Toto Wolff: „Wir sind nur so gut wie jeder Einzelne.“

Toto Wolff hat als Teamchef von Mercedes-AMG Petronas Motorsport zuletzt mit seiner Mannschaft vier Doubles in Folge geholt. Wie er selbst hinter dem Lenkrad performt, haben wir in einem Interview auf der Rennstrecke getestet. Dabei haben wir uns mit ihm über den neuen F1-Wagen, Teamgeist und die größten Konkurrenten dieser Saison unterhalten.

Herr Wolff, wann haben Sie eigentlich das letzte Mal in einem Rennauto gesessen?

In meiner Jugend, viele Jahre, aber zuletzt konkurrenzfähig in 2008. Also ist das schon einige Zeit lang her.

Ok, muss ich mir Sorgen machen?

Immer.

Sie wohnen in der Schweiz. Da gibt es einen Bußgeld-Katalog. Wie viele Einträge haben Sie dort?

Auf der Straße benehme ich mich immer. Heutzutage kann man sich nicht mehr leisten, wenn man sofort mal den Führerschein verliert. Und gerade in der Schweiz sind sie da besonders streng. Da pass ich auf.

Das beruhigt mich zumindest ein bisschen. Sie haben den neuen Boliden vorgestellt. Was ist Ihrer Meinung nach die beste Innovation da drin?

Das Auto ist eine Evolution vom letzten Jahr und keine Revolution. Wir haben versucht, die Charakteristiken des Autos zu behalten, die es zum schnellsten Auto gemacht haben, aber gleichzeitig einige von den Schwächen auszumerzen. Ob uns das gelungen ist, werden wir sehen.

Das werden wir absolut sehen. Sie haben gesagt, das letzte Auto, das war so ein bisschen „’ne Diva“. Das heißt, Sie hoffen, dass das neue Auto ein bisschen ein weniger temperamentvolles Gefährt ist als das, in dem wir gerade sitzen (in einem E63 AMG (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9,1-8,8 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 207-199 g/km*). – Anm. D. Red.)?

Das hier ist ein super Auto. Das ist ein AMG, der muss temperamentvoll sein! Beim neuen Formel 1-Auto wollen wir gern die Ecken und Kanten ein bisschen abstumpfen, aber gleichzeitig nicht das Auto langsamer machen. Das Auto hat im letzten Jahr die meisten Pole Positions geholt und die meisten Rennen gewonnen. Also insofern soll es auch schnell bleiben.

Sie haben zuletzt vier Doubles in Serie geholt, was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Das Erfolgsgeheimnis sind die Leute, die dahinter stehen. Wir sind eine große Mannschaft – in Stuttgart, in Brackley und in Brixworth – und es ziehen alle an einem gemeinsamen Strang, mit einem gemeinsamen Ziel. Die Stärke dieses Teams sind alle Mitarbeiter.

Wenn wir hier so gemeinsam über die Rennstrecke brettern – wie neidisch sind Sie auf die Jungs, die noch jeden Tag fahren dürfen?

Gar nicht so neidisch, damit habe ich abgeschlossen. Ich glaube, dass die das auch besser machen als ich.

Ferrari hat heute auch sein neues Auto vorgestellt, haben Sie mal in den Livestream reingeschaut?

Leider noch nicht. Ich habe einen Kollegen gefragt mir zu sagen, wie es aussieht.

Und was hat er gesagt? Rot?

Genau.

Wie viel Angst haben Sie noch zu verlieren?

Die Angst vor dem Verlieren ist für mich größer als die Freude zum Gewinnen. Aber das ist normal. Man will seinen eigenen Erwartungen immer wieder gerecht werden. Und insofern ist die Angst des Verlierens immer da.

Was ist schwieriger: Weltmeister bleiben oder Weltmeister werden?

Beides ist schwierig. Den Level zu halten, ist eine Challenge; motiviert zu bleiben, die richtigen Ziele zu setzen. Aber gleichzeitig war natürlich die erste Erfolgssaison 2013 auch keine einfache Zeit.

Wie würden Sie ihren Autofahrstil beschreiben?

Immer schön kontrolliert.

Und wie würden Ihre Mitarbeiter Ihren Führungsstil beschreiben?

Ich hoffe auch kontrolliert. Emotional, aber nicht aufgeregt.

Das Auto hat sich weiterentwickelt in den vergangenen Jahren, die Technologie auch. Wie ist das mit Ihrem Team? Wie hat sich das weiter entwickelt?

Das Team muss sich immer weiterentwickeln. Das Regelwerk verändert sich ständig, also kann auch das Team nichts Statisches sein. Es verändern sich auch unsere Positionen, insofern ist das Team immer neu.

Wie schaffen Sie es, bei sich und im Team die Motivation hoch zu halten?

Indem man sich die richtigen Ziele setzt. Das ist wichtig, immer die richtigen Ziele zu haben, motiviert zu sein und etwas zu tun, das einen passioniert.
So wie das jetzt gerade.

Aber wirklich. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis seit 2013?

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass wir nur so gut sind, wie jeder einzelne Mitarbeiter, weil die Summe aller Leute unsere Performance ausmacht.

Was ist unser größer Konkurrent in diesem Jahr?

Unser größter Konkurrent werden die üblichen Verdächtigen sein: Red Bull und Ferrari, aber man darf natürlich die anderen Teams auch nicht unterschätzen. Renault und McLaren werden zu uns aufschließen. Williams und Force India können gute Ergebnisse erzielen. Also man darf, man muss alle ernst nehmen.

Wunderbar Herr Wolff, das war ein großer Spaß mit Ihnen. Vielen Dank, dass Sie mich für diese Spritztour mitgenommen haben. Ich mache mir wenig Sorgen über die kommende Saison. Ich glaube, Sie auch nicht und wir drücken alle fest die Daumen, dass es vielleicht wieder mit einem oder sogar mit beiden Titeln in dieser Saison klappt.


* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch“ neuer Personenkraftwagen entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.


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Toto Wolff ist seit 2013 Teamchef und Geschäftsführer von Mercedes-AMG Petronas Motorsport.

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