Vom Großen bis zum Kleinen: Gelebte Toleranz verbindet

Respekt und Toleranz – aktuell wird viel über diese Werte diskutiert. Jeder Einzelne von uns kann zu einem besseren Umgang miteinander beitragen. Doch inwieweit spielt Daimler als global agierender Konzern eine Rolle?

Die Wahlerfolge von Rechtspopulisten haben die politische Landschaft Deutschlands durcheinander gebracht. Das muss all jene alarmieren, denen die Gleichwertigkeit der Menschen und eine offene und pluralistische Gesellschaft wichtig sind. Die Zeiten, in denen man sich auf eine demokratische Prinzipientreue verlassen konnte, scheinen vorbei. Es besteht also Handlungsbedarf – in allen Bereichen der Gesellschaft. Nur ist nicht klar: Wie kann ein effektiver Einsatz für Toleranz und Pluralismus aussehen?

Zeit für Veränderung?

Dieser und weiteren Fragestellungen gingen wir beim Symposium mit dem Thema „Offene Gesellschaft: Haben Unternehmen und Zivilgesellschaft Handlungsbedarf?“ nach. Es fand am 26. April im traditionsreichen Haus Huth am Potsdamer Platz statt, wo sich die Daimler Konzernrepräsentanz für Bundesangelegenheiten in Berlin befindet.

Haus Huth, Daimler Konzernrepräsentanz für Bundesangelegenheiten in Berlin

Anfang des Jahres habe ich in der Konzernrepräsentanz für Bundesangelegenheiten die Position der Leiterin International Relations übernommen. Aus Anlass des Symposiums hatte ich nun die große Ehre, Hardy Krüger in unserem Haus willkommen zu heißen. Er ist nicht nur einer der größten deutschen Schauspieler unserer Zeit, sondern engagiert sich darüber hinaus auch noch seit Jahrzehnten gegen Rechtsextremismus.

Er tut dies in Zusammenarbeit mit der Amadeu Antonio Stiftung, die deshalb zu seinem 90. Geburtstag ins Haus Huth zur Podiumsdiskussion eingeladen hatte. Ziel der Amadeu Antonio Stiftung ist die Stärkung einer demokratischen Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

Ulrich Hauser und Hardy Krüger (Foto: Amadeu Antonio Stiftung)

Außer Hardy Krüger und mir saßen noch zwei weitere Diskussionsteilnehmer auf dem Podium: Robert Kusche, Geschäftsführer der Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen, und Nesreen Hajjaj, Berlinerin mit palästinensischen Wurzeln und Projektmanagerin beim Jugendpolitikfestival „Berliner Jugendforum 2018“. Moderiert wurde die Gesprächsrunde vom Stern-Redakteur Ulrich Hauser. Wir sprachen darüber, wie dem zunehmenden Rechtspopulismus in unserer Gesellschaft angemessen begegnet werden kann.

Große Wirtschaftsunternehmen und kleine Stiftungen?

Im Fokus stand die Frage, ob zivilgesellschaftliche Institutionen und Wirtschaftsunternehmen verstärkt zusammenarbeiten sollen, um sich klar gegen Menschenverachtung und rechtes Gedankengut zu positionieren. Die Antwort aller Gesprächsteilnehmer auf diese Frage lautete „Ja“! Auf den ersten Blick scheint eine solche Zusammenarbeit vielleicht nicht zu passen. Zu ungleich erscheinen die Akteure: Auf der einen Seite meist kleine Vereine oder Stiftungen, auf der anderen Seite global agierende Wirtschaftsunternehmen?

Dennoch – oder gerade deshalb – gilt das klare „Ja!“ – wir passen sogar sehr gut zueinander. Warum? Für uns als Wirtschaft und speziell als global agierendes Unternehmen ist es immens wichtig, in einer demokratischen, offenen, Kreativität zulassenden und nicht rückwärtsgewandten Gesellschaft zu arbeiten. Als Leiterin International Relations weiß ich, wie wichtig die feste Verankerung der Werte „Weltoffenheit“ und „Toleranz“ in unserer Unternehmenskultur ist.

Foto: Amadeu Antonio Stiftung

In unserem Unternehmen arbeiten rund um den Globus verteilt mehr als 160 Nationalitäten. Auch in Deutschland haben wir eine große gesellschaftliche Vielfalt, die sich in der Unternehmenskultur spiegelt. Eine respektvolle und tolerante Atmosphäre ist Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Dazu ist meiner Meinung nach auch das gesellschaftliche Umfeld, sind die gemeinsamen Werte, wichtig.

Robert Kusche von der regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie in Sachsen sieht ebenfalls die Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit von Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. „Gerade große Unternehmen können hier zivilgesellschaftliche Verantwortung übernehmen“, sagte er. Ich denke, dass er Recht hat. Sind doch der Ausbau von Netzwerken und die Unterstützung demokratischer Initiativen durch Unternehmen eine „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten.

Gelebte Zusammenarbeit

Ein gutes Beispiel ist die Zusammenarbeit von Daimler mit der Amadeu Antonio Stiftung und Hardy Krüger. Seit mehreren Jahren unterstützt Daimler deren Initiative „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“. Dazu tourt der berühmte Star gepaart mit der großen fachlichen Expertise der Amadeu Antonio Stiftung und der Unterstützung von Daimler durch mehrere deutsche Rathäuser, um mit den Bürgermeistern Flagge gegen menschenverachtende Einstellungen zu zeigen.

Als Zeitzeuge berichtet er ebenso an Schulen über seine Erfahrungen und diskutiert mit Schülern über die aktuellen Gefahren des Rechtsextremismus. Ein wunderbares Beispiel für die gelebte Zusammenarbeit eines Wirtschaftsriesen mit einer kleinen Stiftung und einem zivilgesellschaftlich couragierten Vordenker!

Natürlich fördert Daimler noch viele weitere Projekte, die sich für eine demokratische Kultur innerhalb und außerhalb des Unternehmens einsetzen. Wir möchten so ein wechselseitiges Verständnis und friedliches Miteinander der Kulturen voranbringen.

Auch das Publikum hört aufmerksam zu. (Foto: Amadeu Antonio Stiftung)

Zeit für Veränderung!

Zurück zur Podiumsdiskussion im Haus Huth: Robert Kusche und Nesreen Hajjai berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen und betonten, wie wichtig es sei, sich aktiv für Demokratie und gegen Rassismus zu engagieren. Sie sind eindrucksvolle Beispiele für Akteure, die sich für die Prinzipien der offenen und pluralistischen Gesellschaft einsetzen. Ihre Energie und ihr gesellschaftliches Engagement haben mich sehr begeistert. Diese Stimmen braucht es in allen Bereichen unserer Gesellschaft, und es braucht eine stärkere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.

Hardy Krüger äußerte den dringenden Wunsch:

Alle Unternehmen sollten erkennen, wie wichtig es ist, einen Beitrag für die Ausübung gesellschaftlicher Verantwortung zu leisten. Hier geht Daimler mit gutem Beispiel voran!

Zustimmender Applaus. Ich empfinde größten Respekt gegenüber der einzigartigen Persönlichkeit des 90-Jährigen, der unermüdlich für seine Ziele kämpft, wie auch für Nesreen und Robert und deren vorbildliches Engagement. Auch wir – unternehmensseitig – dürfen nicht nachlassen, unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen!


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Kristina Eichhorst ist Leiterin International Relations, Konzernrepräsentanz für Bundesangelegenheiten, bei der Daimler AG. Sie hat zuvor neun Jahre lang in der Internationalen Zusammenarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung gearbeitet und sich dort unter anderem auch mit Phänomenen des Extremismus und der politischen Radikalisierung auseinandergesetzt.

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