F1 in Monaco: Ricciardos Start-Ziel-Sieg mit sechs Gängen

Daniel Ricciardo hat am Wochenende den F1 Grand Prix in Monaco für sich entschieden und das obwohl er mehr als die Hälfte des Rennens weitaus weniger Motorleistung zur Verfügung hatte, als die Konkurrenz. Sebastian Vettel auf Ferrari wurde Zweiter, gefolgt vom ersten Silberpfeil.

Unsere Startnummer 44, Lewis Hamilton, sicherte sich den letzten Platz auf dem Podium, welches in Monaco traditionell einen Besuch in der Fürstenloge vorsieht. Unser zweiter Fahrer, Valtteri Bottas, kam leider über einen fünften Platz nicht hinaus.

Auch wenn es nicht das Finale ist, das Rennen in Monaco ist sicherlich der Höhepunkt einer Formel 1 Saison. Nilson Piquet hat es mal mit „Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer“ verglichen, und wenn man sich die aktuelle Entwicklung anschaut, dann hat er damit alles andere als Unrecht. In diesem Jahr wurde die Polezeit auf sagenhafte 1.10.8 geschraubt, was u.a. Fahrer wie Fernando Alonso zu dem Statement hinriss, dass die moderne Formel 1 schon fast zu schnell für diesen Kurs ist.

Aus Sicht der Silberpfeile war bereits vor dem Rennstart klar, dass wir hier nur mit viel Glück in den Kampf um den Rennsieg eingreifen konnten. Zu dominant war die Performance von Red Bull und Ferrari, wobei besonders Daniel Ricciardo hervorstach. Nach einem für jeden Formel 1 Fan herzzerbrechenden Monaco Grand Prix des Jahres 2016, in dem ein desaströser Boxenstop Daniel den Rennsieg kostete, konnte sich der sympathische Australier nun endlich die Krone von Monaco aufsetzen und triumphierte im Fürstentum.

Die Chronologie des Rennens

Für Monte Carlo Verhältnisse ein nahezu geordneter Start, auch wenn es kurz so aussah, als könnte Lewis Hamilton Ferrari-Pilot Vettel angreifen, der zwar besser wegkam, dann aber vom Polesetter Daniel Ricciardo ein wenig nach außen gedrängt wurde. Die Lücke, die sich da für den Bruchteil einer Sekunde auftat, war letztendlich keine und so sortierte sich das gesamte Feld ein und zog wie an einer Perlenschnur zum ersten Mal hoch zum Casino.

Während Ricciardo in seinem Red Bull in den ersten Runden ein Feuerwerk abbrannte, blieben Vettel, Hamilton, Raikkönnen und Bottas relativ kompakt zusammen. Wobei auch hier klar wurde, dass unser Team an diesem Sonntag nicht das schnellste Gesamtpakt durch die Gassen von Monaco bewegte. Die Ferraris schienen hier im Vorteil.

Stichwort Red Bull. Wer sich wundert, warum vorne recht einsam Daniel Ricciardo seine Runden drehte: Teamkollege Verstappen hat sich kurz vor dem Ende des letzten freien Trainings einen folgenschweren Fehler geleistet. Am Ausgang des Schwimmbads traf er mit dem rechten Vorderrad die Leitplanke, die Aufhängung brach und für die folgende Linkskurve war er dann nur noch Passagier. Da der Bolide zum darauf folgenden Qualifying nicht mehr fertiggestellt werde konnte, blieb ihm nur der letzte Startplatz. In Monaco die absolute Höchststrafe.

Für uns als Zuschauer aber ein absolutes Highlight. Während die Spitze sich inzwischen auf ihre Renngeschwindigkeit und Taktik eingeschossen hatte, schnupfte Max Verstappen einen Konkurrenten nach dem anderen auf. Nach neun Runden bedeutete das bereits den 14. Platz. Absolut beeindruckend!

Eine gute Startposition ist in Monaco wie gesagt die halbe Miete. In Monaco kann man eigentlich nicht überholen, was sich unter anderem daran zeigte, wie Lewis Hamilton Kimi Raikkönnen in seinem Ferrari recht mühelos hinter sich halten konnte, obwohl dieser anscheinend schneller war.

Nach elf Runden hatte sich an der Reihenfolge an der Spitze nichts geändert. Dafür wurde klar, dass Valtteri Bottas an diesem Sonntag nicht die Pace der Ferraris, seines Teamkollegen Hamilton und schon gar nicht die des führenden Daniel Ricciardo gehen konnte.

Boxenstop

Stichwort überholen. Geht es nicht auf der Strecke, greifen die Strategiespielchen. Wohl auch ein Grund, warum Lewis Hamilton bereits in der 13. Runde und damit als Erster der Spitzengruppe in die Boxen kam um frische Reifen aufziehen zu lassen. Damit hatte er insgesamt 65 Runden mit den neuen Reifen vor der Brust, denn Monaco ist ein klassisches One Stop-Rennen.

In der 16. Runde kam dann auch der große Konkurrent um die Krone der Fahrerweltmeisterschaft an die Box. Sebastian Vettel ließ Ultrasofts aufziehen und kam vor Bottas wieder zurück auf die Strecke. Eine Runde später dann die Antwort von Red Bull. Daniel Ricciardo kam rein und ließ die gleiche Reifenmischung aufziehen.

Nach 18 Runden und den Boxenstops der Spitzengruppe hat sich an der Reihenfolge nichts geändert. Ricciardo vor Vettel, gefolgt von Hamilton und Raikönnen. Bottas hatte leider das Pech sich nach seinem Stop hinter Esteban Ocon (Force India) und Fernando Alonso (McLaren) einreihen zu müssen, die noch nicht an der Box waren und unseren Fahrer damit ein wenig aufhielten. Resultat: der Abstand zu den ersten vier wurde noch grösser. Bis, ja bis Fernando endlich an die McLaren-Box gerufen wurde und Valtteri mit seinen nagelneuen Supersofts auf einmal richtig aufdrehen konnte und zu diesem Zeitpunkt der schnellste Wagen auf der Strecke war.

Als dann noch Esteban Ocon seinen Force India an die Box steuerte, hatte Valtteri vollends freie Fahrt und damit die Chance sich wieder näher an Kimi Raikönnen, der Hamilton bereits im Getriebe hing, heranzuschieben.

Nach einem Drittel des Grand Prix hatten wir somit wieder die bereits bekannte Reihenfolge hergestellt. Riccardo, Vettel, Hamilton Raikkönnen, Bottas, Gasley und Hülkenberg (die beide noch nicht an den Boxen waren), vor Ocon und Alonso. Ebenfalls bereits in den Top Ten: Max Verstappen. Der hatte sich zwar noch keine frischen Reifen geholt und beklagte sich via Boxenfunk über Probleme beim Runterschalten vom dritten in den zweiten Gang (seine Hinterräder haben offensichtlich dabei blockiert), hatte aber dennoch keine Probleme, den McLaren von Fernando Alonso vor sich herzuschieben.

Ja und dann kommt es zu einem dieser herzzerbrechenden Funksprüche. In der 28. funkt Daniel Ricciardo „Losing Power“ an die Box und ich dachte mir nur… nicht schon wieder Junge. Sorry Freunde der Silberpfeile, ich bin auch ein großer Fan von diesem Aussie, der immer grinst wie ein Honigkuchenpferd und die personifizierte Fröhlichkeit überhaupt ist. Auf der Start/Ziel-Geraden wird das ganze Ausmaß offensichtlich. 30km/h ist der Red Bull nun auf der Geraden langsamer, als der ihn verfolgende Ferrari.

Und das bedeutete für unsere beiden Silberpfeile auch, dass sie nun wieder aufholen konnten. Hamilton schob sich näher an Sebastian Vettel ran, Valtteri hängt am Heck von Raikönnens Ferrari. Und damit wurde vor allen Dingen auch klar, dass die Supersofts die offenbar besten Reifen für diesen Sonntag waren. Während Lewis und Kimi, wie Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel, auf Ultrasoft gesetzt hatten, ging Bottas den anderen Weg und entschied sich für Supersofts. Nur wenn du nicht überholen kannst, dann wird die ganze Angelegenheit zum Rasenschach.

Halbzeit und die Spannung steigt

Nach der Halbzeit wurde damit klar, dass die beiden Silberpfeile und Ferraris auf Ricciardo auflaufen werden. Jetzt ein Safetycar und die gesamte Reihenfolge könnte ordentlich durcheinander gewürfelt werden.

Highlight in dieser Phase: Lance Stroll bringt seinen Williams an die Box, lässt Hypersoft aufziehen und fährt als Letzter mal eben pro Runde 4 Sekunden schneller als der Leader! Um das Phrasenschwein an dieser Stelle zu füllen: To finish first, first you have to finish.

43 Runden nach dem Start wird klar, das Ding entscheidet sich in den letzten Runde und sowohl die Reifen, wie auch die Powerunit von Riccardos Red Bull können hier das Zünglein an der Waage sein. Und nicht vergessen… Bottas hatte die besten Reifen der Spitzengruppe. Gehen der Konkurrenz vor ihm die Pneus aus, dann ist er vorn.

Um es noch einmal in Erinnerung zu rufen: Nach zwei Drittel des Rennens fährt die Spitze nur noch Rundenzeiten von 1:19, was mal eben NEUN (!) Sekunden langsamer war, als die Polezeit vom Samstag. So einen Monaco Grand Prix habe ich auch noch nicht erlebt!

48 Runden waren um und die ersten fünf innerhalb von acht Sekunden, was natürlich am langsamen Red Bull an der Spitze liegt, vor dem man aber unbedingt den Hut ziehen musste. Was Daniel Ricciardo da mit dem waidwunden Wagen veranstaltet, das war Racing der Extraklasse.

Die 48. Runde bedeutete auch, dass Max Verstappen endlich an die Box kam und frische Hypersofts aufziehen ließ. Da konnten wir uns auf einige ganz besondere Rundenzeiten gefasst machen.

In der 53. Runde rollte McLaren Star Fernando Aloso dann am Ende der Start/Ziel-Gerade bei Saint Devote aus. „Getriebe, Getriebe“ funkt er an die Box, ist damit der erste Ausfall dieses Grand Prix und überlässt somit dem Toro Rosso von Pierre Gasley kampflos seine Position. Großes Pech für Fernando, der sich so viel von diesem Rennen versprach.

Knapp zehn Runden später hatte sich an der Spitze nichts getan. Ricciardo hatte in seinem Red Bull so wenig Leistung zur Verfügung, dass er am Ende des Tunnels gar nicht mehr in den 7. Gang schalten konnte. Dennoch war es Ferrari Pilot Sebastian Vettel nicht möglich, ihn vor Saint Devote auszubremsen und das obwohl er mit DRS gut 30km/h schneller fahren konnte. Lewis hielt den Abstand zu Vettel, beklagte sich aber über das „Graining“ seiner Reifen und schien deshalb nicht mehr attackieren zu können.

Auch Raikönnen und Bottas hatten sich inzwischen wohl damit abgefunden, dass die Positionen vier und fünf am heutigen Tage das Maximum sein würden.

Und dann kam es zum Unfall in der 72. Runde: Ausgangs des Tunnels fuhr Sauber-Fahrer Charles Leclerc nach einem Bremsversagen auf den Toro Rosso von Brian Hartley auf. Während für Leclerc das Rennen direkt vorbei war, schleppte sich Hartley mit einem abgeknickten Heckflügel an die Box. Virtual Safety Car hieß es fürs Feld und damit ging noch einmal die Spekulation los, ob sich ein Fahrer aus der Spitzengruppe frische Hypersofts holen würde.

Formula 1 Twitter

Restart & Endspurt

Restart in der 74. Runde! Ricciardo setzte sich umgehend um bis zu fünf Sekunden von Vettel ab, der offenbar Probleme hatte Temperatur in seine Reifen zu bekommen. Das Rennen war gelaufen.

Daniel Ricciardo gewann mit einer sensationellen Leistung den Monaco Grand Prix und rehabilitierte sich damit für die 2016er Ausgabe, bei der ein verpatzter Boxenstop den sicher geglaubten Sieg verschenkte: „Wir haben es zwei Jahre versucht und wurden heute endlich erlöst. Während des Rennens hatten wir Probleme. Ich glaube schon vor die Hälfte des Rennens rum war habe ich gemerkt, wie ich Power verliere. Ich konnte nur noch sechs Gänge benutzen uns dachte, das Rennen sei gelaufen. Dank des Teams sind wir zurückgekommen, ich bin überwältigt.“

Ricciardo ist damit nach Jack Brabham und Mark Webber der 3. Australier, der in Monte Carlo gewinnen konnte! Übrigens machte er damit das „Australische Motorsport-Wochenende“ perfekt, denn sein Landsmann Will Power gewann das 500 Meilen Rennen in Indianapolis!

Auf Platz zwei kam Sebastian Vettel ins Ziel, gefolgt von Lewis Hamilton, dessen Silberpfeil an diesem Wochenende einfach nicht die gleiche Performance abrufen konnte wie die Red Bulls und Ferraris. Trotzdem ist der amtierende Weltmeister zufrieden mit seinem Rennen: „Herzlichen Glückwunsch an Daniel, ich freue mich sehr für ihn. Er war vor zwei Jahren ganz knapp dran, seinen ersten Sieg beim Monaco Grand Prix einzufahren und es ist schön, dass er das nun nachgeholt hat. Ich bin mit meinem Wochenende zufrieden. Wir waren das drittschnellste Team und sind beinahe Zweiter geworden. Entsprechend bin ich dankbar, dass ich im Titelkampf nur drei WM-Punkte auf Sebastian verloren habe. Damit kann ich leben.“

Hinter ihm dann Kimi Raikkönnen im 2. Ferrari, gefolgt von Valtteri Bottas im zweiten Silberpfeil. Dieser hatte mit seinen Supersofts die beste Reifenwahl für die 2. Rennhälfte getroffen, fand aber keinen Weg vorbei an Raikönnens Ferrari.


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