Mercedes-Küche Sindelfingen: Auf den Geschmack gekommen!

35.000 Mitarbeiter auf einer Fläche größer als Monaco, über 300.000 produzierte Fahrzeuge jährlich – mit diesen Zahlen beindruckt das Werk in Sindelfingen. Doch was verbirgt sich hinter den Toren der Mercedes-Luxusschmiede? Welcher Aufwand steckt in der Entwicklung eines Fahrzeuges und was hat das alles mit dem Thema „Kochen“ zu tun?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, mische ich mich unter eine illustre Gruppe von Gastronomen und Sterneköchen, die Mercedes für einen exklusiven Rundgang in ihre Heiligtümer eingeladen hat.

Wie heißt es doch so schön: Liebe geht durch den Magen. Dass man dafür nicht unbedingt etwas essen muss, werde ich heute noch am eigenen Leib erfahren. Doch ganz von vorn. Ich befinde mich in Sindelfingen. Treffpunkt Kundencenter. Ich bin früh dran und schmore noch etwas vor mich hin. Nach einer halben Stunde ist es soweit: Ein blauer Reisebus fährt vor. Die Creme-de-la-Creme der Gastronomiebranche tritt heraus. Darunter Sterneköche, 5-Sterne Hoteliers und Gourmet-Zulieferer. Die Stimmung ist locker. Man scherzt untereinander und ist gespannt auf die kommenden Stunden.

Zur Vorspeise: Ein Gruß aus der Designerküche

Der Hunger auf die Marke Mercedes ist schon in den ersten Minuten nach der Ankunft spürbar. Ich fange Wortfetzen aus Gesprächen auf. Offenkundig befinden sich unter den Gastronomen große Mercedes-Fans. Zeit also, dass es losgeht.

Den Anfang macht ein besonderer Appetizer: Ein Einblick in das Designkonzept der Marke Mercedes. Dazu empfängt uns Klaus Frenzel, Leiter für Digital Graphic & Corporate Design, in einem Kinoraum des Kundencenters. Wir schauen zunächst einen Kurzfilm über das Werk und lauschen im Anschluss den Worten des UX-Designchefs.

Schnell wird klar, dass sich das Entwerfen eines Fahrzeugs kaum vom Kochen eines Gerichts unterscheidet. Designer wie Köche sind Künstler, die mit ihren Kreationen eine eigene Philosophie verfolgen. Bei Mercedes lautet sie „Hot & Cool“ – zwei einfache Worte mit der klaren Botschaft: Die Fahrt mit dem Auto soll ein Erlebnis sein. Ein Erlebnis, das Herz und Verstand anspricht. Das heiße Emotionen weckt und mit einem cleveren Bedienkonzept für den gewissen Coolness-Faktor sorgt.

Im Hauptgang: Das Mercedes-Benz Technology Center

Es folgt der eigentliche Gaumenschmaus: Wir fahren mit dem Bus in die heiligen Hallen des Werkes, in die Küche von Mercedes, den Zubereitungsort edler Fahrzeuge.

Erster Stopp ist das vor zwei Jahren eröffnete Technologiezentrum für Fahrzeugsicherheit (kurz TFS). Hier geht man wortwörtlich auf Konfrontationskurs. Mit jährlich rund 900 Crashtests, verteilt auf vier Crashbahnen. Die 90×90 Meter große Unfallhalle ist das Herzstück der Anlage.

Sie ist dank der verbauten Stahlträger unter der Decke komplett stützenfrei und somit bestens geeignet, um Kreuzungs – und Winkelcrashs realistisch nachzustellen. Dutzende Kameras sowie eine mobile Drohne zeichnen die Tests aus allen erdenklichen Winkeln auf. Auch die berühmten Crashtest-Dummies treffen wir im TFS an. Ihr Einsatz trägt erheblich dazu bei, Autofahren sicherer zu machen und im Ernstfall Leben zu retten. Die Gastronomen posieren für ein Foto mit den Puppen und treiben kleine Scherze.

Weiter geht es zum nächsten Gebäude, in das Windkanalzentrum. Hier geht es stürmisch zu! Unter anderem für Tests der Aerodynamik und der Aeroakustik. Wie ist der Luftwiderstand eines Mercedes? Ist das Fahrzeug besonders windschnittig? Und bleibt es auch bei hohen Geschwindigkeiten noch angenehm leise im Innenraum? – Solche Fragen klärt man an diesem Ort. Wir werden durch ein kellerartiges Gewölbe geführt, hin zu einem überdimensional hohen Raum.

Die Wand zu meiner Rechten schimmert in bronzener Farbe, eine Luftkühlungsanlage. Zu meiner Linken befinden sich senkrecht eingezogene raumhohe Lamellen, die sich zu einzelnen dunklen Gängen formieren. Ich taste mich durch einen dieser Gänge, treffe auf Licht und stehe plötzlich vor dem größten Stern bei Mercedes, einem riesigen Propeller von neun Metern Durchmesser.

An dieser Stelle wird also der Wind erzeugt! Ich erfahre, dass Geschwindigkeiten von 265km/h problemlos möglich sind. Das entspricht einem Hurrikan der Kategorie 5. Der blanke Wahnsinn!

Viel Zeit zum Staunen bleibt mir allerdings nicht, denn das nächste Schmankerl wartet bereits. So wechseln wir erneut das Gebäude und betreten einen Vortragsraum. Die gläserne Rückwand des Raumes lässt uns in eine große Halle blicken. Da steht er: Der Mercedes-Benz Fahrsimulator – eine große schwarze Kuppel, montiert auf einen elektrisch betriebenen Hexapod. Im Zentrum der Kuppel steht ein Fahrzeug.

Die Innenwände zeigen eine realistische Fahrumgebung mit einem 360 Grad Rundumblick. Dafür sorgen insgesamt acht Projektoren. Das ist besser als jede Playstation, denke ich mir, doch zum Zocken im heimischen Wohnzimmer wohl etwas zu groß. Besser so! Der Simulator ist schließlich nicht zum Spaß da, sondern zur intensiven Untersuchung des Fahrzeughandlings.

Mercedes-Benz konfrontiert dazu externe Testpersonen mit den verschiedensten Fahrszenarien. Wetterbedingungen, Lichtverhältnisse, Wind- und Motorengeräusche – alles wird perfekt simuliert. Damit können sich die Probanden besser in eine reale Fahrsituation hineinversetzen und repräsentatives Feedback zum Umgang mit den Testfahrzeugen geben.

Das Dessert: Mit Highspeed über die Einfahrbahn

Nach den vielen informativen sowie optischen Köstlichkeiten im Mercedes-Benz Technology Center setzen bereits die ersten Sättigungsgefühle ein. Doch wie bei jedem guten Menü darf ein Nachtisch natürlich nicht fehlen! So verlassen wir das Gebäude für Fahrsimulation, steigen in unseren blauen Bus und fahren einmal quer durch das Werk zur Einfahrbahn. Hier erwartet uns das absolute Highlight der gesamten Tour: 60 Minuten Testfahrt.

Die Atmosphäre dazu könnte kaum schöner sein: Der Tag neigt sich bereits dem Ende und wirft seine letzten Strahlen auf die Teststrecke. Wir betreten eine große Fahrzeughalle und staunen nicht schlecht. In zwei Reihen stehen Stoßstange an Stoßstange ausgewählte Fahrzeuge von Mercedes-Benz, sortiert nach den Segmenten „Sport“, „Luxury“ und „Offroad“.

Wir werden von neun Testfahrern begrüßt, allesamt Profis hinter dem Steuer. Jedes Gruppenmitglied sucht sich ein Fahrzeug aus oder steigt dort hinzu, wo sich noch ein Platz findet. Sieben Durchgänge werden gefahren, zwischendrin besteht die Möglichkeit, das Fahrzeug zu wechseln.

Ich lande als erstes in einem S 63 AMG 4Matic (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9,3 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 211 g/km*). Das Ausfahrtstor der Halle wird geöffnet. Die Sonne bricht mit ihrem Licht herein und lässt die Fahrzeuge im Abendrot glitzern. Motorengeräusche hallen durch die Box. Wir fahren nacheinander heraus, positionieren uns am Start und brettern los!

Die starke Beschleunigung presst mich in den Sitz. Eine Steilkurve lässt mich wissen, was G-Kräfte sind. Es kribbelt im Bauch. Das muss wohl jene Liebe sein, die auch ohne Essen durch den Magen geht. Zugegeben: Nach zwei Durchgängen wird es mir mit dieser Liebe etwas zu viel. Ich lege eine Pause ein, schnaufe kurz durch und warte in der Fahrzeughalle auf die nächste Runde.

Fünf Minuten später kommen die PS-Boliden der Reihe nach zurück. Es dröhnt in der Halle und riecht nach verbranntem Gummi. Bremsscheiben qualmen. Ich setze mich auf die Rückbank eines G 350 d Professional (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9,9 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 261 g/km*). Auf dem Beifahrersitz nimmt Sternekoch Nelson Müller Platz. Wir kommen gleich ins Gespräch und verabreden uns für ein Interview. Danach folgt eine holprige Fahrt über belgisches Pflaster.

Für meine letzte Fahrt setze ich mich in einen E 63 AMG (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9,1-8,8 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 207-199 g/km*). Mit mir im Auto zwei Schweizer Gastronomen. Der Testfahrer dreht einige schwungvolle Runden auf der Schnellbahn, biegt dann jedoch auf einen mit Pylonen abgesteckten Kurs ein. Das ESP ist aus. Es folgen drei Runden im Schleudergang. „Grandios, grandios!“ rufen meine Mitfahrer auf „Schwizerdütsch“. Mir hingegen schlägt die Liebe erneut auf den Magen.

Mit leichtem Schwindelgefühl spreche ich im Anschluss noch einmal mit Nelson Müller. Auf die Frage hin, was das Thema „Kochen“ denn mit der Fahrzeugentwicklung gemein hätte, greift Müller die Philosophie von Klaus Frenzel wieder auf:

„Die Designbotschaft ‚Hot & Cool‘ ist für mich sehr inspirierend und übertragbar auf das eigene Geschäft. Als Sternekoch versucht man sein Restaurant auch zu einer Marke zu machen. Da muss man auf der einen Seite emotionalisieren und auf der anderen Seite mit Sinn und Verstand kochen. Denn es geht immer noch ums Essen. Die Menschen sollen auch satt werden. Nichtsdestotrotz muss ein Restaurantbesuch ebenso ein Erlebnis sein.“

Bei Mercedes-Benz ist das nicht anders. Das Werk in Sindelfingen ist letztlich wie eine große Küche: Für ein perfektes Produkt werden Zutaten mit Bedacht ausgewählt, zusammengeführt und abgeschmeckt. Ein Fahrzeug muss nicht nur optisch überzeugen, sondern auch sicher, ökonomisch und benutzerfreundlich sein. Diese hohen Ansprüche und der damit verbundene Aufwand zeigen, dass Mercedes-Benz, bei aller positiven Emotionalität, im Fahrzeugbau Köpfchen beweist. Ganz so wie ein Koch bei seinen Mahlzeiten.

Mir jedenfalls hat es in der Sindelfinger Fahrzeugküche gemundet. Und auch den Gastronomen scheint es gefallen zu haben. Das verraten mir zumindest die strahlenden Gesichter. Ich bin mir sicher: Wer nicht bereits ein Fan der Marke Mercedes war, der ist spätestens nach dem heutigen Tag auf den Geschmack gekommen.


* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch“ neuer Personenkraftwagen entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.


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Paul Mehnert ist Werkstudent in der Unternehmenskommunikation von Daimler. Nach vier Runden auf der Sindelfinger Einfahrbahn hat er erfahren, dass Liebe auch ohne Essen durch den Magen gehen kann.

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