Großer Preis von Österreich – Verstappen siegt – Silberpfeile fallen aus

Nur eine Woche nach dem Grand Prix von Frankreich in Le Castellet, versammelte sich die Formel 1 an diesem Wochenende in Österreich. Spielberg stand auf dem Programm und damit der Heim-Grand Prix des Red Bull Teams, die dann final auch einen triumphalen Erfolg feiern konnten.

Max Verstappen schloss die 71 Runden als Schnellster ab und kam vor den Ferraris von Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel ins Ziel. Letzterer übernahm damit wieder die Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft, aber damit noch nicht genug. Die Scuderia übernahm auch die Führung in der Konstrukteurswertung und verwies damit unser Team auf den 2. Platz in der WM.

So einfach könnte man ein rabenschwarzes Wochenende zusammenfassen. Zumindest, wenn man dieses aus der Perspektive von Team Silberpfeil betrachtet. Spielberg bedeutete nämlich nicht nur, dass wir den Platz an der Sonne in beiden WM-Tabellen abgeben mussten, es endeten auch zwei einmalige Serien in der Formel 1.

Dadurch, dass beide Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+/04 ihren Dienst versagten, mussten wir den ersten Doppelausfall seit 1955 erleben. Damit aber noch nicht genug, denn auch die nächste, nicht minder beeindruckende Bestmarke und Serie ging zu Ende: Nach 33 Zielankünften in Folge musste Lewis sein Auto heute in Folge eines Benzindruckverlusts in Runde 63 abstellen – damit endete für ihn die längste Punkteserie in der Geschichte der Formel 1.

Sein Teamkollege und Pole-Mann Valtteri Bottas stellte seinen Boliden bereits in der 14. Runde wegen Verlust des Hydraulikdrucks ab.

Standhaftigkeit schlägt Performance

Was in den ersten Runden noch nach einem Doppelsieg aussah, entwickelte sich mit zunehmender Renndauer leider zu einem Desaster. Der mit Hydraulikverlust ausrollende Valtteri löste eine Virtual Safety Car Phase aus, sprich die Fahrer müssen ihre Geschwindigkeit um 40% drosseln und dürfen nicht überholen, was große Teile des Starterfelds für einen Reifenwechsel nutzten.

Bis auf unsere 44, Lewis Hamilton. Dadurch fiel Lewis bei seinem Pflichtboxenstop auf Platz 4, hinter dem späteren Sieger Verstappen, Daniel Ricciardo und Kimi Räikkönen zurück, wobei der Rückstand auf den Spitzenreiter nur 7.5 Sekunden betrug.

Angesichts der Tatsache, dass Lewis nun auf frischeren Reifen unterwegs war, ließ dies durchaus Hoffnung aufkeimen. Zumindest kurzfristig. Zur Rennhalbzeit funkte er dann zum ersten Mal ein „Ich habe das Gefühl, mir geht Power verloren“, um sich dann in Runde 52 über die Performance der Reifen auszulassen.

Zwar schien es so, als hätte das halbe Feld mit Blasenbildung auf den Pneus zu kämpfen, auf Hamiltons Silberpfeil waren diese aber, vor allen Dingen hinten links, extrem ausgebildet. Ergo kam er noch einmal an die Box, kam hinter Daniel Ricc als 5. wieder auf die Strecke, um dann in der 63. Runde vor der Schlossgold-Kurve auszurollen. Verlust des Benzindrucks lautete die Erklärung, die Lewis die Führung in der WM kostete.

Die Stimmen zum Rennen

Für das Team und mich ist das der schmerzvollste Tag der letzten sechs Jahre. Auf diese Art und Weise durch unsere eigenen Fehler und Zuverlässigkeitsprobleme einen möglichen Doppelsieg zu verlieren, tut einfach nur höllisch weh

– Toto Wolf

Teamchef Toto Wolf resümiert:

Wir haben eine spektakuläre erste Runde erlebt: Lewis kam großartig weg und Valtteri kämpfte sich beim Anbremsen von Kurve vier auf Platz zwei zurück. In den ersten 13 Runden sah es gut für uns aus. Beide Fahrer hatten das Rennen unter Kontrolle und achteten gut auf ihre Pace. Dann kam der erste Rückschlag, als Valtteri vor seinem Ausfall plötzlich den Hydraulikdruck verloren hat – das rief eine virtuelle Safety-Car-Phase hervor. Wir entschlossen uns dazu, Lewis für eine Runde draußen zu lassen, weil wir dachten, dass es länger dauern würde, das Auto zu bergen. So hätten wir auf der nächsten Runde darauf reagieren können, was die Autos hinter uns machten. Aber das VSC wurde früher als erwartet wieder aufgehoben und damit hatten wir schlicht und einfach die falsche Entscheidung getroffen. Dadurch hatte Lewis eine schwierige Aufgabe vor sich. Wir holten ihn bald nach der Wiederaufnahme des Rennens herein, um ihn auf die weichen Reifen zu setzen. Danach musste er versuchen, Boden auf der Strecke gutzumachen. Dabei bildeten sich an seinen Hinterreifen Blasen, er verlor eine Position an Sebastian und wir entschieden uns dazu, ihn noch einmal hereinzuholen, da wir dadurch nichts zu verlieren hatten. Aber kurz darauf fiel er mit einem Verlust des Benzindrucks aus. Ein Doppelausfall in Folge von Zuverlässigkeitsproblemen liegt uns schwer im Magen, aber wir wissen aus schmerzhafter Erfahrung, dass wir aus den schwierigen Tagen am meisten lernen. Wir werden uns in den nächsten Tagen wiederaufrichten, aus unseren Fehlern lernen und erhobenen Hauptes nach Silverstone reisen. Das ist ein Heimrennen für unsere vielen Teammitglieder in Brackley und Brixworth und wir werden versuchen, dort gestärkt zurückzuschlagen und unsere Fehler von heute wiedergutzumachen.

Wir werden uns von diesem Ergebnis erholen. Es hat heute einfach nicht sollen sein. Aber eines Tages wird es wieder besser laufen

– Valtteri Bottas

Polesitter und Pechvogel Valtteri Bottas

Das Pech, das ich in diesem Jahr habe, fühlt sich derzeit wie ein schlechter Scherz an. Mein Start war nicht ideal. Ich hatte relativ stark durchdrehende Räder und es gab weniger Grip, als wir erwartet hatten. Deshalb fiel ich einige Plätze zurück. Vor Kurve vier konnte ich mir aber zwei Plätze zurückholen und lag dann wieder auf Position zwei. Danach fühlte sich das Auto stark an und es lief gut – bis ich plötzlich den Hydraulikdruck verloren habe. Ich konnte nichts dagegen unternehmen. Jetzt müssen wir die Sache untersuchen und die Ursache für die heutigen Probleme herausfinden.

Das ist mit Sicherheit das schlimmste Wochenende, an das ich mich seit einer langen Zeit erinnern kann. Heute spürt jeder im Team den Schmerz, aber wir müssen die positiven Zeichen des Wochenendes mitnehmen.

Der WM-Zweite Lewis Hamilton

Das Auto war das gesamte Wochenende über großartig. Wir waren die Schnellsten und unsere Zuverlässigkeit war viele Jahre lang fantastisch. So sehr es also auch schmerzen mag, im Leben gibt es immer Höhen und Tiefen. Ich habe volles Vertrauen in mein Team, dass wir zurückschlagen werden. Wir dürfen keine Punkte wegwerfen. Deshalb müssen wir eine fehlerfreie Lösung finden. Daran werden wir jetzt arbeiten und versuchen, aus der Situation gestärkt hervorzugehen.

Nur 4 Tage bis Silverstone!

Immerhin ein Gutes hat dieses Wochenende gehabt: der Grand Prix in Spielberg fand nur eine Woche vor dem Großen Preis von Großbritannien statt. Auf dem ehemaligen Militärflughafen in Silverstone, findet dann praktisch unser zweites Heimrennen statt. Team Silberpfeil hat sein Headquarter schließlich im britischen Brackley und das liegt bekanntlich nur 11 Fahrminuten vom Austragungsort des kommenden F1 Grand Prix entfernt.

Das erste freie Training wird dann am kommenden Freitag um 11 Uhr deutscher Zeit stattfinden. Nicht viel Zeit für unser Team, aber das geht auch der Konkurrenz so. Wahrscheinlich ist ein so zeitnah folgender Grand Prix eh die beste Möglichkeit der Rehabilitation.

Wir packen das!


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Sascha Pallenberg hat im Februar 2017 die neu geschaffene Funktion „Leiter Digital Content“ innerhalb des Kommunikationsbereichs übernommen und bereitet als erfahrener Online-Redakteur insbesondere Inhalte an der Schnittstelle zwischen Auto- und IT-Industrie für Daimler Online-Medien auf.

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