Heldenstaffel: Laufen zur Krisenbewältigung

Wer kennt es nicht: persönliche Krisen. Ich ganz persönlich habe in meiner Vergangenheit reichlich davon durchlebt und musste die ein oder andere Hürde nehmen. Sei es der Verlust meines linken Augenlichtes, die Trennung von meiner Frau, oder auch der sportliche „Zusammenbruch“ meiner Träume.

Das Leben ist manchmal ganz schön hart und daher begab ich mich schon ziemlich früh auf die Suche nach Alternativen und Strategien, mit welchen ich genau diese Krisen analysieren und im besten Fall bewältigen kann. Heute möchte ich mit folgendem Zeitungsaufmacher eine Alternative vorstellen:

Der Esslinger Marathonläufer Steffen Häntzschel hat ein großes Ziel: ‚Ich will für Deutschland laufen.‘

So begann vor neun Jahren ein Beitrag über mich, in einer Zeit, in welcher ich voller Träume und Ziele meinen Alltag lebte. Ich hatte den Traum von den Europameisterschaften und arbeitete verbissen, zweimal am Tag an diesem Traum.

Ich war ein „Spätzünder“, ich lief zwar bereits als Sechstklässler die 1000 Meter unter drei Minuten, aber wirklich Sinn verspürte ich in der Lauferei nicht und widmete mich lieber den Freunden und dem Fußball.

Erst mit 21 begann ich ernsthaft und regelmäßig zu trainieren und den therapeutischen Wert des Laufens zu entdecken. Ich kann beispielsweise beim Laufen meinen Unfall verarbeiten, bei dem ich mein linkes Augenlicht komplett verlor.

Als ich dann 2009 beim Frankfurt-Marathon als drittbester Deutscher in die Festhalle einlief, noch vor 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann, begann ich weiter zu träumen und an meinen Zielen zu arbeiten.

Heute, gesegnet mit diesen Erfahrungen, weiß ich, dass mein Ziel und vor allem der Preis dafür viel zu hoch waren. Mein Körper, wie auch meine Psyche haben angefangen zu streiken und der Weg bis heute war ein sehr schmerzhafter. Ich erhöhte mein Trainingspensum mehr und mehr, lief mehr als 200 Kilometer in der Woche und ließ dadurch die Regenerationsphasen aus – und das rächte sich. 2011. Hier sagte mein eigener Körper STOP, mit dem Resultat, dass ich nicht mehr ohne Schmerzen laufen, sitzen, oder liegen konnte – es war die reinste Qual. Beide Hüften waren kaputt!

Die ersten Schritte waren eine Befreiung

Es folgten Operationen, ich stürzte in eine tiefe Lebenskrise, fand lange Zeit nicht die richtigen Ärzte. Erst im vergangenen Frühjahr fühlte ich mich in den richtigen medizinischen Händen und ließ mich erneut operieren. Mit Erfolg. Ich begann wieder zu laufen, es war eine Befreiung. Unbeschreiblich.

Und heute? Laufe ich bereits wieder regelmäßig. Dreimal in der Woche, 20 Kilometer sind ohne Probleme und vor allem ohne Schmerzen machbar. Im vergangenen Herbst, nach sechs Jahren schmerzhafter Quälerei, war der Leidensweg zu Ende. Ich war mal Läufer und darf mich jetzt wieder so bezeichnen. Für mich ist Laufen wie eine Therapie, Erdung, welche sofort wirkt. Ich schaue auf meinen früheren Ehrgeiz und Anspruch sehr kritisch zurück. Es war ein großer Fehler, es so übertrieben zu haben.

Jede Krise macht mich stärker

Es soll sich hier nicht um das Offenlegen privater Angelegenheiten handeln, sondern einen Weg aufzeigen, der dabei unterstützen kann, persönliche Krisen zu bewältigen. Da ich selbst ganz offen mit meinen bisherigen Lebenskrisen umgehe und die Chance darin sehe, meinen Kollegen motivierend zur Seite zu stehen, will ich meine Erfahrungen und meinen ganz persönlichen Weg aus dem Leistungssport zurück ins Leben anbieten.

Jeder ist individuell, aber ich weiß, dass mich jede Krise stärker gemacht hat und meine Persönlichkeit dahin geformt hat, auch berufliche Herausforderungen, Ziele – und seien sie noch so groß – anzugehen und die volle Verantwortung dafür zu übernehmen.

Viele Menschen wissen, dass Bewegung für einen gesunden Lebensstil notwendig ist, können sich aber nicht genug und dauerhaft motivieren, Sport zu treiben. Hier sollen die Heldenstaffeln helfen, Menschen zur Bewegung zu motivieren.

Vorbild und Gesicht der Heldenstaffel ist mein Freund Michael Klotzbier. Er hat nach einer Wette innerhalb von zwei Jahren fast 80 Kilogramm abgenommen, um an seinem 37. Geburtstag den Marathon in Berlin zu laufen.

Wer den Spaß am Sport mit uns teilen möchte, den will ich hiermit motivieren, seine Persönlichkeit in die Heldenstaffel mit einzubringen.


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Steffen Häntzschel ist im Projekt Future FC Landscape im Team Business Architektur, Prozesse, Methoden verantwortlich für den IT-Teil im Bereich Gemeinkostenkostencontrolling.

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