GENIUS Kinderuni: Was Autos fit macht für die Zukunft

Zuletzt saß ich vor mehr als zwei Jahren in einem Hörsaal. Ich erinnere mich an eine Reihe von Mathevorlesungen ohne jegliche Anschauung, die abschließend noch von einer komplizierten Klausur gekrönt waren. Heute werde ich wieder einmal in einer Vorlesung sitzen. Diesmal verspricht es allerdings deutlich spaßiger zu werden. Ganz entspannt. Einfach so – weil es interessant ist. In der Genius Kinderuni am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Die Kinderuni des KIT möchte Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik wecken – ganz genau wie Genius – die junge Wissens Community von Daimler. In kindgerechten Vorlesungen können bei der Kinderuni junge Menschen von acht bis zwölf Jahren einmal Uniluft schnuppern – ganz ohne Leistungsdruck. Schon zum zweiten Mal schlüpft Daimler Chef-Entwickler Ola Källenius in die Rolle des Dozenten und nimmt die Kinder mit in die spannende Welt des Automobils. Bei der heutigen Genius-Kinderuni geht es um das Thema „Sehen – Denken – Sprechen. Was Autos fit macht für die Zukunft“.

Das Audimax als Aktionshalle

Bevor es losgeht, gehen wir durch die gut gefüllte Halle zwischen Themenständen zum Ausprobieren und Mitmachen und befragen die Kinder nach ihrem Lieblingsort in Karlsruhe. So tragen wir eine Liste mit den beliebtesten Orten zusammen. Das wird später in der Vorlesung noch eine Rolle spielen. Für die Kinder ist es etwas ganz Besonderes, in die Rolle eines Studenten zu schlüpfen. Sie sind neugierig, was passieren wird. Auch unser Kamerateam weckt Interesse, und nicht nur einmal höre ich die Fragen: „Was macht ihr da?“ und „Kommen wir ins Fernsehen?“

Ola Källenius trifft ein, kurz darauf betreten die knapp 350 Kinder den Hörsaal. Sie durften ihre Eltern zwar mitbringen, aber die Vorlesung ist ganz allein für sie. Eltern müssen draußen bleiben und können die Vorlesung per Videoübertragung in einem separaten Hörsaal verfolgen. Ich bin beeindruckt davon, dass die Kinder nicht wild hineinstürmen. Im Gegenteil, sie schauen sich alles genau an. Ja, das erste Mal in so einem großen Hörsaal ist schon beeindruckend, erinnere ich mich.

Eltern müssen draußen bleiben

Noch bevor die eigentliche Vorlesung startet, lernen die kleinen Studentinnen und Studenten etwas, was sie begeistert: Ralph Pawlowski, der Organisator der Kinderunis am KIT, zeigt ihnen, wie man an der Uni mitteilt, wenn einem eine Vorlesung gefällt. Applaus kennen die Kinder – dass man auch auf die Holztische klopfen kann, ist ihnen neu. Sie nehmen es jedoch sofort auf – und es wird eher ein frenetisches Trommeln daraus.

Ola Källenius stellt sich vor und begrüßt dann seine Assistentinnen für die heutige Veranstaltung: Leoni Pretzel und Tabea Drees, Ingenieurinnen bei Daimler und Genius-Botschafterinnen in den Mercedes-Benz-Werken in Stuttgart-Untertürkheim und Sindelfingen. Leoni hat sogar bereits Genius-Kinderreporterin Emma zu sich eingeladen und ihr gezeigt, wie eine Brennstoffzelle funktioniert. Tabea hat mir vor der Veranstaltung noch erzählt, dass sie selber hier am KIT studiert und in genau diesem Hörsaal ihre Abschlussprüfung geschrieben hat. Und jetzt steht sie hier als Daimler-Ingenieurin und begeistert junge Nachwuchs-Studenten für Automobil und Technik!

Wie kommunizieren Autos?

Ola Källenius zeigt, dass moderne Autos miteinander „sprechen“ können. Dass Navigationssysteme Informationen austauschen, um Staus zu umfahren, kennen die Kinder aus ihrem eigenen Alltagsleben. Durch die Sprachsteuerung können aber auch wir Menschen mit unserem Fahrzeug kommunizieren.

Und damit ist es Zeit für das Ergebnis unserer Umfrage vor der Vorlesung. Eine Wort-Cloud stellt die Lieblingsorte der Kinder dar. Der meistgenannte und damit am größten dargestellte Ort ist der Karlsruher Zoo. Ein anschauliches Beispiel, wie Schwarmintelligenz funktioniert: Wenn man sich austauscht, lassen sich viel mehr schöne Orte zusammentragen, als es ein Einzelner könnte.

Ola Källenius möchte ein virtuelles Auto per Sprachsteuerung zu seinem Lieblingsort in Karlsruhe steuern. „Hey, Mercedes!“, spricht er in den Saal. „Bringe mich zu meinem Lieblingsort in Karlsruhe!“ Das intelligente Navigationssystem antwortet – und hat Källenius prompt falsch verstanden. Da ist die Hilfe der Kinder gefragt. Im Chor schreien sie: „Europabad!“ und das virtuelle Auto fährt endlich zum richtigen Ort. Vorher schlägt es jedoch noch vor: „Soll ich bei so vielen Kindern nicht gleich einen Bus schicken?“

Autonomes Fahren kinderleicht

Der Kinder-Assistent Anderl führt gemeinsam mit der Assistentin Leoni anhand eines Lego-Mindstorm Autos vor, wie autonomes Fahren funktioniert. Mit einer Fernsteuerung versucht er, das Lego-Auto auf Kurs zu halten, was ganz schön schwierig ist. Darf es hingegen autonom den Kurs durchfahren, hält es viel besser die Spur und erkennt sogar Hindernisse.

Da kommen wieder die „Sinne“ des Autos ins Spiel. Die Kinder lernen, dass Autos über Sensoren ihre Umgebung wahrnehmen können, also quasi „sehen“. In einem Bordcomputer werden die gesammelten Daten dann verarbeitet: Das Auto kann also auch „denken“.

Anderl strahlt über beide Ohren, als alles so klappt, wie er es sich vor der Vorlesung geübt hat. „Ich war schon ziemlich aufgeregt“, verrät er mir. Immerhin saß er bei der letzten Kinderuni noch selber als Zuhörer zwischen den anderen Kindern.

Alternative Antriebstechniken

Assistentin Tabea erklärt, was es mit den rot und grün leuchtenden LEDs an dem überdimensionalen Modell eines Elektromotors auf sich hat: So sorgt ein Elektromagnet durch elektrische Umpolung für Antrieb. Damit der Motor schneller angetrieben werden kann, sind die Kinder gefordert. Auf ihren Plätzen liegen rote und grüne Kärtchen – Symbole für Minus- und Plus-Pol. Immer eine Hörsaal-Hälfte hält die Kärtchen für einen Pol nach oben. Auf ein Signal wechseln die Kinder die Pole – und das immer schneller, bis der Motor sich so schnell dreht, dass sie nicht mehr hinterherkommen. Der Hörsaal verwandelt sich in ein buntes Getummel roter und grüner Farbtupfer.

Assistentin Leoni fragt die Kinder, ob sie sich vorstellen könnten, dass eine Zitrone Strom erzeugen kann. Überzeugtes „Nein!“ schallt durch den Saal. Als Leoni die „Zitronenbatterie“ jedoch vorführt, staunen die Kinder nicht schlecht. Sie verkabelt Zitronen mit Nägeln und Münzen und bringt so tatsächlich eine Glühbirne zum Leuchten – genau wie die Augen der erstaunten Kinder.

Ich bin erneut fasziniert von der kindlichen Neugier und dem natürlichen Drang danach, sich die Welt mit Wissen zu erklären. Die Zitronenbatterie ist ein Höhepunkt für die Kinder. „Ich hätte nie gedacht, dass das funktioniert. Das war richtig cool“, schwärmt einer der Schüler nach der Vorlesung.

„Dröhnender“ Abschied

Der Schluss der Vorlesung sorgt dann noch einmal für „Ah!“s und „Oh!“s: Zur Verdeutlichung der „Just in Time“-Fertigung fliegt eine Drohne in den Hörsaal, mit einer Schriftrolle für Ola Källenius. Dieser nimmt die Nachricht in Empfang und liest vor: Auf die Kinder wartet draußen noch ein Abschiedsgeschenk. Eine Genius-Tasche mit Entdeckermagazin sowie einer Beschreibung des Zitronenbatterieversuchs haben wir dann den Kindern vor der Tür ausgehändigt.

Nach der Verabschiedung durch alle Beteiligten schießt die Drohne noch ein Luftbild der jubelnden Kinder, der Hörsaal leert sich und wir bleiben zurück mit dem guten Gefühl, die Kinder wirklich erreicht zu haben. „Ich habe noch nie eine echte Drohne gesehen!“, höre ich eine Schülerin begeistert zu ihrer Freundin sagen.

Darum geht es bei Genius. Die kindliche Neugier anzuregen, Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften zu begeistern, ohne Leistung zu fordern. Darum sollte es beim Lernen immer gehen – sich aus Interesse heraus Wissen aneignen. Ich bin stolz, dass ich dabei sein durfte. Ich habe bei Genius viel erleben und mitgestalten dürfen. Die Genius Kinderuni war einer der Höhepunkte meines Praktikums und gleichzeitig ein perfekter Abschluss.


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Martina Schlott hat Gymnasiallehramt für die Fächer Mathematik und Englisch studiert und schreibt an ihrer Masterarbeit für den Master of Education. Sie durfte das Team Genius im letzten halben Jahr als Praktikantin unterstützen.

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