WheelPilot – rollstuhlgerechte Navigation von Mercedes-Benz

Am 05. Juni 2018 ist deutschlandweit „Diversity Day“ – auch bei der Daimler AG. Der Konzern setzt auf Vielfalt und Inklusion. Das gilt insbesondere auch für unsere Kunden. Passend dazu stellen wir beim Lab1886 das Pilot-Projekt „WheelPilot“ vor: ein rollstuhlgerechtes Navigationssystem. Wie es entstanden ist und was ein Fotoshooting damit zu tun hat:

Es war ein wunderschöner Sommermorgen. Perfekte Lichtverhältnisse, um tolle Bilder für unseren damals neu ins Portfolio aufgenommenen, behindertengerechten Mercedes-Benz CLS zu machen. Die Agentur hatte ein architektonisch interessantes Bürogebäude als Location ausgewählt, irgendwo in der Peripherie von Stuttgart.

Doch schon lange bevor der Fotograf das erste Bild knipsen konnte, trat Ernüchterung ein – das Gebäude war nicht rollstuhlgerecht. Mehrere Stufen und keine Möglichkeit für das Model, im Rollstuhl sitzend, hineinzukommen. Es musste ja umgezogen und gestylt werden. Wir haben uns damals irgendwie zu helfen gewusst: zwei Häuser weiter, aber wie schön wäre es, schon vorher zu checken, ob alles passt?

Daimlers Versprechen – jedem ermöglichen, mobil zu sein

Das Problem war mir im Grunde nicht neu. Seit 2011 bin ich bei Mercedes-Benz für die Fahrhilfen ab Werk zuständig. Das sind spezielle Lösungen für Menschen mit Handicap, die das Fahrzeug behindertengerecht machen und individuell auf den Fahrer abgestimmt sind. Daimler entwickelt sich gerade zum Mobilitätsdienstleister.

Das Versprechen des Konzerns ist es, jeden mobil zu halten. Ein Großunternehmen versucht aber auch, möglichst viele neue Kunden zu erschließen. Das heißt: Menschen in ihrer Individualität zu verstehen, wertzuschätzen und zu erreichen. Kundenorientiert denken ist die Aufgabe. Allein in Deutschland gibt es circa 7,6 Millionen schwerbehinderte Menschen, 1,8 Millionen davon sitzen im Rollstuhl. Eine große potenzielle Kundengruppe also, die nicht ausgeschlossen werden soll. Deshalb gilt:

Das Handbediengerät Multima PRO und der Multifunktionsdrehknopf MFD TOUCH – Mercedes-Benz Fahrhilfen ab Werk

Kunde ist jeder. Nicht nur, wenn er läuft.

Mit dem Rollstuhl einfach von A nach B

Mir war aber klar, dass unsere Fahrhilfen ab Werk nur einen Teil des Gesamtbildes darstellen. So kommt jemand mit Beeinträchtigung zwar von A nach B, aber es ist noch lange nicht klar, ob er oder sie bei B auch reinkommt! Mobilität beginnt an der Haustür und endet erst am gewünschten Ziel, nicht davor.

Als ich durch meinen Job dann 2012 „wheelmap.org“ und dessen Gründer Raul Krauthausen kennengelernt habe, dachte ich: Das ist nicht nur eine klasse Idee, sondern die logische Ergänzung zu den Fahrhilfen ab Werk für unsere Kunden.

Wheelmap ist eine Online-Plattform, bei der man rollstuhlgerechte Orte auf einer Karte finden, markieren und selbst eintragen kann. Das Projekt ist eine von vielen sinnvollen Ideen, die vom Verein Sozialhelden aus Berlin gestaltet und vorangetrieben werden. Im nächsten Schritt habe ich mir dann überlegt: Wie bringe ich diese Infos am besten ins Auto? Im Idealfall als komplementäres Navigationssystem. Mir kam folgende Idee: Eine App könnte die Geodaten von Wheelmap nutzen, Information über die Möglichkeit des rollstuhlgerechten Zugangs eines Ortes zeigen und diesen dann an das Navigationssystem des Autos schicken bzw. „rollstuhlgerechte“ Routen vorschlagen.

WheelPilot ermöglicht rollstuhlgerechtes Navigieren

Da ich lange im Bereich Verkehrstelematik gearbeitet hatte, war mir das Erfassen, Verarbeiten und die Darstellung von Geodaten und Fahrzeugdaten nicht fremd – und ich konnte meine Expertise einbringen. So entstand „WheelPilot“.Langfristig soll es als Kartenfunktion in Mercedes Me integriert werden, die digitale Fahrzeug-App von Mercedes-Benz. So kann sich der Fahrer vorab über sein Smartphone informieren, wie er zu seinem Wunschort kommt, ob das Ziel rollstuhlgerecht ist und sogar, ob es behindertengerechte Toiletten gibt – Barrieren adé.

Hat der Nutzer ein Ziel ausgewählt, kann er es an sein Auto senden und die Navigation wird gestartet. Geplant ist außerdem eine Kommentarfunktion, mit der man zusätzliche Infos über verschiedene Standorte geben kann. Dieser „Community“-Aspekt ist nicht nur hilfreich, sondern zuverlässig, denn schon bei Wheelmap ist die Nutzergruppe sehr aktiv. Gemeinsam mit den Sozialhelden arbeitet Daimler mit diesem Projekt auch daran, das Thema rollstuhlgerechte Mobilität in die Breite zu bringen.

Wegweiser durch den Barrieredschungel

Ich finde, mit „WheelPilot“ denkt Daimler Mobilität ganzheitlich. Es ist das fehlende Glied in der Mobilitätskette für Rollstuhlfahrer und körperlich eingeschränkte Personen. Konkret soll es so weitergehen: Der Prototyp ist fertig und aktuell planen wir einen geschlossenen Betatest mit Mitarbeitern.

Matthias Heil präsentiert die App WheelPilot

Sehr hilfreich ist es für mich dabei, dass zwei Daimler-Kolleginnen, die im Rollstuhl sitzen, die App bereits zur Zeit der Prototypenentwicklung auf Herz und Nieren getestet haben. Eingeführt wird die App dann zuerst in Deutschland; wir möchten aber internationalisieren, denn Menschen mit Handicap gibt es überall.

Schnell von der Idee zum Produkt mit Lab1886

In gerade mal acht Monaten bin ich mit meinem Team vom Konzept der Idee in meinem Kopf bis zum fertigen digitalen Produkt gekommen. Das lag vor allem am Bereich, bei dem ich bei Daimler arbeite: Lab1886. Der konzerneigene Inkubator (Brutkasten) steht für Innovation und schnelle Ausführung. Lab1886 entwickelt neue Geschäftsmodelle und digitale Services für Daimler abseits der klassischen Automobilproduktion wie zum Beispiel moovel, car2go, Flexpierence und CHARK.me. Gleichzeitig hat man die Sicherheit eines globalen Unternehmens im Rücken.

Auf der re:publica wird viel zum Thema diskutiert

Wir nennen das bei uns „das Beste aus beiden Welten“. Im Rahmen der Digitalmesse re:publica in Berlin hatte ich deshalb auch die Möglichkeit „WheelPilot“ einem breiteren Publikum vorzustellen. Gewissermaßen als Start-up vom Konzern mit flachen Hierarchien und kreativen Freiräumen stehen wir aber auch für Vielfalt, denn sie fördert den Erfindergeist, ist Antrieb für Ideen und Erneuerung. Deshalb arbeiten bei Lab1886 Menschen mit verschiedensten Profilen, Berufskenntnissen und Wissenshintergründen – denn:

„Innovation funktioniert nur durch Teamwork!“

Gutes tun und gleichzeitig profitabel sein

Hier habe ich die Möglichkeit, meine Ideale und das Geschäftliche zu vereinbaren. Als weltweit agierendes Unternehmen und Arbeitgeber, der über 290.000 Menschen beschäftigt, haben wir auch eine soziale Verantwortung, die keine leere Hülle sein soll. Und der WheelPilot sowie die Fahrhilfen ab Werk zeigen: Gutes tun und profitabel sein schließt sich überhaupt nicht aus.


Daimler Diversity Day:
Das Thema des diesjährigen „Diversity Day“ bei Daimler lautet: Perspektivwechsel. Mit 289.321 Mitarbeiter aus 160 Nationalitäten und einem Durchschnittsalter von 42,8 Jahren ist das Unternehmen ebenso vielfältig wie seine Kunden aus aller Welt. Daimler steht für ein inklusives Arbeitsumfeld und Chancengleichheit, deshalb arbeiten bei Daimler mehr als 8.000 Menschen mit Behinderung. Vielfalt ist kein Modewort, sondern Leitmotiv und wird gelebt, das gilt auch für die Kundschaft.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
4.9 / 5 (119 Bewertungen)
Bitte warten...

Tags: , , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Matthias Heil arbeitet bei Lab1886, dem Innovationsbereich der Daimler AG, vormals Business Innovation. Der studierte Ingenieur der Elektrotechnik macht seit 2011 mit den „Fahrhilfen ab Werk“ die Marke Mercedes-Benz rollstuhl- und behindertengerecht, für PKW und Van. Davor hat er im Bereich Global Business Management und in der Forschung Telematik bzw. Verkehrstelematik gearbeitet.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Driven by EQ: Was können unsere elektrifizierten Alternativen?

    Michael Olejniczak: Sehr starker Artikel. Übersichtlich werden die unterschiedlichen Elektrifizierungslevel dargestellt. Ein Beitrag, der...

  2. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    Peter S.: Tolle Karriere, Frau Klasing und schöne Ratschläge für selbstbewusste Menschen oder die,...

  3. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    istanbul: Woow. Danke schön.

  4. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    Peter Valentin: Hallo Frau Klasing, herzlichen Glückwunsch zu Ihren Erfolgen. Ich habe da eine...

  5. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    Sabine Kußmaul: Es war ein toller Vortrag und eine sehr offene Diskussion! Vielen Dank,...