Lab1886 beim oneAPI-Forum: IT der Zukunft

Ich betrete den Haupteingang der Mercedes-Benz Arena in Bad Cannstatt. Wo normalerweise die VfB-Spieler in Richtung Kabine eilen und man sonst das Klappern der Stollen auf dem Boden hört, tummeln sich heute keine Fußballer – sondern Programmierer, Entwickler und IT-Fachleute. Heute tritt ausnahmsweise mal keiner gegen das runde Leder, heute wird hier über API gesprochen.

Jeder IT-Nerd wird jetzt denken: API – ist doch kalter Kaffee, kenne ich längst. Doch jemand der nicht täglich codiert, denkt wiederum: wird hier Fachchinesisch gesprochen? Beide interessieren sich aber gleichermaßen dafür, wie Digitalisierung unsere Branche und unser Leben verändert. API haben ein besonders großes Potenzial genau das zu tun.

API ist ein Akronym, eine Abkürzung und steht für „Application Programming Interface“, auf Deutsch etwas holprig übersetzt mit „Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung“. Noch einfacher wäre: Programmierschnittstelle – so viel zur Theorie. Genau um diese soll sich beim oneAPI-Forum hier im Stadion zwei Tage alles drehen. Es findet nach 2017 zum zweiten Mal statt.

„Das Motto lautet: get involved, get infected“, sagt Olaf Stelter, Programmleiter des Forums, und eröffnet damit das zweitägige Event aus Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden während hinter ihm die vier Wörter in azurblauer Schrift pulsieren. Diesem Aufruf mitzumachen bin ich gerne gefolgt, denn an beiden Tagen darf ich selbst auf der Bühne stehen – einmal als Teil einer Diskussionsrunde, das andere Mal als Gastredner.

Fünf Bühnen für die IT der Zukunft

Doch wer bringt so viele Leute zusammen, die sich für dieses Thema interessieren? Das ist ein Teilbereich der IT bei Daimler, der als Schwarm organisiert ist: oneAPI. Das Team widmet sich den Programmierschnittstellen, die gerade branchenübergreifend große Aufmerksamkeit genießen. Das Forum ist also selbst eine Schnittstelle. Und zwar nicht nur für Informatiker, sondern auch für Mitarbeiter aus anderen Konzernbereichen, die die Erkenntnisse im Berufsalltag anwenden können.

Panel – Diskussion

Davon sind in diesem Jahr mehr vertreten, das merkt man. Es beweist, wie relevant API geworden ist. Mal sehen ob ich dem Aufruf der Organisatoren folgen kann und mich vom API-Hype anstecken lasse. Als ich mich wieder ins Foyer begebe, laufe ich zu einem der Info-Wegweiser und sehe: Auf insgesamt fünf Bühnen sprechen die Referenten zum Thema IT.

  • In der „Orange Zone“ geht es um Geschäftsmodelle,
  • in der „Red Area“, kann ich mehr über Kollaboration und Veränderung erfahren,
  • im „Yellow District“ dreht sich alles um Best Practice und Ideenfindung,
  • im „Green Lab“ um digitale Technologien und deren Architektur
  • und die „Blue Lounge“ ist exklusiv für API-Themen reserviert.

Ich zücke mein Smartphone, rufe die oneAPI-App auf und schaue mir meine Agenda an, die ich mir bereits vorab selbst zusammenstellen konnte. Bis zur Panel-Diskussion, an der ich als Redner beteiligt bin, bleibt mir noch ein bisschen Zeit um mich auf dem „Marktplatz“ umzusehen. Hier sind mehrere Fachbereiche und Tochterunternehmen der Daimler AG mit eigenen Ständen vertreten und informieren darüber, woran sie im Daimler-Kosmos arbeiten.

Make APIc shit

Neben den oneAPI-Mitarbeitern, die T-Shirts tragen mit der Aufschrift „Let’s make APIc shit“, treffe ich auf Besucher aus China, den USA, Singapur oder der Türkei. Insgesamt sind es mehr als 400 – und es gab noch wesentlich mehr Anmeldungen, wie ich mitbekomme.

Viele der Redner kommen aus dem Konzern selbst, aber auch von externen Unternehmen. Mit von der Partie zum Beispiel Keynote-Speaker von Zalando, Google oder Swisscom. Immer wieder kommen Fragen auf wie: Was kann man mit API alles anstellen? Wozu sind große Datenmengen, also sogenanntes „Big Data“, in Zukunft fähig? Und natürlich: Wie kann man diese bestmöglich nutzen? Konkreter: wie können sie helfen, digitale Projekte im Konzern voranzutreiben oder Produkte zu entwickeln?

Es ist extrem spannend, sich zu diesen Themen auszutauschen und zu sehen, welche Antworten auf diese Fragen gefunden werden. Da ich selbst über zehn Jahre in der IT für Daimler gearbeitet habe, treffe ich hier natürlich auch auf bekannte Gesichter, alte Kollegen und langjährige Wegbegleiter. So ein Event ist schließlich dazu da, um sich zu vernetzen – ausnahmsweise aber analog: im persönlichen Gespräch.

So erfahre ich zum Beispiel, dass ein besser funktionierender Datenaustausch dazu führt, dass der Konzern effizienter wird. API können aber nicht nur innerhalb des Konzerns transparent übermittelt werden und so die Offenheit steigern, sondern zum Beispiel auch Drittanbietern für Websites oder Anwendungen angeboten werden. Sie haben also einen gewissen Status als Produkt erreicht. Und da werde ich hellhörig.

Neue digitale Geschäftsmodelle für die Daimler AG

Für uns von Lab1886 ist natürlich besonders interessant, wie wir daraus ein neues Geschäftsmodell entwickeln können. Als Inkubator der Daimler AG ist nämlich genau das unser Ziel. Wir entwickeln neue Produkte abseits des klassischen Kerngeschäfts – größtenteils in digitaler Form. In gewisser Weise sind wir Daimlers Ideenschmiede. Unser Credo passt dazu:

Zurück in die Gründerwerkstatt!

Wir berufen uns mit unserem Namen auf den Pioniergeist unserer Gründerväter Carl Benz und Gottlieb Daimler. Damit wollen wir dem Konzern bei der Transformation vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister unterstützen. Genau über dieses Thema referiere ich beim oneAPI-Forum: Wozu braucht der Konzern einen solchen Inkubator und wie funktioniert er?

„Bei Daimler gibt es zahlreiche gute Ideen, denn „Ideation“ – also Ideenfindung – wird intensiv betrieben, ob bei uns im Lab1886, bei DigitalLife, dem smart lab oder bei StartupAutobahn“, beginne ich meine Präsentation. Diese Ideen brauchen aber auch das richtige Umfeld um zu gedeihen – und jemanden, der sie umsetzen kann.

Dafür hat die Daimler AG das Lab1886. Auf dem freien Markt scheitern kleine, neu gegründete Unternehmen, also Startups, meistens an der Umsetzung ihrer Idee. Trotzdem arbeiten sie extrem schnell, sind hochprofessionell und vor allem: innovativ. „Davon können wir lernen“, erkläre ich weiter. Beim Lab1886 arbeiten wir deshalb nach einem ähnlichen Prinzip.

Wir suchen und finden vielversprechende Ideen, prüfen sie, arbeiten sie aus und bringen sie zur Marktreife indem wir ein Produkt und Geschäftsmodell daraus machen – in Monaten, nicht Jahren! Dabei setzen wir auf die enge Zusammenarbeit mit den einzelnen Fachbereichen aus dem Konzern, getreu dem Motto: das Beste aus beiden Welten. Die Ideengeber genießen also die Freiheit eines Startups, um kreativ an ihrer Idee zu tüfteln, haben aber gleichzeitig den Rückhalt eines Großkonzerns.

Am Ende meines Vortrags werde ich gefragt, was denn der Schlüssel zum Erfolg sei, damit ein Inkubator erfolgreich ist? Darauf habe ich eine klare Antwort:

„Freiheit, die richtige Kultur und die richtigen Leute“

Innovative Produkte erfordern innovative Köpfe

Um also möglichst schnell aus einer Idee ein marktfertiges Produkt mitsamt Geschäftsmodell zu bauen, braucht man sehr gute, talentierte Mitarbeiter. Nämlich einerseits innovative Köpfe aus dem Konzern und andererseits Experten, deren Berufsbezeichnungen in der klassischen Automobilindustrie noch kaum existieren: UI/UX Designer, die eine Benutzeroberfläche gestalten können, Venture Architects, die wissen, wie man eine Firma baut oder Strategic Designer, die kundenzentriertes Produktdesign betreiben. Deshalb sind wir auf dem oneAPI-Forum.

Wir suchen den Dialog mit Experten aus verschiedenen Fachbereichen der Daimler AG. Damit zeigen wir, was wir gemeinsam mit ihnen erarbeiten können und welche Möglichkeiten sie haben, ihre Ideen einzubringen. Stets auch der Suche nach neuen Talenten aus dem Digitalbereich bietet das oneAPI-Forum den perfekten Rahmen, um uns zu präsentieren. Ich komme ins Gespräch mit Fachleuten, darf interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an unserem Stand begrüßen und höre mir vielversprechende Vorschläge an.

Zum Abschluss des Events geht es dann doch noch ein bisschen um Fußball – bei einer Stadion-Tour durch die Mercedes-Benz Arena. Und ganz ehrlich, was mir am Stadion am meisten gefällt ist der grüne Rasen. Denn als Bremer schlägt mein Fußball-Herz grün – wie der SV Werder Bremen.


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Matin Ebrahimchel ist CEO der Lab1886 GmbH, verantwortlich für das Lab1886 Europa mit Sitzen in Berlin und Stuttgart. Er kommt aus dem Werk Bremen und war von 2006 bis 2017 bei der Daimler AG in verschiedenen Standorten und Positionen im Bereich IT tätig.

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