DigitalLife@Daimler: Wachsen durch Teilen mit „Working Out Loud“

Kenner bekommen glänzende Augen – Neulinge stolpern erstmal über den Namen: „Working Out Loud“. Aber was steckt dahinter?

Als Teil des Teams #collaborate in der DigitalLife@Daimler Strategie beschäftige ich mich schon lange mit dieser Methode. „WOL“, wie wir es meist abkürzen, ist nicht kompliziert. Es ist ein einfacher, toller Weg, um mit Spaß und überschaubarem Zeitinvest mit anderen ein selbst gestecktes Ziel zu erreichen. Ohne es an die große Glocke zu hängen, hat Daimler den Ansatz früh vorangetrieben – auch über das eigene Unternehmen hinaus.

Soviel Ehrlichkeit muss sein: Als ich Ende 2016 in das Team #collaborate von Lukas Fütterer einstieg, hatte ich von Working Out Loud noch nie gehört. Der Begriff fiel in meinem Bewerbungsgespräch, und so besorgte ich mir zunächst einmal das Buch von John Stepper. Der New Yorker hat die Methode entwickelt und auch Daimler bei der Umsetzung unterstützt. Ich las das Buch und war fasziniert. Sichtbar und offen arbeiten? Das tat ich zu diesem Zeitpunkt schon eine Weile. Aber das sich das noch optimieren und methodisch erlernen lässt, zeigten mir die Lektüre, die Geschichten von anderen Praktikern und nicht zuletzt John Stepper selbst.

Anfang 2016 hatte Lukas mit einer Handvoll Mitstreiter bereits einen ersten so genannten Circle gestartet (dazu gleich mehr). Es gab eine kleine Community rund um das Thema, aber noch wenig Systematik. Im Grunde war es eine typische „Graswurzelinitiative“, die auf ihren Durchbruch wartete. Und ich bekam mit meinem Start im Team die Chance, die Graswurzel weiter wachsen zu lassen.

Wie WOL funktioniert

Bevor ich erzähle, wie es mit der Geschichte von WOL bei Daimler weiterging, sollte ich ein paar Grundlagen klären: Wie funktioniert WOL überhaupt?

Wir unterscheiden zunächst Geisteshaltung und Methode. Viele von uns praktizieren schon seit Jahren WOL – ohne zu wissen, dass es dafür einen Namen gibt. Bereit sein, die eigene Arbeit auf eine Weise sichtbar zu machen, die allen einen Mehrwert bringt. Sie anderen ohne Bedingungen zur Verfügung stellen. Nachhaltige Netzwerke aufbauen und nicht zuletzt zielgerichtet arbeiten: Das alles zeichnet diese Denkweise aus.

Methodisch basiert WOL auf „Co-Creation“. Fünf Personen – die sich im besten Falle vorher nicht kennen und in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten – finden sich in „Circles“ zusammen. Jeder wählt ein eigenes Ziel. Etwa: „Ich möchte mein Business Englisch verbessern.“ Oder: „Ich möchte ein Netzwerk rund um das Thema Künstliche Intelligenz aufbauen.“ Über zwölf Wochen trifft sich die Gruppe einmal wöchentlich für eine Stunde, virtuell oder persönlich.

In dieser Stunde folgen sie einem ausgeklügelten Leitfaden, der durch Aufgaben und Diskussionsthemen die Zielerreichung fördert. Durch den regelmäßigen Austausch unterstützen die Gruppenmitglieder sich dabei, ihre individuellen Ziele zu erreichen. Der Motivationsaspekt ist dabei nicht zu unterschätzen. Denn wer kennt das nicht: Mich alleine zum Sport aufraffen? Eher schwierig. Gemeinsam mit anderen? Das macht gleich mehr Spaß und erhöht die Verbindlichkeit.

Nur zwölf Stunden Einsatz in drei Monaten – und jeder kann sein Ziel erreichen. Und „nebenbei“ noch vieles andere mehr: zum Beispiel lernen, die eigene Arbeitsweise zu reflektieren und zu ändern. Sich trauen, offen auch über „Unfertiges“ zu sprechen. Sich mit Menschen vernetzen, die ganz anders arbeiten und denken als man selbst. Virtuelle Zusammenarbeit trainieren und so souveräner mit dem digitalen Wandel umgehen.

Ich werde oft gefragt, warum die Methode über einen „so langen“ Zeitraum verfolgt werden muss und es dazu nicht einfach einen Ganztags-Workshop gibt. Ganz einfach: Der Prozess über zwölf Wochen ermöglicht es jedem, Schritt für Schritt zu wachsen. Und sich langsam an Neues zu gewöhnen. Veränderung braucht Zeit, und unsere Erfahrungen zeigen, dass ein überstürzter Wandel oft zum Scheitern verurteilt ist.

Achtung, Suchtgefahr!

Die Methode hat einen Charme, der viele schnell in den Bann zieht. Wir haben festgestellt: Wer sie einmal ausprobiert hat, empfiehlt sie auch weiter. Bei einer unserer Umfragen gaben 100 Prozent der Befragten an, durch WOL mehr Spaß an ihrer Arbeit zu haben. Viele planen gleich die nächste Runde. Eine Kollegin hat sogar schon acht Circles durchlaufen.

Damit WOL funktioniert, müssen aber ein paar Bedingungen erfüllt sein. So ist zum Beispiel wichtig, dass jeder „intrinsisch“ motiviert ist – sein Ziel also wirklich erreichen möchte und es nicht von außen diktiert bekommt. Außerdem muss ein Ziel so gesteckt sein, dass es sich in zwölf Wochen erreichen lässt. Chinesisch lernen ist in diesem Zeitraum eher schwierig. Aber die eigene Expertise um agile Arbeitsmethoden zu erweitern, ist durchaus möglich. Drittens darf es kein isoliertes Ziel sein, für dessen Erreichung man keine anderen Menschen braucht. Netzwerke und (digitale) Zusammenarbeit sind Kernthemen von WOL. Deshalb passt das Thema auch so hervorragend zu #collaborate.

Was WOL kann – und was nicht

Im besten Falle zahlt die Methode auf ganz viele Dinge auf einmal ein. Sie ist eine Einstiegshilfe in die neue Arbeitswelt, hilft beim Aufbau nachhaltiger Netzwerke und stößt Veränderungsprozesse an. Sowohl für Daimler als Unternehmen als auch für jeden Einzelnen ist das unbestreitbar wertvoll.

Aber: Die Methode ist auch kein Allheilmittel. Das muss bei aller Begeisterung klar sein. So kann sie zum Beispiel keine Veränderung von heute auf morgen bewirken. Auch wenn wir uns das in unserer schnelldrehenden Welt manchmal wünschen. Veränderung braucht Zeit – und ehrliches Wollen. Daher ist die erwähnte „intrinsische Motivation“ so wichtig. Wir können und wollen niemandem etwas aufzwingen.

Wie wir WOL bei Daimler nutzen …

Da wir so früh und engagiert in das Thema eingestiegen sind, können wir auch mit solchen Grenzen und Hürden gut umgehen. So haben wir zum Beispiel den Leitfaden, die so genannten „Circle Guides“ von John Stepper für die zwölf Sessions gemeinsam mit ihm an die Bedingungen bei Daimler angepasst – und optimieren diese weiter. Unter anderem nutzen wir gezielt die Vernetzungsmöglichkeiten über das Daimler Social Intranet.

Das ist auch der Dreh- und Angelpunkt für WOL bei Daimler. In unserer schnell wachsenden Social Intranet Community finde ich als Interessent alles, was ich wissen muss, und kann mich mit anderen selbstorganisiert zu einem Circle zusammenfinden.

Neben dem digitalen Touchpoint haben wir bei Daimler speziell ausgebildete WOL Circle Mentoren. Sie stehen den Circles beiseite, wenn es um praktische Fragen geht wie: „Was tun, wenn wir keinen gemeinsamen Termin finden?“ Oder: „Wie finde ich das richtige Ziel?“ Ein wesentlicher Teil meines Jobs besteht darin, die Rahmenbedingungen für gelungene „Circles“ zu verbessern, Tipps & Tricks weiterzugeben und das Thema noch stärker im Haus zu verankern. Das mache ich übrigens nicht ganz alleine. Ganz im Sinne der Methode habe ich dafür Anfang 2017 ein Co-Creation Team aus unterschiedlichen Fachbereichen und Standorten ins Leben gerufen.

Damit bin ich wieder bei der Umsetzung von WOL bei Daimler. Tatsächlich ging es seit 2016 ganz schnell mit der Entwicklung von der Graswurzelinitiative zur Bewegung. Dem ersten Circle folgten mittlerweile rund hundert weitere, mehr als 400 Daimler-Mitarbeiter haben die Methode bereits ausprobiert und empfehlen sie weiter.

Ein Meilenstein war Ende 2017 der Umzug unserer Community ins neue Social Intranet. Sie hat mittlerweile rund 1.100 Follower und wächst kontinuierlich. Seit dem netWork Camp 2017 ist Working Out Loud auch eine der fünf strategischen Säulen von #collaborate. Mittlerweile werden wir fast wöchentlich in Fachbereiche eingeladen, um die Methode und ihre Mehrwerte dort vorzustellen.

… und darüber hinaus

WOL lebt von der Vielfalt der Perspektiven. Bei kaum einem anderen Thema bietet sich daher unternehmensübergreifende Zusammenarbeit so sehr an wie hier.

Unsere Initiative DigitalLife@Daimler ist gemeinsam mit der Robert Bosch GmbH einer der Haupttreiber hinter Working Out Loud in Deutschland. Bosch ist noch vor uns mit WOL gestartet und wir konnten viel von und mit den Kollegen lernen. Zusammen mit Audi, Bosch, der Deutschen Bank, der Deutschen Telekom, Continental und Siemens Healthineers sind wir Teil einer Gruppe von WOL-Praktikern – der Working Out Loud Community of Practice, kurz WOLCOP. Sie wurde 2017 mit dem HR Excellence Award ausgezeichnet.

Am 31. Oktober 2018 erreichte unser Engagement einen weiteren Höhepunkt: die erste „Cross-Company“ Working Out Loud Conference #WOLCON18 bei Daimler – ausgerichtet gemeinsam mit Bosch. Mit 400 Teilnehmern, je zur Hälfte aus beiden Firmen, 16 Speakern, 15 Sessions und Unterstützung aus dem Top-Management beider Unternehmen haben wir bei Working Out Loud eine neue Stufe erreicht. Wir gehen aus dem Tag mit vielen neuen Ideen und Impulsen und freuen uns auf weitere Gelegenheiten vernetzte Zusammenarbeit vorzuleben. Mehr zur WOLCON18 findet ihr auf Twitter, LinkedIn oder der Presseinformation.


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Melanie Raßloff ist seit Ende 2016 ein Teil des DigitalLife@Daimler Teams. Unter dem Hashtag #collaborate verantwortet Melanie die Verbreitung der Geisteshaltung und Methode „Working Out Loud“ und das Multiplikatoren Netzwerk „netWork“. Außerdem vernetzt sie Menschen mit dem neuen Social Intranet, managt Events und Kommunikation.

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