DH – Hack: Vernetzt die Zukunft gestalten

Die Daimler AG befindet sich im Wandel. Wir entwickeln uns von einem reinen Fahrzeughersteller zum Mobilitätsdienstleister.

Das heißt, wenn wir mit unserem Geschäftsmodel weiterhin so erfolgreich sein wollen wie bisher, müssen wir ein ganzes Ökosystem für Mobilität, also Fahrzeuge, Dienstleistungen und Infrastruktur (z.B. Ladesäulen) anbieten können. Dieser Wandel bedeutet auch ein Neudenken für die Ausbildung von uns dual Studierenden. Wir wollen in Zukunft das Ökosystem für Mobilität entwickeln und gestalten – wenn wir dabei in reinen Fachdisziplinen (Studiengängen) denken, werden wir diese Herausforderung nicht meistern können.

Die internen Schulungsmodelle bei Daimler werden schon kontinuierlich an die rasante Entwicklung der Technik angepasst. Parallel dazu lernen auch wir Studierenden immer stärker interdisziplinär zu denken, zu handeln und zu verstehen. Schließlich braucht ein Student der Wirtschaftswissenschaft genauso Verständnis zu der Funktionsweise von Produkten, wie der Entwickler dieser wissen muss, wie er sie so praktikabel gestaltet, dass sie sich später gut vermarkten lassen.

Das Format Hackathon

Die ursprüngliche Version eines Hackthons besteht darin, dass 24 Stunden am Stück möglichst interdisziplinäre Gruppen zusammen kommen und ein Produkt von der Ideenfindung über ein Businessmodel bis zum Bau eines Prototypens entstehen soll. Dieses Prinzip wird für unseren Duale Hochschule-Hack (DH-Hack) arbeitszeitkonform abgewandelt in zwei Tage à acht Stunden.

Das Format bringt neben dem primären Aspekt der interdisziplinären Arbeit weitere Vorteile mit sich: Improvisation, hardwarenahe Programmierung und Parametrisierung gehören dazu. Auch Entrepreneurship, also das Denkprinzip immer wieder neue Innovationen hervorzubringen und mit kalkulierten Risiko Geschäftschancen zu realisieren, wird in dem spielerischen Wettkampf vermittelt.

Zur Teilnahme am DH-Hack, den wir DH-Studierende in Eigeninitiative organisieren, können alle Jahrgänge aller technischen und kaufmännischen Studiendisziplinen eine kreativ gestaltete PP-Folie einreichen, die Ihre Stärken und Schwächen darstellt. Sie ist Grundlage für die Zusammenstellung der Teams. Das Thema des DH-Hacks ist Zukunftsbild der digitalen Stadt –Smart City. Meiner Meinung nach hat das studentische Orga-Team des Hackathons da ein anschauliches Thema gefunden, um die Notwendigkeit der interdisziplinären Arbeiten darzustellen. Die urbanen Herausforderungen stetig zunehmende Einwohnerzahlen, wachsender Bedarf an individueller Reiseflexibilität und steigende Ressourcenknappheit sollen durch intelligente Vernetzung von Fahrzeugen, Infrastruktur und uns Menschen, bewältigt werden.

Genauso wichtig wie die Vernetzung unter den Studierenden ist die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen. Klar, dass wir uns deshalb zur Eröffnung des Hackathons sehr über den spannenden Impulsbeitrag zum Thema Smart City aus der Van-Entwicklungsabteilung bei Daimler gefreut haben.

Die Zeit drängt – Weg zur digitalen Innovation

Nach dem Impulsvortrag fiel der Startschuss und wir legten los. Für eine Kennenlern-Runde blieb keine Zeit, also ging es direkt an die Ideenfindung. Wir überlegten uns, was Probleme in einer herkömmlichen Stadt sind und wie man diese in einer Smart City lösen könnte. Nach einem kurzen Brainstorming, wozu wir verschiedenen Kreativtechniken angewendet haben, stoßen wir auf verschiedene Problematiken in einer Großstadt, wie beispielsweise die nervige Parkplatzsuche oder die oftmals schwierige und inneffiziente Müllentsorgung. Nach einer kurzen Diskussion und Abstimmung über die gefundenen Ideen, entschlossen wir uns dazu, eine Lösung für die langwierige Parkplatzsuche in der Stadt zu finden.Dazu machten wir uns zunächst genauere Gedanken zu den Problemen der Parkplatzsuche und fanden bereits erste Ansätze, wie man diese lösen könnte. Normalerweise beginnt das tägliche Drama der Autofahrer kurz vor ihrem Ziel: Sie sind dann dort angekommen, wo sie hinwollen, müssen sich aber erst noch einen Parkplatz suchen – der am besten noch preiswert sein soll.

Unsere Idee zur Problemlösung ist, dass wir eine Cloudplattform anbieten, auf der öffentliche und auch private Parkplätze angemietet und vermietet werden können. Dazu wollten wir eine App und eine Website entwickeln, über die die Ver- und Anmietung stattfinden soll. Zusätzlich war die Überlegung, dass wir ein Parkplatzüberwachungssystem implementieren, über das in Echtzeit die Auslastung der Parkplätze getrackt werden kann. Nachdem das Grundkonzept stand, ging es an die Umsetzung. Teil meines Teams waren Laura Sämann (Wirtschaftsingieurwesen), Franziska Wächter (Mechatronik), und Theodor Nguyen, der wie ich Elektrotechnik studiert. Ich übernahm den Aufbau und die Programmierung des Parkplatzüberwachungssystems, Franziska und Theodor kümmerten sich um das Erstellen der Website.

Laura erstellte ein Business Modell auf Basis des „Business Model Canvas“-Prinzips. Business Model Canvas ist eine Vorlage, die vor allem häufig bei Startups eingesetzt wird, auf der einfach und schnell Geschäftsmodelle geplant werden können. Dadurch dass wir verschiedene Studienfächer studieren, konnte sich so jeder optimal auf seinen Spezialbereich fokussieren und sein Potential voll ausschöpfen. Nachdem ich alle nötigen Komponenten für den Prototypen aus den verfügbaren Hardware-Entwickler-Kits, welche uns zur Verfügung standen, rausgesucht habe, machte ich mich an den Aufbau des Prototypen. Den überwiegende Teil des Tages war ich dann damit beschäftigt, die Programmierung unseres Parkplatzüberwachungssystems zu vervollständigen.

Am Ende des ersten von zwei Tagen hatte ich bereits das Parkplatzüberwachungssystem fertiggestellt und auch unsere Website nahm schon sehr konkrete Züge an. Und so sieht unsere Idee konkret aus: Das Parkplatzüberwachungssystem besteht aus einer Box mit Mikrokontroller, einer Status-LED und einem Display. Dieses wird dann direkt am Parkplatz verschraubt und registriert parkende Autos. Über die Status-LED wird angezeigt, ob der Parkplatz frei (grün), reserviert (orange) oder belegt (rot) ist. Außerdem registriert das System Falschparker und teilt diese dem Vermieter des Parkplatzes mit. Durch das Überwachen der Parkplätze lässt sich ein sehr präzises Echtzeitbild über die Parkplatzlage einer Großstadt mit der Parkauslastung erstellen, was Städte bei der Planung von neuer Infrastruktur als wertvolle Information weiterhelfen kann.

Zu Beginn des zweiten Tages gestalteten wir die Website weiter aus. Zur besseren Übersichtlichkeit haben wir eine Karte miteingebettet, auf der die freien Parkplätze angezeigt werden. Außerdem werden dort weitere, für den Mieter relevante, Informationen dargestellt, wie beispielsweise die Höchstparkdauer, Abmessungen und Preise des Parkplatzes.

Zusätzlich kam uns für die App noch die Idee, dass wir eine intelligente Parkuhr integrieren, die einem abhängig von der Entfernung zum parkenden Auto darauf hinweist, wenn es Zeit wird, zum Auto aufzubrechen, ohne die Parkzeit zu überziehen. Die Erstellung der Website bereitete uns zunächst einige Probleme, da wir uns erstmal mit der Programmiersprache „HTML“ auseinandersetzen mussten. Dank kompetenter fachlicher Unterstützung durch das Betreuerteam, konnten wir auch diese Hürde überwinden. Des Weiteren haben wir zu Beginn des zweiten Tages noch unseren Business Plan weiter verfeinert und mit zusätzlichen Daten und Fakten ergänzt. Da Laura aus meinem Team Wirtschaftsingenieurwesen studiert, war es für sie kein großer Aufwand, einen Business Plan zu erstellen und erste Kosten- und Erlösrechnungen aufzustellen. Bevor wir unsere Präsentation vorbereiteten, überlegten wir uns noch einen Namen für das Projekt. Schnell entstand der Name „Alparka“, was eine Kombination aus Parken und dem Tier Alpaka darstellt.

Da wir noch etwas Zeit hatten, haben wir noch das passende Logo dazu erstellt. Letztendlich ging es an die Vorbereitung der Präsentation. Wir fanden es sehr schwierig, alle wichtigen Informationen zu unserem komplexen Thema der Jury in drei Minuten darzustellen. Nach einiger Diskussion haben wir letztendlich einen roten Faden gefunden.

Showdown – Die Ergebnisse

Die Mühe hat sich gelohnt. Das Team „Alparka“ und die weiteren fünf Teams haben Ihre drei Minuten perfekt genutzt um ihre tollen Ideen der Jury vorzustellen. Damit die Ideen auch gleich richtig platziert werden, bestand die Jury aus Vertretern unserer Entwicklungsabteilungen von Pkw, Truck und Van, sowie die Abteilungsleiterin für Aus-und Weiterbildung und den Bereichsleiter für Personal in den Powertrainwerken, Herr Dr. Leitner.

Die Entscheidung ist der Jury nicht einfach gefallen, das hat die lange Entscheidungsfindung gezeigt. Letztendlich konnte sich ein smarter Einkaufswagen mit dem Namen „mywaegele“ durchsetzen. Die Idee dahinter: Ein Einkaufswagen, der den Einkaufszettel aus der Cloud auf das Display des Einkaufwagens lädt. In Abhängigkeit davon werden der effizienteste Routenverlauf durch den Supermarkt anzeigt sowie gleichzeitig Rezeptvorschläge für einzelne Produkte ausgegeben.

Offensichtlich wurde mit diesem Thema der richtige Nerv der Jury getroffen, beziehungsweise hat das Team „mywaegele“ mit Prototyp, Geschäftsmodell und Präsensation am meisten überzeugen können und den ersten Platz gemacht. Die konkurrierenden Ideen waren ein Mitfahrportal, dass zusätzlich zu Personen auch für Transporte von Paketen und weitere Güter genutzt werden kann, ein hausinternes autonomes Paket Zustell– und Abholungssystem, ein autonomes Müllentsorgungssystem, smarte Aufbewahrungsboxen für den Haushalt und unser Alparka-System.

Und so geht es weiter

Die innovativsten Ideen werden den entsprechenden Fachabteilungen vorgestellt. Gemeinsam wird der Innovationsgrad, also an welcher Idee vielleicht schon gearbeitet wir und was absolut neu ist, besprochen.

Im Idealfall können wir Studierenden im nächsten Praxiseinsatz oder nach der Übernahme unsere Idee vom Hackathon in der Fachabteilung weiterentwickeln. Aber unabhängig davon, ob ein neues Geschäftsmodell oder Patent entwickelt wurde, der Mehrwert dass die DH-Studierenden ein größeres Netzwerk und Erfahrung im interdisziplinären Arbeiten in die Fachabteilungen mitbringen, ist der größte Gewinn für uns alle.


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Simon Hofbauer ist Dualer Student der Elektrotechnik bei Mercedes-Benz Cars und freut sich über spannende neue Blogeinträge. Schulungsleiter Duale Hochschule Elektrotechnik und DH-Hack Advisor Sebastian Busse hat den Schreibprozess mit unterstützt.

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