Social Day in der Diakonie: Ein unbekannter Pfad mit Wirkung

Als Community Commitment-Team gehört es unter anderem zu unseren Aufgaben, sogenannte „Social Days“ für unsere KollegInnen im Konzern zu planen. Dabei geht es darum, sich als Team im Rahmen eines Sozialprojekteinsatzes mal aus dem geschäftlichen Alltag in ein ganz anderes Umfeld zu begeben, um sich in neuen Rollen und Aufgaben kennen zu lernen.

Wesentlich ist hierbei jedoch, dass wir als Daimler-Mitarbeiter damit etwas Gutes bewegen. Um die Probe aufs Exempel zu machen, haben wir uns ins eigene Feld gewagt und selbst ein soziales Projekt durchgeführt. Unser Auftrag: einen Sinnespfad für die Bewohner der ‚Diakonie Stetten e.V.‘ anlegen und uns hierbei selbst auf einen unbekannten Pfad der unterschiedlichsten Sinneseindrücke begeben.

Die ersten Schritte

Es ist ein strahlender Herbsttag im Oktober. Wir, das sind die zehn Teammitglieder der Abteilung für Community Commitment, Volunteering & Memberships mit Hund Benni, kommen an einem Freitagmorgen in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung an, ohne zu wissen, was uns genau erwarten wird. Nach einer Fachklausur am Vortag wollen wir eine Corporate-Volunteering Aktion anschließen, denn zu diesen Einsätzen haben wir ja ein ganz besonderes Verhältnis.

Der Tag beginnt für uns mit einer Führung über das Gelände der Diakonie Stetten. Menschen mit unterschiedlich starken Beeinträchtigungen leben, arbeiten oder lernen hier gemeinsam. Es ist recht ruhig, nur ab und zu hört man Gelächter oder Rufe über das Gelände hallen. Bei unserer Tour begegnen uns auch schon die ersten jungen BewohnerInnen mit ihren Betreuungskräften.

An der Art und Weise, wie uns die Menschen begrüßen, kann man bereits erkennen, wie unterschiedlich die Ausprägung einer Behinderung sein kann. Die einen können uns nicht bewusst wahrnehmen, andere werfen uns schwer zu deutende Blicke zu und manche kommen freudig und interessiert auf uns zu und fragen: „Wer seid ihr denn?“

Kein 9to5-Job

Auf einer Treppe begegnet uns ein Betreuer, der einen jungen Autisten begleitet. Mit ruhiger Stimme weist er uns an, alle zur Seite zu treten: „Es ist wichtig für ihn, dass alles in seiner gewohnten Routine abläuft, ansonsten könnte ihn das sehr aus dem Konzept bringen.“ Er erklärt uns, dass es einen Menschen mit Autismus in seiner Entwicklung wieder zurückwerfen kann, wenn unerwartet sein Regelablauf unterbrochen wird.

Kann er also nicht den gewohnten Weg über die Treppe nehmen, weil wir im Weg stehen, ist das für uns zwar eine Kleinigkeit, für ihn jedoch nicht. Wie gut, dass sich der Betreuer genau mit den Bedürfnissen des jungen Mannes auskennt und ihn bei seiner Entwicklung unterstützen kann. Das Betreuungs- und Pflegepersonal gestaltet hier die Tage der BewohnerInnen so bedeutend und hat eine große Verantwortung. Das ist kein 9to5-Job, bei dem man einfach den PC ausmacht, nach Hause geht und die Arbeit ohne weiteres hinter sich lassen kann.

Wie wir im Laufe des Tages erfahren, werden manche Kinder mit stark ausgeprägter Behinderung bereits im Säuglingsalter in die Obhut der Diakonie gegeben. Es kommt vor, dass sie ihr ganzes Leben in der Einrichtung verbringen und teilweise nie Besuch von ihren Angehörigen bekommen. Uns wird dabei bewusster, welch Schicksal hinter manch jungem Menschen an diesem Ort stecken mag.

Für gewöhnlich haben wir im täglichen Arbeitsumfeld wenig Berührungspunkte zu behinderten Menschen und wenn doch, dann oftmals in kaum wahrnehmbaren Formen der Beeinträchtigung. Schritt für Schritt wenden wir uns an diesem Tag also nicht nur mit physischem Engagement, sondern auch mental dem Thema Behinderung zu.

Warmgelaufen

Doch bevor wir groß ins Grübeln kommen, heißt es anpacken! Unser Ziel für heute: Den veralteten Sinnespfad im Garten neu anlegen. Mit Heckenscheren, Schaufeln und Schubkarren ausgestattet machen wir uns an die Arbeit. Begleitet werden wir von drei Mitarbeitern der Einrichtung. Jeder sucht sich automatisch seine Aufgabe und wie von selbst wird aus dem schläfrigen Haufen ein geschäftiges Team, ein wuseliger Ameisenhaufen, wobei jeder schaut, wo er seine Talente am besten einbringen kann.

Im Rückblick scheint es wie ein kleines Wunder, dass wir diese Aufgabe ohne konkrete Planung und Strukturierung gemeistert haben. Hierarchien sind auf einmal Nebensache, Führung übernehmen die, die handwerkliche Erfahrung haben und die anderen lernen von ihnen. Die üblichen Strukturen des Teams werden für einen Tag über den Haufen geworfen. Was zählt ist die Fertigstellung des Pfades und dabei helfen alle mit ihren Fähigkeiten mit.

Nach wenigen Stunden können wir uns schon auf die Schultern klopfen und unser Werk mit Stolz betrachten. Die ersten Bewohner kommen vorbei und schauen neugierig, was wir da gemacht haben.

Fortschritte durch Rückblicke

Im Rückblick hat der Tag uns die Chance geboten, ganz neu mit dem Thema Beeinträchtigung umzugehen und jeder hatte die Gelegenheit, sein eigenes Bild hierüber nochmals zu hinterfragen. In späteren Gesprächen erfahren wir, dass es Teammitglieder gibt, die vor diesem Tag noch nie im Kontakt mit gehandicapten Menschen waren. So kam es natürlich dazu, dass wir unsere Komfortzone verlassen mussten und uns mutig auf dem neuen Pfad diesen besonderen Menschen angenähert haben.

Mit den BewohnerInnen in Kontakt zu kommen barg nämlich unerwartete Ereignisse. Eine Bewohnerin, die sehr neugierig auf uns war, sprach uns immer wieder an. Sie stellte sich sehr dicht zu uns hin und hielt immer den Blickkontakt. Unter den einzelnen Worten die sie sagen konnte war auch „Mama“. Da schießen einem schon viele Gedanken durch den Kopf: „Was sage ich jetzt zu ihr? Wie gehe ich mit dieser plötzlichen Nähe um? Was passiert wohl als nächstes?“

Diese und andere Erlebnisse haben bei uns einen bleibenden Eindruck interlassen. Nach fünf Monaten schauen wir nun gemeinsam nochmals zurück auf diesen Tag. Viele Fragen und Erinnerungen tauchen auf:

„Was mich besonders bei unserem Einsatz berührt hat ist die Erkenntnis, dass unsere Gesundheit beziehungsweise die unserer Familie nicht selbstverständlich ist, dass auch „Kleinigkeiten“ wie sprechen oder gehen nicht selbstverständlich, sondern sehr wertvoll sind.“

„Im Rückblick finde gut, was wir geleistet haben, wie herzlich wir aufgenommen wurden und mit welchem Einsatz die Menschen vor Ort dabei waren.“

Hemmschwellen überwinden und Hierarchien beiseitelegen

Daneben ebenso die Frage, ob unser Engagement für einen Tag uns und die Einrichtung nachhaltig verändert hat. Sind wir wirklich aus unserem alltäglichen Trott herausgekommen? Haben wir nicht eigentlich danach wieder das gemacht, was wir auch sonst immer tun? Projekte zu meistern gehört zu unseren täglichen Aufgaben, aber wenn es darum geht uns als Team mit unseren neuen Erlebnissen und inneren Regungen zu reflektieren, kommen wir schon ins Wanken. Um ehrlich zu sein, war das die schwerste Aufgabe.

Spaßbringende Betätigung an der frischen Luft, Hemmschwellen überwinden, Hierarchien beiseitelegen, erfolgreich ein sinnvolles Projekt meistern und dankbar sein für die eigenen Fähigkeiten. Diese zentralen Erinnerungen klingen für uns noch am deutlichsten nach. Wir hoffen auch in Zukunft vielen Mitarbeitern diese wertvolle Erfahrung ermöglichen zu können!

Als Impuls nehmen wir für unsere weitere Arbeit mit, den Teams nahezulegen, das Erlebte nochmals bewusst und gemeinsam zu reflektieren. Dies kann sowohl wertvoll für die persönliche Weiterentwicklung als auch für das Miteinander sein. So heißt es „Schritt für Schritt“ auch unseren Pfad weiter zu gehen sowie öfters mal nach links und rechts schauen, um damit die Perspektive zu wechseln. Vor allem aber blicken wir nach vorne und nehmen diese Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Sozialprojekteinsätze mit!


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Dieser Artikel wurde von Ulrike Löttker geschrieben. Sie ist im Bereich "Donations & Memberships Sachbearbeitung Spenden" tätig.

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