Im Daimler F.L.O.W.

Herbstanfang, schönstes Schmuddelwetter, frühmorgens 7:30 Uhr. Lebensfreude pur. Ich sitze mit der sympathischsten meiner Mimiken in der Straßenbahn auf dem Weg ins Büro. Überall wuselt es: Bahnen rattern über die Gleise, Autos fahren vorbei, einige wenige Radfahrer und Fußgänger trotzen mit Cape dem Regen. Und ich bin mittendrin.

Der Stadt- und Straßenverkehr hat zwar bisweilen etwas Zermürbendes – aber andererseits auch etwas Positives, weil Abwechslungsreiches. Zumindest, wenn man es nicht eilig hat, potentielle Bazillenschleudern in der Bahn neben einem sitzen oder man sich über andere Verkehrsteilnehmer aufregt. Um mich herum sind überraschenderweise viele latent gestresste Pendler, die sich alle dasselbe wünschen: Fließen soll es. Alle wollen von A nach B kommen – möglichst schnell und komfortabel. Und idealerweise auch möglichst umweltfreundlich.

Während meine Straßenbahn beschleunigt, blicke ich aus dem Fenster, sehe auf mehrspurigen Straßen die morgendlichen Pendler im Stau stehen und sinniere wieder einmal vor mich hin: Muss das so sein? Was könnte man tun, damit der Verkehr flüssiger wird und jeder einfach schneller an sein Ziel kommt? Ich bin ein umweltbewusster Mensch, Mitarbeiter des Daimler AG und lebe gerne in der Stadt. Ich frage mich jedoch oft: Bietet mir eine Stadt mit so einem Verkehr noch genug Lebensqualität?

An Feinstaubalarmtagen nutzen Mitarbeiter kostenlos den Nahverkehr

Ein Jahr später sitze ich wieder in der Bahn, wieder dieselbe Strecke, wieder gefühlt derselbe Stau. Doch diesmal ist etwas anders. Man könnte in doppeltem Sinne sagen, ich bin im F.L.O.W. Woran das bei einem sozialisierten Schwaben liegt? Genau. Ich fahre kostenlos. Mit einem digitalen Ticket, das mir mein Arbeitgeber während dem Stuttgarter Feinstaubalarm bezahlt.

Wenn im Großraum Stuttgart zwischen Oktober und April an Tagen mit hoher Luftbelastung Feinstaubalarm ausgerufen wird, übernimmt Daimler für die Beschäftigten im Netz des hiesigen Verkehrs- und Tarifverbunds die Kosten für die Fahrten auf ihrem Arbeitsweg, respektive während ihrer Dienstfahrt. Hört sich vermeintlich marginal an, ist es aber nicht: das sind summa summarum rund 80.000 Kolleginnen und Kollegen in der Region. Das kann man schon mal ganz gut finden…

Mit F.L.O.W. übernimmt Daimler Verantwortung

Das Projekt ist Bestandteil der Daimler-Initiative F.L.O.W., die verschiedene verkehrsreduzierende Maßnahmen bündelt und damit die Umwelt entlastet. Die Motivation, sich als Automobilfirma vom einem reinen Hersteller zum Mobilitätsdienstleister weiterzuentwickeln mag vielfältig sein – doch wenn wie hier unternehmerisches Denken, gesellschaftliche Verantwortung und Kundennutzen zusammenkommen, isch des halt a ronde Sach…

F.L.O.W. ist hier nicht nur ein gutes, weil flaches Wortspiel (vom Englischen „flow“: fließen), sondern ein Akronym. Es steht für Fortbewegung, Lebensweise, Ökologie und Wirtschaft. Damit ist auch schon erklärt, worum es geht: nachhaltig agieren und etwas für dicht besiedelte Metropolregionen, die eigene Belegschaft und die Umwelt tun.

Verkehr reduzieren und Umwelt schonen

Doch in der Regel kommen Bequemlichkeit sowie Zeit- und Geldersparnis vor dem Umweltbewusstsein. Deshalb gilt wie so oft: die Mischung macht‘s. Die Kombination aus technischen Mobilitätskonzepten und Personalmaßnahmen vereint F.L.O.W. zu einem – wie man in schönem Bürosprech sagt – „bunten Blumenstrauß an Mobilitätslösungen“.  Man will schließlich so viele wie möglich erreichen. Es soll kein grünes Feigenblatt sein.

Ob Car-Sharing mit car2go, die Möglichkeit, einen wohnortsnahen Arbeitsplatz mit dem Pilotprojekt der „Flex Location-App“ zu reservieren oder Ride-Sharing mit Mitfahrnetzwerken: Man hat ein Ziel und viele Wege, es zu erreichen. Weitere Maßnahmen sollen noch folgen.

Unternehmerisches Denken, gesellschaftliche Verantwortung und Kundennutzen.

In kleinen Schritten zur gemeinsamen Mobilitäts(r)evolution

Daimler ist zwar der größte Arbeitgeber in der Region, doch eines ist klar: je mehr Menschen mitmachen, desto wirksamer sind Bewegungen und Initiativen.
Laut Presse-Information soll diese Initiative nicht auf Daimler oder die Metropolregion Stuttgart beschränkt sein. Im besten Falle machen zukünftig auch andere Unternehmen, Städte und Gemeinden bei F.L.O.W. mit. Quasi in kleinen Schritten zur sozialen Mobilitäts(r)evolution.

Ein Ziel, viele Wege

F.L.O.W. bündelt folgende Initiativen:

  • Mobilitätskonzepte: moovel, car2go, on-demand shuttle, Ridesharing, E-Bike,…
  • New Work Optionen: Home office/Mobiles Arbeiten, FlexLocation

Das Ziel ist natürlich, dass noch viele weitere Unternehmen den Initiativen beitreten.

Innovative Initiative, innovativer Ursprung

Die Idee für F.L.O.W. stammt übrigens aus der Innovationsabteilung der Daimler-AG, Lab1886. Eine logische Konsequenz aus Überlegungen, die engagierte Enthusiasten in zahlreichen, zukunftsgewandten Bereichen in solch‘ einem Konzern anstellen, die sich ganz dem Thema Gestaltung der modernen Mobilität widmen. Lab1886 ist „das“ Innovationslabor des Konzerns. Hatte ich übrigens schon erwähnt, dass ich dort arbeite?

Wir suchen vielversprechende Ideen aus dem gesamten Konzern, bewerten diese und setzen sie, gemeinsam mit unseren Kunden schnellstmöglich nach zeitgemäßen Start-up-Methoden zu einem marktreifen Geschäftsmodell um. Das nennt sich in reinstem Business-Bullshit-Bingo „Co-Creation“. F.L.O.W. ist ein tolles Beispiel dafür. Denn nur durch Zusammenarbeit mit dem Kunden wird Innovation wirksam!

Ich bin mittlerweile an „meiner“ Haltestelle angekommen und so im Gedanken-F.L.O.W. vertieft, dass ich beinahe den Ausstieg verpasse.
Meine Lieblingsumweltmaßnahme ist übrigens eine andere: „Mobiles Arbeiten“. Ich liebe es regelrecht, von Zeit zu Zeit im home office zu arbeiten. Aber seltsamerweise nur, wenn meine Freundin nicht zu Hause ist.


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Erdal Ak ist Kommunikationsmitarbeiter bei Lab1886 – dem Company-Builder der Daimler AG – und mag keine Selbstbeschreibungen.

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