Ein echtes High-Tech-Schwergewicht – Der Neue Actros

Eins ist klar: Wenn wir den Fernlastverkehr nicht hätten, würde bei uns gar nichts laufen. Keine überregionalen Lebensmittel, keine Autos, keine Handys – schlicht nichts, was unser Leben heute angenehm macht.

Umso wichtiger und umfassender ist mittlerweile der Job unserer Lkw-Fahrer – deshalb haben wir versucht, ihren Job mit dem neuen Actros angenehmer zu machen. Ob es uns gelungen ist, dürft ihr selbst beurteilen, aber hier will ich euch erzählen, wie der neue Actros entstanden ist, was er kann und was uns wichtig war.

Hinter unserem großen, neuen Lkw steckt in jedem Fall mindestens eine genauso große Entstehungsgeschichte. Abstimmungen zwischen Entwicklung, Produktion, Design oder Vertrieb, unterschiedliche Interessenslagen und zahlreiche Arbeits- und Abstimmungsschritte. Um hier nicht den Überblick zu verlieren, braucht es eine Projektsteuerung, bei der alle Fäden zusammen laufen. Und genau das ist mein Job.

Projekt Neuer Actros

Ich arbeite im Product Management Mercedes-Benz Trucks. Mein Chef ist der Projektleiter und ich bin Teil des Teams, das für die Entstehung des neuen Actros verantwortlich ist. Bei uns laufen alle Fäden zusammen: Wir planen, steuern und koordinieren im besten Fall so, dass alle Fachbereiche die richtigen Dinge zur richtigen Zeit machen, sodass am Ende als Ergebnis ein revolutionäres Produkt entsteht. Und das ist uns mit dem neuen Actros gelungen.

Besonders spannend an meinem Job ist, dass man im Laufe der Zeit mit unglaublich vielen verschiedenen Abteilungen und Fachbereichen zusammenarbeitet und immer wieder einen neuen Blickwinkel auf das Produkt bekommt. Während zu Beginn vor allem die Kollegen aus der Vorentwicklung meine Ansprechpartner waren, liegt der Fokus so kurz vor Produktionsstart vor allem bei den Kollegen aus den Werken, dem Vertrieb und den Kommunikationsbereichen.

(Wo)Man-Power für das Mammutprojekt

Neben einer Menge Manpower braucht man für so ein Mammutprojekt natürlich auch viel Zeit. In der ersten Strategiephase haben wir uns Fragen gestellt wie: „Was wollen wir den Kunden und dem Fahrer anbieten?“ oder „Was wollen oder müssen wir vielleicht sogar verändern?“

Unser Ziel war es, einen Actros voller technischer Innovationen auf die Straße zu bringen. Das haben wir aus meiner Sicht geschafft – vor allem, weil alle Beteiligten gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Julia Graf und ich haben dies zum Beispiel getan. Sie als Ansprechpartnerin der Entwicklung für die Mechatronik, ich als Verantwortliche für die Gesamtprojektkoordination. Einige Highlights will ich euch kurz erläutern, alle 60 Innovationen zu erklären würde hier wirklich den Rahmen sprengen.

Dein treuer Copilot: Das neue HMI

Wir wissen, wie herausfordernd und umfassend der Job der Lkw-Fahrer ist. Deshalb ist der Fahrerarbeitsplatz im neuen Actros mit den beiden interaktiven Bildschirmen und dem neuen Bedienkonzept so intuitiv und entlastend für den Fahrer wie nie. Die HMI-Funktionen zeigen ihr ganzes Können zum Beispiel, wenn der Fahrer Assistenzsysteme benutzt.

Er sieht auf dem Bildschirm zum Beispiel das vorausfahrende Fahrzeug und den Streckenverlauf, weiß intuitiv, warum die Assistenzsysteme reagieren, wie sie reagieren und wie man sie bedient. Das schafft Vertrauen und reduziert den Stressfaktor.

Das Ergebnis hiervon zu sehen macht mich besonders stolz. Julia hat mit Ihren Kollegen in der Mechatronik Entwicklung wirklich einen super Job gemacht. Das neue HMI ist, neben Mirror Cam und Active Drive Assist, aus meiner Sicht eine der größten technischen Revolutionen im Lkw.

Der neue Actros – besser vernetzt als je zuvor

Die Vernetzung und Digitalisierung des Fahrzeugs war ein weiteres zentrales Thema, mit dem ich mich über die Projektlaufzeit hinweg beschäftigt habe. Jetzt ist der neue Actros der am stärksten vernetzte LKW aller Zeiten:

Über das MB Truck App Portal kann der Actros mit Apps ausgestattet werden, die dem Fahrer bei der Erfüllung der Transportaufgabe helfen. Hier sind Apps verfügbar, die wir bei Mercedes selbst entwickelt haben, aber auch solche von externen Entwicklern. Sie helfen dem Fahrer zum Beispiel bei der Parkplatzsuche oder dabei, die Lenkzeiten einzuhalten.

Außerdem haben wir die Flottenmanagement-Dienste von Fleetboard vollständig im Fahrzeug integriert- bisher hat es dafür ein zusätzliches Gerät gebraucht. Mercedes-Benz Uptime ist selbstverständlich auch integriert und wurde sogar noch um die Überwachung der fahrrelevanten Komponenten des angekoppelten Trailers erweitert.

Blick in die Zukunft – die MirrorCam

Dass sich im Inneren des Lkw so viel getan hat, würde man wahrscheinlich auf den ersten Blick von außen gar nicht vermuten. Trotzdem ist neben der neuen Lichtsignatur vor allem ein Detail markant: Die Außenspiegel wurden durch die MirrorCam ersetzt – die wahrscheinlich futuristischste aller Innovationen am neuen Actros und so noch nirgendwo anders zu finden.

Anstatt der Außenspiegel sehen wir außen am neuen Actros jetzt nur noch zwei kleine Kamera-Arme, die nach hinten schauen. Ihr Bild bekommt der Fahrer in zwei Displays angezeigt, die an den A-Säulen angebracht sind.

Das System ist aus meiner Sicht technisch höchst beeindruckend. Den Entwicklungsprozess zu begleiten war besonders spannend, weil die MirrorCam die Entwickler vor bisher nicht dagewesene Herausforderungen gestellt hat. Die harte Arbeit hat sich aber gelohnt – die MirrorCam unterstützt den Fahrer, wie es ein normaler Spiegel nie könnte. Ein paar Beispiele:

  • Die Rundumsicht, insbesondere die Sicht aus den Seitenfenstern verbessert sich signifikant – es ist ja kein großer Spiegel mehr im Weg
  • Das Bild auf dem kurveninneren Display schwenkt beim Abbiegen mit
  • Das Rückwärtsfahren und das Rangieren wird durch eine spezielle Ansicht mit größerem Weitwinkelbereich vereinfacht
  • Es werden eine Vielzahl an Hilflinien und Hilfseinstellungen angezeigt. Sobald der Fahrer den Blinker betätigt, sieht er auf den Displays die optimalen Einscherbereich, außerdem zeigen Distanzlinien den Abstand des rückwärtigen Verkehrs und mit einer manuell einstellbaren Linie kann man das Trailerende markieren
  • Das Warnsignal des Abbiegeassistenten wird auffällig blinkend auf die Bildschirme gespielt

Echte Pluspunkte also für die Sicherheit und das Fahrzeughandling. Durch das Wegfallen der wuchtigen Außenspiegel ist die MirrorCam außerdem in Sachen Aerodynamik und damit vorallem auch für den Spritverbrauch eine echte Verbesserung.

Abstand-Halte-Assistenten und Stop-und-Go-Funktionen kombiniert

Ein weiteres spektakuläres Highlight ist der Active Drive Assist (ADA). Mit dem ADA bringen wir teilautomatisiertes Fahren in Serie – ein Meilenstein, mit dem vor vier Jahren sicherlich niemand so wirklich gerechnet hat und mit dem wir den Fahrer massiv entlasten.

Warum? Der Active Drive Assistent baut auf den bewährten Abstandhalte-Assistenten mit Stop-und-Go-Funktionen sowie dem Spurhalte-Assistenten auf. Neu ist, dass der ADA den Fahrer auch aktiv bei der Spurführung unterstützt.

Er hält den LKW innerhalb der Systemgrenzen Radar- und Kameragesteuert selbstständig durch Lenkbewegungen in der Spur. Obwohl die Verantwortung für das Verkehrsgeschehen weiter beim Fahrer liegt, entlastet ihn das System spürbar und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit auf der Straße.

Sprit sparen 2.0

Beeindruckend ist, wie die verschiedenen Sicherheits- und Assistenzsysteme beim neuen Actros Hand in Hand arbeiten und einander unterstützen. So arbeitet beispielsweise der Active Drive Assist optimal mit unserem nochmal verbesserten Predictive Powertrain Control zusammen. Dieser intelligente Tempomat verarbeitet topografische Informationen der Strecke und passt Geschwindigkeit, Bremsen und Beschleunigung des LKW daran an.

Das kennen unsere Fahrer schon heute für die  Autobahn. Hierfür haben wir es nochmal optimiert, außerdem gibt es das System jetzt auch für den Überlandverkehr und für mehr Fahrzeugtypen. Die Verbesserungen wirken sich nochmal signifikant auf den Spritverbrauch aus.

It’s Showtime

Bei so vielen technischen Innovationen und Weiterentwicklungen ist es kein Wunder, dass am Ende die Zeit bis zur Weltpremiere schneller verging, als vielen von uns lieb war. Aber auf einmal ist schon der 5. September und ich stehe auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Genauer vor dem beeindruckenden Marlene-Dietrich Theater, wo die große Enthüllungszeremonie unseres neuen „Stars“ stattfinden wird. Schon von weitem sehe ich unseren Lkw auf dem Theaterplatz stehen – verhüllt und gut getarnt vor den neugierigen Blicken der Passanten.

Und dann ist es soweit: Der Vorhang fällt – der Moment auf den ich und das gesamte Projektteam hingearbeitet haben. Dass ich den neuen Actros von den Kinderschuhen bis heute so intensiv betreuen durfte und nun dieser revolutionäre Lkw vor mir steht, ist ein fabelhaftes Gefühl.

Ich und all meine Kollegen sind wirklich überzeugt und begeistert vom neuen Actros. Jetzt sind wir aber froh, dass auch die Öffentlichkeit und unsere Kunden unseren neuen Actros endlich kennenlernen dürfen. Ich bin gespannt auf eure Reaktionen!


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Susanne Eiden arbeitet im Product Management Mercedes-Benz Trucks und durfte den neuen Actros von den Kinderschuhen bis hin zur heutigen Weltpremiere betreuen. Neben der Projektkoordination für den Neuen Actros bei Daimler geht sie gerne auf Reisen, ist Sommer wie Winter gerne in den Bergen unterwegs und ist außerdem stolze Mutter eines fünfjährigen Super Girls.

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