Formel 1 Monza 2018: Lewis triumphiert. Valtteri wird Dritter!

Was für ein Grand Prix von Italien war das denn bitte? Über das gesamte Wochenende war uns allen irgendwie klar, dass wir schon ein kleines Wunder benötigten, um gegen die Ferrari im Autodromo Nazionale Monza bestehen zu können.

Ja und dann hieß es auf einmal nicht nur Schadensbegrenzung. Lewis Hamilton siegt auch noch in der Höhle des Löwens und zeigt damit wieder einmal seine Extraklasse.

Möglich wurde dies durch eine taktische Meisterleistung unseres Teams, die beide Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+/04 länger auf der Strecke ließen, als der bis dahin führende Ferrari mit der Nummer 7. Nummer 7? Hat Vettel nicht die 5? Richtig und die hat er auch nach wie vor, aber der Heppenheimer befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf einer Aufholjagd durchs Feld.

Was war passiert? Beide Ferraris schienen am Start besser wegzukommen und blockierten geschickt die Linie vor der ersten Schikane. Auf dem Weg durch die Curva Grande nahm Lewis aber so viel Windschatten mit, dass er sich während des Anbremsens der Variante della Roggia neben Sebastian setzen konnte. Ziemlich genau zur Kurvenmitte kam es dann zur Kollision, in deren weiteren Verlauf sich Vettel drehte und dem Feld mit einem beschädigten Frontflügel hinterhereilen musste.

Glück im Unglück hatte er dann nach diesem, von den Stewarts als normaler Rennunfall gesehenen, Vorfall dann doch noch. Der Toro Rosso von Hartley stand mit gebrochener rechter Vorderradaufhängung am Ende der Start/Ziel-Geraden. Das Safetycar kam auf die Strecke und Vettel an die Box.

Sein Team-Kollege schaffte es dann bis zur 20. Runde Lewis hinter sich zu halten, kam dann aber an die Box, während unsere 44 draußen blieb. Acht Runden lang war nun “Hammer Time” angesagt und Lewis quetschte wirklich alles aus seinen Reifen und dem Antriebsaggregat des W09 EQ Power+/04. Dennoch, mit frischen Reifen konnte Kimi seinen Vorsprung auf 5,6 Sekunden ausbauen, bis er auf Valtteri auflief. Nun steckte der Finne im Silberpfeil-Sandwich. An Bottas kam er auch mit DRS nicht vorbei und von hinten flog Lewis an.

Mit zunehmender Renndauer wurde eine immer stärker werdende Blasenbildung auf den Pneus des Ferraris mit der Nummer 7 sichtbar. Dahinter Hamilton mit acht Runden frischeren Reifen, die er vor allen Dingen nicht in der “Dirty Air” eines Vorausfahrenden strapazieren musste. Und genau das war dann letztendlich auch der Schlüssel zum Sieg.

In der 45. Runde kam es dann zum Führungswechsel: Lewis attackierte mit gut gefüllter Hybrid-Batterie in der ersten Schikane und baute die Führung umgehend aus. Das Rennen war entschieden!

Dadurch, dass Vettel, dessen fulminante Aufholjagd man wirklich anerkennen muss, nur auf dem 4. Platz ins Ziel kam, konnte Lewis die WM-Führung auf 30 Punkte ausbauen. Wer hätte dies vor diesem Wochenende auch nur ansatzweise erahnen können?

Ferrari beim Heimspiel zu schlagen und das obwohl die Scuderia das zurzeit wohl leicht schnellere Gesamtpaket aufbieten können. Das zeigt wieder einmal, was durch Team-Arbeit und Strategie möglich ist!

Stimmen zum Rennen

Lewis hat eine fehlerlose Leistung gezeigt. Er war mit seinem Auto immer am richtigen Ort, zeigte Geduld, wenn es nötig war, und fuhr einen fantastischen Sieg ein – seinen fünften hier in Monza. Aber wir dürfen auch Valtteri nicht vergessen: er ist ein großartiges Rennen gefahren und hat es verdient, auf dem Podium zu stehen.

– Toto Wolff

Toto Wolff

Das ist das Besondere am Rennsport: die Punkte werden erst am Sonntag und nicht schon am Samstag vergeben. Und heute durften wir das gesamte Rennen über einen fantastischen Kampf zwischen zwei Champions erleben. Die Plätze eins und drei sind für uns ein fantastisches Ergebnis und eine großartige Belohnung für all die harte Arbeit, welche die Mannschaft in Brixworth und Brackley in den vergangenen Wochen geleistet hat. Vergangene Woche hatten wir mit den Reifen zu kämpfen, heute warfen die weichen Reifen bei Ferrari Blasen.

Ich glaube, dass wir heute Nachmittag mit Blick auf die Rennpace das schnellste Auto hatten – obwohl wir etwas vorsichtig sein müssen, weil wir nie Sebastians Pace ohne Schäden an seinem Auto gesehen haben. Aber wir konnten Kimi das gesamte Rennen über unter Druck setzen. Außerdem haben wir die Strategie genau richtig gewählt: Bei den Stopps von Kimi und Lewis waren wir darauf eingestellt, dass Gegenteil von Ferrari zu machen. Danach haben wir den Stint verlängert, um den größten Unterschied beim Alter der Reifen zu haben, nachdem Kimi an der Box gewesen ist.

Bei Valtteri war es genauso: es war die richtige Strategie, ihn auf der Strecke zu lassen und so einen Unterschied zu Verstappen zu haben. So konnte er ihn in den Schlussrunden mit frischen Reifen angreifen. Genau das hat er geschafft und sich so seinen Podestplatz geholt. Alles in allem war es in jeder Hinsicht ein sehr guter Tag für das Team.

Jetzt geht es nach Singapur, das in den vergangenen Jahren nicht zu unseren stärksten Strecken gezählt hat. Aber wir werden in den nächsten Wochen keinen Stein auf dem anderen lassen, um noch mehr Performance zu finden und weiter mit Volldampf daran arbeiten, unsere Führung in beiden Weltmeisterschaften auszubauen.

Das war heute richtig starkes Teamwork mit einem großartigen Boxenstopp und einer klasse Kommunikation innerhalb der Mannschaft.

– Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

Das war ein hartes, aber richtig schönes Rennen. Darüber bin ich wirklich sehr glücklich. Der heutige Nachmittag sollte sich als einer der besten entpuppen. Es ist sehr eng zwischen Ferrari und uns und in diesem Rennen kam es wirklich darauf an, wer die wenigsten Fehler macht und am besten auf die Reifen achtet.

Valtteri hat großartige Arbeit geleistet und seinen Stint verlängert, wodurch ich auf Kimi aufholen konnte. Die erste Runde war richtig spannend. Wir hatten ähnliche Starts und als wir in Kurve vier einbogen, war ich etwas überrascht, dass Sebastian die Innenseite wählte und nicht nach außen ging. Das war meine Chance und ich musste sicherstellen, dass ich weit genug vor ihm lag. Wir haben uns ganz kurz berührt und mein Auto war danach leicht beschädigt, aber zum Glück konnte ich weiterfahren und mit Kimi mithalten.

Sobald ich im zweiten Stint den Rückstand auf Kimi aufgeholt hatte, konnte ich sehen, wie seine Reifen Blasen warfen. Deshalb achtete ich mehr auf meine Pneus und stellte sicher, dass sich auf diesen keine Blasen bildeten. Als Valtteri dann zu seinem Boxenstopp abbog, war es ein wenig schwierig, mit Kimi mitzuhalten. Aber ich wusste, dass meine Reifen in einer besseren Verfassung waren. Ich musste alles geben, um die Lücke zu schließen, besonders in den Lesmos und Ascari.

Aber diese Strecke ist einfach unglaublich, es ist so ein phänomenaler Kurs mit vielen schnellen Kurven. Und hier kann man dem Vordermann auch durch die Kurven und Schikanen hindurch folgen. Das macht es zu einem der besten Kurse auf der Welt. Es ist immer ein echtes Privileg, hier in Italien zu gewinnen. Aber wir müssen hart weiterarbeiten und dafür sorgen, dass wir ihnen auch in Singapur einen guten Kampf liefern.

Das war eine richtig gute Mannschaftsleistung und wir haben mehr Punkte eingefahren als Ferrari, obwohl wir hinter ihnen gestartet sind. Aber uns ist bewusst, dass wir weiter angreifen müssen, um sie auch weiterhin unter Druck zu setzen.

– Valtteri Bottas

Valtteri Bottas

Das war ein sehr erfolgreicher Tag – sowohl für Lewis als auch für mich. Es fühlt sich gut an, wieder auf dem Podium gestanden zu haben. Wir wussten, dass Ferrari heute schnell sein würde. Deshalb wollten wir 100 Prozent geben und sie unter Druck setzen. Uns war klar, dass wir heute als Team zusammenarbeiten mussten und das hat wunderbar funktioniert.

Nach den Ereignissen mit Sebastian in Runde eins wusste ich, dass dies eine gute Chance für mich war, um auf das Podium zu fahren. Dennoch war es alles andere als ein einfaches Rennen. Ich fuhr einen sehr langen ersten Stint und versuchte, Kimi auf meinen alten Reifen hinter mir zu halten. Dabei konnte ich ordentliche Rundenzeiten aus den Reifen herausholen, sodass Kimi nie nah genug herankam, um mich zu überholen.

Schlussendlich hat diese Strategie sowohl Lewis als auch mir geholfen. Nach dem langen ersten Stint hatte ich die Möglichkeit, Max mit frischen Reifen anzugreifen und dadurch bin ich aufs Podium gekommen.


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Sascha Pallenberg ist für die Digitale Transformation in der Unternehmenskommunikation verantwortlich. Der ehemalige Techblogger bereitet insbesondere Inhalte an der Schnittstelle zwischen Auto- und IT-Industrie für Daimler Online-Medien auf. Er ist außerdem Gründer von Mobile Geeks.

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