Großer Preis der USA 2018 – Lewis wird 3. und vergibt 1. Matchball

Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen hat den US-Grand-Prix in Austin gewonnen! Hinter ihm kam Max Verstappen, vor Lewis Hamilton ins Ziel.

Damit kann die Entscheidung der 2018er Ausgabe der Formel 1-Fahrerweltmeisterschaft erst in Mexiko fallen. Hamiltons Konkurrent im Kampf um die Krone, Sebastian Vettel, kam als 4., Valtteri Bottas folgte auf der 5. Position.

Hätte, Wenn und Aber

Wenn du aus der Pole-Position startest und dein schärfster Verfolger nur auf der 5 steht, dann kann es durchaus mal sein, dass du anfängst zu rechnen. Aufgepasst… das ist kein subtiler Vorwurf, sondern sicherlich das Normalste der Welt. Wieviel Punkte brauchst du, um den Sack zuzumachen? So stehen die anderen und vor allen Dingen mit welcher Strategie gehen sie ins Rennen? Was macht das Wetter und wie sieht das mit den Reifen aus auf einer Strecke, die das gesamte Wochenende nicht derartig hohe Temperaturen erlebt hat, wie am Rennsonntag.

Na klar hat unser Team hier alle Varianten durchgespielt, aber manchmal kommt es alles irgendwie anders.

United States GP 2018. Lewis Hamilton

Der Start: Kimi setzt sich an die Spitze

Austin zeigte sich rein wettertechnisch von seiner besten Seite, als Rennleiter Charlie Whiting das Startprozedere in Gang setzte, die fünf roten Ampeln der Reihe nach an- und dann gemeinsam ausgingen. Auch wenn Lewis zunächst gut von der Linie wegkam, so griffen dann doch recht schnell die weicheren Reifen von Kimis Ferrari und der konnte Lewis innen in T1 ausbremsen. Dahinter folgte das Feld mehr oder weniger geordnet in die ersten Kurvenfolgen.

Um sich dann gleich einmal kräftig zu dezimieren!

Erst berührten sich Alonso und Stroll, was den Spanier dazu brachten seinen McLaren an der Box abzustellen. Davor ging es im Kampf zwischen Leclerc und Grosjean zur Sache. Ergebnis: Grosjeans Haas war aus den Rennen, der Sauber von Leclerc schaffte einige Runden länger, wurde dann aber auch zurueck an die Box befohlen.

Ja und dann haben wir da noch den 2. in der WM: Sebastian Vettel. Der drehte sich wieder einmal raus. Und dies auch noch in der ersten Runde. Eine Berührung mit Daniel Ric ließ den Heppenheimer bis auf die 15. Position zurückfallen und alle Lewis Fans schon einmal den Schampus kaltstellen.

United States GP 2018. Valtteri Bottas

Asphalt-Schach in Texas

Aber wie heißt es nicht so schön: To finish first, you have to finish first und wir hatten gerade einmal zwei Runden hinter uns. Rot vorn, dann zweimal Silber… und der direkte Verfolger im hinteren Mittelfeld. Läuft doch eigentlich, oder?

Zumindest sah dies erstmal bis zur 9. Runde so aus, denn da stellte Ricciardo seinen Red Bull mit Motorschaden ab und löste damit eine Virtual Safety Car Phase. Diese wollte Lewis auch gleich nutzen um frische Reifen zu holen. Wohlgemerkt als einziger des Spitzen-Trios.

Als Hamilton dann als 3. wieder auf den Circuit of the Americas fuhr, da ging ich wirklich davon aus, dass Ferrari wohl den größten strategischen Fehler der Saison begangen haette (und erste Gedanken an ein Gläschen Schaumwein kamen auf). Nein. Hatten sie nicht!

Zwar waren Teamkollege Bottas (der bereitwillig Platz machte) und Kimis Ferrari (kam an die Box) kein Problem für unseren 4-fachen Weltmeister, wohl aber die Tatsache, dass er damit für die 2. Rennhälfte die ältesten Reifen hatte. Es kam wie es kommen musste, man aber sicherlich so nicht hätte vorhersagen können.

Lewis musste noch einmal an die Box kommen und kam dann als 4. wieder auf die Piste. Hinter Bottas und hinter Verstappen, der vom 18. Startplatz aufs Podest fuhr!

United States GP 2018. Valtteri Bottas

Ja was soll ich großartig zu den letzten fünf Runden sagen? Die ersten drei innerhalb von zwei Sekunden und Vettel machte inzwischen ordentlich Druck auf Valtteri. Rein spannungstechnisch war dies nicht mehr zu überbieten und als Lewis dann praktisch den “Championship”-Move auf Verstappen ansetzen wollte, kam er ein wenig zu weit raus und hielt die diesjährige Formel 1 Saison für noch einen weiteren Grand Prix offen.

Mal von all dieser Dramatik abgesehen… ich finde wir muessen ein dickes Lob an Max Verstappen und Red Bull senden. Wer in so einem Rennen von 18 auf 2 fährt, der hat ganz klar den “Fahrer des Rennens”-Award verdient!

Und in Mexiko machen wir dann den Sack auch wirklich zu!

Stimmen zum Rennen

Im Rennen fehlte uns die Pace auf den Geraden, aber ich habe alles gegeben. Ich habe wie verrückt gepusht und genau darum geht es im Rennsport.

– Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

Das Rennen hat richtig Spaß gemacht. Es war eng gegen Kimi und ich hatte auch kleine Zweikämpfe gegen ihn und Max. Es war ziemlich cool, dass Ferrari, Red Bull und wir um die Positionen gekämpft haben – das muss auch für die Zuschauer aufregend gewesen sein. Natürlich bin ich von unserer Performance etwas enttäuscht. Ich bin als Erster gestartet, aber als Dritter ins Ziel gekommen. Dennoch bin ich dankbar dafür, dass ich vor Seb gelandet bin. Ohne Freitagstraining kann man nicht am Setup arbeiten und das Optimum aus dem Auto herausholen. Alle saßen im gleichen Boot, aber ich glaube, dass Ferrari uns mit den Änderungen nähergekommen ist.

Ich hatte am Ende eine kleine Chance, aber ich musste Max viel Raum lassen, weil es besser ist, Dritter zu werden, als von jemandem rausgeworfen zu werden, der nicht im WM-Kampf steckt. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen. Wir sind heute auf Sieg gefahren, aber es hat nicht sollen sein. Jetzt geht es nach Mexiko. Das ist ein wundervoller Ort, aber ich hatte dort nicht immer die besten Ergebnisse. Entsprechend möchte ich dieses Rennen unbedingt gewinnen.

In dieser Saison stehen nur noch drei Rennen an und der Kampf ist noch lange nicht vorbei. Entsprechend werde ich alles geben, um die bestmöglichen Ergebnisse einzufahren.

– Valtteri Bottas

Valtteri Bottas

Uns war schon vorher klar, dass es ein schwieriger Nachmittag werden würde. Ferrari sah gestern sehr schnell aus und es hingen jede Menge Fragezeichen über dem Rennen, da wir nur wenig im Trockenen fahren konnten. Dadurch war es sehr schwierig, Prognosen für das Setup und die Reifen abzugeben. Wir hatten nicht ganz die Pace, die wir uns gewünscht hatten, besonders auf den weichen Reifen. Wir hatten ein Ein-Stopp-Rennen geplant und das haben wir umgesetzt. Aber rückblickend war der zweite Stint ein bisschen zu lang. Meine Reifen bauten drei oder vier Runden bevor mich Sebastian überholt hat ab. Schließlich waren sie komplett am Ende.

Deshalb konnte er in nur wenigen Runden so einen großen Vorsprung herausfahren. Aber wir konnten mit Lewis auch die Zwei-Stopp-Strategie nicht umsetzen. Alles in allem hat uns heute einfach die Pace gefehlt. Jetzt werden wir die üblichen Analysen durchführen, um zu verstehen, warum wir heute nicht schneller gewesen sind. Danach können wir in Mexiko hoffentlich gestärkt zurückschlagen.

Ich möchte Kimi zu seinem Sieg gratulieren. Es ist lange her, seit wir ihn das letzte Mal ganz oben auf dem Podium gesehen haben und es war großartig für die Formel 1, dass er es geschafft hat.

– Toto Wolff

Toto Wolff

Wir haben heute fantastischen Rennsport und eine großartige Show für die amerikanischen Fans erlebt. Es gab viele Rad-an-Rad-Duelle, aber es war kein guter Tag für uns bei Mercedes. Die ganze Woche über haben uns die Leute stark und Ferrari schlecht geredet, als ob die Saison bereits entschieden sei. Aber das stimmt nicht mit der Realität der Formel 1 überein. Wir waren mit Blick auf Ferrari bei jedem Rennen in diesem Jahr wachsam und respektvoll und wir wussten, dass sie hierherkommen würden, um zurückzuschlagen – und das ist ihnen gelungen. Das war gegen einen Gegner von ihrer Stärke keine Überraschung.

Auf unserer Seite drehte es sich im Rennen nicht unbedingt um die Strategie. Wir hatten nicht die nötige Balance beim Speed und dem Reifen-Management, die wir heute Nachmittag für den Sieg benötigt hätten. Als Lewis auf Platz zwei lag und es zur VSC-Phase kam, nutzten wir die Gelegenheit, eine andere Strategie zu wählen, um so nach dem Sieg zu greifen. Es wäre sehr schwierig geworden, das Rennen zu gewinnen, wenn wir es Kimi vor uns gleichgetan hätten. Es sah eine Weile ganz gut aus, aber wir wussten, dass wir dadurch in den Schlussrunden andere Autos überholen mussten – und das ist nicht aufgegangen.

Lewis konnte die Lücke schließen, aber wir stellten ihn damit vor eine zu schwierige Aufgabe. Die Reifen hatten nicht mehr den Pace-Vorteil, den er in den Schlussrunden zum Überholen benötigt hätte – obwohl er es gegen Max trotzdem spektakulär versuchte. Bei Valtteri versuchten wir es mit einer Ein-Stopp-Strategie, aber auch hier hielten die Reifen nicht durch. Jetzt müssen wir unsere Lehren aus dem heutigen Tag ziehen, aus der Niederlage gestärkt hervorgehen und entschlossen nach Mexiko reisen, um dort unser Potenzial bei der Rennperformance besser auszuschöpfen. Kein einziges Teammitglied sieht etwas als selbstverständlich an.


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