Mit dem Unimog durch Afrika: So weit wie möglich

Um ehrlich zu sein: Für unsere Afrika-Reise musste einfach ein Unimog her. Jede logische Herleitung warum, wäre eigentlich nur unter geschoben.

Wir wollten einen, wir haben einen bekommen, ihn umgebaut und sind mittlerweile sogar schon unterwegs. Was wir vor und auf unserer Reise mit dem Unimog erleben, darüber werde ich in regelmäßig unregelmäßigen Abständen hier auf dem Daimler-Blog berichten.

Die Suche

Die Suche nach einem Unimog Baumuster 435 war nicht sofort erfolgreich. Dabei hatte dieser für mich so viele Vorteile: Es ist keine Elektronik, sondern nur Elektrik verbaut. Von der Bundeswehr ist er gebraucht mit langem Radstand zu bekommen. Und: Im Vergleich zum Baumuster 406 ist er groß. Technisch gesehen wäre ein Unimog mit Split Getriebe und OM366a natürlich ideal. Leider musste ich bei der Suche feststellen, dass diese Unimogs unter den Begriffen „selten und teuer“ zusammengefasst werden können. Daher sollte es ein Saugdiesel OM352 mit 131 PS werden.

Doch woher könnte ich so ein Fahrzeug bekommen? Meine logische Antwort war VEBEG. Das ist die Organisation, die den Altmaterialverkauf der Behörden organisiert. Vom alten Kriegsschiff über den Dienstwagen vom General bis natürlich hin zum Unimog. Man gibt blind ein schriftliches Angebot ab und wartet ob man erfolgreich war. Inklusive: Die Besichtigung der Kaserne, ein nettes Erlebnis. Reinfahren, Fotos machen, alles kein Problem! Drei Tage später dann die Ernüchterung: Leider 700 Steine zu wenig. Aus, neues Spiel.

Schlussendlich haben wir „unseren“ Unimog ganz normal im Internet als Gebrauchtfahrzeug in der Heide von privat gefunden. Der Verkäufer hat mir Videos geschickt und wir wurden uns soweit einig, dass ich quer durch Deutschland gefahren bin, um den Unimog zu besichtigen. Probefahrt – alles O.K. – Vertrag – und meine erste Unimog-Fahrt von 600 Km mit knapp 80 Km/h. Kurz zusammengefasst: Laut, Laut, Laut.

Beschwerlicher Anfang

Schon über der ersten Fahrt schwebte wie ein Damokles Schwert das Verstopfen des Diesel-Filters. Die Folge: Der Unimog und ich blieben auf der Autobahn liegen. Bei Kassel den Filter gewechselt und die Achsöle kontrolliert. Kurz vor Frankfurt – Halt an einer Tankstelle. Aus einer Serviette provisorische Ohrstöpsel gebastelt – weiter geht‘s.

Zuhause musste ich den Wartungsstau angehen. Rost am Führerhaus – im Tank – am Pritschenrahmen. Der Batteriekasten musste erneuert werden. Neues Motoröl – neue Achsöle – neues Thermostat – Luftfiltergehäuse sandgestrahlt und lackiert – Trittbretter und Anbauteile wie Stoßstange entlackt und verzinkt. Der Lüfter für die Innenraumluft wurde überholt, es gab neue Bremsschläuche und Bremsbeläge sowie neue Bremsflüssigkeit.

Der Pritschen Holzboden war vom Zahn der Zeit aufgefressen worden. Der kam runter. Alu Riffelblech kam drauf. Allein von der Gewichtsbilanz habe ich etwa 60 Kilogramm damit gespart.

Fest gefahren! Vor solchen Schlammlöchern muss auch mal unser treuer Unimog kapitulieren

Dann musste der Unimog mal im Schlamm ausprobiert werden. Natürlich hat der eine super Bodenfreiheit. Aber sobald der Motor selbst im Matsch hängt, geht nix mehr. Mit einem kurzen Ziehen von einem „Reiskocher“ hinten, kamen wir auch rückwärts wieder raus. (Peinlich…) Nach 2 Stunden „kärchern“ war auch von der Schlammfahrt nichts mehr zu sehen.

Weiter geht‘s – Nach der Technik folgt die Optik

Eine vernünftige Lackierung musste her. Das Silber war leider kein Autolack. Das musste alles runter geschliffen werden. Nach dem Schleifen zum Lackierer. Da fehlt mir einfach das handwerkliche Geschick. Es sollte eine RAL Farbe sein. Ich hoffe, das hilft mir bei einem späteren Nachlackieren. Die Farbauswahl fiel auf RAL1014 – die klassische Taxi–Farbe. Stern und Anbauteile in matt schwarz. Beim Lackieren kam auch noch Rost am Scheibenflansch zu Tage. Also ein Stück Dachrahmen ersetzt.

Familienurlaub

Sommer 2016 – Familienurlaub – Südafrika 5.000 Kilometer Rundreise. Wir haben eine Route quasi 1x außen rum um Südafrika zusammengestellt. Von Johannesburg – Mokala Nationalpark – Northern Cape – Kahlahari – Augrabies Falls. Rüber an die Küste in Western Cape. Garden Route – Durban und über die Midlands zurück nach Johannesburg.

Gemietet haben wir einen normalen PKW. 90% der Strecke sind wir damit gut gefahren, aber bei den letzten 10 % wäre ein Geländewagen doch besser gewesen. Etwa ein Drittel der Strecke war nicht asphaltiert. Bei den ungeteerten Strecken ist Vorsicht mit Schlaglöchern geboten. Da hilft nur: Langsam fahren. Anders sieht es aber bei dem Sand in der Kalahari aus. Wir hatten Glück, dass uns in der Not die Besatzung eines Geländewagens durch Schieben aus dem Sandloch geholfen hat. Die Wasserdurchfahrten an den „Low water bridges“ sind dann eine andere Herausforderung. In meinem Kopf: Daheim steht der Unimog.

Toller Urlaub – nicht richtig Wildnis. Und so entstand der Wunsch nach einem Unimog in Afrika.

Der Unimog spricht zu mir: „Wir fahren in Afrika!“

Und ich sag wie? Wieso? Wann? Und der Unimog sagt: Mit Allrad. Ceran Kochfeld. Kaffeemaschine. Kühlbox. 8 Gänge. Differentialsperre. Reversiergetriebe. Portalachsen. Und mit einer richtigen Matratze. In ganz Afrika. Überall.

Jetzt geht es an das Planen und Bauen. Eine Aluminium Fachwerkkonstruktion musste es sein, damit es schön leicht wird. Der Unimog kann im Gelände 2 Tonnen schleppen. Weniger ist aber besser. Dann sinkt er hoffentlich im weichen Namib-Wüstensand nicht so ein. Der Unimog ist 2,9m hoch mit dem Führerhaus. Die Bäume im südlichen Afrika wachsen nicht so hoch, dass wir da immer drunter durchkommen. Daher darf der Aufbau nicht viel höher sein als das Führerhaus.

Wir beginnen aber mit einer Höhe von 140 cm über dem Boden mit dem Aufbau. Da bleiben also nur noch 1,5 Meter für den Aufbau. Das ist zu wenig. Ein Klappdach ist die Lösung. Mit einer Seilwinden-Mechanik zum Öffnen. Das Dach ist deutlich größer als ein Bulli Faltdach. Somit auch schwerer. Selbstverständlich wird der Aufbau im Überhang hinten abgeschrägt, damit der maximal mögliche Böschungswinkel nicht versaut wird.

Das Konzept steht – jetzt geht’s an den Umbau

Damit muss ich alles selber konstruieren und bauen. Gezeichnet habe ich mit FreeCAD und Q-CAD unter Linux. Das Aluminium habe ich in der eigenen Werkstatt verarbeitet. In den Rohbau sind über 40 Stunden WIG Schweißen eingeflossen. Mein Stromanbieter wird mir dankbar sein.

Für die 8.233 Poppnieten der Alu Außenbeplankung habe ich eine komplette Druckluft Nietpistole verschlissen. Innen ist der Rohbau mit Styrodur beklebt. Sichtfläche nach innen ist ein 4 mm wasserfestes Sperrholz mit weißer Lasur. Das Dach ist aus einer Alu–Kunststoff Verbundplatte gefertigt, welche auch für Werbeschilder verwendet wird. Ein Alu Träger in der Mitte stabilisiert das Dach. Bei der Fahrt wird das Dach sicher auf Bolzen am Rahmen verschraubt. Einfaches und stabiles Prinzip.

Der Aufbau steht

Die Stoffwände des Faltdaches habe ich in Kirchheim am Neckar anfertigen lassen. Beim Innenausbau habe ich Unterstützung in Holzauswahl und Konstruktionsprinzip vom örtlichen Schreiner erhalten. Für den Innenausbau habe ich im Keller eine Projektfläche freigeräumt und fleißig Sägemehl und Holzstaub produziert. Die Luxus-Küche im Unimog ist eigentlich ein Edelstahl-Werkzeugwagen aus dem Internet. Ohne Räder und Griffe stabil an den Rahmen genietet. Einfacher und fester als Wohnwagen-Schubladen.

Liebe zum Detail

Für das fließende Wasser habe ich einen normalen Wasserhahn mit einem Schalter versehen. Drückt man den Schalter, springt die Tauchpumpe im Kanister an und es fließt Wasser. Ist der 10-Liter-Kanister leer, hänge ich die Pumpe in den nächsten Kanister. Kein Frischwassertank, kein Abwassertank. Nur eine Batterie mit 10-Liter-Kanistern. Wir wollten kein Gas zum Kochen. Gas wäre ein zusätzliches Medium. Das Motto: Diesel und Druckluft.

Okay – wenn wir 230V am Campingplatz haben, dann laden wir damit unsere Aufbau-Batterien und kochen auf dem Ceran Kochfeld.

Bei der Bundeswehr hängen ohne Anspruch auf optimale Raumnutzung Blechkisten unter der Pritsche für Werkzeug und ähnliches. Die habe ich durch selbstgebaute Staukästen aus Aluminium ersetzt. Jetzt geht da richtig was rein: Fünf 20-Liter-Kanister Diesel, Motoröl, Getriebeöl, Werkzeug, Ersatzteile, Unterleghölzer, 20 Meter Stahlseil für den Greifzug, unser Dieselkocher Heinze, ein kleiner aber feiner Kugelgrill in selbstgenähter Tasche, Verlängerungskabel, unsere Grillkohle, ein Notstromaggregat und zuletzt noch der obligatorische Klappspaten.

Hinten hängen zwei Reifen und auf griffsicherer Höhe sind 4mm Alu Sandbleche mit unterschiedlichen Schraubenköpfen verschraubt, für den Notfall, wenn der Sand wirklich ganz fein wird.


Dieser Beitrag ist der Auftakt einer Reise-Serie. Dr.-Ing. Robert Mutschler wird regelmäßig von seinen Erlebnissen rund um Land und Leute und natürlich seinem Unimog berichten. Mit dem selbst konstruierten und selbst gebauten Unimog soll es möglichst abseits der Hauptwege durch Namibia, Botswana, Sambia, Mosambik und Südafrika gehen.


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Dr.-Ing. Robert Mutschler arbeitet bei der Produktionsplanung PKW an strategischen Themen. Nach dem Motto „Wer seine Technik im Griff hat – der hat seine Kosten im Griff“ finden sich aktuell 33 Nennungen als Erfinder im Deutschen Patentamt. Dank des Sabbaticals von März bis Dezember 2018 kann er in der Familienzeit die Faszination Unimog ausleben.

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