Sabbatical auf Bali: Hilfseinsatz unter Wasser

Haben Sie jemals davon geträumt, eine Auszeit zu nehmen? Ich hab´s gemacht. Und dabei Korallenriffe auf der Insel Bali gerettet.

Ich arbeite als Formel 1-Techniker in Brixworth in Großbritannien. Ich hatte jedoch schon seit langer Zeit das Bedürfnis, mich ehrenamtlich zu engagieren. Deshalb entschied ich mich dafür, ein Sabbatical zu machen. Es ist toll, dass unser Konzern diese Möglichkeit anbietet. Ich wollte meine zweimonatige Auszeit sinnvoll nutzen: Statt Ferien am Strand machen, am Strand arbeiten. Das war die Idee. Und ich bereue sie nicht.

Die Idee

Für mich war die Zeit gekommen, etwas zurückzugeben. Als es im Hebst 2017 langsam kalt wurde und der Winter kam, hatte ich Zeit, mir Gedanken zu machen, wie das Sabbatical aussehen sollte. Inspiriert wurde ich von meinem Hobby. Als begeisterter Taucher liegt mir die Unterwasserwelt besonders am Herzen, daher bin ich auf ein Umweltschutz-Programm auf der Insel Bali aufmerksam geworden. Das Programm kümmert sich um beschädigte Korallenriffe, schützt diese und baut sie wieder auf. Das klang interessant und passte, so flog ich von April bis Ende Mai für acht Wochen auf die Insel.

Abflug

Mit einem Koffer voller Vorfreude, Begeisterung, Abenteuerlust und einer Schnorchel-Maske machte ich mich auf den Weg. Um ehrlich zu sein – ich war nervös. Aber das Glücksgefühl überwog. Ich wusste, dass dieses Projekt mein Leben positiv verändern würde.

Der Start

Mein neues Zuhause für die nächsten acht Wochen war ein kleines, schlichtes Haus ohne warmes Wasser, dafür aber in direkter Strandnähe. Am Morgen, während wir Pfannkuchen und frische Früchte aßen, diskutierten wir, was wir tagsüber machen. Ich teilte das Haus mit anderen Freiwilligen. Ich traf Leute aus Malaysia, Chile, Portugal und Deutschland. Sie waren meist jünger als ich. Viele kamen nach ihrem Schulabschluss für ein Überbrückungsjahr nach Bali, um sich so wie ich aktiv für den Naturschutz zu engagieren. Es war toll zu sehen dass sich so viele Menschen aus der ganzen Welt für die Instandhaltung der Korallenriffe einsetzten.

Die Arbeit

Wir alle halfen beim Bau eines künstlichen Riffs vor der Küste von Tianyar am nördlichen Ende von Bali. Das Riff von Tianyar befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Bis in die 1950er Jahre war der Strand ein Hafen für Händler, die ihre Schiffe am Riff ankerten. Und in letzter Zeit verunreinigt der Plastikmüll im Meer das Riff.

Ich mischte täglich Sand, Zement und Kalzium, um Riffstrukturen herzustellen. Die Riffe bilden später einen sicheren Lebensraum für Fische. Nachdem die von uns am Strand gebauten Riffe vollständig ausgehärtet waren, setzten die lokalen Fischer sie auf ihre Boote und fuhren sie raus aufs Meer. Mit einigen Tauchern war es meine Aufgabe, die Riffe unter Wasser zu positionieren.

Mir war auch wichtig, den jungen Männern der Insel eine Alternative zum Fischen zu zeigen. Deshalb brachte ich ihnen das Tauchen bei, damit sie zukünftig die Möglichkeit haben, als Tauchlehrer statt als Fischer zu arbeiten.

Auf Entdeckungstour

Ich arbeitete vier Tage die Woche. In meiner freien Zeit war ich hauptsächlich unter Wasser. Um mehr Fischarten kennenzulernen, tauchte ich einige Male an einem Schiffswrack aus dem zweiten Weltkrieg. Dort gab es Fische wie Barrakudas, Mantas und große Zackenbarsche. Zudem sammelte ich unter Wasser immer wieder Plastikabfälle und alte Angelschnüre ein und reinigte mit Schulkindern den Strand. Das war eigentlich jeden Tag notwendig, da die Flut immer wieder neuen Abfall anschwemmte.

Ich entdeckte aber auch Bali und besuchte beispielsweise die Stadt Ubud im Hochland. Sie ist bekannt für traditionelles Handwerk, Tanz und für Yoga. Ich wanderte auf den Gipfel eines Vulkans. Das frühe Aufstehen lohnte sich, die Mischung aus Rauch und dem Sonnenaufgang war sehr beeindruckend. Ein Moment, den ich nie vergessen werde, allein schon wegen der atemberaubenden Aussicht über die Insel.

Wieder zu Hause

Als ich nach Brixworth zurückkehrte, waren alle sehr gespannt auf meinen Bericht. Sie waren stolz auf das, was ich tat – und ich war es auch. Es war eine lohnende Erfahrung, freiwillig auf Bali zu arbeiten. Und ich würde es jederzeit wieder tun.

 


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Lee Cobley ist Montagetechniker bei Mercedes AMG High Performance Powertrains in Brixworth, Northamptonshire.

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