, Türschlösser… ja sogar Duschen werden über Sprachassistenten kontrolliert. Wir nähern uns also immer mehr dem Raumschiff Enterprise Szenario an:

Kirk: “Computer, welche Funktionen hast du eigentlich auf dem Kasten?”

Computer: “Alle!”

3. Displays, Monitor & TVs zum träumen

“Sitz nich den ganzen Tach vor der Flimmerkiste. Du musst auch mal anne frische Luft, Junge!” Meine abgöttisch geliebte Omi wollte doch nur das Beste für mich und natürlich hatte sie Recht. Ich hing halt gerne vor meinem 64er, daddelte die neuesten Games oder bastelte aus simplen Sequencer Sounds und Sprite-Animationen Demos zusammen.

Was mich aber damals vor meinem ersten “eigenen” Schwarz/Weiß-Fernseher in den Bann zog, hätte mir mit der heutigen Display-Technologie das komplette Hirn durch die Schädeldecke gepustet. Vor Begeisterung, Verwunderung, Überraschung!

Was die Hersteller hier inzwischen für Hardware vorstellen, dass ist einfach nur noch atemberaubend. Und ja, auch hier breche ich eine Lanze für die Display-Industrie aus Süd-Korea. LG und Samsung haben es einfach drauf.

Der LG OLED-Canyon ist nicht mehr und nicht weniger als das abgefahrenste visuelle Erlebnis, dass ich mir vorstellen kann. Eine Art von Display-Schlucht, die mit Inhalten in 4k-Auflösung bespielt wird. Freunde, danach sieht die graue und vor allen Dingen ebenso künstliche Realität in Las Vegas, ne Ecke langweiliger aus. Wahnsinn… absoluter Wahnsinn und wieder einmal ein Beweis dafür, wie sehr wir von visuellen Eindrücken bestimmt werden.

Der LG OLED-Canyon (c) LG-Presse

Samsung hingegen zeigte erneut “The Wall”, diese Traumfabrik-Plattform mit 8K-Auflösung. Du stehst davor und kannst es einfach nicht begreifen. Was läuft da bitte vor mir ab und kann ich da reinfassen? Ich habe mein Foto mit meinem Smartphone geschossen und aus entsprechender Entfernung… dennoch könnt ihr wirklich jedes Detail des Astronauten erkennen. Sensationell!

The Wall mit 8K-Auflösung

Ebenso beeindruckt war ich von “The Frame” und zwar so, dass ich inzwischen ganz klar weiß, was in meiner Wohnung Einzug halten wird. Displays in unterschiedlicher Größe, die wie Bilder aussehen.

The Frame: Fernseher und Kunstgallerie in einem

Und sonst so?

Ich hätte nun wirklich noch die großen AI-, VR-, Drohnen-, oder Gaming-Fässer aufmachen können. Seid mir nicht böse, dass ich hier nicht näher drauf eingehen werde. Ja, es gibt inzwischen Drohnen für jeden Einsatzzweck und selbst Drohnen-Bikes der Polizei in Dubai wurden ausgestellt… richtige Neuheiten habe ich hier jetzt aber nicht wirklich entdeckt bzw. mich persönlich haben die Produkte einfach nicht interessiert. Sorry für meine subjektiven Eindrücke. Aber zwei Highlights habe ich dann noch für euch:

4. Das faltbare Smartphone

Bereits 2010 habe ich ein ausführliches Video auf der Display Show in Tokio gedreht, welches flexible OLED-Displays zeigte. Jetzt sind faltbare Smartphones serienreif, wobei ich mich wirklich frage, ob man hier wirklich der erste Hersteller sein möchte, der damit auf den Markt kommt.

Das Royole Flexpai galoppiert dem viel diskutierten Trend voraus und zeigt, wie ein derartiges Handset aussehen kann.

Gadget mit faltbarem Display

Verzeiht es mir, wenn ich nicht auf den typischen Smartphone-Spezifikationen rumreite, sondern mich auf die “Faltbarkeit” des Displays konzentriere. Auf dem jetzigen Entwicklungsstand halte ich die Technologie für nicht ausgereift. Die Samples am Stand wiesen umfangreiche Gebrauchsspuren auf und sobald ihr das Phone umbiegt, ist es so dick wie ein Nokia Energy aus den 90er-Jahren.

5. Wer hat sich das ausgedacht?

Last but not least mein WTF?! der Messe. Wer zur Hölle hat sich das ausgedacht? Jetzt bin ich durchaus ein Freund der Japanischen Chindogu-Bewegung, die in den letzten Jahrzehnten verrückteste Gadgets hervorbrachte (unvergessen die Spaghetti-Gabel mit Kurbel zum Aufrollen der Nudeln), aber ein mobile Mixer in Kombination mit Bluetooth-Speaker und Powerbank um das Smartphone aufzuladen… wie kann man das bitte noch toppen?

Die Kreativität kennt auf der CES keine Grenzen

CES – Ich kann nicht ohne!

Und damit mache ich den Deckel auf die Consumer Electronic Show des Jahres 2019, wobei ich mich gerne den Worten von Alexander Gerst anschließen möchte, dass die eigene Perspektive immer unvollständig sein wird.

Nein, ich kann nicht jeden Hersteller besuchen, jede Halle durchstöbern oder jedes Gadget ausprobieren. Ich persönlich nehme mir immer vor zwei, drei große Trends abzuarbeiten, zu schauen wie die Marktführer darauf reagieren und dann mindestens einen halben Tag in einer der “alles geht”-Hallen zu verbringen. Die unbekannten Tüftler und Designer abgrasen, die oft einen Ausblick auf potenzielle Märkte für die Zukunft geben.

Nach einer guten Woche Vegas hänge ich dann meistens auch so in den Seilen, dass ich schon mindestens zehn Mal erklärt habe, dass es im nächsten Jahr einfach mal ruhiger laufen muss. Nein, muss es nicht… ich kann nicht ohne CES. Brauche diese Reizüberflutung einfach, aber dann auch 52 Wochen Reha, bis es dann auch 2020 wieder heißt: Welcome to fabulous Las Vegas!

P.S. All unsere Ankündigungen findet ihr auf dem Daimler CES Hub!

Sascha Pallenberg ist für die Digitale Transformation in der Unternehmenskommunikation verantwortlich. Der ehemalige Techblogger bereitet insbesondere Inhalte an der Schnittstelle zwischen Auto- und IT-Industrie für Daimler Online-Medien auf. Er ist außerdem Gründer von Mobile Geeks.