Großer Preis von Großbritannien 2018 – Hamilton nach Aufholjagd auf 2

Ein furioser Formel 1 Grand Prix im “Home of British Motor Racing” in Silverstone bescherte unserem Team Mercedes-AMG Petronas Motorsport einen zweiten und vierten Platz, jeweils hinter einem Ferrari der Scuderia.

Sebastian Vettel gewann den Großen Preis von Großbritannien vor Lewis Hamilton, Kimi und Valtteri und das in einem Rennen, welches feinste Werbung für den Formel 1 Sport darstellte und nicht nur die zahlreichen Fans an der Strecke begeistern konnte.

Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu.

Diese berühmten Worte sind ausnahmsweise keinem Rennfahrer zuzuschreiben, sondern dem ehemaligen Bundesliga-Stürmer Jürgen “die Kobra” Wegman. Dennoch fällt mir im Moment kaum ein besserer Satz ein, um die ersten 20 Sekunden dieses kuriosen Rennens zu beschreiben. Und dabei fing doch alles so gut an!

Lewis fuhr am Samstag seine insgesamt 71. Pole Position heraus und das genau 44 Tausendstel vor seinem Erzrivalen Vettel. 44? Richtig, das ist auch Hamiltons Startnummer. Da kann man wohl durchaus von einer Punktlandung sprechen.

Sechste Pole in Silverstone und die vierte in dieser Saison. Knapp 35 Hundertstel dahinter reihte sich Valtteri Bottas ein und somit hatten die Silberpfeile sich für den gestrigen Sonntag durchaus Hoffnungen auf ein Doppelpodium beim Heim-Grand Prix unseres Teams gemacht, dessen Hauptquartier nur wenige Minuten vom ehemaligen Militärflughafen entfernt liegt.

Aber erstens kommt es bekanntlich anders und zweitens als man denkt. Was übrigens drittens bedeuten dürfte, dass ich nach 3 Absätzen bereits das Phrasenschwein zum Platzen gebracht habe.

 

Drama in Turn 3 – Kimi dreht Lewis in Village um

Bei, für britische Verhältnisse, geradezu tropischen Temperaturen am Rennsonntag, hielt die ganze Herrlichkeit der Pole Position leider nur wenige Sekunden. Sowohl Seb, wie auch Valtteri erwischten den besseren Start und gingen an Lewis vorbei. In Kurve 3 versuchte dies dann auch der Kimi in seinem Ferrari, verbremste sich und drehte unsere 44 um.

Der Traum vom Heimsieg und die erneute Eroberung der WM-Führung war damit schon nach wenigen Sekunden geplatzt. Lewis kam nur als 17 und damit letzter Starter aus der ersten Runde. Verursacher Räikkönen fiel übrigens auf den 5. Platz zurück und fing sich noch eine 10-Sekunden Zeitstrafe ein, die er bei seinem ersten Boxenstop absitzen musste.

Davon hatte jetzt Lewis, und damit auch unser Team, natürlich recht wenig. Wobei sich die Rekordkulisse an der Strecke nun über eine sensationelle Aufholjagd freuen konnte. Hamilton überholte seine Gegner nicht, er inhalierte sie in den folgenden Runden, was immer wieder zu standing ovations auf den vollgepackten Tribünen sorgte.

Was bereits nach einem sicheren Sieg für Ferrari aussah, wurde in den letzten Runden dieses historischen Rennens noch einmal zu einer Nervenschlacht:

Zweimal musste das Safetycar nach Unfällen auf die Strecke. Zweimal wurde das gesamte Feld wieder zusammengeschoben und einmal dachte sich Ferrari, dass man neue Reifen der Position auf der Strecke vorziehen sollte. Seb und Kimi holten sich frische Pneus und fielen damit hinter Valtteri auf 2 (Sebastian) und Lewis auf 4 (Kimi) zurück.

Vierkampf-Finale: Bottas vs Vettel vs Hamilton vs Räikkönen

Und dann ging für die nächsten knapp zehn Runden aber mal sowas von die Post ab. Was die beiden zur Zeit besten Teams da vorne aufführten, das war Motorsport der Güteklasse A. In der 46. Runde liegen die Top 4 innerhalb von 4 Sekunden und man hat irgendwie das Gefühl, dass hier wirklich noch jeder die Chance auf den Sieg hat.

Valtterri schafft es bis zur 47. Runde den drängelnden Sebastian aufzuhalten, dann stößt dieser mit viel Überschuss am Ende der National Straight innen rein und überholt den Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+/04 des Finnens in Brooklands. Irgendwie war danach auch bei Valtteri die Luft oder der Grip aus den Reifen raus, den innerhalb der nächsten 2 Runden überholen sowohl Lewis, wie auch Kimi, was dann letztendlich auch das finale Klassement darstellt.

Ja, wir haben heute ordentlich Punkte liegengelassen, aber ich bin mir sicher, dass unser Team die Herzen vieler Formel 1-Fans gewonnen hat. So geht Motorsport!

In 2 Wochen sehen wir uns übrigens dann zu unserem 2. Heim-Grand Prix wieder, wenn es nach Hockenheim zum Großen Preis von Deutschland geht!

Die Stimmen zum Rennen

Das war ein unglaubliches Rennen. Ein Krimi bis zur Ziellinie und an Dramatik kaum zu überbieten. Lewis zeigte eine fantastische Aufholjagd vom letzten Platz nach Runde eins bis auf Position zwei. Valtteri hat alles gegeben, um den Sieg zu holen – und es wäre ihm ohne die erste Safety-Car-Phase wahrscheinlich auch gelungen, da er zu diesem Zeitpunkt rasch auf Sebastian aufholte.

– Toto Wolf

Teamchef Toto Wolf

Wir müssen eindeutig an unseren Starts arbeiten, da wir dabei erneut Boden gegen Ferrari verloren haben. Nach dem sehr engen Qualifying gestern war es aber ermutigend, heute die grundlegende Pace des Autos zu sehen und auch die Tatsache, dass wir besser mit den Reifen umgegangen sind als unsere Gegner.

Wir haben während der Safety-Car-Phase die richtige Entscheidung getroffen, beide Autos draußen zu lassen: Wir hatten uns vorgenommen, das Gegenteil von Ferrari zu machen, da dies unsere beste Chance auf den Sieg war. Als sie an die Box gingen, blieben wir mit beiden Autos auf der Strecke. Wir verbesserten dadurch unsere Position und wussten, dass es schwer werden würde, diese zu verteidigen.

Valtteri kämpfte wie ein Löwe, aber er konnte Sebastian leider nicht hinter sich halten, da seine Reifen abbauten. Trotzdem war es eine großartige Leistung, unter diesen Umständen noch Platz vier einzufahren. Lewis fuhr auf frischeren Reifen und kämpfte sich bis auf Rang zwei zurück – das war die bestmögliche Schadensbegrenzung für ihn.

Alles in allem bleibt jedoch der fade Beigeschmack, was hätte sein können… Schließlich wurde zum zweiten Mal innerhalb von drei Rennen eines unserer Autos in der ersten Runde getroffen. An den zurückliegenden drei Wochenenden haben wir durch eigene Fehler und die von anderen Punkte verloren. Jetzt müssen wir die Ärmel hochkrempeln, die Entwicklung weiter vorantreiben und die Performance in den nächsten elf Rennen richtig umsetzen. Noch ist alles drin.

Das war ein schwieriges Rennen, aber ich habe mein Bestes gegeben und bin dankbar dafür, dass ich es noch bis auf Platz zwei geschafft habe. Es war ein ereignisreicher Start, aber in den Schlussrunden hatten wir einfach nicht die Pace, um gegen Ferrari auf den frischeren Reifen anzukommen.

– Lewis Hamilton

Pole-Sitter Lewis Hamilton

 Ich bin froh, dass das Auto nach dem Zwischenfall in Kurve drei noch in einem Stück war und ich das Rennen fortsetzen konnte. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich auf dem letzten Platz, aber ich glaubte immer noch daran, dass ich das Rennen gewinnen konnte. Diese Einstellung habe ich auch gebraucht, um mich bis ins Ziel soweit nach vorne zu kämpfen.

Als die Fahrer vor mir in der Safety-Car-Phase an die Box gegangen sind, erhielt ich die Gelegenheit, bis auf Platz drei nach vorne zu gelangen. Das war die absolut richtige Entscheidung. Wenn ich mit ihnen an die Box gegangen wäre, wäre ich auf ebenbürtigen Reifen hinter ihnen herausgekommen.

Dann hätte ich Schwierigkeiten gehabt, sie zu überholen und wäre ganz sicher nicht Zweiter geworden. Die Fans waren an diesem Wochenende fantastisch und ich bin ihnen für ihre Unterstützung wirklich sehr dankbar.

Ich hätte heute ganz einfach Platz zwei mitnehmen können, aber wir wollten es unbedingt wissen. Ich werde weiterhin mein Bestes geben und ich bin sicher, dass es sich irgendwann auszahlen wird.

– Valtteri Bottas

Valtteri Bottas

Ich bin sehr enttäuscht. Es ist kein schönes Gefühl, das Rennen anzuführen und dann in den letzten paar Runden bis auf Rang vier zurückzufallen. Die anderen Fahrer gingen in der Safety-Car-Phase an die Box, aber wir gingen das Risiko ein und blieben draußen, um vor Sebastian zu gelangen.

Das ging zunächst auf und alles fühlte sich gut an. Ich gab bei den Re-Starts mein Bestes und musste wie im Qualifying voll angreifen, aber rund fünf Runden vor dem Ende haben die Reifen einfach nicht mehr mitgespielt. Ich habe alles gegeben, um die Führung nicht abzugeben, aber ich konnte nichts mehr unternehmen, um meine Führung gegen die anderen Fahrer auf frischeren Reifen zu verteidigen.

Uns war klar, dass eine Ein-Stopp-Strategie nicht einfach sein würde, aber wir entschlossen uns, das Risiko einzugehen. Leider war dieser Stint auf den Medium-Reifen heute einen Tick zu lang. Rückblickend ist man immer schlauer, aber zu dem Zeitpunkt, zu dem wir die Entscheidung treffen mussten, sah ich es genauso.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
3.2 / 5 (89 Bewertungen)
Bitte warten...

Tags: , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Sascha Pallenberg hat im Februar 2017 die neu geschaffene Funktion „Leiter Digital Content“ innerhalb des Kommunikationsbereichs übernommen und bereitet als erfahrener Online-Redakteur insbesondere Inhalte an der Schnittstelle zwischen Auto- und IT-Industrie für Daimler Online-Medien auf.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Der neue AMG: Ein Auto, das ich selbst fahren würde

    Jürgen Graffunder: .....und ein Dank an die Abgasklappe. Freue mich schon auf die...

  2. Kinderreporter: Besuch in der TECFABRIK Sindelfingen

    Andreas Hartmann: Hallo Frau Wilbs, Hallo Herr Loose vielen Dank für Ihre...

  3. Teststrecke Immendingen: Hier fährt die Technik von morgen

    Martin Langer: Dass die Bindung zwischen Bundesregierung und Automobilindustrie jetzt schon so eng ist,...

  4. Der neue AMG: Ein Auto, das ich selbst fahren würde

    Robert Raffel: Für sich isoliert gesehen sicherlich eine tolle Ingenieursleistung. Insgesamt aber doch eher...

  5. Der neue AMG: Ein Auto, das ich selbst fahren würde

    Motorenliebhaber: Herrlich, was AMG da zusammengebaut hat. Manchmal muss man einfach den Verstand...