Feuerwehr-Spendenmarsch: Eine Lektion für’s Leben

Ende März habe ich euch hier auf dem Daimler-Blog schon mal über die Vorbereitungen auf den längsten Marsch unseres Lebens berichtet. Wir – drei Freunde mit einem Hang zu sportlichen Herausforderungen – haben uns vorgenommen, mit mehreren Feuerwehr-Kameraden innerhalb von 24 Stunden 100 Kilometer in voller Feuerwehr-Schutzausrüstung zu laufen.

Falls ihr euch jetzt die berechtigte Frage stellt: Warum will man sowas machen? Ganz einfach. Der Marsch wurde vom Feuerwehr-Verein „Firefighter Muscle“ zu Gunsten brandverletzter Kinder organisiert. Da ließen wir uns natürlich nicht lange bitten und waren dabei. In unserem zweiten Beitrag folgt jetzt der Bericht über den großen Tag

Kein Kaiserwetter

Der Wecker klingelte um 6 Uhr und riss mich in Waltershausen (Thüringen), von wo aus unser Marsch starten sollte, aus dem Schlaf. Nach dem Anziehen ging es zum Frühstück, die Jungs waren mit mir zeitgleich unten. Allerdings bekam ich kaum einen Bissen runter. Viel zu groß war meine Aufregung auf das bevorstehende Ereignis.

Geplant war, dass wir von der Feuerwache Waltershausen über die Feuerwehren der Gemeinden in einem großen Kreis laufen und am Ende wieder in Waltershausen ankommen. Das Wetter war nicht sehr schön – um genau zu sein war das Wetter eine Brühe zwischen Nebel und Dauerniesel.

Wir packten unsere sieben Sachen in den Mannschaftstransportwagen (MTW) und los ging‘s. An der Feuerwache angekommen meldeten wir uns an und bekamen, gemeinsam mit den anderen Kameraden, eine Streckeneinweisung.

Jetzt geht es los!

Dann bezogen wir in der Fahrzeughalle Aufstellung. Insgesamt waren wir 106 Starter. Ich blickte zu dem Tor der Fahrzeughalle hinaus und sah die ganzen Zuschauer, die genauso wie wir den Start herbeifieberten. Dann war es soweit. Ein lauter Knall gefolgt von einem Feuerwerk, das im Hof der Feuerwache gezündet wurde. Die Tore der Fahrzeughalle gingen auf und wir liefen hinaus.

Uns war bewusst, dass es jetzt darauf ankommt, Kontrolle über Körper und Geist zu halten, um so die 100 Kilometer schaffen zu können. Ihr fragt euch jetzt sicher, was das mit dem Geist zu tun hat. Wir mussten uns ab einem gewissen Punkt mit unseren Gedanken messen. Wer ist der Chef im Ring? Ich zähle die mentale Stärke zu einem unserer größten Talente. Und genau das mussten wir uns beweisen.

Der Veranstalter stellte es sich so vor, dass wir im kompletten Verband von 106 Feuerwehrleuten die ersten Feuerwachen gemeinsam anliefen. Für den Spendenzweck und das gemeinsame Auftreten war das die genau richtige Entscheidung. Im Hinblick auf den 24h Countdown allerdings etwas suboptimal, da wir bei 60 Kilometern schon eine Verspätung hatten. Dazu aber später mehr.

Inzwischen lagen die ersten zehn Kilometer hinter uns und die Stimmung war recht gut – wir machten Scherze und amüsierten uns. Nach einer Weile sagte Michael mit einem Grinsen:

Jungs! Den Halbmarathon haben wir hinter uns!

Ich schaute auf meine Uhr, die mir 22 Kilometer anzeigte.

Walk.Eat.Check.Repeat.

Die Zeit verging wie im Flug. Und der Ablauf war immer derselbe: Wir marschierten bis zur nächsten Feuerwache, dort angekommen legten wir unsere Ausrüstung ab, zogen Schuhe und Socken aus und schmierten unsere Füße mit Hirschtalk ein. Damit beugten wir Blasen an den Füßen vor. Die restliche Zeit nutzten wir zur Nahrungsaufnahme.

Untergrund und erste Schmerzen

Der Untergrund bestand zu 90 Prozent aus Asphalt, was das Vorankommen erleichterte. Allerdings waren auch Passagen dabei, bei denen wir über Feldwege und Wiesen gingen. Diese Abschnitte hatten den Vorteil, dass wir eine bessere Dämpfung hatten. Aber den Nachteil, dass sie sehr viel Kraft kosteten.

Der Regen hatte aus den Feldwegen Matschstraßen gemacht, bei denen sich meine rechte Patellasehne das erste Mal zu Wort meldete. Wir gingen circa bei Kilometer 45 über eine Wiese, die komplett unter Wasser stand. Was wiederum das nasse Aus für meine Trekking-Schuhe und Laufsocken bedeutete. Bei der nächsten Rast musste ich also auf meine Wanderstiefel und mein zweites Paar Socken zurückgreifen. Jochen und Michael hatten da mehr Glück, denn ihnen blieben in der Wiese nasse Füße erspart.

Kurz vor der Halbzeit!

Bei der Berufsfeuerwehr Gotha war es soweit. Wir waren kurz vor der Halbzeit. Seht mir bitte nach, wenn ich in diesem Bericht nicht die genauen Kilometerangaben habe. Bei so einem Lauf ist es nicht ratsam, auf die GPS-Uhr zu gucken :).

An Emotionen fehlte es beim Feuerwehrmarsch nicht: Der Veranstalter Michel Mallon hielt eine berührende Ansprache für den 10-jährigen Enrico, dessen Haut durch eine Verpuffung zu 45 Prozent verbrannt war. Dieser Moment war so bewegend, dass wohl jedem von uns die Tränen in die Augen stiegen.

Einen Donut und ein warmer Kaffee

Die gesamte Zeit über begleiteten uns MTWs für medizinische Unterstützung im Notfall und für den Transport für all diejenigen, die nicht mehr weitermarschieren konnten. Jochen, Michael und ich scherzten darüber, dass jeder, der aufgibt und einsteigt, mit einem warmen Kaffee und einem Donut versorgt wird. So wie es in einem Buch steht, das wir alle gelesen haben.

Mittlerweile war die Nacht herein gebrochen und die Gespräche verstummten. Jeder starrte nur noch auf den Boden und lief einen Schritt nach dem anderen. Mein Knie tat weh und das rechte Sprunggelenk gab meinem Gehirn das Signal:

Ich habe Schmerzen… sag diesem Dickkopf der soll aufhören und sich den Kaffee und den Donut holen!

Ich lief weiter. Inzwischen hatten wir 60 Kilometer passiert und der Helm sowie das Atemschutzgerät lasteten schwer auf unseren Körpern.

Mir schossen Gedanken durch den Kopf und ich hatte 1000 Gründe nicht aufzugeben. Ich erinnerte mich an all diejenigen, die uns prophezeit hatten, dass wir es eh nicht schaffen würden. Genau das war in diesem Moment unser Antrieb weiterzumachen… es denen zu zeigen!

Der Schlüssel zum Erfolg ist, wenn du einfach deinen Kopf abschaltest

Den Kopf abschalten. Und den Schmerz annehmen. Leichter gesagt als getan. Denn mein Gehirn meldete mir bei jedem Schritt, dass mein Sprunggelenk und Knie kurz vor dem Abbruch stehen. Aber genau das war der Punkt, an dem mir der Spendenmarsch eine Lektion für’s Leben erteilte: Es wird erst leichter, wenn du die Situation akzeptierst.

Ja, jeder Schritt schmerzt und nein, keine mentale Technik dieser Welt kann das ändern. Also hör einfach auf dich darüber zu ärgern und lauf weiter. Klingt esoterisch? Mag sein. Aber diese Lektion ist neben dem guten Zweck das Wichtigste, was ich aus diesem Marsch mitgenommen habe. Und tatsächlich lief ich nun wieder leichter.

77 Kilometer

Wir erreichten die 77 Kilometer. Die letzten 17 Kilometer hatte ich mich durchgequält und nun waren wir bei der nächsten Pause. Der Veranstalter trommelte die übrigen Teilnehmer zusammen. Er sagte uns, wir würden aufgrund des Zeitverlustes, den wir am Anfang erlitten haben, auf keinen Fall die 100 Kilometer in 24 Stunden schaffen. Alle einigten sich darauf, dass wir bis 80 Kilometer weiterlaufen, denn da lag die nächste Feuerwache und danach sollte es vorbei sein. Sprich, der Lauf würde dann abgebrochen werden.

Für mich war aber schon an diesem Punkt Schluss! Ich war zu erschöpft, um die letzten drei Kilometer zu laufen. Drei Kilometer hören sich nicht viel an, aber ich sage euch, wenn man 19 Stunden und 33 Minuten mit Feuerwehrausrüstung marschiert ist, kommen einem 3000 Meter wie eine Reise zum Mond vor.

Michael und Jochen hatten aber noch ausreichend Energie um die restlichen drei Kilometer zu marschieren. Sprich, sie machten die 80 voll! Ihr seid der Hammer!

Spenden

Die erlaufenen Spenden und Wegspenden belaufen sich laut Veranstalter auf 9.552 Euro. Dazu kommen die Online-Spenden. Insgesamt wurden 14.000 Euro eingenommen. Das waren der Einsatz und die Schmerzen wert. Echt super! :)

Thomas und Achim

Zum Schluss möchte ich nochmal unsere beiden Schutzpatron hervorheben. Ihr Job an diesem Tag war unverzichtbar und mindestens genau so schwer wie unserer, die wir auf der Strecke waren. Sie waren diejenigen, die unser Begleitfahrzeug von Feuerwache zu Feuerwache lenkten. Dort bereits auf uns warteten, um uns zu verpflegen, medizinisch zu versorgen und uns Mut zu zusprechen. Euren Einsatz an diesem Tag werden wir nicht vergessen. Ihr seid wahre Freunde!

Dieser Dank geht natürlich auch an meine beiden Mitläufer und an all die Kameraden, die mit uns diesen Weg gegangen sind. Ich hätte mir kein besseres Team für diese Aufgabe wünschen können. Und das ist dann vielleicht doch die dritte Lektion aus diesem Tag: Wie viel wir erreichen können, wenn wir die richtigen Menschen um uns haben und zusammenhalten.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
4.9 / 5 (273 Bewertungen)
Bitte warten...

Tags: , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Markus Götz betreut die Qualitätsplanung im Karosserierohbau bei der S-Klasse in Sindelfingen. Seine knappe Freizeit teilt er am liebsten zwischen Familie, Feuerwehr und Sport auf. Den Blog-Beitrag hat er zusammen mit seinen beiden Mitstreitern Jochen Kirn und Michael Rentschler geschrieben. Jochen Kirn arbeitet als Datacenter Architekt bei Daimler in Möhringen. Michael Rentschler arbeitet bei der Berufsfeuerwehr in Baden-Baden. Er engagiert sich in seiner Freizeit in der Freiwilligen Feuerwehr in der Ausbildung, schraubt an seinem Mercedes und hält sich mit Sport fit.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Kinderreporter: Mit Dieter Zetsche im Mercedes-Benz Museum

    Peter Valentin: Hallo Emma, ihr beide habt als Kinderreporter die letzten 2 Jahre richtig...

  2. Driven by EQ: Was können unsere elektrifizierten Alternativen?

    Michael Olejniczak: Sehr starker Artikel. Übersichtlich werden die unterschiedlichen Elektrifizierungslevel dargestellt. Ein Beitrag, der...

  3. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    Peter S.: Tolle Karriere, Frau Klasing und schöne Ratschläge für selbstbewusste Menschen oder die,...

  4. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    istanbul: Woow. Danke schön.

  5. 5 Denkanstöße, um authentisch erfolgreich zu sein

    Peter Valentin: Hallo Frau Klasing, herzlichen Glückwunsch zu Ihren Erfolgen. Ich habe da eine...