Auto China ’18: A-Klasse L & Vision-Maybach auf dem Prüfstand

Kann man eigentlich die Auto China in Peking mit drei Hashtags beschreiben? Ja! #Riesig #Anders und ganz viel #Dynamik. Was sich anhört wie die perfekte Scrabble-Partie für angehende Marketing-Manager, trifft es ehrlich gesagt am besten.

Wer einmal den Weg aus der Megametropole Peking zum Messegelände geschafft hat (was zu Stoßzeiten alles andere als einfach ist), der wird das Wort „Wachstum“ in Zukunft in einen völlig neuen Kontext bringen können. Peking wächst. Schnell und unaufhaltbar.

Die neue Mittelklasse kann kaum offensichtlicher dargestellt werden, als durch die dutzenden „Gated Communities“, die die chinesische Hauptstadt wie einen Gürtel umschließen. Namen wie „LeMan Lake“ oder „Yosemite Villas“ lassen dabei zwar eher auf Ansiedlungen in Kanada oder dem Westen der USA schließen, aber auch das passt irgendwie ins Bild. Alles bleibt anders.

Warum China Longversions liebt

Der Aufstieg des Reiches der Mitte zur führenden Wirtschaftsnation ist unaufhaltbar und das lässt sich natürlich auch durch die Anzahl der Fahrzeuge, mehr noch an den Kategorien, ablesen. In China ist vor allen Dingen die Ausstattung des Fonds wichtig. Man fährt nicht selbst, man wird gefahren. Zumindest wenn es sich um die Produkte der Premium-Hersteller handelt.

Ein L in der Typenbezeichnung weist hier unmissverständlich auf die verlängerte Version eines Modells hin. Dieses bietet dann entsprechend mehr Beinfreiheit für die hinteren Plätze. In Städten, die durch die Anzahl der Bewohner anonymer denn je erscheinen, dennoch private Rückzugsorte vermissen lassen, wird das Auto genau hierzu. Dieser dritte Raum zwischen Haus, Wohnung und Arbeitsstätte. Der Enge entfliehen können, während man durch selbige gefahren wird.

 

Sorry, dass ich mich für einen Moment gedanklich als Feuilleton-Ressortleiter für ein überregionales Wochenmagazin sah. Nein, die Gäule sind nicht vollends mit mir durchgegangen. Aber wann immer ich auch nur einen Moment in Metropolen wie Peking, Shanghai oder Tokio innehalte, dann schießen mir genau diese Gedanken durch die Hirnwindungen. Mobilität, insbesondere die individuelle, funktioniert dort genauso. Und ist dennoch einem stetigen Wandel unterworfen.

 

Welcher Markt bot sich also besser an, um auch in der Kompaktklasse ein Ausrufezeichen in Richtung Luxus und Raum zu setzen? Und ich denke genau das haben wir mit der A-Klasse L Limousine getan.

Mercedes-Benz A-Klasse L Limousine – Darf es noch ein wenig mehr sein?

Sechs Zentimeter längerer Radstand, dazu MBUX mit WeChat und Alibaba  Anbindung. Die junge Zielgruppe in China soll sich auch ein „L“ gönnen und ich bin mir sicher, dass sie genau das tun werden. 36 Jahre beträgt das Durchschnittsalter des Mercedes-Benz Kunden in China und mit der neuen A-Klasse haben wir die Chance, dieses noch weiter zu senken.

Ich will mich nicht weiter in Details verlieren, die ihr alle auch viel umfangreicher in der offiziellen Pressemitteilung  nachlesen könnt. Eines muss ich trotzdem loswerden: Die L-Variante ist überraschend groß. Ist die Kompaktklasse der Zukunft damit gar nicht mehr so kompakt? Zumindest für China dürfte die Frage beantwortet sein. Also im Premiumbereich!

Ultimate Luxury, der Vision Mercedes-Maybach ist vor allen Dingen…

Pompös! Das Team rund um unseren Designguru Gorden Wagener  möge mir verzeihen. Auch wenn ich durchaus ein Freund der Formen im Innenraum bin, so muss ich mich an Fahrzeuge mit derartig „exklusiven“ Proportionen erstmal gewöhnen.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin ein glühender Verehrer des Vision Mercedes-Maybach 6. Diese endlose Motorhaube und ein Heck, welches mich irgendwie an den Luxus der 20er- und 30er Jahre erinnert. Mit dieser Maschine eine endlose Küstenstraße entlang cruisen. In den Sonnenuntergang. Hört sich irre kitschig ab, lässt aber meinen Puls um mindestens 30% nach oben schnellen.

Beim Vision Mercedes-Maybach bewegen wir uns eher im Bereich „Brontosaurus erwacht aus dem Winterschlaf“. Aber der Punkt ist doch: Konzepte sind dafür da, sich auch einmal richtig auszutoben. Eingefahrene Prozesse überdenken, Designgrenzen überwinden. Der Vision zeigt dies wohl radikaler, als alle vorherigen Fahrzeuge aus unserer Designschmiede. Ich mag anders und Gordens Designsprache war für mich einer DER Gründe, warum ich beim Daimler angeheuert habe.

Ob der neue Vision Maybach noch mein Fall wird, das muss ich ja gar nicht hier in Peking entscheiden. Mal ganz abgesehen davon, dass das ganze Fahrzeug sowieso eine Studie ist und auch als Straßenauto für immer außerhalb meines Budgets liegen wird…

Alles bleibt anders!

Natürlich werden wir auch in den nächsten Jahren unsere aktuellen Modelle auf der Auto China ausstellen. Das Angebot wird aber noch breiter aufgestellt sein. Von den speziellen Langversionen mal abgesehen, werden wir noch stärker den besonderen Anforderungen des Marktes gerecht werden. An die APIs von Alibaba und WeChat anzudocken, das ist nicht nur wichtig und richtig, sondern bietet uns völlig neue Möglichkeiten zielgruppengerechte Features auf die Plattform MBUX zu bringen. Wir reden hier nicht umsonst vom ersten „Automobile Device“ und darin schwingt natürlich auch ganz subtil ein Hauch von Plattform-Ökonomie mit.

Verbinden wir diese Philosophie mit dem Momentum der Elektromobilität, welches durch China breiter und umfangreicher als auf jedem anderen Markt weht, dann sind wir hier richtig gut aufgestellt.

In China steht der Bambus symbolhaft für Fortschritt, Aufstieg und die Dynamik eines ganzen Landes. Jetzt will ich nicht direkt kommende Maybach-Konzepte mit kompletter Bambus-Vertäfelung fordern (ökologisch wäre das auf jeden Fall sinnvoll), aber den Spirit der Veränderung mitzunehmen, das tut uns richtig gut.

Und ja, dazu braucht es auch Ideen und Konzepte wie den Vision Mercedes-Maybach, die vielleicht auf den ersten Blick nicht allen gefallen.

Ich glaube ich setze mich noch einmal rein!


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