moovel im Test: Das kann die Mobilitäts-App

Alle Angebote in einer App? Als Verbraucher wünscht man sich doch genau das. Kein App-Chaos mehr auf dem Smartphone, kein lästiges Wechseln zwischen den einzelnen Angeboten. moovel will so eine App sein – für innerstädtische Mobilität. Was sie kann, habe ich mir einmal näher angesehen.

Mit dem Taxi zum Termin? Oder doch lieber mit dem Leihfahrrad? Wer wie ich kein Auto besitzt, muss sich oft aufs Neue überlegen, wie er zum Ziel kommt. Die App „moovel“ will möglichst viele Mobilitätsangebote bündeln. Egal, ob mit Carsharing, der Straßenbahn oder dem gemieteten Drahtesel: Die App zeigt mir einen Weg zu meinem Ziel und lässt mich das gewünschte Transportmittel direkt buchen, so die Idee.

One-Stop-Shop nennt sich das Konzept. Haben Sie noch nie gehört? Ich auch nicht. Als Student an der Kölner Journalistenschule bin ich angetreten, um die App samt Konzept einmal ausgiebig zu testen. Das Ergebnis waren Fahrspaß im Stadtflitzer und eine entspannte Taxifahrt. Bis dahin musste ich allerdings auch einige Hürden überwinden.

Das bietet mir die moovel-App

moovel kooperiert mit bereits eigenständig aktiven Unternehmen und integriert deren Angebote in seiner App. Das derzeitige Repertoire: Auf der Straße sind die Miet-Fahrzeuge von car2go sowie die Taxis vom Online-Anbieter mytaxi dabei.

Auf der Schiene lassen sich unter anderem Tickets für den Hamburger und Stuttgarter Nahverkehr buchen sowie für Züge der Deutschen Bahn. Und wer gerne selbst in die Pedale tritt, kann sich ein Fahrrad von Anbietern wie nextbike und Co. ausleihen.

Aller Anfang war – überraschend leicht

Die Registrierung in der App verlief problemlos. Sind Name sowie Kontakt- und Bezahldaten eingegeben, ist die App einsatzbereit. Um jedoch die Mietfunktion von car2go zu nutzen, verlangt die App zusätzlich nach einem Bild des Führerscheins samt Selbstporträt, um die Fahrerlaubnis zu verifizieren. Ein mulmiges Gefühl kommt auf, gebe ich doch sensible Daten aus der Hand.

Die Macher von moovel versprechen, sich an deutsche Datenschutzstandards zu halten. Das notwendige Übel heißt hier aber Vertrauen. Denn ohne die Daten gibt es kein Mietfahrzeug. Bis die Verifizierung durch ist, können übrigens einige Stunden vergehen. Wer also noch am selben Tag losfahren will, sollte sich frühzeitig kümmern.

Die Bedienung der App war im Test sehr intuitiv. Eine Karte zeigt alle verfügbaren Verkehrsmittel in der Nähe an. Habe ich mich für eines entschieden, klicke ich es an und bekomme weitere Infos – etwa zur Position, zum Ladestand eines E-Autos oder zum Preis. Alternativ lässt sich auch die Zieladresse eingeben. Dann listet mir die App die verschiedenen Möglichkeiten auf. Dabei berechnet moovel auch mögliche Kosten voraus. Ist das Taxi zu teuer? Dann vielleicht doch besser ein Mietauto.

So lief es mit dem Miet-Auto

Besonders neugierig war ich deshalb auf das Carsharing-Angebot von car2go. Steht ein Mietfahrzeug in meiner Nähe, kann ich es zuerst per Klick reservieren. In den darauffolgenden 20 Minuten ist das Auto für andere Nutzer blockiert und gibt mir Zeit, es zu finden. Die App zeigt mir dafür den genauen Standort an.

Am Auto angekommen, schließe ich es per Klick auf, ziehe den Schlüssel aus der Vorrichtung am Armaturenbrett, starte den Motor und fahre los. Das ging im Test überraschend schnell.

Vor allem die Elektro-Smarts versprechen dabei jede Menge Fahrspaß. Der Zweisitzer ist zwar klein, die Beinfreiheit erinnert eher an die Holzklasse im Flugzeug. Dafür wiegt der Smart aber so wenig, dass er mit einer schnellen Beschleunigung aufwarten kann. Bei freier Fahrt kam im Test fast schon Kartbahn-Feeling auf – aber natürlich nur innerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung. Das ist klar.

Und auch die Parkplatzsuche gestaltete sich leicht. Durch die kompakte Größe passen die Smarts in nahezu jede Lücke. Parken geht übrigens auf jedem öffentlich zugänglichen Parkplatz und ohne Parkschein. Privat- und Firmenparkplätze sind allerdings tabu.

Wem der Zweisitzer zu klein ist, der findet mit Glück und je nach Stadt auch eine Mercedes A- oder B-Klasse in der Nähe. So können auch kleinere Gruppen zum Wunschort kommen. Eine Liste der verfügbaren car2go-Autos in den jeweiligen Städten gibt es übrigens hier.

Vorsicht: Grenzen

Mein Fahrspaß mit dem Miet-Smart hatte allerdings auch seine Grenzen. Nämlich geographische. Das Geschäftsgebiet von car2go ist örtlich beschränkt. Und davon sind teilweise auch noch innerstädtische Bereiche betroffen. In Köln etwa gehören Teile des Stadtbezirks Nippes, der beliebten Zoogegend im Norden, nicht mehr zum Geschäftsgebiet.

Fahren und zwischendurch Anhalten funktioniert zwar auch außerhalb des vorgesehenen Bereichs. Stehenlassen durfte ich das Auto dort aber nicht. Deshalb die Warnung an Faulpelze: Wer in einem abgelegenen Stadtteil wohnt, der riskiert, am Ende laufen zu müssen. Wichtig ist deshalb, sich vorher zu informieren.

Schlüssel ist nicht gleich Schlüssel

Stelle ich den Wagen aber sachgemäß (im Geschäftsbereich!) ab, bekomme ich über die App eine Checkliste angezeigt. Ist das Licht ausgeschaltet? Sind die Fenster oben? Das soll das Auschecken erleichtern. Ein Punkt war im Test jedoch eine kleine Herausforderung – nämlich den Schlüssel korrekt in die Vorrichtung zurückzustecken.

Denn wie genau das geht, lässt die App etwas offen. Das Problem: Am Zündschlüssel selbst befindet sich noch ein elektronischer Chip-Anhänger. Sowohl Schlüssel als auch Chip passen jedoch in den vorgesehenen Slot am Armaturenbrett. Wer sich nicht gemerkt hat, wie er den Schlüssel herausgezogen hat, wird es im Zweifel zuerst falsch herum versuchen – und den Schlüssel statt des Chips hineinstecken.

Als mir bei meiner ersten Fahrt die gefühlte Lösung aller Probleme endlich kam, konnte ich das Auto abschließen. Bis dahin verlor ich aber Zeit – und dadurch auch ein bisschen Geld. Abgerechnet wird bei der App nämlich pro gefahrene Minute. Die Miete endet, sobald der Schlüssel (richtig herum!) wieder in der Halterung steckt. Stau und viele Ampeln sollten Fahrer also besser vermeiden. Sonst wird es teurer, als von der App vorausberechnet.

Stressfrei mit der Bahn oder im Taxi

Wer trotz der großen Fahrfreuden (Ausprobieren lohnt sich wirklich!) auf den Stadtflitzer verzichten will, kann sich von moovel alternativ die schnellste Route mit Bus und Bahn berechnen lassen: einfach die Adresse oder Haltestelle eingeben und die gewünschte Verbindung auswählen. Die Öffi-Angebote in Hamburg und Stuttgart lassen sich übrigens mit wenigen Klicks über moovel buchen, genauso wie Tickets der Deutschen Bahn.

Hier zeigt die App direkt die Ticketpreise an, der Nutzer kann also vergleichen. Nicht erschrecken: Auf der Übersichtsseite werden zunächst nur die Normalpreise der Deutschen Bahn angezeigt. Im weiteren Auswahlschritt können Reisewillige aber Sparpreise oder etwa Bahncard-Rabatte auswählen.

Und wer es noch entspannter mag, kann über moovel auch ein Taxi rufen. Die Buchung funktioniert wie bei der Auto-Leihe: Ist ein Taxi in meiner Nähe, klicke ich es an und bestelle es. Über die Standortfreigabe meines Smartphones weiß der Fahrer, wo er mich abholen soll. Sobald ich meine Zieladresse eingebe, bekomme ich eine Kostenschätzung. Soviel vorweg: Im Test war diese ziemlich genau. 18 Euro sollte meine Fahrt kosten, 18,20 Euro musste ich am Ende zahlen.

Habe ich das Taxi gebucht, sehe ich Bild und Namen des Fahrers. Das schafft Vertrauen. Holt er mich ab, kennt er auch meinen. Der Name des Nutzers leuchtet nämlich am unteren Rand des Taxi-Bildschirms auf. Hinter seiner Anonymität als Fahrgast lässt es sich also nicht mehr verstecken – irgendwie fair, weiß ich im Gegenzug doch auch, wer mich nach Hause fährt. Die Vorteile gegenüber dem klassischen Taxiruf: Der Fahrer kann meine genaue Position verfolgen.

Sich zu verpassen, ist also ausgeschlossen. Außerdem kennt er bereits meine Zieladresse. Das macht das mytaxi auch für Feierwütige nach einer durchzechten Nacht zu einer sicheren Alternative nach Hause. Ein kleines Manko bleibt jedoch: Wer den Taxifahrer für die angeheiterten Gespräche mit Trinkgeld entschädigen möchte, muss sich zwangsläufig spendabel zeigen. Denn über die App lassen sich jeweils nur 10, 15, oder 20 Prozent des Fahrpreises geben.

Alles in einer App – leider noch nicht überall

Fazit: Bräuchte ich sonst viele verschiedene Apps, gibt mir moovel einen Überblick über sämtliche verfügbare Transportmittel – und lässt mich spontan entscheiden. Im Test funktionierte das sowohl beim Mietauto, bei der Bahn, als auch beim Taxi ganz intuitiv, wenngleich ich über wenige Funktionen noch stolperte. Leider sind die Angebote bislang nur etwas für manche Großstädter. Denn nicht überall ist der volle Umfang der App verfügbar – in meinem Fall hat in Stuttgart zum Beispiel das nextbike-Angebot gefehlt. Deshalb: Mehr davon, hoffentlich bald.


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Laurin Meyer (23) ist Student an der Kölner Journalistenschule und schreibt als freier Autor für Tageszeitungen und Magazine.

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