Ideenfabrik aus dem Inneren: Die 100 Millionen Challenge

Es war im September 1998 im Werk Düsseldorf, als ich für meinen ersten Tag bei Daimler durchs Drehkreuz gelaufen bin. Damals trug man noch Sakko, gelbe Krawatten oder Hosenanzüge – und in den Büros wurde geraucht.

Über 19 Jahre später stehe ich in einem ehemaligen Flugzeughangar der US-Airforce aus den fünfziger Jahren bei der „100 Millionen-Challenge“ – es geht um nicht weniger als die Frage, welche Idee das Zeug hat, die Mobilität von morgen mitzugestalten. Ein prominenter Verteter für diese Größenordnung wäre zum Beispiel car2go.

Wo Ideen gehört werden – die Innovationsplattform von Daimler

15 Teams stellen hier heute ihre Ideen für neue Geschäftsmodelle vor – „Pitch“ nennt sich das in der Business-Sprache. Die Daimler-Mitarbeiter kommen unter anderem aus Indien, der Türkei und Italien. Gute Ideen gibt es eben überall im Konzern – es gibt keine Grenzen wie Nationalitäten oder Fachbereiche. Bewertet werden sie von einer Jury aus Daimler-Experten, die genau wissen worauf es beim Aufbau von Start-ups und Digitalisierungs-Projekten ankommt.

Zuvor waren knapp 135.000 Beschäftigte aufgerufen, ihre Ideen auf einer internen Plattform von Digital Life einzureichen. Keine Idee wird im Kern als unsinnig verworfen und versackt in hierarchischen Strukturen. Im Gegenteil: Jede Idee ist einsehbar und kann von allen beurteilt werden.

Das Resultat waren beeindruckende 930 Ideen mit über 28.000 Bewertungen und 6000 Kommentaren. Die Ideen mit den meisten und besten Bewertungen werden heute auf der Bühne vorgestellt.

Innovation ist Teamsport

Gelbe Krawatten sucht man vergebens, heute tragen die meisten T-Shirts und Sneaker. Daimler will vom reinen Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister werden. Die Geschäftsfelder auf denen das geschehen soll, stehen bereits fest: Elektromobilität, Brennstoffzelle, Car-Sharing oder digitale Services – Zukunftsthemen eben.

Dementsprechend sind die Ideen genau auf diese Bereiche ausgerichtet. Gleichzeitig müssen sie für Daimler profitabel sein – sprich: Man muss sie zu einem funktionierenden Geschäftsmodell machen. Nach und nach hält jedes Team einen Vortrag und erklärt, was das Besondere der eigenen Idee ist.

Die Projekte heißen myKey, HoloDrome oder Swarm Trucks – und ich merke: Hier herrscht eine besondere Atmosphäre – das ist der Pioniergeist und die Kreativität, die wir uns bei Daimler wünschen. Innovation ist schließlich Teamsport.

Die Experten hören ganz genau hin, stellen den Kandidaten viele Fragen, machen sich Notizen und bewerten die Präsentationen. Der Siegeridee winkt eine mehrwöchige, intensive Prüfung im Lab1886 – dem Inkubator (oder altdeutsch: Gründerzentrum) der Daimler AG.

Das heißt, die Experten aus diesem Geschäftsbereich bewerten inwiefern die Idee überhaupt technisch umsetzbar ist. Basierend auf einem großen Erfahrungsschatz und Wissen über die Start-up-Szene, stellen sie außerdem Fragen wie: Kann man damit Geld verdienen und passt die Idee strategisch zur Daimler AG?

Dadurch ergibt sich ein realistisches Bild davon, wie viel Potenzial die Idee tatsächlich hat und ob es sich lohnt, daran festzuhalten. Am Ende sind es sechs Teams, die die Jury überzeugen konnten – sie haben es geschafft: ihre Ideen werden weiterverfolgt.

Jeder kann seinen Fußabdruck hinterlassen

Die Veranstaltung zeigt mir vor allem eins: Daimler hat sich in den 19 Jahren, die ich dort arbeite, extrem verändert. Und damit meine ich nicht nur den Kleidungsstil. Jeder hat die Möglichkeit, seinen Fußabdruck zu hinterlassen, seine Kreativität auszuleben – und so dazu beitragen, dass das Unternehmen erfolgreich bleibt.

Es freut mich, dass sich Schritt für Schritt eine Mentalität durchsetzt, in der Ideen gehört werden – ganz gleich ob sie von einem Sachbearbeiter oder vom Top-Management stammen.

Mit dem Lab1886 haben wir heute ein Instrument, das konsequent den Weg von der Idee, über die Validierung, bis hin zum fertigen Geschäftsmodell begleitet. Eine Zukunftsinitiative oder ein Labor für Digitalisierung haben mittlerweile viele Unternehmen. Das besondere bei uns ist, dass wir die Ideen nicht nur finden, sondern auch bewerten, ausarbeiten und schließlich vermarkten.

Wir sind die ganze Zeit über so unabhängig und agil wie ein Start-up. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit den Fachbereichen aus dem Konzern zusammen – und können auf Erfahrungswerte und Expertenwissen zurückgreifen.

So vereinen wir das Beste aus beiden Welten. Das ist in der Branche und darüber hinaus nicht selbstverständlich. Oder wie einer der Teilnehmer zu mir sagte: „Das gab es bisher bei Daimler noch nie!“


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Ralf Glaser hat sein Studium beim Daimler absolviert und ist seit 19 Jahren im Konzern. Er war bereits Pressesprecher für Mercedes-Benz Motorsport und hat die Kommunikation bei Mercedes-Benz Classic geleitet. Heute ist er als Lead für Marketing & Communications im Lab1886 verantwortlich.

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