Hamilton vor Bottas! Drama pur beim Großen Preis von Deutschland 2018

Doppelsieg für die beiden Silberpfeile in Hockenheim und das in einem Rennen, welches in die Geschichtsbücher der Formel 1 eingehen dürfte. Lewis Hamilton siegte in einem dramatischen Finale vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas und erobert sich damit die Tabellenführung in der 2018er Formel 1 Weltmeisterschaft zurück.

In einem von Wetterkapriolen beeinflussten Rennen, führte WM-Rivale Sebastian Vettel (Ferrari) scheinbar sicher das Feld an, bis er in der 52. Runde den entscheidenden Fehler machte. Der einsetzende Regen hatte bereits in den Runden zuvor das Feld mehrfach durcheinander gewürfelt und einige Piloten gar mehrfach zum Reifenwechseln kommen lassen. Als sich dann die Bedingungen scheinbar wieder verbesserten, landete Vettel im Motodrom von Hockenheim im Kiesbett. Auf Slicks verbremste er sich in der Sachs-Kurve, rollte durchs Kiesbett und schlug leicht in die Bande ein.

Dies bedeutete nicht nur das Aus für Vettel, sondern auch eine Safety-Car Phase für das restliche Feld, welches die Reihenfolge der Fahrer final und vor allen Dingen für den WM-Stand dramatisch verändert sollte. Zu diesem Zeitpunkt führte Vettel vor Bottas, Räikkönen und Hamilton. Durch Sebs Ausscheiden erbte Valtteri in seinem  Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+/04  die Führung, kam jedoch umgehend an die Boxen.

In seinem Schlepptau der verbliebene Ferrari von Kimi. Lewis wurde in dieser Runde ebenfalls an die Box gerufen, wobei man sich in letzter Sekunde jedoch gegen einen weiteren Stop entschied. Wie knapp die Entscheidung war zeigten die Onboard-Bilder unserer Nummer 44. Lewis fuhr von der Boxeneinfahrt wieder zurück auf die Strecke. Über das Gras!

Lewis von Startplatz 14 auf 1

10 Runden vor Schluss wurde die Rennstrecke  in Hockenheim dann wieder freigegeben und nach den ersten Kurven sah es fast danach aus, als hätte man für Lewis die falsche Entscheidung getroffen. Valtteri und Kimi waren nun auf deutlich frischeren Ultrasofts unterwegs und das zeigte sich umgehend. Bottas steckte Hamilton am Ende der Geraden nicht nur im Getriebe, er konnte mit mehr Grip sogar beim Beschleunigen aus der Spitzkehre neben ihn ziehen. Erfolglos!

Lewis wehrte die Angriffe ab und unser Chefstratege James Vowles erklärte Valtteri, dass er nun seine Position halten solle. Tja und damit war die Messe gelesen. Aber wie!

Wenn sich die Geschichtsbücher nicht irren, dann ist zum ersten mal seit 12 Jahren ein derartiger Husarenritt gelungen. Das letzte Mal schaffte es Jenson Button in der 2006er Ausgabe des Grand Prix von Ungarn von Startplatz 14 auf das oberste Treppchen des Siegerpodests. Genau dieses Rennen steht übrigens in der nächsten Woche auf dem Kalender.

Beide WM-Führungen zurückerobert

Mit dem Doppelsieg der Silberpfeile hat Lewis nicht nur die Spitzenposition in der Fahrer-WM zurückerobert, wir führen damit auch wieder die Team-Wertung vor Ferrari an. Nach dem für uns so enttäuschenden Grand Prix in Silverstone, ist das Balsam auf die Seele des gesamten Teams.

So oder so… die aktuelle Formel 1 Saison zeigt, dass wirklich alles möglich ist. Mit dem Grand Prix auf dem Hungaroring steht nun abermals eine schwierige Strecke für unser Gesamtpaket auf dem Programm. Aber war nicht auch Hockenheim eine Herausforderung für das gesamte Team?

Die Stimmen zum Rennen

An diesem Wochenende gab es viel Negatives, aber ich habe das Gefühl, dass der Regen das alles weggewaschen hat. Es ist wie ein Traum und ich werde diesen Tag niemals vergessen.

– Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

„So ein Rennen habe ich noch nie erlebt. Ich wusste von Anfang an, dass ich die Spitze einholen musste – das war mein Ziel. Ich fuhr einen sehr langen ersten Stint, aber kurz bevor es anfing zu regnen, musste ich an die Box gehen, da die Reifen einfach nicht mehr länger gehalten hätten. Es regnete immer mehr und die Bedingungen waren richtig schwierig.

Aber ich war schon soweit gekommen, dass ich unter keinen Umständen aufgeben wollte. Dieser Doppelsieg für Mercedes ist absolut fantastisch, gerade an einem Wochenende, an dem das Team uns mit der Vertragsverlängerung sein Vertrauen ausgesprochen hat. Ich hätte das niemals für möglich gehalten, aber ich habe einfach weiter alles gegeben, daran geglaubt und dann hat es geklappt. Vor dem Rennen habe ich wie immer gebetet und es scheint, als ob diese Gebete erhört wurden.“

Ich hätte dieses Rennen gerne gewonnen, aber im Moment freue ich mich sehr für uns als Team. Es ist ein perfektes Ergebnis beim Heimrennen von Mercedes in Deutschland.

– Valtteri Bottas
2018 Großer Preis von Deutschland

Valtteri Bottas

„Ich habe heute um den Sieg gekämpft und gegen Rennende sah es für mich recht gut aus. Aber leider hatte ich etwas Pech, da das Safety Car mit Blick auf das Alter meiner Reifen für mich nicht ganz zum bestmöglichen Zeitpunkt herausgekommen ist. Da habe ich das Rennen verloren.

Lewis hat eine großartige Aufholjagd gezeigt und ist ein Mega-Rennen gefahren – vielleicht eines seiner besten. Schlussendlich hatte er ein bisschen mehr Glück mit dem Safety Car als ich. Ich hatte eine gute Chance beim Re-Start, Lewis und ich lieferten uns ein großartiges, faires Duell. Aber er behielt die Nase vorne. Das muss spannend ausgesehen haben – zwei gleiche Autos kämpfen auf der Strecke gegeneinander.

Wir entschieden uns dazu, nicht auf die Intermediates zu wechseln. Das war ein Risiko, aber das Team war sich sicher, dass es nicht lange regnen würde. Es sollte sich als die genau richtige Entscheidung erweisen. Entsprechend bin ich froh, dass ich dem Team vertraut habe. Ich werde weiter alles geben und bin mir sicher, dass meine Zeit kommen wird.“

Was für ein unglaubliches Rennen! Ein Doppelsieg und das ausgerechnet hier beim Heimrennen von Mercedes in Hockenheim nach all dem Pech, das wir zuletzt hatten. Heute hatten wir das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite und es war der perfekte Moment mit unseren beiden Fahrern und Dr. Zetsche auf dem Podium.

– Toto Wolf

Teamchef Toto Wolf

„Wie immer kommt es am Sonntag darauf an und nicht am Samstag und manchmal gewinnt nicht das schnellste Auto. Genauso war es heute. Aber selbst in der Freude über den Sieg sind wir in Gedanken bei Sergio Marchionne und seiner Familie. Obwohl wir auf der Rennstrecke Rivalen sind, sind wir abseits davon Freunde und es stimmt uns traurig, von seiner Krankheit zu hören.

Es ist schwierig, so einen Grand Prix in ein paar Sätzen zusammenzufassen, aber als es anfing zu regnen, wurde es richtig interessant. Valtteri wollte mit einem Stopp durchfahren und es sah so aus, als ob er sich mit seinen Reifen in einer besseren Position befand als die Ferrari-Fahrer vor ihm. Gleichzeitig zeigte Lewis eine großartige Pace auf dem Soft-Reifen, auf denen er lange fahren konnte. So sah es danach aus, als würde er die Spitze im zweiten Teil des Rennens jagen können.

Als das Safety Car herauskam, wurde es richtig chaotisch. Wir trafen eine späte Entscheidung, es gab viel Funkverkehr und schlussendlich kam ein Auto herein und eines blieb draußen. Damit deckten wir alle Optionen ab und es kam zum Duell beim Re-Start. Es stand sehr viel auf dem Spiel und nach all dem Pech der letzten Wochen trafen wir die Entscheidung, dass Valtteri seine Position halten sollte.

Wenn es andersherum gewesen wäre, hätten wir die Entscheidung genauso getroffen. Denn wir wollten unseren Doppelsieg absichern und verhindern, eines oder gar beide Autos zu verlieren. Nach dem Drama von Silverstone und dem Qualifying gestern ist dies ein Traumergebnis für uns und diese Unberechenbarkeit ist das Schöne am Sport. Aber wir legen unseren Fokus schon bald auf Ungarn, wo wir uns am kommenden Wochenende erneut beweisen müssen.“


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