Lucas Auer – vom Tiroler Bub zum DTM-Fahrer

Schon als kleiner Junge war mir klar: Ich habe mich verliebt! In ein Mini-Kart an einer Tankstelle. Damals war ich mit meinem Papa und meinem Bruder unterwegs und wir mussten deshalb extra anhalten.

Bis zur Profikarriere war es natürlich noch ein langer Weg, aber es ist meine erste Erinnerung an die Rennkarts. Und ein schönes Erlebnis aus meiner Kindheit, die ich in Kufstein in Tirol verbracht habe. Mit fünf Jahren habe ich das Kartfahren ab und an getestet, aber da war ich ja noch zu jung, um eine Rennlizenz zu machen. Mein erstes Rennen in der Tiroler Meisterschaft bestritt ich dann mit sechs. Ich kann mich noch erinnern, dass ich Sechster von acht Startern wurde.

Trotzdem habe ich weitergemacht und das hat sich gelohnt: Mit acht Jahren habe ich die Meisterschaft gewonnen. Später hat mich dann jemand beim Fahren entdeckt und meinte: „Der Junge muss nach Deutschland“. Ab da wurde mein Hobby langsam immer professioneller, und dementsprechend aufwändiger. Schließlich musste immer jemand mitfahren, weil ich noch nicht alt genug war. Als es dann international wurde, war mir klar: Jetzt ist es wirklich ernst.

Schon als kleiner Junge konnte ich den schnellen Autos nicht fern bleiben

Ich werde oft gefragt, ob ich das Gefühl habe, in meiner Kindheit durch den Kartsport etwas verpasst zu haben. Heute kann ich sagen, es war manchmal schon brutal: Ich hatte 15 bis 18 Rennen im Jahr plus die Vorbereitung. Dadurch geht viel Zeit verloren, vor allem für die Schule. Noch dazu kam, dass ich nicht unbedingt der ehrgeizigste Schüler war. Zum Glück hatte ich eine super verständnisvolle Lehrerin und so konnten wir das gemeinsam meistern. Der Motorsport ist einfach meine große Liebe und entschädigte so Vieles. Außerdem habe ich schon immer gerne Sport gemacht, auch zusammen mit meinen Freunden. Klar ist der Motorsport meine Nummer 1, dennoch habe ich immer auch gerne Baseball und Fußball gespielt und gehe gerne Skifahren.

Ich kann auch anders: Im Fitnesscamp beim Fußballspielen mit Kollegen

Als ich zwölf war, ist mein Papa gestorben. Das war hart für meine Familie und mich und hat natürlich auch meine Zukunft im Rennsport beeinflusst. Ich habe damals ein Jahr Pause gemacht und bin kein Kart mehr gefahren. Zwar hat mich das zurückgeworfen, aber in dieser Zeit waren mir einfach andere Dinge wichtiger. Es war eine schwere Zeit für meine Mutter, meinen Bruder und mich. Die Nähe zu meiner Familie ist noch stärker geworden – vielleicht lebe ich deshalb auch noch immer in Kufstein. Hier sind einfach mein Lebensmittelpunkt, meine Familie und meine Freunde. Zuhause bekomme ich den Kopf frei und kann auch mal abschalten. Mit meinen Freunden kann ich Gaudi machen, dann ist die DTM kurzzeitig auch einfach mal egal.

Das Leben hat mir aber noch mehrmals gezeigt, dass du auf die Schnauze fallen kannst. Dann musst du eben aufstehen und schauen, dass du es anders angehst. Mit 15 war ich nicht sicher, ob es nach dem Kartsport für mich weitergeht. Ich war am Boden zerstört, weil ich es unbedingt wollte. Natürlich auch den Erfolg und die Profi-Karriere.

Der Weg nach oben war für mich nie leicht…

An diesem Punkt habe ich zum ersten Mal einen Plan für mich erstellt: Ich bin nach Asien gegangen, war auf mich allein gestellt und habe eine andere Kultur kennengelernt. Das hat mir einen riesigen Schub gegeben. Genauso ging es mir nach meinem ersten Jahr bei der DTM. Klar hatte ich meine erste Pole-Position geholt, aber im Vergleich zu den früheren Erfolgen, in denen ich meist um Siege mitfahren konnte, war das ein harter Schlag.

Auch dann habe ich mich wieder über den Winter hingesetzt und mir überlegt: Was war positiv? Was war negativ? Was will ich tun? Das hat geholfen. Ab diesem Punkt ging es steil bergauf, da ich sehr viel in den Sport investiert habe. Heute weiß ich, dass der Spruch „Von nichts kommt nichts“ mehr als eine Redewendung ist. Wenn du alles gibst, dann gehen auch Türen auf.

…aber Durchhaltevermögen zahlt sich aus!

Als ich 2016 den ersten Sieg für mich einfahren konnte, wurde auch der Medienrummel größer. Vor allem die österreichischen Medien pushen mich extrem. Einerseits sehe ich das cool und freue mich darüber. Andererseits mache ich mir nicht so viel daraus. Irgendwie bin ich eben doch der Naturbursche aus Tirol geblieben. Deshalb freue ich mich auch ganz besonders auf das Rennen an diesem Wochenende in Spielberg – daheim ist es eben doch am schönsten.

Ich mit Toto Wolff, Teamchef und Geschäftsführer von Mercedes-AMG Petronas Motorsport


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Lucas Auer ist DTM-Fahrer und fährt für das Mercedes-AMG Team HWA . Seine Freizeit verbringt er gerne beim Skifahren und Klettern in seiner Heimat Österreich

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