Daimler auf der SXSW und die große Frage nach dem Warum!

Sonnige Grüße aus der Hauptstadt Texas, wo ja bekanntlich alles ein wenig anders ist. Wer hier gleich an Dallas und die Abenteuer der Ewing-Familie denkt, die auf dem „Südgabelhof“ dem bemitleidenswerten Cliff Barnes immer wieder zur Weißglut trieb, liegt aber völlig falsch.

Austin, das fühlt sich irgendwie so gar nicht nach dem Lonestar State mit seiner Cowboy-Romantik an. Die Stadt mit knapp einer Million Einwohner ist sowas wie der Gegenentwurf zu den Metropolen wie Houston und Dallas.

Großstadtromantik

Während Banken und Ölfirmen in Dallas die Skyline fundamental mitgestaltet haben und wir in Houston sofort an die berühmten Worte „we have a problem“ der Apollo 13 Mission denkt, so ist Austin sowas wie ein „Schatten“ Silicon-Valley. Firmen wie AMD und ARM siedelten sich hier zum Teil schon Ende der 70er Jahre an und produzierten Chips.

Angezogen von einer der größten Forschungseinrichtungen des Landes (die „University of Texas at Austin“ liegt bei den Einschreibungen auf Platz 8 innerhalb der USA), wurde hier schon sehr schnell das Fundament für einen Wirtschaftszweig gelegt, den man eigentlich eher in den Bereich der Bay Area rund um San Francisco vermuten würde.

Ja, Austin hat sich bereits recht früh von Öl und Viehzucht emanzipiert, wobei das nicht heißen soll, dass es hier nicht noch immer sensationelle BBQ-Läden gibt. Kleine Anmerkung am Rande für Nostalgiker: „Sam’s BBQ“. Ein besseres Schrebergartenhäuschen, welches die Portionen nach Pfund abrechnet, mit allerlei Fotos von Celebrities tapeziert ist und wovor auch schon mal klassisch Cowboys mit ihren Pferden „parken“.

Wo Twitter seinen Durchbruch erlebte

Genug der Romantik, denn letztendlich sind wir ja nicht nur zum Spaß hier, oder? Stop… falsch! Die „Southby“ macht Spaß und zwar ganz gewaltig. Es spricht nichts dagegen, technologischen Entwicklungen mit einer ähnlichen Leidenschaft zu begegnen, wie dem lokalen Fußballverein, bei dem man schon als kleines Kind in der Kurve stand und trotz aller Chancenlosigkeit jedes Jahr auf eine wohl nicht mögliche Meisterschaft hofft.

Es ist diese „Wir verändern die Welt“-Mentalität und dieses „niemals aufgeben“-Mantra, welches die US-Startup Szene seit jeher ausmacht und das kann man in Austin in diesen verrückten SXSW-Tagen intensiver erleben, als irgendwo sonst auf diesem Planeten.

Um es auf den Punkt zu bringen (ja, ich weiß das Beispiel ist verdammt abgedroschen, aber es passt einfach so gut): hier erlebte Twitter seinen Durchbruch!

Die neue Nachdenklichkeit

Dennoch, irgendwas ist anders dieses Jahr. Das South by Southwest-Festival fühlt sich erwachsener und nachdenklicher an. Klar, euphorische Pitches von jungen Gründern die darauf hoffen, dass sie hier Investoren gewinnen können, die gibt es immer noch… aber ich wurde das Gefühl nicht mehr los, dass eine neue Nachdenklichkeit Einzug gehalten hat.

Es scheint, als hätte die Branche die stürmischen Aufbruchjahre hinter sich gelassen. Mehr „Warum“ und Verantwortungsbewusstsein herrschen vor.

Vor allen Dingen die sozialen Netzwerke stehen im Fokus. Ist es überhaupt noch moralisch vertretbar, die potenzielle Verweildauer der User bis auf die letzte Sekunden auszuquetschen und wohin führt dies alles?

Sind wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, wenn wir Plattformen zur Verfügung stellen, die leider nicht immer nur für den direkten Austausch von persönlichen Anmerkungen oder ganz profanen Urlaubsfotos genutzt werden? Und wenn wir dies wissen, wie sehen die mittel- und langfristigen Auswirkungen aus, bzw. was tun wir dagegen?

Derartige Diskussionen schienen mir in den vergangenen Jahren so gut wie gar nicht vorhanden zu sein, oder ich habe sie einfach nicht wahrgenommen. Wobei mir diese Stimmung auch von einigen, ganz persönlichen Freunden und langjährigen Festival-Besuchern bestätigt wurde.

Und ich muss sagen, dass ich dies auch für mich bestätigen kann: Nach nun mehr als 10 Jahren auf Facebook, Twitter und YouTube spüre ich eine gewisse Müdigkeit, die immer gleich banalen Fotos und Erlebnisse zu teilen.

Irgendwann hat man mal erkannt, dass irgendwie ja auch alle Strände auf dem Prinzip Sand und Wasser beruhen und Städte letztendlich aus Asphalt und Beton zusammengeklöppelt werden.

Ich will hier nicht das Fass nach dem Sinn des Lebens aufmachen und die großen philosophischen Debatten fanden auch in diesem Jahr nicht in Texas statt, aber es fühlt sich alles irgendwie ein wenig ernster an. Die Nachhaltigkeit des eigenen Handelns wird viel umfangreicher und intensiver hinterfragt.

Und der Daimler?

Nein, ich habe unseren Auftritt hier alles andere als vergessen. Der Palm Park, nicht weit vom Zentrum Austins entfernt, zeigt wohin die Reise geht. Die von Mercedes-Benz in Kooperation mit der SXSW durchgeführte me convention hat bereits auf der letztjährigen IAA einen überaus eindrucksvollen Auftritt gehabt.

Das Motto „Create the New“ zeigt einmal mehr, wie sehr wir uns wandeln. Nicht die Marke steht im Vordergrund, sondern der User und die Community.

Das kommt auch in Austin so rüber, wo man neben täglichen Panels, viele Chill-Out Zonen (ich bin immer wieder begeistert, wie gut simple Schaukeln funktionieren) und diverse Erlebnis-Pavillons eingerichtet hat.

Mit Blacklane, car2go, moovel und smart geben wir hier einen Überblick auf den Wandel des Gesamtkonzerns. Weg vom klassischen Automobilhersteller, hin zum Mobilitätsdienstleister.

Und irgendwie hat das ja auch mit der Frage nach dem „Warum“ zu tun. Lässt sich individuelle Mobilität nur mit dem Kauf eines PKW sicherstellen? Oder schließen wir damit nicht eine neue, immer stärker wachsende Zielgruppe in einem urbanen Umfeld aus?

„The future is unwritten“ hat einmal der legendäre Sänger, Joe Strummer von The Clash gesagt. Recht hatte er und genau deshalb haben wir auch alle Bleistifte, Kugelschreiber und Tastaturen mitgebracht, um die leeren Seiten zu füllen und genau diese Zukunft mit zu definieren.


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Dieser Artikel wurde von Sascha Pallenberg geschrieben. Er hat zum 01.02.2017 die neu geschaffene Funktion „Leiter Digital Content“ innerhalb des Kommunikationsbereichs übernommen und bereitet als erfahrener Online-Redakteur insbesondere Inhalte an der Schnittstelle zwischen Auto- und IT-Industrie für Daimler Online-Medien auf.

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