Hamilton siegt am Hungaroring und baut WM-Führung aus

Wie geil ist das denn bitte? Verzeiht mir den emotionalen Einstieg, aber wenn wir bedenken, dass sowohl der Sieg in Hockenheim, als auch der am Hungaroring alles andere als eingeplant waren, dann darf man auch mal einen etwas anderen Einstieg in die Nachberichterstattung finden.

Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Ungarn 2018 gewonnen und damit seinen Vorsprung in der WM auf 24 Zähler ausgebaut. Erzrivale Sebastian Vettel wurde Zweiter, vor seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen. Unser zweiter Silberpfeil kam als fünfter ins Ziel und musste sich damit hinter dem wie entfesselnd fahrenden Red Bull von Daniel Ricciardo einreihen.

Aber lasst uns doch bitte das Rad der Zeit mal etwas mehr als eine Woche zurückdrehen… Wer hätte den nach dem Qualifying zum Großen Preis von Deutschland damit gerechnet, dass der Lewis aus den kommenden beiden Rennen 50 Punkte holt und als WM-Führender in die Sommerpause geht?

Jetzt bin ich zwar Berufsoptimist, aber ich hätte eher auf maximal 36 Punkte und damit auf eine Art von optimalster Schadensbegrenzung getippt. Zu dominant schienen die beiden Ferraris, seitdem Maranello in den letzten Wochen irgendwo noch einen Performanceschub entdeckt hat. Jetzt sieht es so aus, dass es Vettel war, der in den letzten beiden Rennen insgesamt 32 Punkte auf Lewis einbüßte und damit sein Team durchaus ein wenig mehr unter Druck gesetzt hat.

Lewis dominiert über die gesamte Distanz

Lasst mich direkt auf den Punkt kommen. Das Rennen war eigentlich verdammt langweilig. In den letzten 32 Jahren gab es vielleicht eine Handvoll Grand Prix auf dem Hungaroring, die mich begeistert haben und ja, ich hab sie alle gesehen! Wenn mal wirklich Pfeffer drin war, dann lag es meistens an irgendwelchen unerwarteten Regenschauern oder Reifenproblemen. Ansonsten lädt das Streckenlayout seit nun über drei Dekaden zu Prozessionen ein. So ein bisschen wie Monaco mit ohne Leitplanken.

Und so gestaltete sich auch das Rennen für Lewis, der von der Pole wirklich alles im Griff hatte und einen ungefährdeten Start/Ziel-Sieg einfuhr. Ja, wir können uns natürlich darüber unterhalten, ob Vettels Strategie nicht hätte aufgehen können. Sebastian startete auf den Softs, während Lewis, Valtteri und Kimi die Ultrasofts aufzogen.

Das ermöglichte es dem Heppenheimer bis zur 40. Runde draußen zu bleiben, um dann erst die schnelleren Ultrasofts aufzuziehen und die Schlussattacke auf Lewis einzuläuten. Der Boxenstop verlief dann aber alles andere als optimal und so kam Vettel hinter Bottas zurück auf die Strecke und konnte in den ersten Runden einfach nicht den Vorteil seiner schnelleren Reifen ausspielen.

Wer jetzt aber auch nur ansatzweise glaubt, dass Valtteri hier als Bremsklotz diente und Sebastian dem Lewis hätte gefährlich werden können… sorry, aber Lewis hatte dies in meinen Augen alles locker im Griff. Zu jeder Zeit konnte die Startnummer 44 auf schnelle Rundenzeiten der Konkurrenz antworten und sich somit das Rennen und die Performance der Pneus perfekt einteilen.

Ich wiederhole mich hier gern: Damit hätte ich nach Silverstone einfach nicht gerechnet. Der Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+/04 lief auch am Hungaroring wie ein Uhrwerk und Lewis schaffte es immer wieder zum richtigen Zeitpunkt die volle Performance abzurufen. So gewinnst du Meisterschaften!

Und sonst so am Hungaroring?

Mal davon abgesehen, dass Valtteri in den letzten fünf Runden auf den nun stark abbauenden Hinterreifen eher unglücklich agierte, gibt es für mich noch zwei hervorzuhebende Fahrer. Da ist zum einen Pierre Gasly, der seinen Toro Rosso auf Platz sechs ins Ziel brachte und dann noch der Mann des Rennens. Wohlgemerkt ist dies natürlich eine ganz subjektive Einschätzung und wir können uns natürlich darüber streiten, ob nicht Lewis dieses Auszeichnung verdient hätte. Aber….

Ich gebe diese Auszeichnung an Daniel Ricciardo, der von Platz 12 auf die vier vorfuhr und das auf einer Strecke, die alles andere als zum Überholen einlädt. Daniel konnte hier wieder einmal unter Beweis stellen, warum er in der Branche als bester “Überholer” gilt. Mission accomplished.

Drei Wochen Sommerpause

Und damit machen wir den Deckel drauf und gehen in die Sommerpause. Ich melde mich am 27. August zurück und zwar von meiner absoluten Lieblingsstrecke im Kalender. Der Große Preis von Belgien in Spa-Francorchamps steht dann an und ich hoffe, dass ihr ähnlich Vorfreude für diese Traditionsstrecke entwickelt, wie ich das jetzt schon tue.

Halt, einen habe ich noch. 26 Jahre nach dem sensationellen Sieg von Michael Schumacher auf der “Ardennen-Achterbahn” hat sein Sohn Mick dort am Wochenende sein erstes Formel 3 Rennen gewonnen. Und wie! Ich kann jedem Rennfan die Übertragung auf YouTube ans Herz legen. Wie der Mick da in der Eau Rouge zeigt wo der Hammer hängt, das war ganz ganz großes Kino!

Die Stimmen zum Rennen

In dieser Saison ging es für uns bisher auf und ab, es war wie eine Achterbahnfahrt. Aber das Team blieb immer stark. Wir befinden uns jetzt in einer großartigen Ausgangssituation, jetzt kommt es darauf an, dass wir so weitermachen.

– Lewis Hamiton

Großer Preis von Ungarn 2018, Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

„An den vergangenen beiden Wochenenden hatten wir den Regen auf unserer Seite, dafür bin ich dankbar. Die Jungs haben in diesem Jahr sehr hart gearbeitet und sie haben ein gutes Ergebnis verdient. Es gibt aber noch viel zu tun, da Ferrari immer noch leicht vor uns liegt. Sie hatten an diesem Wochenende die Pace, besonders auf dieser Strecke. Heute hatte ich sie im Griff, aber wenn sie von der Pole gestartet wären, hätten wir zu kämpfen gehabt.

Deshalb müssen wir unser Gesamtpaket verbessern und versuchen, den Rückstand auf sie aufzuholen. Aber ich bin sehr glücklich mit der Arbeit, die alle bislang geleistet haben. Genauso müssen wir weitermachen. Jetzt ist es unser Ziel, weiter an einem Strang zu ziehen und in der zweiten Saisonhälfte noch stärker zu sein. Das wird entscheidend sein, um auf unserer Basis aus der ersten Jahreshälfte aufzubaün. Ich freue mich auf die Sommerpause und werde in den zwei Wochen viel unternehmen.

Aber ich werde die gesamte Zeit über auch trainieren und versuchen, meine Fitness zu steigern. Ich habe mit meiner körperlichen Verfassung überhaupt keine Probleme, aber man kann sich immer in irgendeinem Bereich verbessern und ich möchte sicherstellen, dass ich voller Energie zurückkomme, damit wir in der zweiten Saisonhälfte noch bessere Leistungen abrufen können.“

Es ist schade, dass ich am Ende auf Platz fünf ins Ziel gekommen bin. Wir hatten uns heute mehr erhofft und es wäre großartig gewesen, mit einem Doppelsieg in die Sommerpause zu gehen.

– Valtteri Bottas

Großer Preis von Ungarn 2018, Valtteri Bottas

Valtteri Bottas

„Ich habe alles versucht, aber der Stint auf den weichen Reifen war einfach zu lang. Theoretisch hätte eine Ein-Stopp-Strategie funktionieren müssen. Aber wir mussten früher als geplant stoppen, um auf Kimi zu reagieren, der eine Runde vor mir an die Box gegangen ist. Bis ungefähr 15 oder 20 Runden vor Rennende ging unser Plan auf. Wir kontrollierten die Pace und meine Position befand sich nicht in Gefahr. Aber dann bauten die Hinterreifen ab.

Gegen Rennende hatte ich einen Zwischenfall mit Sebastian in Kurve zwei. Er war auf der Außenseite und ich war mit meiner Nase noch innen. Er lenkte früh ein und ich konnte nirgends hin ausweichen. Deshalb haben wir uns berührt und ich habe mir dabei meinen Frontflügel beschädigt. Für mich war es ein Rennunfall – genauso wie der Zwischenfall mit Daniel. Ich war wieder auf der Innenseite und er außen. Zu diesem Zeitpunkt fehlte die Hälfte von meinem Frontflügel, ich verbremste mich und wir berührten uns.

Jetzt freue ich mich auf die kommenden Wochen. Eine kleine Pause wird mir guttun und danach möchte ich gestärkt zurückkommen.“

Vor Ungarn hatten wir uns Schadensbegrenzung zum Ziel gesetzt. Entsprechend ist es ziemlich gut, dass wir hier mehr Punkte als unsere Gegner geholt haben – obwohl es nicht viel mehr sind.

– Toto Wolff

Großer Preis von Ungarn 2018, Toto Wolff

Toto Wolff

„Lewis hat ein fehlerfreies Rennen gezeigt. Er hatte einen perfekten Start und fuhr dann einen Vorsprung auf den UltraSoft-Reifen heraus. Dabei blieb er länger auf diesem ersten Reifensatz als wir es geplant hatten. Danach achtete er bis zur Zielflagge extrem gut auf seine Soft-Reifen. Das Rennen lässt sich einfach zusammenfassen, aber das bedeutet nicht, dass keine starke Leistung notwendig gewesen ist, um das zu erreichen.

Auf der anderen Seite fuhr Valtteri wohl sein bestes Rennen seit er bei Mercedes ist. Er hielt seine Position am Start und zeigte nach einem frühen Boxenstopp eine perfekte Leistung, bis seine Reifen in den Schlussrunden abbauten. Ich sehe die Berührungen mit Sebastian und Daniel als Rennzwischenfälle. Er war in beiden Fällen auf der schmutzigen Innenseite und verteidigte sich mit allem, was er hatte. Das Schlimme daran war, dass zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel übrig war. Er hat hart gekämpft und Platz fünf ist nach dieser Leistung keine große Belohnung.

Der Sieg von Lewis ist der perfekte Abschluss für die erste Saisonhälfte, aber wir wissen, dass der Kampf bis zuletzt weitergehen wird. Das Blatt wendet sich von Wochenende zu Wochenende. Wenn wir am Ende ganz oben stehen wollen, müssen wir ein Rennen nach dem anderen angehen.“


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