Selamat datang: Studieren auf Bali

„Auf Bali studieren? Das ist doch bestimmt nur Urlaub!“ Es gab wenige Menschen, von denen ich diesen Satz nicht gehört habe, bevor es für mich im vergangenen Jahr ein zweites Mal nach Asien ging.

Ich bin Susanna Obieglo, duale Studentin für Wirtschaftsingenieurwesen bei EvoBus in Neu-Ulm. Bereits im April habe ich den Sprung in eine unbekannte Welt gewagt und bin für meine dritte Praxisphase nach Chennai, Indien, gegangen.

Vorbereitung

Da Daimler uns die Möglichkeit bietet, nicht nur einen Praxiseinsatz, sondern auch eine Theoriephase im Ausland zu absolvieren, war schon lange klar, dass Indien nicht der einzige Auslandsaufenthalt innerhalb des Studiums werden sollte.

Zusammen mit drei anderen Studenten aus meiner Hochschule haben wir uns dazu entschieden, das fünfte Theoriesemester an der Udayana University in Denpasar, Indonesien zu absolvieren.

Wie schon eingangs erwähnt, haben viele die Ernsthaftigkeit meines Auslandssemesters angezweifelt. Kaum einer hatte damit gerechnet, dass es auf der Urlaubsinsel Bali eine Uni gibt, geschweige denn, dass man dort sinnvoll studieren kann.

Nun ging die Vorbereitung los: Anmeldung für das Programm IBSN (International Business Studies Network), Flüge buchen, Unterkunft mieten, Reisepass und Visum beantragen. Anfang September dann war es endlich so weit: Auf nach Bali!

Die (kurze) Eingewöhnung

Circa 28 Stunden nachdem ich die Haustür in Deutschland hinter mir zugeschlagen hatte, landete der Flieger in Denpasar, was bis zum Ende des Jahres mein neues Zuhause werden sollte.

Von angenehmen Temperaturen zur Mittagszeit überrascht, empfand ich auch den Verkehr im Vergleich zu Indien sehr überschaubar. Überhaupt ist es auf Bali erstaunlich grün, überall gibt es Palmen, Reisfelder, Kokosplantagen…

Schon zu Beginn war klar: Was den touristischen Süden total angenehm macht, ist die Infrastruktur. Überall gibt es Geldautomaten, Restaurants und sogenannte „Warungs“ (lokale Imbisse). Auch Supermärkte gibt es an jeder Ecke. So haben wir uns binnen weniger Stunden schnell einleben können.

Die lokalen Gerichte Nasi Goreng und Mie Goreng standen mehrmals wöchentlich auf der Speisekarte, Maiskolben gab es an jedem zweiten Stand auf der Straße und auch sonst waren alle Küchen dieser Welt vertreten. Die Luft war durchdrungen von den Gewürzen ganz Asiens.

Auch was die Kleidung anging, haben wir uns alle ein Stück weit angepasst und so war der Sarong, ein Wickelrock, mein ständiger Begleiter, der auch bei den Besuchen der Tempel zum Einsatz kam.

Das wichtigste Fortbewegungsmittel auf Bali ist der Roller und so legten auch wir uns welche zu. Nach wenigen Tagen haben wir uns dem Straßenverkehr gewachsen gefühlt und sind meistens auf Zweirädern unterwegs gewesen. So konnten wir immer zwischen den Autos hindurch fahren und an der Ampel so weit nach vorne, wie es die anderen Rollerfahrer vor uns zuließen.

In Flip-Flops aber erschien der Verkehr nochmal ganz anders als im Auto. Regeln gibt es hier keine und Schulterblicke werden ohnehin überbewertet. So kam es in den vier Monaten auf der Urlaubsinsel doch zum einen oder anderen Unfall. Entweder, weil wir selbst einen Moment nicht aufmerksam waren, wir uns nicht an die nicht vorhandenen Regeln gehalten haben, oder, wie in meinem Fall, das Schlagloch doch so groß war, dass der komplette Roller einfach wegrutschte.

Tragische Folgen hatten die Unfälle für uns Studenten aber zum Glück nie.

Das Leben an der Uni

Nach einer kurzen Zeit der Akklimatisierung ging es auch direkt zum ersten Tag an die Uni. Eine gute halbe Stunde entfernt von unserer Unterkunft, weiter Richtung Süden, lag der Campus. Ein Stück abseits unserer einheimischen Kommilitonen waren wir, 200 deutsche Studierende, in einem eigenen Gebäude untergebracht, daneben jeweils ein Gebäude für zwei weitere Studienprogramme.

Während der erste Tag der Organisation und Information diente, wussten wir schon grob, was uns erwarten würde: Vorlesungen, Vorträge und Exkursionen standen auf dem Programm.

Zu den Vorlesungen gehörten Finance and Investment, Marketing, Business, Entrepreneurship and Innovation, Cross Culture, South East Asia Economy und auch Indonesisch, alles unterrichtet von Indonesiern – die Unterrichtssprache war aber grundsätzlich Englisch.

Die Unterschiede zu den Vorlesungen in Deutschland sind enorm: Während sich die Professoren und Dozenten in Deutschland oft vor die Studenten stellen und ihre Folien vorlesen, wird in Bali viel mehr Wert auf selbstständiges Erarbeiten von Inhalten und Gruppenarbeiten, sowie regelmäßigen Präsentationen durch die Studierenden selbst gelegt.

Wir arbeiteten also kontinuierlich vertiefend an einem Thema. Jede Woche insgesamt mindestens 10 bis 15 handgeschriebene Seiten abzugeben, hat mich doch sehr an meine Schulzeit erinnert.

Also erstmal eine Umstellung. Ebenso ungewohnt war es, dass sich, aus dieser Art des Lernens heraus, die Noten aus vielen Teilnoten, wie auch Zwischenprüfungen, zusammensetzen. In Deutschland zählt immer nur die Note der Endklausur.

Mittwochs gab es jede Woche einen Vortrag, der uns beispielsweise über lokale Bräuche, tropische Krankheiten oder die Aufgaben eines Hotelmanagers informierte.

Donnerstags fanden meist die von der Universität organisierten Exkursionen statt: Ausflüge in Museen, der Besuch einer Luwak-Kaffeeplantage oder die Mitarbeit in einer Grundschule in einem balinesischen Dorf standen dann auf dem Programm.

Das Leben außerhalb der Uni

Da die Vorlesungen an der Uni, anders als in Deutschland üblich, zeitlich wesentlich kürzer sind, hatten wir auch unter der Woche gelegentlich Zeit, die Strände und das Meer zu genießen, oder für kurze Ausflüge. Surfen und Tauchen konnten wir fest in unsere Planung aufnehmen und ich habe hierbei ein neues Hobby entdecken dürfen, das ich nun weiter pflegen werde.

An den Wochenenden ging es dann weiter ins Landesinnere. Ubud beeindruckte mit seinem Affenwald und einem balinesischen Kochkurs. In Lovina, (ganz im Norden) waren wir sogar auf einer typisch balinesischen Hochzeit eingeladen. Unterwegs konnte man immer an dem einen oder anderen Wasserfall anhalten oder die Rollerfahrt durch die Reisfelder genießen.

Reisfelder auf Bali

Bevor der Gunung Agung (indonesisch für „Vulkan Agung“) zu brodeln begann und das umliegende Gebiet evakuiert wurde, war es uns sogar möglich, ihn nachts zu besteigen und von dort aus den traumhaften Sonnenaufgang zu genießen.

Mit Beginn der Regenzeit im November veränderte sich das Leben auf Bali schlagartig. Von einer Minute zur anderen fiel stundenlang sehr starker Regen, wie wir ihn aus Europa nicht kennen.

Das tat dem Roller als beliebtestes Transportmittel aber keinen Abbruch. Von nun an sah man Balinesen mit Müllsäcken, in die sie Löcher für Kopf und Arme geschnitten hatten, durch die Straßen fahren. Unsere Reiseambitionen hingegen gingen ein wenig zurück, was uns aber nicht daran hinderte, mit dem Speedboat auf die Gili Inseln oder nach Lombok zufahren.

Gerne habe ich die Gelegenheit genutzt, da ich ja ohnehin schon im fernen Asien war und hier das Reisen sehr günstig ist, weitere Orte auf der anderen Seites des Globusses kennenzulernen, zum Beispiel Malaysia, Singapur oder Tokio.

Fazit nach meiner Zeit auf Bali

Egal, wohin ich reiste, traf ich immer auf freundliche und herzliche Menschen, die in ihrem eigenen Rhythmus und Gleichmut den Hinduismus tatsächlich leben. Aber auch wenn das Leben auf den ersten Blick auf einer der schönsten Inseln der Welt einfach und wie Urlaub zu sein scheint, stellen sich einem jeden Tag neue Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

Ich selbst habe in diesem Semester auf Bali sowie im Frühjahr in Chennai die wohl größte persönliche Entwicklung innerhalb eines Jahres durchleben dürfen. Ich bin sehr dankbar für die Chance, diese Erfahrung im Rahmen des Studiums gemacht haben zu dürfen.

 


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Susanna Obieglo ist seit 2015 Studentin der EvoBus GmbH im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen.

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