GLC F-Cell: 3000 Kilometer, zwei Erlebnisse, Null Emissionen

Das Symbol H. Wer kennt es nicht, das chemische Element in der oberen linken Ecke des Periodensystems – Wasserstoff. Es ist das häufigste chemische Element im Universum. Seine biologische Bedeutung? Unbestritten! Seine Bedeutung im Rahmen alternativer Antriebstechnik? Unterschätzt! Dabei hat die Brennstoffzellen-Technologie das Potenzial zur Lösung.

Und gleich mal vorneweg: Der GLC F-Cell erfüllt höchste Sicherheitsstandards und ist dennoch ein echter Knaller. Wie er unter Livebedingungen performt, haben meine beiden Kollegen Sebastian Mock und Christian Göke für euch getestet – beide Erfahrungsberichte findet ihr weiter unten im Artikel. Zunächst möchte ich euch unseren Plug-In Hybriden aber ein bisschen genauer vorstellen:

Es ist 1994. Mercedes-Benz stellt das NECAR 1 (New Electric Car) vor, das bis dato erste Brennstoffzellenauto der Welt. Der ganze Laderaum des Transporters ist da noch voll mit Technik. Weitere Kleinserien folgen, bis hin zur B-Klasse F-Cell (Kraftstoffverbrauch: 0,97 kg H₂/100 km, CO₂-Emissionen kombiniert: 0 g/km), die 2011 die Welt umrundet.

NECAR1 mit 130 km Reichweite

23 Jahre nach dem NECAR 1 präsentiert Mercedes-Benz das Vorserienfahrzeug GLC F-Cell. Mein erster Eindruck: Schmuckes Design – GLC eben! Von dem kastenförmigen Lieferwagen von damals ist nicht viel übrig geblieben. Von Antriebstechnik im Laderaum keine Spur. Vielmehr sehe ich einen sportlichen SUV.

Normal? Keineswegs! Blaue Akzente am Kühlergrill, an der Schwellenverkleidung sowie am Heckstoßfänger deuten schon an, dass hier etwas besonders ist. Denn damals wie heute sorgt eine Gleichung für Aufsehen: 2H2 + O2 = 2H20 = 0 Emissionen.

Ich kann es eigentlich gar nicht glauben, aber einziges „Abgasprodukt“ des im GLC verbauten Brennstoffzellen-Systems ist Wasserdampf. Und das sorgt für seine Sonderstellung.

Weltpremiere des GLC F-Cell Vorserienfahrzeug auf der IAA Frankfurt 2017

Der GLC F-Cell – Kurz erklärt

Schaut man dem F-Cell unter die Haube wird deutlich: es handelt sich um einen rein elektrischen Plug-in-Hybrid. Das heißt, es ist das erste Elektrofahrzeug, das von einer Brennstoffzelle (engl. Fuel Cell) und zusätzlich von einer extern aufladbaren Batterie angetrieben wird.

Im Brennstoffzellen-System im Motorraum reagieren Wasserstoff und Sauerstoff. Dadurch wird Strom erzeugt, der den Elektromotor antreibt. Quasi ein bordeigenes Kraftwerk. Abgase? Fehlanzeige! Einzige Nebenprodukte bei der Reaktion sind Wasser und Wärme. Eine wirklich spannende Technologie finde ich!

In diesem H2-Modus kann der F-Cell über 400 km weit fahren. Die Lithium-Ionen-Batterie, die als zusätzliche Energiequelle für den Elektromotor dient, erhöht die Reichweite um weitere 49 km. Sie ist wie der Antriebsmotor im Heck des SUV versteckt.

Die Angaben machen deutlich: Mit dem F-Cell fährt man nicht nur zur Bäckerei nebenan. Auch weite Strecken sind drin, wie meine Kollegen Sebastian Mock und Christian Göke in ihren Fahrerlebnissen eindrucksvoll unter Beweis stellen. Pluspunkt für den Hybrid ist somit zweifelsohne die große Reichweite – emissionsfrei wohlgemerkt.

Fahrzeugkonzept GLC F-Cell

Möchte man den Vergleich zu einem rein batteriebetriebenen Fahrzeug eröffnen, sticht neben der Reichweite eines besonders hervor: die deutlich kürzere „Betankungszeit“! In circa drei Minuten und mit 700 bar, sind die beiden karbonfaserummantelten Tanks des F-Cell mit 4,4 kg Wasserstoff voll.

45 H2-Tankstellen sind aktuell in Deutschland in Betrieb. Sind wir mal ehrlich, das ist allenfalls mangelhaft. Weltweit jedoch Rang zwei, hinter Japan mit 91.

Besserung ist allerdings in Sicht. Bis 2019 soll das hiesige Tankstellennetz auf 100 Zapfstellen, und bis 2023 auf 400 H2– Stationen anwachsen. Ein Kilo Wasserstoff kostet momentan 9,50 Euro. Geht man von einem Verbrauch von einem Kilo pro 100 km aus, hat man ähnliche Kosten wie bei einem herkömmlichen Verbrennungsmotor.

Aber wie fährt sich der Plug-In Hybrid tatsächlich und wie aufwändig ist die Routenplanung, damit man nicht irgendwann ohne Saft auf einer einsamen, deutschen Landstraße steht? Lest hier die Erfahrungsberichte meiner beiden Kollegen dazu!

Mit dem F-Cell 1800km durch Deutschland

Autor: Sebastian Mock – bis zum 30. Juni Entwicklungsingenieur für Wasserstofftanksysteme & internationale Normung im Bereich Wasserstofftechnologie, seit 1. Juli im Team Produktsicherheit Batterie

Das lang ersehnte verlängerte Wochenende steht vor der Tür. Und nicht nur das. Ebenso vor meiner Haustür – startklar in der Garage – steht auch der GLC F-Cell.

Da sich die Vorserienfahrzeuge des Fahrzeugs momentan zwecks Funktionsprüfung in der Validierungsphase befinden, hatte ich die besondere Gelegenheit den GLC F-Cell für eine private Erprobungsfahrt mitzunehmen. Ein Ziel war schnell gefunden: ab aus dem Schwabenland zur Familie ins südliche Niedersachsen. Los geht’s. Oder?

Trotz der wachsenden H2-Tankstellendichte ist für so eine lange Strecke eine gute Routenplanung erforderlich. Smartphone-Apps sei Dank ist dies aber problemlos möglich. Jetzt aber, die Tankstopps sind geplant, los geht’s!

Route mit Tankstopps und App mit H2-Tankstellenverfügbarkeit

Ein kurzes Klacken – das Schalten der Ventile beim Systemstart – und dann Stille. Der leise Elektroantrieb macht Vorfreude auf die Fahrt. Es geht auf die Autobahn.

Ein erster Zwischenhalt macht klar: Volltanken geht wie bei Benzin und Diesel schnell und man kann direkt weiterfahren. Besonderes Highlight war der Tankstopp im nordrhein-westfälischen Kamen. Die H2-Station liegt direkt neben einem Tesla Supercharger. Ehe die wartenden Tesla-Fahrer staunen konnten, war ich auch schon wieder vollgetankt weg. Eins zu Null für den F-Cell.

Fahrspaß war auf dem gesamten Trip vorprogrammiert. Die Leistung von 147 kW (rund 200 PS) lässt keine Wünsche offen. Zwar habe ich die angegebenen 437 km Reichweite nicht ganz geschafft, aber sie ist vollkommen ausreichend um mit einem Tankstopp von Stuttgart nach Münster zu fahren und damit absolut alltagstauglich.

Tankstopp in NRW

Am Ziel in Niedersachsen angekommen, zeigte sich die Außenwirkung des Fahrzeugs. Reaktionen wie „Eigentlich mache ich mir ja gar nichts aus Autos, aber so eines hätte ich auch gerne!“ waren besonders schön.

Da Wasserstoff-Tankstellen im südlichen Niedersachsen noch Mangelware sind, konnte das Plug-in-Hybrid Konzept des F-Cell vor Ort seine Stärke zeigen. Durch die 13,8 kWh konnte ich die täglichen Strecken rein batterieelektrisch fahren und es gab keine Nutzungseinschränkungen.

Mein Fazit: Natürlich ist der GLC bereits mit konventionellen Antrieben ein tolles Fahrzeug. Aber mit dem Brennstoffzellen-System gefällt er mir noch ein kleines bisschen besser. Elektromobilität verbinden viele mit Batterie und langen Ladezeiten. Der F-Cell beweist das Gegenteil.

Ich hoffe, er trägt dazu bei, das Technologiepotenzial aufzuzeigen und wir sehen in Zukunft mehr davon! In diesem Sinne ein großes Kompliment an die Kollegen in der Entwicklung für ihre Arbeit. Es ist ein rundum gelungenes Fahrzeug mit enormen Fahrkomfort und ein super Reisewagen für Langstrecken.

Ländergrenzen überschreiten: Mit dem F-Cell auf der Hansa Green Tour 2018

Autor: Christian Göke – Lieferanten Qualitätsingenieur Exterieur Lighting, zusätzlich Projektmanager E-Mobility für das Werk Bremen

Da ist sie wieder. Die Hansa Green Tour 2018. Bereits zum neunten Mal findet die internationale Auto-Rallye rund um Stationen mit neusten Projekten zu nachhaltigen Technologien statt.

Mit elektrischen beziehungsweise alternativ angetriebenen Fahrzeugen (durch z.B. Biogas, Wasserstoff) steuerten die diesjährigen Teilnehmer, eine Mischung aus Auto-Enthusiasten, Unternehmern und Politikern, spannende Ziele in der Niederlande, Deutschland und Dänemark an. Mit dabei unter anderem: Batteriespeicher, Elektrofähren und Power to Gas (chemischer Prozess der Brenngasgewinnung).

Dieses Jahr fuhren Albrecht von Haebler und ich mit dem in Bremen produzierten GLC F-Cell vor. Zum sechsten Mal beteiligt sich das Mercedes Werk Bremen nun schon an der Tour uns es ist jedes Jahr eine tolle Gelegenheit unsere jeweils neusten Fahrzeuge zu präsentieren.

Tourstart in Amsterdam

Ich erinnere mich noch gut. Bereits zur Hansa Green Tour 2014 sammelte ich erste Erfahrungen mit einem Brennstoffzellen-Fahrzeug. Damals mit der B-Klasse F-Cell von Hamburg nach Kopenhagen.

Eines fällt aber direkt auf: das Fahrgefühl im GLC F-Cell ist eine neue Stufe! Es fühlt sich an wie Gleiten auf dem Wasser mit meinem Kite-Schirm.

Gleich zu Beginn des Tourstarts in Amsterdam, zeigte sich ein Riesenvorteil. Durch die Plug-In Lademöglichkeit des GLC F-Cell konnten wir an jeder Zwischenstation elektrisch Laden (hier ist Holland im Vergleich zu H2-Tankstellen wirklich top ausgebaut).  Somit sparten wir Wasserstoff, fuhren im E-Mode und hatten immer eine volle Batterie, die für 50 km ausreicht.

Im Unterschied zu fossilen Fahrzeugen, bei denen die Reichweite keine große Sache ist, steht sie bei einem rein elektrischen Fahrzeug stark im Fahrer-Fokus. Somit auch beim GLC F-Cell, und das besonders im Ralley-Modus der Tour. Albrecht notierte die Verbräuche daher akribisch genau.

Albrecht und ich beim H2-Tankstopp

Für mich ist klar, von diesem technisch ausgereiften und langstreckentauglichen Fahrzeug möchte ich gern zeitnah mehr auf der Straße und in den Metropolen sehen. Insbesondere da wir so viele Power to Gas Projekte auf der Tour sehen konnten, die CO2-neutralen Wasserstoff erzeugen. Dieser ist für den GLC F-Cell als klimaneutraler Kraftstoff ideal.

Der Wunsch nach mehr wurde noch einmal unterstrichen, als zwei niederländische Politiker den GLC F-Cell konkret als Dienstwagen anfragten. Leider konnte ich sie nicht gleich zu uns ins Kundencenter für eine Unterschrift einladen, da ab diesem Herbst zunächst Fahrzeuge an ausgewählte Kunden vermietet werden.

Ich bin mir sicher, dass der neue GLC F-Cell enorm gut ankommen wird. Zugleich ist meine große Hoffnung, dass wir die Brennstoffzellen-Technik auch in weiteren Fahrzeugmodellen verbauen können. Mich hat die Technologie überzeugt!


Good to know: Wasserstoff wird heute noch größtenteils aus fossilen Quellen wie beispielsweise Erdgas gewonnen. CO2 -Emissionen in der Gesamtkette sinken dadurch schon um gut 25 Prozent. Wichtig ist allerdings, dass er sich auch vollständig „grün“ – also aus erneuerbaren Energien – herstellen lässt. Ein Ziel, das es anzustreben gilt!


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Felix Coutandin ist 25 Jahre jung und absolviert ein spannendes Praktikum im Team Product & Technology Communications Mercedes-Benz Cars. Im Oktober 2018 zieht es ihn für den Master Kommunikationsmanagement wieder zurück an die Universität nach Mainz. Bis dahin genießt er die interessanten Einblicke rund um technologische Innovationen.

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