Daimler Trucks: Vom Hufgetrappel zum Weltmarktführer

Die Daimler DNA. Sie besteht aus so viel mehr als „nur“ schnellen und schicken Autos. Wir haben nicht nur den PKW erfunden, sondern auch den Omnibus, den Lastwagen und den Transporter. Seit über 120 Jahren gestalten wir nicht nur Mobilität, sondern auch Transport und Logistik aktiv mit. Und genau um diese Fahrzeuge geht es heute. Im Mittelpunkt stehen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Nutzfahrzeuge.

Ruhestand für die Pferdekutschen

Vergangenheit findet man heutzutage eher selten auf der Straße und deswegen startet unsere Zeitreise im Mercedes-Benz Museum. Schon im Aufzug lernen wir den ersten Mainstream-Antrieb kennen – lautes Hufgetrappel ertönt aus den Lautsprechern und begleitet die Fahrt nach oben.

Und da sind wir auch gleich bei den wesentlichen Problemen des 19. Jahrhunderts. Emissionsärger der etwas anderen Art – Pferdeäpfel! Diese haben sich überall auf den Wegen gesammelt, die Luft verpestet und die Übertragung von Krankheiten begünstigt.

Fun-Fact am Rande: Schon die Kutschen damals hatten Abdeckungen über den Rädern, um die Insassen vor dem Kot auf der Straße zu schützen. Der dafür verwendete Begriff „Kotflügel“ ist uns bis heute als wichtiges Teil der Karosserie erhalten geblieben.

Es folgt die bekannte Geschichte von der Patentanmeldung durch Carl Benz am 29. Januar 1886. Noch heute ist das der Geburtstag des Automobils. 1895 und 1896 lieferte Benz den ersten Linienbus und den ersten Transporter mit Benzinmotor aus. Sein damaliger Konkurrent Gottlieb Daimler baute 1896 den ersten Motorlastwagen.

Innovativ waren unsere Gründerväter übrigens schon damals: Während bei anderen Herstellern Elektromobilität im Trend liegt, ist sie bei uns Teil der Tradition. Schon in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts produzierte die Daimler-Motoren-Gesellschaft Personenwagen und Nutzfahrzeuge mit batterieelektrischen Antrieb oder Hybridantrieb.

Eingesetzt wurden sie zum Beispiel bei der Feuerwehr. Fahrzeuge mit Benzin im Tank waren bei Löscheinsätzen einfach ein zu großes Sicherheitsrisiko. So trat 1908 in Berlin der erste rein elektrisch betriebene Feuerwehr-Löschzug seinen Dienst an. Mit batterieelektrischen Fahrzeugen von Daimler.

Schlag auf Schlag

Der endgültige Siegeszug der motorisierten Nutzfahrzeuge begann später. Nachdem 1926 die ehemaligen Konkurrenten Daimler-Motoren-Gesellschaft und Firma Benz fusionierten und sich der Verbrennungsmotor endgültig durchgesetzt hatte. Eine wichtige Rolle spielte dabei ab Anfang der 1920er-Jahre der Diesel-Lastwagen, der durch seine überragende Wirtschaftlichkeit überzeugen konnte.

Danach prägen eine immer stärkere Differenzierung der Modellpalette und neue Technologien die Entwicklung. Vor allem seit Ende der 1990er-Jahre geht es Schlag auf Schlag: Spurhalteassistent – Abstandsregelautomatik – Intelligente Stabilität – Automatischer Notbremsassistent.

Daimler baut im Nutzfahrzeugbereich eine Innovation nach der anderen serienmäßig ein. Der Anspruch: Transportlogistik soll für die Fahrer, die Fracht und alle anderen Verkehrsteilnehmer so sicher und wirtschaftlich wie möglich sein.

Von 0 auf 100 in – halt stop

Jetzt fängt unserer Tour erst richtig an: Auf der Daimler-Teststrecke  (hausintern „Einfahrbahn“ genannt) in Untertürkheim steht ein Oldtimer-Truck aus dem Jahre 1966 bereit. Der hat sicher das ein oder andere Bierfass an den Mann gebracht. Jetzt bin ich doch etwas aufgeregt. Ich bin noch nie in einem LKW mitgefahren und soll die erste Mitfahrt gleich in einem Oldie bestreiten?

Zu dritt sitzen wir auf der ungeteilten Vorderbank des Wagens. Noch kurz die technischen Daten abgefragt: Kilometerstand? Keine Ahnung, damals hörte der Tacho bei 99.999 Kilometer auf. Dafür aber bringen uns 126 PS auf schnittige 75 km/h und ab geht es in die erste Steilkurve. In der Mitte der Kurve lässt unser Fahrer Oliver plötzlich das riesige Lenkrad los.

Ich glaube, mein Puls könnte in einem Tourenwagen mitten auf der Rennstrecke jetzt nicht höher sein. Unser Fahrer schmunzelt nur über unsere entsetzten Gesichter und erklärt uns das physikalische Phänomen hinter dem Trick: Ab einer bestimmten Geschwindigkeit wird jedes Fahrzeug mit einer Mischung aus Fliehkraft, Schwerkraft und Seitenführungskraft in der Kurve auch ohne Einwirkung des Fahrers gehalten.

Actros – jetzt auch in elektrisch

Die Gegenwart der Nutzfahrzeuge ist auch ein Blick in die Zukunft. Der Fokus liegt auf Elektromobilität. Mit dabei der neue eActros. Die ersten zehn Elektro-Lkw gehen im Laufe des Jahres in die Kundenerprobung. Das bedeutet, dass sie zu verschiedenen Unternehmen gesendet werden – zum Beispiel zu Speditionen, in den Handel, oder zum Paketdienstleister.

Diese bekommen den Lkw zum Testen und stellen im Gegenzug ihre Erkenntnisse zur Verfügung. Daimler setzt also auf das Lernen mit dem Kunden, um alle Bedarfe bestmöglich abzudecken.

Natürlich will auch der eActros getestet werden und so geht es für mich gleich in den nächsten Lkw. Was auffällt? Auf jeden Fall, wie riesig so ein Truck ist. Mit meinen 1,61 m habe ich trotz Stufen Probleme, den Beifahrersitz zu erklimmen. Oben dafür aber ein überragender Ausblick auf die Straße und: Stille. Obwohl wir schon Fahrt aufgenommen haben! Im Oldtimer mussten wir uns fast anschreien, hier herrscht einfach Ruhe. „Elektromotor halt“, erklärt der sichtlich stolze Fahrer.

Mein persönliches Highlight: Bremsen kann man mit einem Hebel per Hand und in einem Rückgewinnungsprozess wird die Brems-Energie wieder in Strom zum Laden umgewandelt. Dann geht es auch mit dem Riesen-Lkw (25 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht) in die Steilkurve. Auch hier hört man – nichts. Überraschend leise gleitet er über die Straße.

Die Zukunftsmusik spielt leise

Welchen großen Anteil Innovationen in der Daimler-DNA bisher hatten, habe ich schon gelernt. Aber auch in Zukunft sollen sie Kern unserer Unternehmensstruktur sein. Der Transport von Waren soll noch sicherer und umweltschonender für alle werden. Ein Mittel dazu ist das sogenannte „Truck Platooning“.

Mittels Vernetzung der Fahrzeuge können diese in gleichbleibendem Abstand hintereinander herfahren. Durch die Kommunikation der Fahrzeuge untereinander kann vorausschauender gefahren werden. Das spart Sprit und bricht die Reaktionszeit auf 0,1 Sekunden runter. Reaktionszeit – da klingelt was aus der Fahrschule: Das war die Zeit, die man braucht, bis man auf ein einwirkendes Signal reagieren kann. Kurz gegoogelt: Die schnellste gemessene Reaktionszeit beträgt 0,2 Sekunden, aber auch nur bei Experimenten. Wow, das kann im Fall der Fälle wirklich einen Unterschied machen.

Ein weiterer Trend, dem sich (nicht nur) unsere Nutzfahrzeuge stellen müssen: Urbanisierung und Mega-Cities. Auch hier denkt Daimler voraus: E-Commerce ist ein weiter wachsendes Feld und Kunden wollen ihre Ware so schnell und einfach wie möglich geliefert bekommen.

Pilotprojekt „Vans & Drones“

Wir sehen eindrucksvolle Bilder und Videos, in denen kleine Roboter und Drohnen Sprinter ausladen und die Waren direkt zum Kunden an dir Tür bringen. Auch ein Weg Emissionen, Sprit und Zeit zu sparen. Die kleinen Helfer befinden sich zurzeit in der Pilotphase.

Nichts ist so beständig wie der Wandel

Abgerundet wird unser kleiner Ausflug durch eine Zukunftsvision aus dem Jahr 2030. Steffen Kaup ist Futurist bei Daimler. Zusammen mit seinem Team entwickelt er Konzepte, wie unser Morgen aussehen könnte. Keine leichte Aufgabe: Trends vorhersehen, Veränderungen rechtzeitig mitdenken und den Konzern für die Zukunft rüsten.

Im Gepäck hat er eine Grafik, in der wir durch die 3D-Brille schauen können, wie sich das Team das Stuttgarter Olgaeck im Jahr 2030 vorstellt. Ich sehe: Viel Platz! Die öffentlichen Verkehrsmittel schweben in der Luft und Autos fahren autonom  durch die Straße. Und, dass die Luft als 3. Ebene eine zunehmende Rolle für die Personenbeförderung spielt.

Auch in Zukunft wird sich die Daimler-DNA durch Innovationen immer weiter entwickeln. Vielleicht werden fliegende Nutzfahrzeuge irgendwann auch ein Teil davon – wer weiß das schon.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
4.8 / 5 (85 Bewertungen)
Bitte warten...

Tags: , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Julia Wierk arbeitet zurzeit als Praktikantin in der Kommunikation. Wenn sie nicht gerade Trucks testet, unterstützt sie das Daimler-Blog-Team.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Der nächste Schritt

    Andreas Hartmann: Hallo Herr Zetsche, ich finde es gut schon jetzt diese wichtigen Personalentscheidungen...

  2. 10 Jahre Daimler-Blog: Von der BILD zum Blog

    Nira Shalom: Ich möchte mein wundervolles Zeugnis davon teilen, wie ich meinen Ehemann meines...

  3. Der neue AMG: Ein Auto, das ich selbst fahren würde

    Jürgen Graffunder: .....und ein Dank an die Abgasklappe. Freue mich schon auf die...

  4. Kinderreporter: Besuch in der TECFABRIK Sindelfingen

    Andreas Hartmann: Hallo Frau Wilbs, Hallo Herr Loose vielen Dank für Ihre...

  5. Teststrecke Immendingen: Hier fährt die Technik von morgen

    Martin Langer: Dass die Bindung zwischen Bundesregierung und Automobilindustrie jetzt schon so eng ist,...