Mit dem Unimog durch Afrika II: Unterwegs auf Nebenstrecken

Einen LKW nach Südafrika zu verschiffen ist kein Zuckerschlecken. Ein undurchsichtiger Preis-Leistungs-Dschungel. Wir wollten einen, wir haben einen bekommen, ihn umgebaut und sind mittlerweile sogar schon unterwegs.

Was wir vor und auf unserer Reise mit dem Unimog erleben, darüber werde ich in regelmäßig unregelmäßigen Abständen hier auf dem Daimler-Blog berichten. In Teil 1 habe ich über unsere Suche und den Umbau berichtet.

Die Odyssee der Verschiffung

Zunächst habe ich Bremen nach Durban gebucht. Die Schiffsagentur hat mich ewig vertröstet. Die Buchung muss in einen sinnvollen zeitlichen Vorlauf auch auf ein konkretes Schiff gehen. Sonst wird das nichts. Passiert ist trotzdem nix. Ich habe dann die Reißleine gezogen und auf eine garantierte Buchung von Antwerpen nach Walsvis Bay in Namibia mit konkretem Schiff „Freedom Ace“ umgeschwenkt. Jetzt kann es losgehen…

Donnerstagabend bin ich dann mit dem Unimog voraus gefahren, meine Familie mit dem Pkw am Freitag hinterher. Freitags wollten wir den Unimog im Hafen abgeben, da das Schiff montags ablegt. Wer nicht dabei ist, hat Pech gehabt. Geld ist dann auch weg.

Liegengeblieben: 50 Kilometer vor dem Hafen…

50 Kilometer vor dem Hafen dann die unliebsame Überraschung: Nach dem Tanken streikte der Anlasser. Jetzt stand ich da und blockierte eine Zapfsäule. Es regnete in Strömen. Meine Familie ist zu mir an die Autobahntankstelle gefahren. Was nun ? ADAC ? Ich versuche mal den Klassiker: Auf den Anlasser klopfen. Der ist aber beim OM352 oben verbaut und ich kann zwar hingucken, aber nicht mit dem Hammer drauf hauen.

Wie der Zufall es will, kommt die Belgische Armee auf den Rastplatz. – Wow – die haben ja auch den Unimog Baumuster 435. Mal fragen, ob die einem Zivilisten helfen. Also rein in die Kaffee-Ecke, wo die Mannschaft Pause macht. Auf Englisch habe ich den mit dem meisten Lametta am Hemd angesprochen, ob er einen Mechaniker dabei hätte und uns helfen könnte.

Der Mechaniker kannte die Thematik „Anlasser geht nicht“ und hatte auch einen Trick, wie er auf den Magnetschalter klopfen kann. Ganz einfach: Mit einer Stange. Wir haben alles versucht. Klopfen auf den Startermagnet, die Kurbelwelle mit einem 46er Schlüssel etwas verdreht, damit der Startermagnet leichter einspurt. Alles ohne Erfolg.

Ich fragte den Mechaniker, wie er so etwas bei seinen Unimogs unterwegs repariert. Daraufhin zuckte er nur mit den Schultern und meinte „Garantiefall Mercedes“. So war nun klar – ich brauche super schnell ein Ersatzteil.

Nach einer dreistündigen Telefon-Odyssee tat sich ein Hoffnungsschimmer auf: Zurück nach Deutschland, wenn in Belgien nix geht. Mercedes in Aachen hat über Nacht den Startermagnet bestellt. Retter in der Not. Wir haben im Familienrat beschlossen, Samstag früh morgens mit dem Pkw nach Aachen zurück zu fahren. Ersatzteil besorgen. Ich hingegen sollte mich auf den Weg zum Hafen machen.

Da der Anlasser nicht ging, mussten wir den Unimog anschleppen. Das hat ein Team von der Straßenmeisterei erledigt. Coole Truppe.

Achtung vor belgischen Raubrittern

Nachdem der Unimog ausgefallen ist, kann es doch nicht schlimmer kommen. Dachten wir. Doch es kann: In Form eines Ordnungshüters. Da der Unimog so schick ist, hat der Ordnungshüter mich mal auf den Parkplatz gewunken. Wo ist meine On-Board Unit? Hab ich net! Bin doch Wohnmobil mit H-Zulassung. Zwei Gründe die Onboard Unit nicht zu haben.

Der Ordnungshüter war stur und versessen drauf mir 1035 Euro Strafe aufzubrummen. Irgendwie war das eine Situation, die ich eher im Kongo als in Belgien erwartet hätte. Ordnungshüter, welche ihre eigenen Regeln nicht kennen und folglich eher willkürlich abkassieren. Da ich mit Visa Karte bezahlt habe, war die Möglichkeit in die eigene Tasche zu wirtschaften nicht gegeben. Hauptsache ich schaffe es pünktlich zum Hafen. Übrigens: Im Nachgang habe ich das Geld vom belgischen Finanzamt mit einem einzigen Schreiben meines Anwaltes wieder bekommen.

Nun konnten wir weiter zum Hafen. Wir haben dort einen Tipp bekommen, wo wir halbwegs bewacht parken können. Um das Schiff noch zu erreichen, wurde mit den Hafenmitarbeitern ausgehandelt, am Montag um sechs Uhr morgens einzuchecken. Samstags – zurück nach Aachen – Ersatzteil holen – Nach Antwerpen in den Hafen fahren und einbauen. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als am späten Nachmittag der neue Anlasser den Unimog zuverlässig startet.

TiA – This is Africa

Einschreiben mit Rückschein. Das passt für die Zollpapiere, dachte ich. Dann die Ernüchterung: Eine E-Mail, dass die Zollpapiere noch nicht da sind. Das kann eng werden. Der Unimog steht zwei Tage früher als geplant im Hafen von Walvis Bay und muss verzollt werden. Die Sendungsverfolgung zeigt eigentlich nur, dass die Papiere schon seit vier Tagen da sein müssten.

Glück im Unglück: Die Postämter haben jeweils ein E-Mail-Postfach und antworten auf meine Anfrage. Die Sendung wurde als ganz besonders wichtig gekennzeichnet in Windhoek. So wichtig, dass ganz viele Aufkleber drauf kamen. Leider wurde dabei das Adressfeld überklebt. Daher wusste das Post Office in Walvis Bay nicht mehr wohin der Brief soll. Ich habe ihnen dann die Adresse zugemailt. Dann hat es geklappt. TiA „This is Africa“.

Unimog in Aktion: Endlich auf der Piste

Die Abholung unseres Unimogs war eher unspektakulär. Groß aber die Freude, dass alle Horrorgeschichten von Fährverschiffungen mit Expeditionsmobilen an uns vorbei gegangen sind. Nix kaputt. Nix geklaut. Endlich Unimog fahren. Wir halten uns an die ungeteerten Nebenstrecken.

Die erste Route durch Afrika mit dem Unimog von Walvis Bay in Namibia nach Pretoria in Südafrika. Unterwegs kleine Impressionen: Garten Dekoration mit alten Karossen – das zieht Touristen an. Klein aber fein: Mokala National Park – der ist nicht überlaufen und bietet Zeltplätze ohne Zaun am Wasserloch.

Typische Szenen – der Unimog auf dem Pad – also der Schotterstraße, die sich über die Hügel schlängelt. Das Gitter im Boden, damit die Tiere nicht am Farm Eingang davon laufen. Überraschend war die Oryx Antilope mit 50 km/h neben uns.

Standbilder – mal Campingplatz mitten in der Stadt – mal mitten im „Nichts“ in dem Namib-Naukluft Gebiet.

Unimog als Helfer: Hier habe ich das erste Mal den Allrad zugeschaltet, um ja sicher zu gehen, dass ich das Wohnmobil aus dem Sand ziehen kann.

Unimog 435

Unterwegs auf Wildwechsel achten: Hier rennen ein paar Springböcke über die Straße. Fahrspaß im weichen Sand gibt es in der Namib. Aber wir sind schön artig im Nationalpark auf der Piste geblieben.

Also damit haben wir echt nicht gerechnet: Die Wellen in den Pisten (Spitzname Wellblech-Piste) haben zu einer Schwingungsbelastung geführt, die den Bremsflüssigkeitsbehältern nicht gut getan hat: Da läuft Brühe am Fuß raus. Ist nichts mehr im Behälter, trete ich beim Bremsen ins Leere. Wie soll ich nun 400 Kilometer von Ersatzteilen entfernt weiterfahren?

Dank netten Südafrikanern und deren Know How sich immer irgendwie helfen zu können: Ganz einfach – erst mal alles mit einer Spritze abpumpen und dann schön sauber machen. Etwas anrauen und dann mit zwei Komponenten Epoxid Knetmasse einen dichtenden und stützenden Kragen formen. Der muss dann aber seine 20 Stunden Ruhe haben, bevor wieder Bremsflüssigkeit reinkommt.

Da habe ich echt was lernen können und seitdem habe ich diese Knetmasse immer an Bord. Zum Glück konnten wir die Wartezeit bis die Epoxid Masse ausgehärtet ist im warmen Schwimmbecken von den heißen Quellen Ais Ais am Ende des Fisch River überbrücken.

Das Endstück vom Auspuff ist abgebrochen und auf der Piste verloren gegangen. Juhu – jetzt muss ich mich nicht mehr rechtfertigen, warum ich eine Bohrmaschine und Nietzange mit ins Bordwerkzeug genommen habe. Man(n) weiß ja nie, wann man das ganze Werkzeug doch mal braucht.

Den Grill habe ich kurzerhand als Werkzeugablage umfunktioniert. Mein Endstück habe ich aus einer alten Edelstahl Trinkflasche gefertigt. Die habe ich im Schrott gefunden.

Interessanterweise macht sich in Namibia auf dem Land keiner die Mühe Schrott zu entsorgen, so wie wir das kennen. Der liegt immer, etwas versteckt vor den Touristen-Blicken, einfach rum. Vielleicht braucht man noch etwas davon. Improvisieren lernt man halt am besten in Afrika.

Cool mit Sonnenbrille: Unsere Tochter hat uns als Familie auf die Sprünge geholfen in 2018 eine Auszeit zu nehmen und gaaanz lange mit dem Unimog rumzufahren. Land und Leute abseits der Touristen Highlights zu erleben…


Dieser Beitrag ist der zweite Beitrag einer Reise-Serie. Dr.-Ing. Robert Mutschler wird regelmäßig von seinen Erlebnissen rund um Land und Leute und natürlich seinem Unimog berichten. Mit dem selbst konstruierten und selbst gebauten Unimog soll es möglichst abseits der Hauptwege durch Namibia, Botswana, Sambia, Mosambik und Südafrika gehen.


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Dr.-Ing. Robert Mutschler arbeitet bei der Produktionsplanung PKW an strategischen Themen. Nach dem Motto „Wer seine Technik im Griff hat – der hat seine Kosten im Griff“ finden sich aktuell 33 Nennungen als Erfinder im Deutschen Patentamt. Dank des Sabbaticals von März bis Dezember 2018 kann er in der Familienzeit die Faszination Unimog ausleben.

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