Trek4Mandela – 5895 Höhenmeter für einen guten Zweck

Als ich die letzten Meter des Gipfels besteige, die kalte und dünne Luft spüre, die es so nur rund 6.000 Meter über dem Meeresspiegel gibt, strahlt mir die Sonne ins Gesicht und ich kann endlich die atemberaubende Aussicht genießen. Da wusste ich: Der ganze Aufwand der letzten Tage hat sich gelohnt, ich bin so unglaublich dankbar für diese Erfahrung.

All diese schönen Momente konnte ich mit dem Programm Trek4Mandela erleben. Trek4Mandela ist eine jährliche Wanderung auf den Kilimandscharo, Afrikas höchsten Berg, um Geld für Hygieneartikel für bedürftige Schülerinnen zu sammeln. Unser Ziel in diesem Jahr: Genug Geld um sechs Millionen Packungen Damenbinden zu kaufen. Die erste Wanderung starte 2012, nachdem der Geschäftsführer der Imbumba-Stiftung, Richard Mabaso, ein Gespräch zwischen seiner Mutter und seiner Nichte zu diesem Thema gehört hatte.

Es bedeutet mir sehr viel, an diesem einzigartigen Projekt zu Ehren von Nelson Mandelas 100. Geburtstag teilnehmen zu können. Ich möchte hiermit meine Erfahrungen mit euch teilen und euch auf meine Reise mitnehmen.

Abflug am O.R. Tambo Flughafen zum Kilimandscharo:

Unsere Familie und Freunde verabschiedeten uns am Morgen des 12. Juli 2018 am O.R. Tambo Airport in Johannesburg (Südafrika). Mit dabei waren TV-Teams und Gastredner, die uns Mut zusprachen. Zu den Gastrednern zählte die Witwe von Nelson Mandela, Graça Machel, deren Rede uns sehr bewegte. Von hier flogen wir über Dar es Salaam zum Kilimandscharo Airport. Dort hatten wir im Kilimandscharo Resort einen Ruhetag, bevor die eigentliche Reise begann.

14. Juli 2018 – Tag 1:

Ich bin aufgeregt. Vor unserer Wanderung mussten wir uns im Kilimandscharo Nationalpark anmelden. Wir wanderten durch den Regenwald entlang der alten Marangu-Route, wo es kalt und neblig war. Langsames Gehen („Pole-Pole“, wie die Einheimischen sagen) war an der Tagesordnung. Ich persönlich habe es genossen, weil es mir Zeit gab, mit den Leuten unserer Gruppe zu sprechen, und Möglichkeiten durchzuschnaufen. Nach 8 Kilometern und circa 7 bis 8 Stunden erreichten wir schließlich die Manadara-Hütte (2720 m über dem Meeresspiegel).

15. Juli 2018 – Tag 2:

Jeden Morgen machten sich unsere Träger (ich nenne sie Unterstützer) bereit, um unsere Seesäcke zur nächsten Hütte zu tragen. Das Gewicht der Säcke war auf 15 Kilo begrenzt. Die Hütten, in denen wir schliefen (Mandara- und Horombo-Hütte) hatten 4 Schlafplätze ohne Strom außer einfachem Licht. Ich benutzte Power Banks, um mein Handy aufzuladen und kaufte eine lokale SIM-Karte, die hin und wieder funktionierte.

An die sanitären Anlagen musste ich mich gewöhnen – wir teilten sie mit 200 anderen Leuten aus verschiedenen Gruppen. Doch das alles wurde irrelevant, als wir den großen Berg zum ersten Mal sahen. Die Aussicht war atemberaubend! Die Landschaft änderte sich plötzlich von Regenwald zu Sträuchern, Felsen und Bäumen, bevor wir zur Horombo-Hütte kamen.

16. Juli 2018 – Tag 3:

Wenn einer unserer Wandertage als unser „fauler Tag“ bezeichnet werden kann, dann dieser :) Es war unser Akklimatisierungstag, wir wanderten 4 Stunden zu den Zebrafelsen in größerer Höhe und dann zurück zur Horombo-Hütte. Ich habe den Tag genutzt, um mich auszuruhen und für die Gipfelnacht zu packen.

17. Juli 2018 – Tag 4:

Ich bereitete meine Wanderung von der Horombo-Hütte zur Kibo-Hütte vor, die das Basislager ist, bevor wir schließlich den Gipfel erreichten. Das Frühstück wurde serviert: Porridge, Eier, Wurst und Brot. Es gab auch gereinigtes Trinkwasser. Um 17 Uhr kamen wir an der Kibo-Hütte an und mussten uns auf den Gipfel vorbereiten. Wir hatten bis 22 Uhr Zeit, um zu Abend zu essen, uns auszuruhen und die Gipfelkleidung anzuziehen.

Um 23 Uhr begannen wir unsere Wanderung nach Uhuru, wieder einmal gingen wir sehr langsam und ich trug eine Stirnlampe. Ich konnte nur bis zur nächsten Person vor mir sehen. Wir waren von völliger Dunkelheit umgeben und die Sterne waren sehr hell. Teamarbeit war unerlässlich und wir alle gingen im selben Tempo. Die Flüssigkeitszufuhr war auch sehr wichtig, um der Höhenkrankheit vorzubeugen, die bei einigen von uns mit unterschiedlichen Symptomen (Erbrechen, Kopfschmerzen, Übelkeit usw.) auftrat.

18. Juli 2018 – Tag 5:

Um 6 Uhr morgens erreichten wir Gilman’s Point und konnten den Sonnenaufgang genießen. Von diesem Punkt nach Uhuru hatten wir 1,5 km zu Fuß zurückzulegen, was schätzungsweise 2 Stunden dauern würde. Der Weg zum Uhuru Peak schien endlos zu sein und ich bekam Kopfschmerzen. Wenn ich jemals aufgeben wollte, war es an diesem Punkt. Aber aufzugeben war keine Option. Die beste Motivation? Unser Ziel war in Sicht!

Ich wurde an diesem Tag sehr emotional und ich konnte nicht glauben, dass ich es so weit geschafft hatte. Nicht privilegierte Schulmädchen müssen große Unannehmlichkeiten auf sich nehmen, weil sie sich keine Hygieneartikel leisten können und verpassen deshalb bis zu 50 Schultage pro Jahr. Mithelfen, das Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen und Geld zu sammeln – das war meine Motivation. Das brachte mich dazu, meine körperlichen Grenzen zu überwinden und diesen Punkt zu erreichen.

Und dann war plötzlich der Moment da, auf den ich gewartet habe – wir standen auf dem Kilimandscharo! Am 100. Geburtstag von Nelson Mandela, in Erinnerung an ihn und seine Errungenschaften. Ich fühlte mich überwältigt und geehrt, ein Teil von Trek4Mandela zu sein!

Bilder und Interviews wurden gemacht. Wir kamen in verschiedenen, kleinen Gruppen an und waren die zweite Gruppe, die den Gipfel erreichte. Wir hatten jeweils nur 30 Minuten Zeit auf dem Gipfel und mussten noch am selben Tag nach Kibo und dann nach Horombo zurück.

Eindrücke vom 18. / 19. Juli 2018 – Tage 5/6:

Wir gingen von Horombo zurück zum Eingang des Kilimandscharo Nationalparks – eine 20 km lange Wanderung. Der Gipfel lag hinter uns und Erschöpfung machte sich breit. Ich fühlte Schmerzen am ganzen Körper. Aber hey, es war mir egal, weil ich es geschafft habe, den höchsten Punkt Afrikas zu besteigen!

An diesem Abend wurden wir mit einer Urkunde ausgezeichnet, die zeigt, dass wir den Kilimandscharo bestiegen haben (Uhuru Peak).

20. Juli 2018 – Willkommen daheim:

Ich wurde von meiner Familie und meinen Freunden am O.R. Tambo International Airport begrüßt. Sie waren sehr erleichtert, dass ich heil zurückkam. Von den 47 Personen, die sich auf den Weg machten, kamen nur 28 am Gipfel an. Eine Teilnehmerin verrenkte sich leider den Knöchel, aber alle 47 kehrten wieder gut zurück.

Ich möchte mich bei Trek4Mandela für die Initiative bedanken, die das Bewusstsein für ein wichtiges Thema des afrikanischen Schulalltags schärft. Ich bin stolz darauf, teilgenommen zu haben. Und ich möchte mich bei Mercedes-Benz S.A. für die großzügige Unterstützung bedanken: 100 Schülerinnen werden ein ganzes Jahr lang mit Damenbinden versorgt.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
4.9 / 5 (272 Bewertungen)
Bitte warten...

Tags: , , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Calvin Sindile Tshaka arbeitet als Business Development Manager für Mercedes-Benz Busses in Südafrika.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Gerd Huissel: Ich lese immer wieder gerne über klassische Fahrzeuge. Der W115 ist mir...

  2. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    LINDEL;MICHAEL: Ein toller Bericht. So sehen wir , auch einmal worin unseren...

  3. Time to say goodbye – Mach’s gut, Mercedes-Benz Strich 8

    Andreas Glatz: Ach Alexandra ....., hättest Du ihn doch hier angeboten ! Dann hätte...

  4. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Schreck: Ein sehr schöner Bericht, der /8 war eines der ersten Autos...

  5. Kult-Auto /8: Zurück zur Wiege

    Speck: Warum müssen die Kommentare zu den Bildern auf Englisch sein ?