Was macht eigentlich eine UX-Designerin?

Venture Architect, Software Engineer, UX-Designer: In der Automobilbranche unterscheiden sich immer mehr Jobs von den klassischen, betriebswirtschaftlichen Berufen. Ich erkläre euch, was ich als UX-Designerin für den Daimler-Inkubator Lab1886 mache und warum mein Beruf ein bisschen wie Kinder erziehen ist.

Ein Spätsommerabend irgendwo in der Peripherie von Berlin. Aus der Ferne hört man Stimmen aus dem örtlichen Freibad, es ist immer noch warm und der Tisch ist für das Familienessen gedeckt. Ich sitze meiner Oma im Garten gegenüber. Und es kommt die Frage, die kommen muss. „Nun mein Kind, was machst du jetzt eigentlich beruflich? Obwohl ich schon seit mehreren Jahren als UX-Designerin arbeite, suche ich immer nach den passenden, einfachen Worten.

UX= User Experience

Es ist bisweilen gar nicht so leicht, den eigenen Beruf zu beschreiben – vor allem, wenn es um vermeintlich neuartige Tätigkeiten geht. Dabei ist das Nutzererlebnis in Form von Stabilität, Nützlichkeit und Schönheit von Produkten und Bauwerken schon seit dem römischen Architekten und Ingenieur Vitruv eine definierte Herausforderung.

Da mich meine Familie und Verwandtschaft aber regelmäßig mit Fragen löchern, bin ich erklärungserprobt.

Wir kennen das alle: wir wollen über eine Website einen Urlaub buchen, Schuhe kaufen oder nach dem Wetter schauen. Doch wir finden uns irgendwie nicht zurecht. Es erscheinen Fehlermeldungen, die wir nicht verstehen. Wir landen auf Seiten, wo wir nicht hinwollten. Vor lauter Frust verschieben wir unsere eigentliche Aufgabe auf später – oder nutzen das Produkt in Form der Website eben nicht mehr.

Ein Nutzer sollte bequem sein dürfen.

Apps sollen Freude bereiten

Deswegen gibt es Berufe wie meinen, damit ich dem Nutzer so viel Arbeit wie möglich abnehmen kann. Der Sinn, das Konzept sowie der Zweck eines Produkts sollten auf Anhieb verständlich sein. Und wenn es darüber hinaus sogar Spaß macht, dann hat die UX-Designerin ihren Job gut gemacht.

Ich kümmere mich darum, dass Anwendungen wie Webseiten, Apps und Software-Programme gerne bedient werden. Mein Team und ich stellen sicher, dass die Anwendungen, die wir uns ausdenken, das Leben der Nutzer wirklich verbessern. Zum anderen schauen wir darauf, dass die Bedienung möglichst einfach ist. Warum wir das tun? Weil das ein wesentlicher Faktor ist, ob ein digitales Produkt Erfolg hat oder nicht.

Der Nutzer im Mittelpunkt

Oftmals ist die Idee hinter dem digitalen Produkt gut, doch die Bedienung viel zu kompliziert. So verschwindet man schnell wieder vom Markt. Mittlerweile haben führende Unternehmen erkannt, dass sie den Nutzer des Programms oder Produkts in den Mittelpunkt stellen müssen. Die Daimler AG hat sogar vor längerer Zeit ihre Marketing- und Vertriebsstrategie nach dem „Best Customer Experience“ ausgerichtet. Erst wenn wir uns in den Nutzer hineinversetzen können und diesen mitsprechen lassen, entstehen Anwendungen, die sich am Markt behaupten können.

In fünf Schritten zur intuitiven Bedienung

Für ein Projekt wie eine Smartphone-App beispielsweise arbeiten wir nach folgendem Schema, das im Wesentlichen in fünf Schritte aufgeteilt ist.
Im ersten Schritt sollte man „verstehen“. Wie sieht unsere Zielgruppe aus? Im Anschluss fragt man sich, wo die möglichen Probleme liegen, die wir lösen möchten? Als drittes sammeln wir Ideen, die unsere beiden Fragen beantworten sollen. Dann geht es in die Umsetzung. Wir visualisieren unser geplantes Produkt – manchmal sogar mit Knete, Papier oder Legosteinen. Als fünftes testen wir den Prototypen an einer ausgewählten Gruppe von Benutzern.

Wenn Schritt fünf erfolgreich ist, können wir wirklich anfangen, das Produkt weiter auszuarbeiten und zu programmieren. Es muss immer wieder mit echten Nutzern getestet werden, das Feedback fließt dann stetig in die Entwicklung ein. Am Ende entsteht hoffentlich ein Produkt, was sich gut bedienen lässt und dem Nutzer in einer bestimmten Form weiterhilft.

Wie man UX-Designerin wird

Man kann auf viele Arten UX Designerin werden – die beruflichen Werdegänge sind ganz unterschiedlich. Ob man Design, BWL, Psychologie und Kommunikation studiert ist jedoch unerheblich. Wichtig ist vor allem, dass ein tiefes inneres Bedürfnis besteht, Zusammenhänge zu verstehen und neue Lösungen zu finden, die die Welt für Nutzer vereinfachen.

Eine andere Regel gilt natürlich auch bei uns: Da sich die Welt um uns und unserer Nutzer herum ständig verändert, ist es wichtig, am Ball zu bleiben und sich mit neuen Technologien, Methoden, Programmen und Arbeitsweisen auseinanderzusetzen.´Mein letzter Job auf den ich stolz bin, ist übrigens die Homepage meines Arbeitgebers Lab1886.

In der Regel beauftragen Konzerne für die Konzeption ihres „Online-Wohnzimmers“ externe Agenturen – wir haben glücklicherweise unsere eigenen Fachexperten „inhouse“ – und zwar an vier Standorten auf drei Kontinenten in Atlanta, Berlin, Stuttgart und Peking.

Mein aktuelles Projekt ist aber selbstredend das interessanteste: ich darf leider noch nichts darüber schreiben. Schließlich arbeiten wir im Innovationslabor der Daimler AG an Ideen, die erst zu Geschäftsmodellen reifen.

UX-Design – ein bisschen wie Kinder erziehen

Worauf es in meinem Beruf besonders ankommt, wurde mir klar, als ich vor kurzem Mutter geworden bin. Mir fiel auf, dass UX-Design gar nicht so viel anders ist, als ein Kind zu erziehen. Denn Kinder wie Benutzer sollen sich zurecht finden, man möchte ihnen das Leben erleichtern, ohne sie mit zu vielen Erklärungen zu überfordern.

Das sind meine vier Gebote:

  1. Finde Bedürfnisse heraus und hilf dabei, sie zu stillen.
  2. Aller Anfang ist schwer – Ausprobieren ist das Zauberwort!
  3. Lass Kindern und Usern den Raum, Dinge selbst auszutesten. Hilf lediglich, wenn es notwendig ist.
  4. Eine gute Beziehung braucht Zeit und viel Liebe.

Vielleicht sollte ich meinem Kind bereits frühzeitig erklären, was Mama beruflich macht. Aber möglicherweise sitze ich in 20 Jahren selbst fragend am Esstisch und mein Sohn versucht, mir händeringend zu erklären, wie sein Arbeitsalltag aussieht.


Über Lab1886

Lab1886 ist ein eigenständiges Innovationslabor innerhalb der Daimler AG. Hier werden neue Geschäftsideen auch außerhalb des Kerngeschäfts identifiziert, inkubiert und zur Marktreife geführt. Ziel ist es, schneller von der Idee zum Produkt oder Geschäftsmodell zu gelangen, um damit eine nachhaltige und profitable Zukunft für die Daimler AG abzusichern. Dabei verbindet Lab1886 das Beste aus der Start-up- und der Unternehmens-Welt. Daimler setzt mit Lab1886 gezielt auf bereichsunabhängige und unternehmensübergreifende Zusammenarbeit.

Lab1886 verfügt über alle notwendigen Mittel und Kompetenzen sowie eine über zehnjährige Erfahrung bei der Umsetzung neuer Geschäftsmodelle. In diesem Freiraum können Mitarbeiter in flachen Hierarchien und kreativer Atmosphäre fokussiert arbeiten. An vier Standorten auf drei Kontinenten ist das Innovationslabor aktiv: Stuttgart und Berlin in Deutschland, Peking in China und Atlanta in den USA.

Laura Müller ist leidenschaftliche UX Designerin und eine noch leidenschaftlichere Mutter. Sie schätzt beide Rollen sehr und arbeitet deshalb gerne beim Daimler-Inkubator Lab1886, wo sie ebenfalls das „Beste aus zwei Welten“ hat.