EQC: Härtetest am Polarkreis

Im Winter klirrende Kälte in Lappland, im Sommer brütende Hitze in Phoenix/USA. Zwischendurch Testfahrten im Frühjahr oder Herbst durch den Schwarzwald oder über die Schwäbische Alb: Klar, als Tester kommt man in der Welt herum.

Mit der Zeit entwickelt man selbst für solche für Mensch und Maschine extrem strapaziösen Tests viel Routine – vor allem beim Packen. Oft werde ich gefragt, welche Kleidung und Funktionstextilien ich mitnehme, wenn es z.B. nach Nordschweden zur Wintererprobung geht. So wie diesen Januar mit dem neuen EQC, dem ersten Elektroauto unserer neuen Produkt- und Technologiemarke EQ von Mercedes-Benz. Warme und dicke Kleidung – sollte man denken. Doch diese Testfahrt zeigte mir, dass die Gleichung „Lappland = Schneeanzug“ zwar auf der Hand liegt, aber nicht zwingend richtig sein muss.

 

Aufwärmen mit den Testfahrzeugen

Mit minus 34 Grad Celsius war es diesmal selbst für schwedische Verhältnisse sehr kalt und der Schnee lag so meterhoch, wie schon lange nicht mehr. Doch richtig kalt wurde uns nicht, weil wir zwei ganz besonders spannende Fahrzeuge prüfen durften:

Neben sieben Prototypen des EQC hatten wir auch ein Vorserienmodell des GLC F-CELL dabei, der im vergangenen Jahr auf der IAA vorgestellt wurde. Wie jedes neue Modell von Mercedes-Benz müssen auch die Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge die Feuerprobe auf dem Eis bestehen.

Beide Fahrzeuge zauberten uns ein breites Grinsen aufs Gesicht und viel adrenalin-getünchte Wärme in unsere Adern: Mit den dynamischen Elektromotoren und dem variablen Allradantrieb des EQC macht Driften auf den zugefrorenen Seen riesig Spaß. Und das Adrenalin beim Testen wärmt von innen!

Wie Sie hören, hören Sie nichts

Ganz ungewohnt dabei ist die andere Geräuschkulisse: Anders als bei Autos mit Verbrennungsmotoren ist vom Antrieb ja kaum etwas zu hören. Da spitzt man die Ohren und nimmt den knirschenden Schnee unter den Reifen beim eiskalten Start noch unmittelbarer wahr.

Draußen eisig, innen mollig: Dank der elektrischen Heizung wird es im EQC und GLC F-CELL viel schneller warm, als in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Wie schnell, das herauszufinden gehört auch zu unseren Aufgaben. Insgesamt umfasst unser Versuchsprogramm für ein neues Modell über 500 Einzeltests. Bei Elektroautos wie dem GLC F-CELL und EQC kommen noch etliche spezielle Tests hinzu.

Dabei erproben wir zum Beispiel, wie ein EQC beim Kaltstart und mit durchgekühlter Batterie beschleunigt. Oder welchen Einfluss klirrende Kälte auf die Reichweite der Elektrofahrzeuge im realen Fahrbetrieb hat. Getestet wird wie das Fahrzeug funktioniert, also wie das Zusammenspiel der einzelnen Systeme/Steuergeräte im Hinblick auf Fahren mit Steuerung Allradantrieb und Verzögerung unter den verschiedenen Bedingungen funktioniert.

Hinzu kommt die Abstimmung der Fahrdynamik: ESP beispielsweise verlangt in Kombination mit den drehmomentstarken Elektromotoren ganz eigene Regelstrategie

Auf Herz und Nieren geprüft

Neben dem Zusammenspiel zwischen Brennstoffzelle und Hochvoltbatterie wollen wir beim GLC F-CELL unter anderem wissen, wie sich die karbonfaserummantelten Wasserstofftanks unter extremen Bedingungen bewähren. Und: Wie die Ventile bei Kälte schalten.

Wichtig ist natürlich auch das Handling von Ladekabeln. Um das Ladeverhalten testen zu können, haben wir im Testzentrum in Arjeplog sämtliche Ladeanschlüsse zur Verfügung. Von der einfachen Haushaltssteckdose über AC-Wallbox bis zu DC-Ladern. Mit verschiedenen Ladeprofilen versuchen wir, die unterschiedlichen Kundengruppen und ihr Ladeverhalten abzubilden.

Denn auch, wenn sich im Klimakanal in Sindelfingen auf Knopfdruck Kälte simulieren lässt: Naturgemäß realistischer ist der Winter nun mal in Nordschweden. Mit Schnee und plötzlichem Sturm. Beim sogenannten „Bodycheck“, bei dem wir überprüfen, ob alle mechanischen Funktionen noch gegeben sind, geht es morgens erst mal rund ums Auto. Und bevor es mich bei diesem Rundgang dann doch mal kalt erwischt – packe ich weiterhin den dicken Schnee-Anzug ein.


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Wenn Patrick Stolz nicht gerade für Daimler bloggt, arbeitet er als Versuchsingenieur. Der EQC macht ihm persönlich jede Menge Spaß und er schätzt daran, dass er lokal emmisionsfrei fährt und dabei sehr futuristisch aussieht.

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