Logistikplaner als Beruf, Winzer aus Leidenschaft

Von meinem ersten Gehalt habe ich mir einen Weinberg-Traktor gekauft. Die sind nicht günstig, aber das war’s mir wert. Seit ich denken kann, ist meine Familie im Weinanbau aktiv.

Mein Uropa, Opa, Papa, Onkel – alle waren Winzer und haben mich schon früh mit in die Weinberge genommen. Diese Tradition führe ich nur zu gerne fort. Dass ich das tun kann, verdanke ich vor allem meinen Eltern.

Die Arbeit im Weinberg ist hart – stark tonhaltiger Boden ist teilweise eine echte Herausforderung

Ich studiere dual im Master und da habe ich mich ganz klar positioniert: Zuerst kommt der Job und damit einhergehend der Master, anschließend der Weinanbau. Wenn ich Arbeits- oder Lernspitzen habe, hilft mein Vater auf dem Weinberg aus, entlastet mich, wo er kann. In dieser Hinsicht kann ich mich wirklich sehr glücklich schätzen.

Die Arbeit als Winzer macht mir Spaß und wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Trotzdem lerne ich jeden Tag dazu und bin froh, ein gutes Verhältnis zu den anderen Winzern in der Umgebung zu haben. Zum Beispiel beim Aussetzen eines zweiten Weinberges im Herbst bei hartem Boden. Der Versuch, das mit eigenem Weinbergtraktor und schwerer Fräse bei einer Hangneigung von 26 Prozent zu machen, erwies sich als sagen wir mal …unfallträchtig. Aber mit solchen Überraschungen muss man eben rechnen und mit Hilfe von erfahrenen Winzern eine Alternative suchen.

Eine wichtige Leitlinie: Wir Winzer produzieren Lebensmittel und haben eine Verantwortung gegenüber unseren Kunden. Ich fühle mich absolut verpflichtet, sauber und hygienisch zu arbeiten. Das heißt: Ich putze den Traktor sehr regelmäßig, auch wenn dieser nicht mit den Trauben in Berührung kommt. Auch der Pflanzenschutz ist ein zentrales Thema. Da scheuen wir nicht in technische Ausstattungen und Fachwissen zu investieren. Dafür gibt es zum Beispiel Kurse bei den regionalen Landwirtschaftsämtern.

Die Trauben kommen in die sogenannten „Zuber“

Baden-Württembergische Symbiose

Als Winzer ist man auch Geschäftsmann. Bei der Entscheidung, welche Rebsorte ich anbaue, bin ich nach der Nachfrage am Markt gegangen, in Deutschland ist der Grauburgunder ab beliebtesten. Absolut verständlich: eine wirklich tolle Sorte. Deswegen kommen meine persönlichen Vorlieben auch nicht zu kurz, im neuen Weinberg pflanze ich also jeweils meine weiße und rote Lieblingssorte (weiß = Grauburgunder/rot = Lemberger).

Übrigens: Die alte Rebsorte Ruländer wird heute überwiegend unter der Bezeichnung Grauburgunder auf den Markt gebracht. Eine frühere Lese und der Verzicht auf edelfaule Trauben geben dem Wein eine spritzigere Note. Ein weiteres Schmankerl: Grauburgunder ist eine klassische badische Rebsorte (Baden = Burgunderland), während man in Württemberg sehr stolz auf den Lemberger ist. Eine richtig Baden-Württembergische Symbiose sozusagen.

Bei meinem neuen Weinberg setze ich neben den Trendsorten auf die neueste Technik. Beim Anbau des Weinberges pflanzte ein Spezialunternehmen über 1.200 Reben. Eine Arbeit, für die man früher Tage benötigte, war in zweieinhalb Stunden erledigt. Weil die Arbeit als Winzer witterungsabhängig ist, nutze ich die Möglichkeiten, die mir der Konzern bietet: Die sehr offen gelebte Möglichkeit der Gleitzeit und mobiles Arbeiten.

Auch, wenn ich früher aufstehen oder meine Freizeit straffer organisieren muss, kann ich mir keine schönere Feierabend-Tätigkeit vorstellen. Ich liebe die Nähe zur Natur, die enge Beziehung zwischen dem Handeln des Winzers und der Reaktion der Rebe auf Schnitt, Erziehung, oder Düngung. Auch nicht zu unterschätzen: die große gestalterische Freiheit, der Erhalt einer uralten Tradition und die Möglichkeit, den eigenen Wein auf der Terrasse genießen zu können.


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Simon Obhof ist Logistikplaner im Transportmanagement und empfiehlt zu Spaghetti Bolognese, einem Lieblingsgericht der Deutschen, einen trockenen Lemberger.

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